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Psychosoziale Interventionen bei der Behandlung von Fatigue

Kognitive Verhaltenstherapie / Verhaltenstherapie

Vor allem kognitive Verhaltenstherapie bzw. Verhaltenstherapie können in vielen Fällen Fatigue-Beschwerden bessern. In diesen Therapien wird herausgearbeitet, welcher Zusammenhang zwischen den körperlichen Beschwerden, der Bewertung dieser Beschwerden (beispielsweise „grauenvoll“), daraus resultierender seelischer Befindlichkeit (beispielsweise „Verzweiflung“) und bestimmten Verhaltensweisen besteht. Den Patienten wird vermittelt, dass durch eine angemessene Bewertung der Situation die Lebensqualität positiv beeinflusst werden kann. Einschlaf- und Durchschlafprobleme lassen sich durch Verhaltenstherapie bessern. Zudem werden Hilfestellungen für den Umgang mit Stimmungsschwankungen, Ängsten und Stresssituationen erarbeitet.

Anleitung zum Energiespar- und Aktivitätsmanagement

Hierbei handelt es sich um Anregungen, mit den eigenen Kräften sparsam umzugehen, indem beispielsweise der Fokus auf die Erledigung der wichtigsten Aufgaben gelegt wird, in den Berufs- und sonstigen Alltag regelmäßige Ruhepausen eingebaut werden und Freizeitaktivitäten wie ein Kino- oder Theaterbesuch, Musik, Verabredungen mit Freunden, Spaziergänge oder Gartenarbeit genügend Raum erhalten.

Entspannungstechniken

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Ebenfalls hilfreich können Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation und achtsamkeitsbasierte Stressreduktion sein.

Mind-Body Interventionen

In der jüngeren Vergangenheit wurde in klinischen Studien nachgewiesen, dass Mind-Body Interventionen Fatigue-Beschwerden günstig beeinflussen können. Vor allem für Yoga und Akupunktur wurden positive Effekte bestätigt. In einer Studie mit Brustkrebspatientinnen etwa besserte sich durch ein dreimonatiges Yogatraining mit jeweils zwei 90-minütigen Sitzungen pro Woche die Vitalität der Patientinnen, Entzündungsparameter gingen zurück, Fatigue-Beschwerden ebenfalls.

Ob weitere Mind-Body Interventionen wie Biofeldtherapie, Massage, Musiktherapie, Relaxation, Reiki oder Qigong Fatigue-Beschwerden lindern können oder nicht, müssen zukünftige Studien klären.

Begleitung und Monitoring

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Um Fatigue langfristig zu bessern und zu verhindern, dass die Beschwerden wiederkehren, kann es hilfreich sein, sich selbst zu beobachten, etwa mithilfe eines Fatigue-Tagebuchs oder eines Fatigue-Kalenders. Treten Beschwerden auf, sollten diese zeitnah mit dem Arzt oder der Ärztin besprochen werden, um frühzeitig zu intervenieren.

Quellen:

[1] Bower, J. E. et al.: Screening, Assessment, and Management of Fatigue in Adult
Survivors of Cancer: An American Society of Clinical Oncology Clinical Practice Guideline Adaptation. J Clin Oncol 2014, 32(17):1840-51

[2] Fuhrmann, K. et al.: Fatigue in breast cancer patients: psychometric evaluation of the fatigue questionnaire EORTC QLQ-FA13. Breast Cancer 2014, 10.1007/s12282-014-0527-1

[3] Horneber, M. et al.: Tumor-assoziierte Fatigue. Epidemiologie, Pathogenese, Diagnostik und Therapie. Deutsches Ärzteblatt 2012, 109(9):161-72

[4] Kluthcovsky, A. et al.: Fatigue after treatment in breast cancer survivors: prevalence, determinants and impact on health-related quality of life. Supportive Care in Cancer 2012, 20(8):1901-09

[5] Meneses-Echavez, J. F. et al.: Effects of supervised exercise on cancer-related fatigue in breast cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. BMC Cancer 2015, 15:77, DOI 10.1186/s12885-015-1069-4

[6] Molassiotis, A. et al.: Acupuncture for Cancer-Related Fatigue in Patients With Breast Cancer: A Pragmatic Randomized Controlled Trial. J Clin Oncol 2012, 30(36):4470-76

[7] Palesh, O. G. et al.: Prevalence, Demographics, and Psychological Associations of Sleep Disruption in Patients With Cancer: University of Rochester Cancer Center–Community Clinical Oncology Program. J Clin Oncol 2010, 28(2):292-8

[8] Spathis, A. et al.: Modafinil for the Treatment of Fatigue in Lung Cancer: Results of a Placebo-Controlled, Double-Blind, Randomized Trial. J Clin Oncol 2014, 32(18):1882-89

[9] S3-Leitlinie: Nicht erholsamer Schlaf / Schlafstörungen. Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Somnologie 2009, 13:4-160

[10] Vries, U.: Tumorbedingte Fatigue und ihre psychosozialen Belastungen. Der Urologe 2012, 3 DOI: 10.1007/s00120-012-2844-3

 

Fachberatung:

Prof. Dr. med. Florian Lordick, Leipzig, Sprecher der AG Palliativmedizin in der Deutschen Krebsgesellschaft

Prof. Dr. med. Oliver Rick, Bad Wildungen, Vorsitzender der AG Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin (ASORS)

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 24.11.2016

Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54