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Chemotherapie bringt Vorteile für prämenopausale Frauen mit nodal-positivem HER2- Brustkrebs

Postmenopausale Frauen mit nodal-positivem HER2- Brustkrebs und einem Oncotype DX Breast Recurrence Score zwischen 0 und 25 können auf eine Chemotherapie verzichten. Darauf deuten die Ergebnisse der RxPONDER-Studie hin. Prämenopausale Patientinnen mit denselben Eigenschaften scheinen hingegen zu profitieren.

Der Oncotype DX Breast Recurrence Score (RS) dient dazu, Patientinnen mit nodal-negativem HR+ HER2- Mammakarzinom zu identifizieren, die von einer Chemotherapie profitieren. Den Ergebnissen der TAILORx-Studie zufolge bringt diese nodal-negativen Frauen ≤ 50 Jahren Vorteile, wenn sie einen Score zwischen 16 und 25 aufweisen. Ab dem Alter von 50 Jahren deutet ein Score von 25 oder weniger darauf hin, dass Betroffene nicht mehr von einer Chemotherapie profitieren. Bisher war unklar, ob sich diese Daten auch auf nodal-positive Patientinnen übertragen lassen. Dies wurde nun in der RXPONDER-Studie untersucht.

Ist der Benefit abhängig vom Score?

Die Forscher schlossen Frauen mit nodal-positivem HER2- Brustkrebs ein, die keine distalen Metastasen aufwiesen. Rund 5000 Patientinnen mit einem Score zwischen 0 und 25 und ein bis drei positiven Lymphknoten wurden randomisiert zu:

  • einer Chemotherapie, gefolgt von einer endokrinen Behandlung oder
  • einer alleinigen endokrinen Therapie

 

Ziel war es, den Effekt der Chemotherapie auf das invasive krankheitsfreie Überleben (IDFS) zu bestimmen. Außerdem wollten die Mediziner prüfen, ob dieser Effekt vom RS abhängt. Ihre Hypothese: Der Chemotherapie-Benefit erhöht sich, wenn auch der RS zwischen 0 und 25 steigt.

Kein prognostischer Faktor

Insgesamt beobachteten die Forscher nach einem medianen Follow-up von 5,1 Jahren 447 IDFS-Ereignisse. Das IDFS war mit 92,4% vs. 91% im Chemotherapie-Arm vs. Endokrine Therapie-Arm um 1,4 Prozentpunkte höher.

Unter den Frauen mit RS 0 bis 25 konnte der Score den relativen Benefit einer Chemotherapie bzgl. IDFS nicht vorhersagen. So verringerte sich der Chemotherapie-Vorteil nicht, wenn die Patientinnen einen niedrigeren RS aufwiesen. Umgekehrt war der Benefit von Frauen mit höherem RS nicht größer. Die Hazard Ratio für die Chemotherapie-RS-Interaktion betrug 1,02.

In einer weiteren Analyse untersuchten die Autoren, ob Chemotherapie und RS unabhängige prognostische Faktoren für das IDFS sind. Die Annahme bestätigte sich: Patientinnen, die eine Chemotherapie erhalten hatten, wiesen eine geringere Wahrscheinlichkeit für ein IDFS-Ereignis auf. Gleichzeitig stieg die Wahrscheinlichkeit für ein IDFS-Ereignis mit einem höheren Score.

Prämenopausale Patientinnen profitieren von Chemotherapie

Die Forscher stratifizierten die Patientinnen anschließend nach ihrem Menopausen-Status. Hier zeigte sich, dass prämenopausale Frauen scheinbar von einer Chemotherapie profitieren: So war das 5-Jahres IDFS im Chemotherapie-Arm um 5,2 Prozentpunkte höher als in der Gruppe, die nur eine endokrine Therapie erhalten hatte (94,2% vs. 89%; HR 0,54; p = 0,0004). Außerdem verbesserte sich das Gesamtüberleben nach fünf Jahren um 1,3%. In postmenopausalen Frauen war die IDFS-Rate mit 91,6% vs. 91,9% ähnlich.

Fazit

Das Fazit der Autoren: Der RS ist zwar prognostisch, eine Interaktion zwischen RS und Chemotherapie gab es aber nicht. Der relative Benefit einer Chemotherapie war ähnlich für Frauen mit einem RS zwischen 0 und 25. Weiterhin scheinen prämenopausale Frauen mit HER2- Brustkrebs und einem bis drei befallenen Lymphknoten von einer Chemotherapie zu profitieren. So traten im Chemotherapie-Arm 46% weniger IDFS-Ereignisse auf. Demnach können postmenopausale Frauen mit einem bis drei positiven Lymphknoten und einem RS zwischen 0 und 25 auf eine Chemotherapie verzichten.

In Zusammenarbeit mit Prof. Michael Lux (Paderborn)

Quelle:

Kalinsky et al. RxPONDER: A Clinical Trial Rx for Positive Node, Endocrine Responsive Breast Cancer. San Antonio Breast Cancer Symposium 2020; Abstract GS3-00

(ms)

 

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Letzte inhaltliche Aktualisierung am 14.01.2021

Zuletzt aufgerufen am: 26.01.2021 17:55