Bitte beachten Sie, dass Texte, die älter als 2 Jahre sind, sich in der Überarbeitung befinden und gegebenenfalls nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wiedergeben.

Angaben zum Autor, Fachberater und Erstelldatum finden Sie am Ende des Beitrages.

Schlafstörungen bei Krebspatient*innen

Viele Krebspatient*innen leiden im Laufe ihrer Erkrankung unter Schlafstörungen [1]. Schlafmangel kann sehr belastend sein und kann die Lebensqualität wesentlich beeinflussen. . Folgen von schlechtem Schlaf reichen von Tagesschläfrigkeit, rascher Erschöpfung, mangelndem Antrieb, Konzentrationsschwierigkeiten über Stimmungsschwankungen bis hin zu körperlichen, sozialen und auch beruflichen Beeinträchtigungen [1].

Was sind Ursachen?

Was nun tatsächlich den Schlaf raubt kann vielfältiger Natur sein. Körperliche Faktoren wie Schmerzen, Bluthochdruck, Husten, Atemnot oder Hormonstörungen können ebenso wie therapiebedingte Faktoren Schlafstörungen auslösen [1,2]. Krebspatient*innen sind außerdem durch die veränderte Lebenssituation vermehrtem Stress ausgesetzt: Angst um die eigene Existenz oder auch die Versorgung der Familie können belasten und zu vermehrtem Grübeln oder Depressionen führen. Diese Faktoren werden unter psychosozialen Ursachen zusammengefasst [3].

Welche Formen von Schlafstörungen gibt es?

Quelle: © deagreez - fotolia.com

Unter dem Insomnie-Syndrom versteht man mehr als dreimal in der Woche über einen Monat hinweg auftretende Schlafstörungen. Dazu zählen Einschlafschwierigkeiten, längeres Wachliegen in der Nacht sowie verfrühtes Aufwachen [3].
Das als Fatigue bekannte Erschöpfungssyndrom mit Verlust an Spannkraft und vermehrtem Erholungsbedürfnis kommt häufig vor und auch die gängige Tagesschläfrigkeit zählt zu Schlafstörungen. Bezeichnend ist dabei die Unfähigkeit, sich gegen das Einschlafen in monotonen Situationen erwehren zu können [2,3]. Als Nebenwirkung der Krebstherapie kann das Restless-Legs-Syndrom auftreten, ein Bewegungsdrang der Beine während des Schlafens. Zudem können schlafbezogene Atemstörungen auftreten mit Atemnot, Husten oder Schnarchen zu den am stärksten belastenden Symptomen gehören [2].

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Quelle: © Igor Mojzes - fotolia.com

Der erste Schritt für Patient*innen ist, sich dem Arzt oder der Ärztin mitzuteilen [1,5]. Unbehandelte Schlafprobleme können durch das angeeignete veränderte Schlafverhalten chronisch werden und auch noch nach dem Abschluss der Therapie auftreten [5]. Weiß der Arzt/die Ärztin Bescheid, kann er/sie den Ursachen auf den Grund gehen und entsprechende Therapiestrategien ermitteln. Werden Schlafstörungen z.B. durch das verabreichte Chemotherapeutikum oder durch andere aktivierend wirkende Medikamente verursacht werden, kann ein Therapiewechsel die Lösung sein.

Sind Schmerz oder Atembeschwerden die Gründe für Schlafstörungen, können sie mithilfe einer geeigneten supportiven Therapie gemildert werden. Bei durch Angst oder Depressionen bedingtem Schlafmangel, kann eine psychoonkologische Betreuung oder Verhaltensberatung helfen [2,4]. Weitere nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten von Schlafstörungen sind autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Lichttherapie oder Akupunktur [1,3].

Eine medikamentöse Therapie sollte erst in Betracht gezogen werden, wenn psychoonkologische Betreuung und die eingehende Analyse der Beschwerden nicht erfolgreich waren. Da nicht-medikamentöse Verfahren jedoch häufig nicht sofort wirken, kann die Therapie mit Medikamenten unter Umständen im Rahmen einer kurzfristigen Krisenintervention erwogen werden [2]. Eine Option stellen Melatonin-haltige Medikamente dar, die den Schlaf durch das Anheben des Schlafhormonspiegels fördern. Schlaffördernde Medikamente sollten in jedem Fall ärztlich verordnet und mit Vorsicht genommen werden. Zum einen sind Wechselwirkungen mit anderen Substanzen zu beachten, zum anderen können verschreibungspflichtige Schlafstabletten die Lebensqualität beeinflussen und schnell abhängig machen [2,3].  

Allgemeine Tipps

Im Grunde gelten für Krebspatient*innen dieselben Schlaf-Empfehlungen wie für Gesunde: Das Schlafzimmer sollte dunkel und ruhig sein, außerdem nicht zu warm. Die optimale Schlafzimmertemperatur liegt bei 18 Grad. Im besten Fall sollte das Schlafzimmer ausschließlich zum Schlafen genutzt werden. Rauchen und Kaffee-Trinken ebenso wie Alkohol und kohlenhydrathaltiges Essen sollten einige Stunden vor dem Zubettgehen vermieden werden; obwohl Bewegung grundsätzlich gut ist, kann auch sie unmittelbar vor dem Zubettgehen schlafstörend wirken [2,6].

Eine so genannte Bett-Routine einzuhalten kann hilfreich sein: Das können kleine Rituale wie zum Beispiel eine Wärmflasche oder das Auftragen einer Nachtcreme sein. Wichtig ist in diesem Zusammenhang ein regelmäßiger Ablauf, damit sich die innere Uhr darauf einstellen kann.

(red)


Quellen:

[1]Schlafstörungen bei Chemotherapie. KREBS & ICH – Ein Service der ABF-Apotheke. Abrufbar unter: https://www.krebs-und-ich.de/ratgeber/nebenwirkungen/artikel/schlafstoerungen-bei-chemotherapie/. Letzter Zugriff: 18.08.2022

[2] Schlafstörungen bei Tumorerkrankungen: Häufig, jedoch behandelbar. Magazin „Perspektive“ des Frauenselbsthilfe nach Krebs Bundesverbands e.V. Ausgabe 4/2018. Abrufbar unter: https://www.frauenselbsthilfe.de/_Resources/Persistent/be0af569d7f1e187eaefee84f7ecfb29d49c718d/2018-4-perspektive.pdf. Letzter Zugriff: 18.08.2022

[3] Magaya-Kalbermatten N & Strasser F. Insomnie bei Krebspatienten. Der informierte Arzt. Ausgabe 09/2013. Abrufbar unter: https://www.tellmed.ch/include_php/previewdoc.php?file_id=11501. Letzter Zugriff: 18.08.2022

[4] Zur Ruhe kommen - Entspannungstechniken für Krebspatienten. Stand: 08/2013. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Abrufbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2013/news60.php. Letzter Zugriff: 18.08.2022

[5] Lungenkrebspatienten sollten Schlafstörungen während Chemotherapie unbedingt dem Arzt melden. Stand: 01/2010. Lungenärzte im Netz. Verband Pneumologischer Kliniken e.V. (Hrsg.). Abrufbar unter: https://www.lungenaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/article/lungenkrebspatienten-sollten-schlafstoerungen-waehrend-chemotherapie-unbedingt-dem-arzt-melden/. Letzter Zugriff: 18.08.2022

[6] Schlafstörungen und mögliche Hilfestellungen für Krebsbetroffene. Stand: 06/2021. MedMedia Verlag und Mediaservice GmbH. Abrufbar unter: https://www.medmedia.at/ahop/schlafstoerungen-und-moegliche-hilfestellungen-fuer-krebsbetroffene. Letzter Zugriff: 18.08.2022

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 18.08.2022

Mehr zum Thema Mehr zum Thema Beschwerden bei der Krebstherapie:

Zuletzt aufgerufen am: 07.12.2022 16:10