Laufende oder in Vorbereitung befindliche Projekte

Aktuelle Projekte Versorgungsforschung

Auf dieser Seite stellen wir aktuelle Versorgungsforschungsprojekte vor, die an, mit und für zertifizierte Krebszentren durchgeführt werden. Die Projekte sind in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet.

CARES

Jahr für Jahr erhalten rund 500.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Krebs. Rund 35 Prozent aller Krebserkrankungen treten im erwerbsfähigen Alter auf. Von den Betroffenen sehen über 20 Prozent nach Abschluss ihrer Rehabilitation weiteren Unterstützungsbedarf hinsichtlich ihrer beruflichen Wiedereingliederung. Dieser Unterstützungsbedarf bleibt bei vielen Betroffenen auch Monate nach Abschluss der Rehabilitation bestehen. Krebsberatungsstellen können eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit oder des Verbleibs im Beruf übernehmen. Das Ziel der von „CARES: Cancer rehabilitation support by cancer counseling center” ist es daher, eine intensivierte Begleitung zur Unterstützung der Rückkehr in die Erwerbstätigkeit oder des Verbleibs im Beruf von Patient*innen mit fraglicher Wiedereingliederungsprognose durch Berufslots*innen in Krebsberatungsstellen zu entwickeln und deren Machbarkeit zu untersuchen.

Beteiligte Einrichtungen
Forschungsstelle für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung, Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie; Centrum für Integrierte Onkologie (CIO) Köln Bonn, Universitätsklinikum Bonn AöR
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante psychosoziale Krebsberatung e.V. (BAK)
Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen (DVSG)
Arbeitsgemeinschaft für Soziale Arbeit in der Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft (ASO)
Leben nach Krebs e.V.

Förderer
Deutsche Rentenversicherung Bund

Laufzeit
Oktober 2021 – Dezember 2023

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner*innen
Clara Breidenbach
PD Dr. Christoph Kowalski

CraNE – Arbeitspaket 8, Aufgabe 4

Im Oktober 2022 hat die Joint Action „Creation of National Comprehensive Cancer Centres and EU-Networking“ (CraNE) als Nachfolge der 2021 beendeten Joint Action iPAAC begonnen. Ziel von CraNE ist es, ein EU-weites Netzwerk von anerkannten Comprehensive Cancer Centres (CCC ‒ onkologische Spitzenzentren) aufzubauen sowie sogenannte „Comprehensive Cancer Infrastructures“ (CCI) zu etablieren. Diese sollen gewährleisten, dass 90 Prozent der europäischen Krebspatient*innen Zugang zu hochwertiger, qualitätsgesicherter onkologischer Versorgung haben. Die DKG wird im Projekt die Leitung des Arbeitspakets 6 „Organization of High-Quality Cancer Care in Comprehensive Cancer CARRE Networks (CCCN)“  übernehmen sowie sich am Arbeitspaket 8 „Equitable access to high-quality care and research: networks in the context of CCCs“ beteiligen. Im Arbeitspaket 6 wird die Arbeitsgruppe mit Vertreter*innen aus 35 Mitgliedsorganisationen aus 21 Mitgliedsstaaten in den nächsten 2 Jahren Empfehlungen am Beispiel der Lungenkrebszentren erarbeiten und pilotieren, um den Zugang zu qualitätsgesicherter onkologischer Versorgung in allen Mitgliedsstaaten auf- und auszubauen. Weiterhin werden in der Arbeitsgruppe Schnittstellen zwischen Versorgung und Forschung bzw. CCCs und CCCNs definiert und aufgebaut.

Im Arbeitspaket 8 wird bewertet, wie die CCCs die Krebsversorgung in der realen Welt der Gesundheitssysteme auf regionaler und lokaler Ebene organisieren. Dabei werden der Einsatz von molekularen Tumorboards, die Möglichkeiten der Umsetzung von Forschung in den Netzwerken, Survivorship im Zusammenhang mit der Nachsorge und der Rückkehr an den Arbeitsplatz sowie die potenzielle Nutzung von Daten aus der realen Welt bewertet. In Aufgabe 4, von der DKG geleitet, sollen die Risikofaktoren im Zusammenhang mit der Rückkehr ins Berufsleben nach Krebs sowie die Zeitpunkte, an denen diese Faktoren von den Netzwerken adressiert werden könnten, identifiziert werden. Dies wird insbesondere durch eine systematische Literaturrecherche umgesetzt.

Beteiligte Einrichtungen in Arbeitspaket 8
Leitung: Catalan Institute of Oncology (ICO)
1st YPE
French National Cancer Institute –Institut national du cancer (INCa)
IDIVAL
Deutsche Krebshilfe
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
National Institute of Public Health National Institute of Hygiene – National Research Institute, Poland (NIZP-PZHI)
Oncology Institute „Prof. Dr. Ion Chiricuta“ Cluj – Napoca, Romania (IOCN)
Organisation of European Cancer Institutes (OECI)
Oslo University Hospital (OUS)
UNICANCER

Förderer
Co-funded by the Health Programme of the European Union

Laufzeit
Oktober 2022 – Oktober 2024

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner*innen
Sophie Schellack
PD Dr. Christoph Kowalski
Clara Breidenbach

DigiNet

Personalisierte Krebstherapien gewinnen in der Therapie aller Krebserkrankungen an Bedeutung, insbesondere bei den nicht-kleinzelligen Lungenkarzinomen (NSCLC), die rund 85 Prozent aller neuen Lungenkrebs-Diagnosen repräsentieren und die Liste der häufigsten Krebstodesursachen anführen. Um mit personalisierten Medikamenten behandeln zu können, ist eine molekulare Tumordiagnostik unter Einsatz neuer DNA- und RNA-Sequenziertechnologie, eine kompetente Interpretation der Befunde sowie Erfahrung mit der Durchführung molekular gesteuerter Therapien notwendig. Unter diesen Voraussetzungen können mit personalisierten Therapien substantielle Verlängerungen des Überlebens bei gleichzeitig besserer Verträglichkeit erzielt werden.

Das Projekt DigiNet baut auf den Vorarbeiten des nationalen Netzwerks Genomische Medizin (nNGM) Lungenkrebs auf, in dem beispielhaft in ausgewählten Netzwerkzentren, darunter onkologische Spitzenzentren, eine deutschlandweit harmonisierte und qualitätsgesicherte molekulare Komplexdiagnostik, Beratung und klinische Information auf Basis von Selektivverträgen nach § 140a SGB V durchgeführt wird. Ziel von DigiNet ist es nun, ein digitales Steuerungsinstrument zu entwickeln, das die Umsetzung molekular gesteuerter Therapien über den gesamten Krankheitsverlauf abbildet und in der Breite der Versorgung die Vernetzung aller beteiligten Behandlungspartner unter Einbeziehung der Patient*innen ermöglicht. Das Projekt wird in zwei Modellregionen (West: NRW, Ost: Berlin und Sachsen) umgesetzt.

Beteiligte Einrichtungen
Uniklinik Köln
Universitätsmedizin Essen
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Helios Klinikum Berlin-Buch
Universitätsklinikum Dresden
Berlin Insitute of Health
BARMER
AOK Rheinland/Hamburg
AOK Nordwest
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Bundesverband für Niedergelassene Hämatologen und Onkologen e.V.
ZielGENau e.V.
Universität Greifswald
Universität zu Köln
FOM – Hochschule für Ökonomie und Management
WIdO – Wissenschaftliches Institut der AOK
OnkoZert GmbH

Förderer
Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss

Laufzeit
1. Oktober 2021 – 30. September 2025

Publikationen
siehe Fachartikel

Website
https://diginet.nngm.de/

Ansprechpartner*innen
Dr. Martin Utzig
Nora Tabea Sibert

DNPM - Deutsches Netzwerk für Personalisierte Medizin

Ziel des Projekts ist es, bundesweit an weiteren 13 Standorten Zentren für Personalisierte Medizin einzurichten und die Kompetenzen in einem Deutschen Netzwerk für Personalisierte Medizin (DNPM) zu bündeln. Die Projektpartner werden insbesondere gemeinsame Standards entwickeln und sogenannte „Molekulare Tumorboards“ etablieren, um Patientinnen und Patienten eine bestmögliche individuelle Behandlung zu ermöglichen. Eine gemeinsame Datenbank wird der Qualitätssicherung dienen und neue Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der personalisierten Medizin liefern. Im Rahmen der begleitenden Evaluation wird insbesondere untersucht, ob Patientinnen und Patienten von den neuen Standards und Strukturen direkt profitieren und welche Herausforderungen mit der Einrichtung entsprechender Zentren verbunden sind. Die Zertifizierungskommission der Deutschen Krebsgesellschaft wird Anforderungen für die Zentren für Personalisierte Medizin erarbeiten auf deren Grundlage die diese zertifiziert werden.

Beteiligte Einrichtungen
u. a. Charité-Universitätsmedizin Berlin
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Klinikum der Universität München
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität Dresden
Universität Ulm
Universitätsklinikum Aachen
Universitätsklinikum Bonn
Universitätsklinikum Essen
Universitätsklinikum Frankfurt
Universitätsklinikum Freiburg
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Universitätsklinikum Heidelberg
Universitätsklinikum Köln
Universitätsklinikum Würzburg
Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbH
Universitätsklinikum Münster
Medizinische Hochschule Hannover
Universitätsklinikum Göttingen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)

Förderer
Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss

Laufzeit
August 2021 – Dezember 2024

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner*innen
PD Dr. Simone Wesselmann

dVP_FAM

Die bedarfs- und zeitgerechte Versorgung von Personen mit familiärem Krebsrisiko wird durch stetige wissenschaftliche Fortschritte immer komplexer und individueller. Dafür müssen Betroffene und Akteure aller Sektoren im Gesundheitssystem eng zusammenarbeiten. Bislang gibt es in Deutschland kaum digitale Technologien, die die transsektorale Versorgung unterstützen.

Die digitale Versorgungsplattform dVP_FAM soll die Identifikation, individuelle Beratung und weitere Betreuung von Personen mit familiärem Brust- und Eierstockkrebs verbessern. Als ein erster Schritt soll die Befragung zur Familiengeschichte bei niedergelassenen Gynäkolog:innen/Onkolog:innen Gynäkolog:innen oder Onkolog:innen über die dVP_FAM digital unterstützt werden. Die Vorbereitung auf eine spezialisierte genetische Beratung in einem DKG-zertifizierten FBREK-Zentrum wird ebenso wie die Sammlung der dafür notwendigen Dokumente und die Terminvereinbarung über die digitale Plattform gesteuert. Die Ratsuchenden haben dabei jederzeit volle Kontrolle über ihre Daten und Zugriff auf alle wichtigen sowie individuell abgestimmten Informationen. Somit entsteht ein transsektorales Versorgungskonzept – von der Niederlassung in die spezialisierten FBREK-Zentren – und zurück!

Ziele des Innovationsfondprojektes dVP_FAM sind:

  • die frühzeitige Identifikation von Betroffenen mit einem familiären Krebsrisiko,
  • die Vereinfachung des Informationsaustauschs über die Sektorengrenzen hinweg,
  • die Steigerung der Versorgungseffizienz sowie
  • die Stärkung des Patient-Empowerment und die Verbesserung der Lebensqualität von Personen mit einem familiären Krebsrisiko.

Wie sich die dVP_FAM auf die Versorgungsqualität auswirkt, wird ab Juli 2023 mit einer clusterrandomisierten Studie, semi-strukturierten Interviews und Beobachtungen im Alltag der Plattform-Nutzer:innen überprüft. Im Erfolgsfall soll die Versorgungsplattform in die Regelversorgung übernommen werden

Laufzeit

01.12.2021 bis 30.11.2025

Beteiligte Einrichtungen


Förderer und Laufzeit
Das Projekt dVP_FAM wird vom Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss über eine Laufzeit von vier Jahren gefördert. Förderkennzeichen: 01NVF20002

Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses

Publikationen
siehe Fachartikel

Website
Sie erreichen hier die Website für das Projekt dVP_FAM: https://dvp-fam.de/

Ansprechparter*innen
Katharina Klein
PD Dr. Christoph Kowalski

EDIUM

Das kolorektale Karzinom ist eine der häufigsten Krebsarten in Deutschland. Bei der EDIUM-Studie („Ergebnisqualität bei Darmkrebs: Identifikation von Unterschieden und Maßnahmen zur flächendeckenden Qualitätsentwicklung“) nehmen bundesweit über 100 DKG-zertifizierte Darmkrebszentren teil. Es werden Patient-Reported Outcomes (PROs) sowie klinische Endpunkte erfasst und zwischen den verschiedenen Zentren verglichen. EDIUM ist damit ein Schwesterprojekt der PCO-Studie zum Prostatakarzinom (siehe Eintrag auf dieser Seite).

Ziel des Projekts ist es, Aussagen zur Versorgungsqualität in zertifizierten Darmkrebszentren unter Berücksichtigung der Patientenperspektive zu treffen und gegebenenfalls bestehende krankenhausbezogene Unterschiede zu erkennen. Aus den Ergebnissen sollen Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung in zertifizierten Zentren abgeleitet werden.

Die vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss geförderte Phase des Projekts mit über 100 Zentren konnte erfolgreich abgeschlossen werden. Über 80 Zentren führen die Studie unter Eigenbeteiligung fort und ermöglichen so zukünftig auch einen zeitlichen Vergleich.

Beteiligte Einrichtungen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
OnkoZert
Deutsche ILCO e. V.
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Darmkrebszentren e. V. (addz)
Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik (IMSB) der Universität zu Köln

Förderer
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) (bis Dezember 20021)

Laufzeit
1. Juli 2018 – 31. Dezember 2021 (gefördert durch den Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschuss)
Seit 2022: unbefristet

Publikationen

siehe Patient-Reported Outcomes-Berichte
siehe Fachartikel

 

Webseite
www.edium-studie.de

Ansprechpartner*innen
Clara Breidenbach
Nora Tabea Sibert
PD Dr. Christoph Kowalski

MID-EPIC-D

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern in Deutschland. Die Überlebenschancen sind verglichen mit den meisten anderen Krebserkrankungen sehr gut. Allerdings sind die Folgen von Erkrankung und Behandlung häufig erheblich. Insbesondere körperliche Funktionseinschränkungen verbleiben noch lange nach Behandlung. Zur Abbildung dieser Symptome und Funktionen in klinischen Studien sowie zunehmend auch in der klinischen Routine hat sich mit dem EPIC-26 ein Fragebogen zur Erfassung von Patient-Reported Outcomes etabliert, der in zahlreiche Sprachen übersetzt und Teil des ICHOM-Standards (International Consortium for Health Outcomes Measurement) für das lokal begrenzte Prostatakarzinom ist.

Um Veränderungen von Messwerten, die anhand des Fragebogens erhoben wurden, beurteilen zu können, können „minimal bedeutsame Unterschiede“ („Minimally Important Differences“ – MIDs) herangezogen werden. Das sind Werte, die anzeigen, ob die Veränderung so groß ist, dass sie auch für Patient*innen spürbar sind. Trotz der hohen Relevanz für Versorgung und Wissenschaft liegen für die deutsche Version des EPIC-26 bislang keine MIDs vor.

Das erste Forschungsziel des Projekts „Minimally Important Differences und Empfehlungen für die Nutzung in der klinischen Praxis für die deutsche Fassung des EPIC-26“ – kurz MID-EPIC-D“ – ist deshalb, MIDs für die deutsche Fassung des EPIC-26 statistisch mittels Anker- und Verteilungs-Methode zu bestimmen. Das zweite Forschungsziel ist es, gemeinsam mit Patienten, Angehörigen und allen beteiligten Versorgendengruppen Empfehlungen für den Umgang mit dem EPIC-26 unter Berücksichtigung der im ersten Modul ermittelten MIDs zur Behandlungsplanung zu entwickeln.

Beteiligte Einrichtungen
Universität Würzburg
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
OnkoZert GmbH
Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e. V. (BPS)
Haus der Krebs-Selbsthilfe – Bundesverband e. V.

Förderer
Deutsche Krebshilfe

Laufzeit
1. Juli 2022 – 30. Juni 2025

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner*innen
Nora Tabea Sibert
PD Dr. Christoph Kowalski

OncoBox Research

In Deutschland wurde in den letzten zehn Jahren ein fundamentaler struktureller Wandel in der Versorgung krebskranker Menschen vollzogen. Ein großer Anteil dieser Patient*innen wird heute in den von der DKG zertifizierten Organkrebs- und Onkologischen Zentren behandelt. Dies geschieht auf der Basis von Empfehlungen hochwertiger S3-Leitlinien, die im Onkologischen Leitlinienprogramm entwickelt wurden. Die Daten aus diesen Versorgungseinrichtungen werden zur Darstellung der Behandlungsqualität in Jahresberichten publiziert. Durch Zusammenführung dieser Daten mit denen aus den klinischen Krebsregistern ergibt sich eine enormes Forschungspotential, nicht nur für klassische Versorgungsforschung, sondern auch für Projekte, die Interventionen in strukturierten Versorgungseinrichtungen zulassen. Darüber hinaus erlauben sie Analysen von sog. Real World Data mit erheblichem Umfang. Dieses Potential kann durch die Etablierung einer Datenbank, der sog. OncoBox Research (OBR), genutzt werden. Mit der OBR können Datensätze für Forschungsfragen zur Verfügung gestellt werden, die Daten aus dem Zertifizierungssystem mit denen der klinischen Krebsregistrierung verbinden.

Die OBR ist ein Folgeprojekt der OncoBox (www.xml-oncobox.de): Die OncoBox wird bereits von Brust-, Darm- und Prostatakrebszentren genutzt, um Tumordokumentationsdaten einzelner Zentren für die Zertifizierung in ein einheitliches und vergleichbares Format umzuwandeln und eine Qualitätssicherung während der Datenerfassung zu gewährleisten. Derzeit liegen Daten aus der OncoBox jedoch nur in aggregierter Form vor, womit kaum statistische Auswertungen durchgeführt werden können. Die OBR soll die wissenschaftliche Nutzung dieser Daten ermöglichen, indem individuelle Angaben von Patient*innen erfasst werden. Dadurch kann eine Vielzahl an Fragestellungen betrachtet werden, beispielsweise wie stark und aufgrund welcher Merkmale die Leitlinienadhärenz zwischen Patientengruppen und Zentren variiert (Casemix-Adjustierung).

 

Beteiligte Einrichtungen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
OnkoZert GmbH

Laufzeit
ab Januar 2019

Publikationen

siehe Fachartikel

Ansprechpartner
PD Dr. Christoph Kowalski

Onkologische Versorgung von Menschen mit geistiger Behinderung

Die Versorgungssituation für Menschen mit geistiger Behinderung und Krebserkrankung in Deutschland ist bisher weitgehend unbekannt. Daten aus dem europäischen und außereuropäischen Ausland legen nahe, dass – bei im Vergleich zu Menschen ohne geistige Behinderung gleicher Erkrankungshäufigkeit – teils erhebliche onkologische Versorgungsdefizite für diese vulnerable Gruppe bestehen. Es ist davon auszugehen, dass das deutsche Gesundheitssystem auf die speziellen Bedarfslagen von an Krebs erkrankten Patient*innen mit geistiger Behinderung ähnlich unzureichend ausgelegt ist, wie dies für das europäische und außereuropäische Ausland bereits beschrieben wurde.

Nach Veröffentlichung eines Übersichtpapier zur onkologischen Versorgungssituation von Menschen mit geistiger Behinderung in Zusammenarbeit mit Expert*innen (siehe Publikationen) wurden Broschüren für Menschen mit geistiger Behinderung in leichter Sprache entwickelt, die über onkologische Vorsorgeuntersuchungen sowie onkologische Behandlungsmöglichkeiten in zielgruppengerechter Sprache aufklären. Die Broschüren wurden auf Grundlage von bereits bestehenden französischen Broschüren der Oncodéfi Association entwickelt. Sie liegen an für die Zielgruppe zugänglichen Orten aus, z. B. Lebenshilfe-Treffunkte, und können außerdem hier kostenfrei bestellt werden.

Beteiligte Einrichtungen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
Lebenshilfe e. V.
Oncodéfi Association
Deutsche Gesellschaft für Medizin für Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung (DGMGB) e. V.
Ärztekammer Nordrhein
Arbeitsgemeinschaft Soziale Arbeit in der Onkologie der DKG e. V (ASO)

Förderer
Stiftung Deutsche Krebsgesellschaft (für die Entwicklung und Verbreitung der Broschüren)

Laufzeit
ab Januar 2022 fortlaufend
Januar – Juni 2022: Entwicklung und Verbreitung der Broschüren

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner
PD Dr. Christoph Kowalski

OPTIMA

“Optimal treatment for patients with solid tumours in Europe through Artificial intelligence” - das Ziel von OPTIMA ist es, einen föderierten und zentralisierten Zugang zu einer Vielzahl europäischer Versorgungsdatensätze einzurichten, um die Beantwortung der bedeutender Forschungsfragen bei Prostata-, Brust- und Lungenkrebs zu unterstützen.

Parallel dazu werden – beruhend auf nationalen und internationalen Leitlinienempfehlungen sowie statistischen Analysen und unter Anwendung von künstlicher Intelligenz – umfassende Entscheidungshilfen entwickelt, um die gemeinsame Entscheidungsfindung von Ärzt*innen und Patient*innen zu unterstützen.

Beteiligte Einrichtungen
Über 30 europäische Partner, darunter:
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
European Association of Urology (EAU)
European Cancer Patient Coalition (ECPC)
European Respiratory Society (ERS)
Erasmus University Medical Center Rotterdam (EMC)
University College London / University College London Hospital (UCL/UCHL)
University of Oxford

Laufzeit
1. Oktober 2021 – 30. September 2026

Publikationen
siehe Fachartikel

Website
www.optima-oncology.eu

Ansprechpartner*innen
PD Dr. Christoph Kowalski
Nora Tabea Sibert

PCO

Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung von Männern weltweit. Als Folgen von Erkrankung und Therapie können u. a. Harninkontinenz, Darmprobleme, Erektionsstörungen und psychische Beschwerden auftreten. Bei Behandlungsergebnissen werden weltweit große Unterschiede vermutet.

Die von der Movember Foundation geförderte „Prostate Cancer Outcomes-Studie“ (kurz: PCO-Studie) will dazu beitragen, die physische und psychische Gesundheit von Männern, die wegen eines lokalen Prostatakarzinoms behandelt werden, zu verbessern. Die PCO-Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Bundesverbands Prostatakrebs Selbsthilfe (BPS), der DKG, OnkoZert und mittlerweile über 100 teilnehmenden Prostatakrebszentren. Die PCO-Studie rekrutiert seit Juli 2016 Patienten in von der DKG zertifizierten Prostatakrebszentren in Deutschland und der Schweiz. Mittlerweile haben sich über 45.000 Patienten an der Studie beteiligt. In der Studie werden Patienten mittels einheitlichem Fragebogen (EPIC-26) zu den funktionalen Outcomes „Inkontinenz“, „irritatitiv/obstruktiv“, „gastrointestinal“, „Sexualität“, „Hormonell“ prä- und mindestens einmalig (nach 12 Monaten) posttherapeutisch befragt. Die Befragungsdaten werden mit in den Zentren vorliegenden Erkrankungs- und Behandlungsdaten verknüpft. Die Ergebnisse werden Casemix-adjustiert für den pseudonymisierten Zentrumsvergleich ausgewertet. Die PCO-Studie ist Teil des TrueNTH Global Registry, an dem sich mittlerweile 15 Länder beteiligen.

Weiterführende Informationen und Links zu Veröffentlichungen finden Sie unter www.pco-study.com/.

Beteiligte Einrichtungen
Deutsche Krebsgesellschaft e. V. (DKG)
Bundesverband Prostata Selbsthilfe (BPS)
OnkoZert
DKG-zertifizierte Prostatakrebszentren

Förderer
Movember Foundation (Australien)
Förderverein Hilfe bei Prostatakrebs (FHbP)

Laufzeit
01. Juli 2016 – unbefristet

Interpretationshilfe für Studienzentren
Dieses Dokument kann PCO-Zentren bei Bedarf helfen, die Ergebnisse aus der prätherapeutischen Befragung (EPIC-26) in ihre Behandlungsplanung miteinzubeziehen. Die Übersicht enthält prätherapeutische Durchschnittswerte und posttherapeutische Ergebnisse der PCO-Studienkohorte.

Interpretationshilfe EPIC-26

Publikationen

siehe Patient-Reported Outcomes Berichte
siehe Fachartikel

Webseite
www.pco-study.com/

Ansprechpartner
PD Dr. Christoph Kowalski

PRO B

Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung der Frau. Mit dem Auftreten von Metastasen ändern sich nicht nur die Lebensumstände der Patientinnen, sondern auch das therapeutische Vorgehen grundlegend. Entscheidungsprozesse in dieser Situation sind häufig zeitaufwendig und müssen vor dem Hintergrund der fortschreitenden Erkrankung immer wieder neu hinterfragt werden. An dieser Stelle sind Informationen, die über sogenannte Patient-Reported Outcomes (PROs) erfasst werden, hilfreich, um die bestmöglichen Therapieentscheidungen treffen zu können. In Studien konnte für Patientinnen und Patienten mit metastasierter Tumorerkrankung gezeigt werden, dass eine intensivierte PRO-gestützte Therapieüberwachung neben der Reduktion ungeplanter Krankenhaus- und Notaufnahmeaufenthalte auch eine Verbesserung der Lebensqualität und des Gesamtüberlebens bewirken kann.

Ziel der PRO B Studie ist es deshalb, zu überprüfen, ob die positiven Auswirkungen eines intensivierten PRO-Monitorings auf die in Deutschland übliche Versorgung von Patientinnen mit metastasiertem Mammakarzinom übertragbar sind. Bei PRO B handelt es sich um eine prospektive, multizentrische, randomisierte zweiarmige Interventionsstudie. Abhängig von der Randomisierung werden die Patientinnen wöchentlich (Interventionsarm) oder alle drei Monate (Kontrollarm) per Smartphone-App oder E-Mail zu ihrem Gesundheitszustand befragt. Eine Verschlechterung der Werte wird dem behandelnden Zentrum durch einen automatischen Alarm angezeigt. Das Zentrum entscheidet dann, ob es Kontakt zu der Patientin aufnimmt, um die Verschlechterung der Werte zu spezifizieren und gegebenenfalls Maßnahmen einzuleiten. PRO B nutzt die bestehenden Zertifizierungsstrukturen der teilnehmenden Brustkrebszentren, um klinische Daten mit den erhobenen PROs zu verknüpfen.

Beteiligte Einrichtungen
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
OnkoZert GmbH
BARMER
BKK·VBU
DAK-Gesundheit

Förderer
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

Laufzeit
1. Oktober 2020 – 30. September 2023

Publikationen
siehe Fachartikel

Webseite

www.pro-b-projekt.de

Ansprechpartner*innen

Clara Breidenbach
PD Dr. Christoph Kowalski

 

PRO-P

Mit über 65.000 Neuerkrankungen ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebsform bei Männern in Deutschland. Die relativen 5- und 10-Jahres-Überlebensraten sind beim lokal begrenzten Prostatakarzinom mit 89 % bzw. 88 % grundsätzlich gut, aber vom initialen Tumorstadium abhängig. Die häufigste kurative Behandlungsart ist die operative Entfernung der Prostata (radikale Prostatektomie). Ein relevanter Anteil der Männer leidet nach radikaler Prostatektomie unter Harninkontinenz und sexuellen Funktionsstörungen. Diese gehen mit Beeinträchtigungen der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und psychischer Belastung einher.

In der Versorgungsstudie PRO-P soll untersucht werden, wie sich ein intensiviertes Symptom-Monitoring mittels elektronischen Patient-Reported Outcome Measures (ePROMs), welche mit weiterführenden Maßnahmen verknüpft sind, auf den postoperativen Verlauf bei Männern mit Prostatakrebs auswirkt. Das Projekt ist als multizentrische, prospektive und zweiarmig-randomisierte Kontrollgruppen-Studie geplant, bei der PROMs bei Patienten mit Prostatakarzinom einmalig vor und sechsmal (Interventionsgruppe) bzw. dreimal (Kontrollgruppe) nach primärer Prostataentfernung standardisiert eingesetzt werden.

Beteiligte Einrichtungen
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Universitätsklinikum (UK) Düsseldorf, Urologische Klinik
Universitätsklinikum Düsseldorf, Klin. Institut für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
UK der Ruhr-Universität Bochum, Klinik für Urologie und Neuro-Urologie, Herne
UK Bonn, Klinik und Poliklinik für Urologie und Kinderurologie
Klinikum Dortmund gGmbH, Urologische Klinik
UK Essen, Klinik und Poliklinik für Urologie, Uroonkologie und Kinderurologie
UK Münster, Klinik für Urologie und Kinderurologie
Universität zu Köln, Lehrstuhl Versorgungsforschung,
Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft (IMVR)
Deutsche Krebsgesellschaft e. V.
Universität zu Köln, Institut für Medizinische Statistik und Bioinformatik
Techniker Krankenkasse

Förderer
Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA)

Laufzeit
April 2022 - März 2025

Publikationen
siehe Fachartikel

Ansprechpartner
PD Dr. Christoph Kowalski

 

REGIBA - Curriculum registerbasierte Forschung

Die Nutzung von in der Versorgung vorhandenen Daten und die Evidenzgenerierung durch registerbasierte Studien wird zunehmend postuliert. Best-Practice-Beispiele aus der Onkologie zeigen, dass im Sinne einer wissensgenerierenden Versorgungsforschung mit der Hilfe von Registerdaten Leitlinien überprüft, die Wirksamkeit und Qualität von Diagnostik und Versorgung evaluiert und Empfehlungen für Leitlinien und Interventionen gemacht werden können. Ziel des Projektes ist es, ein Curriculum zu entwickeln, das (Nachwuchs-)Wissenschaftler*innen das erforderliche Wissen und die methodischen Grundlagen für die Durchführung registerbasierter Studien und die Nutzung versorgungsnaher Daten in Registern vermittelt. Dabei sollen ein Grundverständnis der Vielfältigkeit der Versorgung und des Gesundheitssystems einerseits und die Möglichkeiten und Notwendigkeit inter- und multidisziplinärer Auswertung und Nutzung von Registerdaten für die Versorger und zu Versorgenden andererseits inhaltlicher Gegenstand sein. Eine Fortbildung anhand des Curriculums soll die Teilnehmenden befähigen, Registerdaten auf ihre Validität und Qualität für Forschungsfragestellungen zu bewerten, kontextgerecht methodisch qualitativ hochwertig auszuwerten und anspruchsvolle registerbasierte Studien primär in der Onkologie (und ggf. zukünftig auch in anderen Krankheitsfeldern) durchzuführen. Die Deutsche Krebsgesellschaft ist im wissenschaftlichen Beirat beteiligt.

Beteiligte Einrichtungen
Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung (Projektleitung)
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT)
wissenschaftlicher Beirat, u. a. mit Vertreter*innen der Deutschen Krebsgesellschaft e. V. (DKG)

Förderer
Bundesministerium für Gesundheit (BMG)

Laufzeit
September 2021 – August 2024

Website
www.dnvf.de/gruppen/curriculum-registerbasierte-forschung-regiba.html

Ansprechpartner*innen
PD Dr. Christoph Kowalski
PD Dr. Simone Wesselmann