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Nicht-medikamentöse Behandlung

Zusätzlich zur medikamentösen Schmerztherapie gibt es auch nicht-medikamentöse Verfahren, die entweder die Schmerzursache beseitigen oder die Weiterleitung des Schmerzreizes unterbinden.

Lokale Behandlung

Operation von Metastasen

Die Operation stellt eine wirkungsvolle kausale, also ursächliche Möglichkeit dar, Schmerzen zu reduzieren. Allerdings ist sie nur in ausgewählten Fällen sinnvoll und operativ überhaupt machbar.

Strahlentherapie

Eine Bestrahlung von außen durch die Haut (perkutan) kann bei Knochenmetastasen Schmerzen wirksam reduzieren. Außerdem reduziert sie das Risiko von Knochenbrüchen, die eine Komplikation bei fortgeschrittenen Knochenmetastasen sein können. Neben Skelettmetastasen kann eine perkutane Strahlentherapie auch bei Tumoren und Metastasen in Weichteilen oder Nerven hilfreich sein; in seltenen Ausnahmefällen wird sie bei schmerzhaften Lebermetastasen oder Milzvergrößerungen eingesetzt.

Unterbrechung von Nervenbahnen

Bei Tumorschmerzen, die in einer genau bestimmbaren Körperregion entstehen und nur durch bestimmte Nervenstränge weitergeleitet werden, können zugehörige Nervenbahnen langfristig blockiert werden, indem sie chemisch (durch lokal verabreichte Medikamente) oder mit großer Hitze abgetötet oder chirurgisch durchtrennt werden. Mitunter wird dieses Verfahren bei schmerzhaften Tumoren der Bauchspeicheldrüse angewendet („Zöliakusblockade“), aber auch bei bestimmten Lungenkrebsarten, Beckentumoren oder Knochenmetastasen. Da aber diese sogenannten neurodestruktiven Verfahren mit dem Risiko einhergehen, dass auch andere als die beabsichtigten Strukturen geschädigt werden, kommen sie nur im Ausnahmefall zum Einsatz und nur dann, wenn andere Schmerztherapien nicht möglich sind oder keine ausreichende Wirkung erzielen.

Komplementäre Verfahren

Akkupunktur
Quelle: © nanettegrebe - fotolia.com

Ergänzende Verfahren können dazu beitragen, die Lebensqualität von Tumorpatienten zu verbessern und einen positiven Einfluss auf die Schmerztherapie haben. Dabei ist es wichtig, dass die Patienten gemeinsam mit den behandelnden Ärzten den sinnvollen Einsatz der sogenannten komplementären Therapien beraten, da auch naturheilkundliche Präparate und Verfahren die Wirkung von Krebs- oder Schmerztherapien abschwächen bzw. deren Nebenwirkungen verstärken können.

Zu den komplementären Behandlungsverfahren gehören physikalische Maßnahmen wie beispielsweise Massagen und andere manuelle Therapien, Bäder sowie die Lymphdrainage bei Lymphödemen. Aber auch Physiotherapie und Krankengymnastik können zur Symptomlinderung und zum allgemein besseren Befinden der Patienten beitragen. Akupunktur kann durch Reizung von Nerven schmerzhemmend wirken und möglicherweise die Wirksamkeit einer Opioidtherapie verstärken. Ein weiteres Verfahren, dessen Wirksamkeit bei Tumorschmerzen zwar noch nicht ausreichend nachgewiesen ist, das aber potenziell eine Schmerztherapie unterstützen kann, ist die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS). Dabei wird mittels elektrischer Impulse in schmerzenden Regionen ein Gegenreiz erzeugt, der schmerzlindernd wirken kann.

Psychosoziale Maßnahmen

Psychosoziale Aspekte haben einen starken Einfluss auf die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerz. Daher ist die psychosoziale Unterstützung als Bestandteil der Krebs- und insbesondere der Schmerztherapie von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Psychoonkologische Angebote helfen dem Patienten bei der Bewältigung seiner Ängste, lösen Spannungen und können so die Schmerzverarbeitung positiv beeinflussen. Auch für Hypnose und Entspannungsübungen (autogenes Training, progressive Muskelrelaxion) konnte ein günstiger Effekt auf das Befinden von Schmerzpatienten nachgewiesen werden, wenn sie zusätzlich zu einer Basisschmerztherapie angewendet werden. Und auch Musiktherapie und Kunsttherapie können hilfreich sein, da sie ebenfalls entspannend wirken und den Patienten dabei helfen, sich vom Schmerz abzulenken, so dass er weniger stark wahrgenommen wird.

Psychoonkologen finden Sie:

  • in zertifizierten Krebszentren
  • in psychoonkologischen Diensten im Akutkrankenhaus
  • in Beratungsstellen der Landesverbände der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. und anderer sozialer Träger, z.B. Tumorzentren, Arbeiterwohlfahrt, Caritasverband, Diakonisches Werk, Deutsches Rotes Kreuz
  • in Rehabilitationseinrichtungen für Krebskranke
  • in ambulanten psychologischen Praxen

 

(pp)

Quellen: 

  • Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin 

    • DGS-PraxisLeitlinie Tumorbedingte Durchbruchschmerzen, Version: 2.0 für Fachkreise, 2013. Abgerufen unter www.dgs-praxisleitlinien am 20.08.2014
    • DGS-PraxisLeitlinie Tumorbedingte Durchbruchschmerzen, Version: 2.0, PatientenLeitlinie, 2013. Abgerufen unter www.dgs-praxisleitlinien am 20.08.2014
    • DGS-PraxisLeitlinie Tumorschmerz, Version: 2.0 für Fachkreise, 2012. Abgerufen unter www.dgspraxisleitlinien am 20.08.2014
  • Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Empfehlungen zur Therapie von Tumorschmerzen. 3. Auflage, Januar 2007. Abgerufen unter www.akdae.de am 20.08.2014

  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Krebsinformationsdienst www.krebsinformation.de

 

Fachberater:
Prof. Dr. med. Florian Lordick,
Leipzig, Sprecher der AG Palliativmedizin in der Deutschen Krebsgesellschaft

Dr. med. Johannes Horlemann,
Kevelaer, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

Weitere Informationen zum Thema:

Aktualisiert am: 22.05.2017 21:12