„Neue Erkenntnisse und Therapiemöglichkeiten in der Dermato-Onkologie!“

Quelle: © pr Prof. Meier

Interview mit Prof. Dr. med. Friedegund Meier (Uniklinikum Dresden)

Dresden. (ka) Hautkrebs ist mit rund 240.000 Neuerkrankungen im Jahr die häufigste Krebserkrankung in Deutschland mit der größten Steigerungsrate. Doch gibt es vor allem in der Therapie des fortgeschrittenen Melanoms, des Basalzellkarzinoms sowie in der Behandlung aktinischer Keratosen seit einigen Jahren bahnbrechende Neuerungen. Vielversprechende aktuelle Erkenntnisse und Forschungsergebnisse in der Dermato-Onkologie werden beim 26. Deutschen Hautkrebskongress der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Onkologie (ADO) in Dresden von internationalen Experten diskutiert, Fortschritte in Prävention, Diagnostik und verschiedenen Bereichen der Hautkrebstherapien vorgestellt und interdisziplinär weiterentwickelt. Prof. Dr. med. Friedegund Meier, Klinik und Poliklinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Dresden, hat bei der Tagung vom 22. bis 24. September 2016 die wissenschaftliche Leitung und gibt vorab im Interview erste Einblicke in Schwerpunkte und Highlights des hochkarätigen Kongresses.

K.A.: Welche besonderen Schwerpunkte sind beim diesjährigen Hautkrebskongress der ADO gesetzt? Welche neuen Impulse erwarten Sie?
Prof. Meier: Der diesjährige Deutsche Hautkrebskongress ist neben dem Melanom der Haut den bösartigen Erkrankungen gewidmet, für die ein hoher medizinischer Bedarf besteht wie Melanomhirnmetastasen, Schleimhautmelanom, Aderhautmelanom, Merkelzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom, Lymphome, seltene maligne Hauttumoren. Darüber hinaus wurden hochkarätige Wissenschaftler zu Vorträgen eingeladen mit dem Ziel , translationale Krebsforschung mit Patientenversorgung zu verbinden. Das Forum Hautkrebs für Patienten wurde interdisziplinär mit viel Engagement gestaltet. Im Mittelpunkt steht die Frage: Was kann ich über die Tumortherapie hinaus für mich tun… aus der Sicht der Psychoonkologie, der Komplementärmedizin, durch körperliche Aktivität und gesunde Ernährung?

K.A.: Das Melanom ist seit Jahren ein zentrales Thema, auch vor wenigen Monaten beim weltweit größten Krebskongress ASCO in Chicago. Welche aktuellen Studiendaten z. B. zu den innovativen Immuntherapien werden in Dresden vorgestellt?
Prof. Meier: In den Sitzungen und Satellitensymposien werden die relevanten Phase-3-Studien mit BRAF-/MEK-Inhibitoren (z.B. COMBI-d) bzw. Immun-Checkpoint-Inhibitoren (z.B. Checkmate 067) vorgestellt und interpretiert werden. Darüber hinaus werden innovative Therapiestrategien (z.B. onkolytische Immuntherapie) bzw. Kombinationsstrategien (z.B. BRAF-/MEK-Inhibitoren plus Immun-Checkpoint-Inhibitoren), die in aktuellen Studien untersucht werden, diskutiert werden. Der Kombinations-strategie zielgerichtete Therapie plus Immuntherapie ist der Plenarvortrag von Herrn Prof. James Larkin aus London gewidmet.

K.A.: Nach den großen Erfolgen in der Systemtherapie und mutationsbasierten zielgerichteten Therapien von Melanom und anderen Hauttumoren sind weitere Erkenntnisse zu den neuen Behandlungsmethoden ein wichtiger Tagungsschwerpunkt. Wie weit sind Entwicklung und Zulassung neuer derma-onkologischer Medikamente?
Prof. Meier: Seit dem Sommer 2015 sind sechs neue Therapiestrategien für Patienten mit metastasiertem Melanom zugelassen worden: die PD-1 Antikörper Pembrolizumab und Nivolumab, die BRAF-/MEK-Inhibitor-Kombinationen Dabrafenib plus Trametinib und Vemurafenib plus Cobimetinib, die Immun-Checkpoint-Inhibitor-Kombination Nivolumab plus Ipilimumab und die onkolytische Immuntherapie mit Talimogen laherparepvec (T-VEC). Somit stehen Patienten mit metastasiertem Melanom mehrere wirksame systemische Therapieoptionen zur Verfügung mit signifikanter Verbesserung der Prognose. Die erfolgreiche Durchführung der medikamentösen Tumortherapie erfordert allerdings ein adäquates kompetentes Nebenwirkungsmanagement, auf das in der Sitzung „Nebenwirkungen medikamentöser Tumortherapien“ intensiv eingegangen wird. Die Wahl der Therapeutika, ihre Sequenz und Kombination unterliegt zahlreichen Variablen, die in aktuellen Studien evaluiert werden. Dieses relevante Thema wird wiederholt in den Sitzungen und Satellitensymposien diskutiert werden.

K.A.: Deutsche Hautkrebszentren beteiligen sich aktiv an aktuellen Studien. Werden besonders vielversprechende Studien beim Kongress vorgestellt?
Prof. Meier: Im Rahmen des ADO-Studientreffens werden am Donnerstag, den 22. September 2016 alle aktuellen Studien, die in deutschen Hauttumorzentren durchgeführt werden, vorgestellt und besprochen.

K.A.: Auf welche neuen Forschungsdaten sind Sie besonders gespannt und welche Vorträge würden Sie besonders hervorheben?
Prof. Meier: Ich bin sehr gespannt auf die Vorträge der eingeladenen Keynote Sprecher „Combining targeted therapy with immunotherapy“ (Prof. James Larkin / London), „Melanoma brain metastases – insights into the molecular biology and therapeutic perspectives“ (Prof. Michael Davies / Houston) und „Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven in der Radioonkologie“ (Prof. Esther Troost / Dresden) sowie auf die Sitzung “Immuntherapie-Resistenz“ mit drei hochkarätigen Rednern (Prof. Martin Bornhäuser / Dresden, Prof. Alexander Enk / Heidelberg und Prof. Stephan Grabbe / Mainz). Diese Experten werden brennende klinische Fragestellungen aus klinischer und wissenschaftlicher Perspektive beleuchten.

K.A.: Wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview!

Alle Informationen zum ADO-Kongress sowie das Programm gibt es unter www.ado-kongress.de.
Journalisten sind zur Tagung eingeladen, um sich über die aktuellen Themen zu informieren und zu berichten. Die Akkreditierung ist über die Homepage und über den Pressekontakt möglich.

Pressemitteilung vom 26. Deutscher Hautkrebskongress der ADO 22. - 24. September 2016 in Dresden

Pressekontakt:
Kerstin Aldenhoff
Tel. +49 172 351 6916
kerstin.aldenhoff@conventus.de
www.ado-kongress.de

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Aktualisiert am: 22.06.2017 22:03