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Mangelernährung als Nebenwirkung einer Krebstherapie

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Eine Mangelernährung kann in mehrfacher Hinsicht entstehen:

  • ungewollter, krankheitsbedingter Gewichtsverlust
  • Eiweißmangel
  • Mangel an bestimmten Nährstoffen, z. B. Vitaminen


Bei Krebspatienten kommt es besonders oft zu Mangelernährung, schätzungsweise 30 bis 80 Prozent von ihnen sind betroffen. Die Gründe dafür sind vielfältig: Appetitlosigkeit, Geschmacksveränderungen, Mundtrockenheit, schmerzhafte Mundschleimhautentzündungen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen sind Nebenwirkungen der Therapien und führen dazu, dass die Betroffenen weniger essen mögen. Bei Tumoren im Kopf-Halsbereich kommt es oft – entweder durch den Tumor selbst oder infolge der Behandlung – zu Schluckbeschwerden, Tumoren im Magen-Darmbereich führen zu Resorptionsstörungen, und auch der Tumor selbst kann, indem er chronische Entzündungen verursacht und den Stoffwechsel anregt, Auszehrung (Kachexie) bedingen.

Magelernährung hat weitreichende Konsequenzen
Egal, welche Ursache – Mangelernährung hat weitreichende Konsequenzen: Körpereiweiß geht verloren, Muskeln werden abgebaut (Sarkopenie), der Stoffwechsel verändert sich. Durch eine Schwächung des Immunsystems kommt es zu Infektionen mit weiteren Erkrankungen, z. B. Lungenentzündung. Die Krebstherapie wird dadurch erschwert, Nebenwirkungen können stärker werden, nach der Operation treten Wundheilungsstörungen auf. Nicht zuletzt leidet auch die Lebensqualität der Patienten.

Tab.: Mögliche Auswirkungen einer tumorbedingten Mangelernährung auf den Körper

Immunsystem

erhöhte Infektanfälligkeit

Muskel- und Skelettsystem

Verlust an Muskelmasse, Müdigkeit, schnelle körperliche Erschöpfung, Schwäche

Haut

Haarausfall, trockene und schuppige Haut, gestörte Wundheilung

Blut

reduzierte Funktionstüchtigkeit der roten Blutkörperchen

Herz und Atmung

Verschlechterung der Herzleistung, gestörter Herzrhythmus, Bluthochdruck, Schwäche der Atemmuskulatur

Körpergewicht

Ungewollter Gewichtsverlust

Nervensystem

Angst, Depression, Teilnahmslosigkeit, verminderte Konzentrationsfähigkeit

 

Darüber hinaus ist Tumorkachexie mit einer geringeren Überlebenswahrscheinlichkeit und geringeren krankheitsfreien Zeiten verbunden. Es gilt deshalb Mangelernährung und Kachexie rechtzeitig zu bemerken und dagegen zu wirken. Nach der Sepsis ist die Kachexie die zweithäufigste Todesursache bei Krebspatienten. Wird der Kachexie rechtzeitig entgegen gewirkt, kann ein deutlich längeres Langzeitüberleben verzeichnet werden.

Mangelernährung selbst erkennen
Die einfachste, aber auch wichtigste Maßnahme zur Gewichtskontrolle ist der regelmäßige Gang auf die Waage. Damit kann auch zu Hause die Gewichtsentwicklung beobachtet werden. Ein Gewichtsverlust von fünf Prozent innerhalb von sechs Monaten (bei Personen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von < 20 zwei Prozent) deutet auf eine Mangelernährung oder sogar Kachexie hin.

 

Wie wird Mangelernährung therapiert?
Die Therapie von Mangelernährung und Tumorkachexie sollte frühzeitig in die Wege geleitet werden, da der Startpunkt durchaus auch wichtig für die Krankheitsprognose sein kann. Mithilfe von Konditionierungskonzepten und ernährungstherapeutischer Betreuung kann der Mangelernährung vorgebeugt werden oder die Ausmaße dieser zumindest eingedämmt werden. In vielen Fällen muss bei den sekundären Ursachen der Mangelernährung angesetzt werden, beispielsweise bei Schmerzen und Übelkeit, welche die normale Nahrungsaufnahme verhindern.

In einigen Situationen empfiehlt es sich, schon vor der Entstehung von Mangelernährung präventive Maßnahmen zu ergreifen. Ist beispielsweise eine Operation geplant, die den Gastrointestinaltrakt noch mehrere Wochen beeinträchtigen kann, sollte dementsprechend die künstliche Ernährung eingeleitet werden. Orale Trinknahrung, Sondenernährung und parenterale Ernährung sind die Möglichkeiten, um eine ausreichende Kalorienzufuhr zu gewährleisten. Nach der Operation sollte die künstliche Ernährung weitergeführt werden, solange sie nötig ist.

Bei allen großen gastrointestinalen Eingriffen wird routinemäßig das Platzieren einer Sonde erwogen. Selbst wenn Nahrung auf normalem Wege aufgenommen werden kann, wird der Energiebedarf häufig für längere Zeit nicht gedeckt. Da die Kalorienzufuhr des öfteren über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend ist, sollte das Gewicht genau im Auge behalten werden und ein Ernährungsberater konsultiert werden.  

Als nicht-medikamentöse Maßnahme empfiehlt es sich, körperlich aktiv zu bleiben und dem Muskelabbau entgegenzuwirken.

 

(red)



Quellen:

[1] Arends, J: Kachexie. FORUM 2014, 29(5):392-399
[2] Faber, G. et al.: Krebs und Ernährung. Der Onkologe 2011, 17(10):906-912
[3]Elsner Frank et al: Ernährung bei Tumorerkrankungen. Herausgegeben in: Onkologisch. Springer Medizin Verlag GmbH. Ausgabe 1/2017.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 12.04.2018

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Aktualisiert am: 18.05.2018 11:45