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Häufige Fragen zu Knochenmetastasen

Arzt und Patientin sehen sich Röntgenaufnahme an, © Alexander Raths, fotolia.com
Quelle: © Alexander Raths - Fotolia.com

Regelmäßig erreichen unsere Redaktion Anfragen von Patienten und Angehörigen. Wir haben für Sie häufige Fragen zu Knochenmetastasen zusammengestellt:

Was sind die häufigsten Krebsarten, bei denen Knochenmetastasen auftreten können?
Zu Knochenmetastasen kommt es vor allem bei Brust- oder Prostatakrebs, relativ häufig auch bei Tumorerkrankungen der Lunge, Niere oder Schilddrüse. Es handelt sich um Absiedelungen dieser so genannten Primärtumoren (Muttergeschwülste), die über den Blutstrom in die Knochen gelangen. Dort können sich die Tumorzellen festsetzen und zu Tochtergeschwülsten entwickeln. Am häufigsten sind Wirbelsäule, Becken oder Rippen betroffen. Hiervon zu unterscheiden sind eigenständige Knochentumoren, z.B. Osteosarkome, die anders behandelt werden müssen.

Was bedeuten Knochenmetastasen für die Prognose?
Liegen Knochenmetastasen vor, ist eine Krebserkrankung fortgeschritten und eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich. Dann steht die Lebensqualität im Vordergrund. Therapien zielen deshalb darauf ab, Schmerzen zu lindern, Knochenbrüchen und anderen Komplikationen vorzubeugen sowie die Lebensqualität zu verbessern oder zu erhalten.

Wie machen sich Knochenmetastasen bemerkbar? Deutet jeder Knochenschmerz auf eine Metastasierung hin?
Nicht jeder Knochenschmerz bei einem Krebspatienten rührt von Metastasen her. Es kann beispielsweise auch eine andere Erkrankung wie beispielsweise Arthrose dahinter stecken. Schmerzen sind jedoch immer ein Warnzeichen und sollten abgeklärt werden. Krebspatienten, bei denen der behandelnde Arzt im Verlauf der Krebserkrankung das Auftreten von Knochenmetastasen befürchtet, sollten frühzeitig mit ihm über Untersuchungsmöglichkeiten und Knochenschutz sprechen und nicht warten, bis Schmerzen einsetzen.

Wie werden Knochenmetastasen festgestellt?
Knochenmetastasen lassen sich gut durch eine sogenannte Skelettszintigrafie aufspüren. Bei diesem nuklearmedizinischen Verfahren bekommt der Patient eine schwach radioaktive Substanz in die Armvene gespritzt, die für eine kurze Zeit Gamma-Strahlen aussendet. Mithilfe einer Gamma-Kamera werden dann Ganzkörperaufnahmen angefertigt („Knochen-Scan“). Bereiche, die als dunkle Flecken erscheinen, sind verdächtig und können einen Hinweis auf Knochenmetastasen geben. Ergänzend werden Röntgenaufnahmen, Kernspin- oder Computertomografie angefertigt, um die Diagnose zu sichern. Wenn der Arzt Knochenmetastasen feststellt, ohne dass ein Primärtumor bekannt ist, hilft eine Probeentnahme (Biopsie) aus dem Knochenareal bei der Suche nach der Muttergeschwulst weiter.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es bei Knochenmetastasen?
Knochenmetastasen erfordern ein sogenanntes interdisziplinäres Behandlungskonzept, d.h. es werden der Radiologe, der Onkologe, der Nuklearmediziner und möglicherweise der Strahlentherapeut und der Chirurg zusammen die Behandlung steuern. Die Therapie wird durch die Muttergeschwulst als Ausgangsort, das Beschwerdebild, die Lage der Metastasen, mögliche Vortherapien und den Allgemeinzustand des Patienten bestimmt. Bereiten die Metastasen keine Probleme, lässt sich beispielsweise durch die medikamentöse Therapie mit Bisphosphonaten oder speziellen Antikörpern Knochenbrüchen und anderen Komplikationen vorbeugen. Verursachen die Metastasen starke Schmerzen, sorgt möglicherweise eine Bestrahlung der betroffenen Region für Linderung. Auch bei drohenden Wirbelbrüchen kann eine sofortige Strahlenbehandlung sinnvoll sein, um Rückenmarksschädigungen (Kompressionssyndrom) zu verhindern. Befallene Wirbel können in speziellen Situationen mit Knochenzement fixiert werden (Vertebro- bzw. Kyphoplastie). Knochenbrüche müssen oftmals operativ versorgt werden, anschließend erfolgt dann eine Bestrahlung. Die Behandlung mit strahlenden Partikeln, so genannten Radionukliden, kann helfen, wenn andere Therapiemaßnahmen nicht zur gewünschten Schmerzlinderung geführt haben.

Welche Nebenwirkungen können medikamentöse Therapien haben?
Sowohl Bisphosphonate als auch spezielle Antikörper, die bei Knochenmetastasen zum Einsatz kommen, können in seltenen Fällen eine so genannte Kieferosteonekrose zur Folge haben. Hierbei handelt es sich um ein umschriebenes Absterben von Knochengewebe im Kieferbereich. Die Ursachen dafür sind noch nicht genau geklärt. Allerdings weiß man, dass vorbeugende Maßnahmen das Risiko verringern können. Vor Therapiebeginn sollte bei Patienten mit bestehenden Zahn- und Kieferbefunden eine zahnärztliche Untersuchung mit angemessener präventiver Zahnbehandlung erwogen werden. Während der Behandlung sollten Patienten invasive zahnärztliche Eingriffe, wenn möglich, vermeiden. Während der Therapie muss außerdem eine gute Mundhygiene beibehalten werden.

Unter Infusionen mit Bisphosphonaten kommt es ggf. vorübergehend zu grippeartigen Symptomen. Bisphosphonat-Tabletten führen in manchen Fällen zu Magen-Darm-Problemen. Eine aufrechte Position während und nach der Einnahme kann dieser Nebenwirkung vorbeugen.

Die Antikörpertherapie bei Knochenmetastasen verursacht sehr häufig (kann mehr als 1 von 10 Patienten betreffen) Kurzatmigkeit und Durchfall. Die häufigsten Nebenwirkungen (beobachtet bei 1 bis 10 von 100 Patienten) sind niedrige Kalziumspiegel im Blut (Hypokalzämie), niedrige Phosphatspiegel im Blut (Hypophosphatämie), anhaltende Schmerzen und/oder nicht heilende, wunde Stellen im Mund- oder Kieferbereich, Ziehen eines Zahnes und starkes Schwitzen. Gelegentliche Nebenwirkungen (kann bis zu 1 von 100 Patienten betreffen) sind geschwollene, gerötete Stellen der Haut, die sich heiß und schmerzhaft anfühlen (bakterielle Unterhautinfektion) und manchmal mit Fieber und Schüttelfrost einhergehen können. Als Zeichen allergischer Reaktionen können Atemgeräusche oder Atembeschwerden, Schwellung des Gesichts, der Lippen, der Zunge oder anderer Körperteile sowie Hautausschlag, Juckreiz oder Nesselsucht auftreten.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen gegen Knochenmetastasen?
Medikamente, die Knochenmetastasen verhindern können, stehen derzeit nicht zur Verfügung. Generell können sich aber Krebstherapien, die im ganzen Körper wirken, auch gegen Tumorabsiedelungen im Knochen richten. Außerdem kann ein Lebensstil mit ausgewogener Ernährung, ausreichender Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr sowie leichter sportlicher Betätigung die Knochenstabilität unterstützen. Wenn allerdings schon Knochenmetastasen festgestellt wurden, muss mit dem behandelnden Arzt festgelegt werden, welche Belastung oder sportliche Betätigung erlaubt ist.

 

(red)

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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