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Schlafstörungen bei Krebspatienten

Rund zwei Drittel aller Krebspatienten leiden unter krankheitsbedingten Schlafstörungen. Tagsüber fühlen sie sich dann erschöpft, können sich nicht konzentrieren und sind ständig müde. Von Medizinern wird die Beeinträchtigung oft wenig beachtet und auch Patienten erwähnen sie Arztgespräch meist erst auf Nachfrage. Dabei beeinflusst Schlaf die Lebensqualität wesentlich. Schlafmangel kann sehr belastend sein und sagt viel über das tatsächliche Befinden des Patienten aus.

Was bedeutet „nicht erholsamer Schlaf“?

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Der physiologische Schlaf wird grundsätzlich in eine Abfolge aus Non-REM (rapid eye movement)- und REM-Phasen eingeteilt. Die Phasen wechseln sich alle 70 bis 90 Minuten ab, insgesamt im Schnitt vier bis sechs Mal pro Nacht. Folgen von schlechtem Schlaf reichen von Tagesschläfrigkeit, rascher Erschöpfung, mangelndem Antrieb, Konzentrationsschwierigkeiten über Stimmungsschwankungen bis hin zu körperlichen, sozialen und auch beruflichen Beeinträchtigungen.

Was sind Ursachen?

Was nun tatsächlich den Schlaf raubt kann vielfältiger Natur sein. Körperliche Faktoren wie Schmerzen, Bluthochdruck, Husten, Atemnot oder Hormonstörungen können ebenso wie therapiebedingte Faktoren Schlafstörungen auslösen. Krebspatienten sind außerdem durch die vollkommen veränderte Lebenssituation vermehrtem Stress ausgesetzt: Angst um die eigene Existenz oder auch die Versorgung der Familie können belasten und zu vermehrtem Grübeln oder Depressionen führen. Diese Faktoren werden unter psychosozialen Ursachen zusammengefasst. Dass diese eine große Tragweite haben ist an einer von der Arbeitsgruppe „Schlaf und Tumor“ durchgeführten Studie erkennbar. In dieser berichten 68% der Patienten über Schlafstörungen. Die meist genannten Ursachen dafür sind Schmerzen, Depressionen, Ängste und die Sorgen um die Familie, den Arbeitsplatz und auch die finanzielle Versorgung.

Welche Formen von Schlafstörungen gibt es?

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Sehr häufig tritt das Insomnie-Syndrom auf. Darunter versteht man mehr als dreimal in der Woche über einen Monat hinweg auftretende Schlafstörungen. Dazu zählen Einschlafschwierigkeiten, längeres Wachliegen in der Nacht sowie verfrühtes Aufwachen.
Das als Fatigue bekannte Erschöpfungssyndrom mit Verlust an Spannkraft und vermehrtem Erholungsbedürfnis kommt  ebenfalls sehr häufig vor. An die gängige Tagesschläfrigkeit wird bei Schlafstörungen selten gedacht, aber auch sie zählt dazu. Bezeichnend ist die Unfähigkeit, sich gegen das Einschlafen in monotonen Situationen erwehren zu können. Das Restless-Legs-Syndrom bezeichnet den Bewegungsdrang der Beine während des Schlafens und kann ebenfalls als Nebenwirkung der Krebstherapie auftreten. Auch schlafbezogene Atemstörungen treten bei 70% der Krebspatienten auf und gehören mit Atemnot, Husten und Schnarchen zu den am stärksten belastenden Symptomen.

Welche Therapiemöglichkeiten sind möglich?

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Am allerwichtigsten ist grundsätzlich eine entspannte Einstellung zum Thema Schlaf. Sich aufgrund einer nicht erholsamen Nacht verrückt zu machen bringt nur weitere schlaflose Nächte. Verhaltensmedizinische beziehungsweise  kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapieansätze können hier eine gute Hilfe sein.

Der erste Schritt für Patienten ist, sich dem Arzt mitzuteilen. Unbehandelte Schlafprobleme können durch das angeeignete veränderte Schlafverhalten chronisch werden und auch noch nach dem Abschluss der Therapie auftreten. Weiß der Arzt Bescheid, kann er den Ursachen auf den Grund gehen und Therapiestrategien ermitteln. Zum Beispiel können Schlafstörungen durch das verabreichte Chemotherapeutikum oder durch andere aktivierend wirkende Medikamente verursacht werden.

Schmerz und Atembeschwerden können ebenfalls Gründe sein und mithilfe einer geeigneten supportiven Therapie gemildert werden. Bei durch Angst und Depressionen bedingten Schlafstörungen ist eine psychoonkologische Betreuung oder Verhaltensberatung ratsam.

Die medikamentöse Therapie sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn psychoonkologische Betreuung und die eingehende Analyse der Beschwerden nicht von Erfolg gekrönt waren. In solchen Fällen kann die vorübergehende Therapie mithilfe von Medikamenten sinnvoll sein, damit der Patient aus dem Teufelskreis der Schlaflosigkeit und der tagtäglichen Beeinträchtigung herausgeholt werden kann. Eine Option stellen Melatonin-haltige Medikamente dar, die den Schlaf durch das Anheben des Schlafhormonspiegels fördern. Die Therapie mit Medikamenten kann zur kurzfristigen Krisenintervention hilfreich sein, da nicht-medikamentöse Verfahren häufig nicht sofort wirken. Schlaffördernde Medikamente müssen auf jeden Fall ärztlich verordnet werden, wobei Wechselwirkungen mit anderen Substanzen beachtet werden müssen.

Allgemeine Tipps

Im Grunde gelten auch für Krebspatienten dieselben Schlaf-Empfehlungen wie für Gesunde: Das Schlafzimmer sollte dunkel und ruhig sein, außerdem nicht zu warm. Die optimale Schlafzimmertemperatur liegt bei 18 Grad. Das Schlafzimmer sollte im besten Fall ausschließlich zum Schlafen genutzt werden, elektronische Geräte haben dort nichts verloren. Rauchen und Kaffee-Trinken, letzteres vor allem einige Stunden vor dem Zubettgehen, sollten ebenfalls vermieden werden. Alkohol und kohlenhydrathaltiges Essen 4 bis 8 Stunden vor der Schlafenszeit sind nicht zu empfehlen. Bewegung ist gut, aber nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen.

Aktuelle Studien belegen außerdem Licht als Störfaktor. Die Netzhaut verfügt über Sinneszellen, welche die Helligkeit messen. Sie sind mit dem Teil des Gehirns verbunden, welches die meisten Funktionen der inneren Uhr koordiniert. Dort wird auch die Melatonin-Ausschüttung gesteuert, das so genannte Schlafhormon. Daher gilt es, abends einen Lichtüberschuss zu vermeiden, was aufgrund der modernen Lebensweise inklusive Fernseher, Tablet, IPad, Laptop und greller Badezimmerbeleuchtung gar nicht so einfach ist.

Eine so genannte Bett-Routine einzuhalten kann sehr hilfreich sein: Das können kleine Rituale wie zum Beispiel eine Wärmflasche oder das Auftragen einer Nachtcreme sein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein regelmäßiger Ablauf, damit sich die innere Uhr darauf einstellen kann.

(jk)


Quellen:

[1] http://www.daslebenshaus.org/leben-mit-nierenkrebs/schlafstoerungen/410-schlafstoerungen

[2] https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/lungenkrebspatienten-sollten-schlafstoerungen-waehrend-chemotherapie-unbedingt-dem-arzt-melden/

[3] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/schlechter-schlaf-keine-seltenheit-bei-krebspatienten.html

[4] https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/wenn-der-schlaf-nicht-mehr-kommt.html

[5] https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2013/news60.php

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 07.12.2017

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Aktualisiert am: 13.12.2017 17:19