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Konzentrationsschwäche und Gedächtnisverlust unter oder nach einer Krebstherapie

Während und nach der Chemotherapie stellen viele Patienten fest, dass sie unter Gedächtnisproblemen leiden und es ihnen allgemein schwerer fällt, sich zu konzentrieren. Bekannt unter dem Mythos „Chemobrain“ wurden lange Zeit alle kognitiven Probleme zusammengefasst, die in Zusammenhang mit einer Chemotherapie beobachtet werden konnten. Dazu zählten Gedächtnisstörungen, Lernprobleme, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, Wortfindungsschwierigkeiten und manchmal auch Probleme bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben. Der jüngsten Studie Cognicares (Cognition in Breast Cancer Patients – the Impact of Cancer-related Stress) zufolge ist allerdings nicht die Chemotherapie für die Auffälligkeiten verantwortlich. Stattdessen kann die Wurzel der Gedächtnisprobleme im posttraumatischen Stress verortet werden. [4]

Ursachen für die kognitiven Probleme

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„Es ist gut nachgewiesen, dass posttraumatischer Stress – nicht zu verwechseln mit normalem Alltagsstress – tief in die Arbeitsweise des Gehirns eingreift. […] Eine Krebserkrankung kann als Trauma erlebt werden. Deshalb war es naheliegend, die Hypothese aufzustellen, dass kognitive Auffälligkeiten bei Krebspatientinnen eine Folge von posttraumatischer Stressbelastung sind.“, erklärt Dr. Kerstin Hermelink, die Initiatorin der Studie vom Brustzentrum der LMU München, welche die Ursachen des so genannten Chemobrains hinterfragte. 166 Frauen mit der Diagnose Brustkrebs unterzogen sich drei Mal jährlich diversen Tests, die ihre kognitiven und neurophysiologischen Fähigkeiten umfassend untersuchten. Die Stärke der posttraumatischen Belastung scheint bei der erbrachten Leistung eine maßgebliche Rolle zu spielen. Psychologische Faktoren sind somit wesentlich wahrscheinlicher als neurotoxische Nebenwirkungen der Behandlung. [2] Nur in einem Punkt scheint ein Zusammenhang zwischen der Chemotherapie und den kognitiven Fähigkeiten zu bestehen: Bei einem Reaktionstest waren die Chemotherapie-Patientinnen minimal langsamer als zuvor. Der Grund dafür sind durch Medikamente verursachte Nervenschäden. Konzentrationsstörungen dagegen seien ganz klar psychologischer Natur. [5] Das Spektrum der Auswirkungen ist groß, denn das Trauma kann sich ebenfalls durch Depressivität oder Angst äußern, die die Symptomatik noch verstärken.

Symptomatik von Konzentrationsschwäche und Gedächtnisverlust

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Die Symptomatik bleibt jedoch dieselbe und kann im Rahmen der Möglichkeiten therapiert werden. Als Hauptverursacher der kognitiven Probleme gelten die Verminderung der roten Blutkörperchen, Stress, Depressionen und Angst. Aber auch Fatigue sowie hormonelle Änderungen und medikamentöse Nebenwirkungen wirken sich negativ auf die Konzentrationsfähigkeit aus. Medikamente können umgestellt werden, hormonellen Veränderungen kann durch entsprechende Therapien entgegen gewirkt werden. Gegen Depressionen können Psychotherapien helfen oder gegebenen falls auch Medikamente verschrieben werden. [6]

Aktiv werden mithilfe von Konzentrationstraining

Das Studienergebnis hält auch eine gute Nachricht bereit, denn Patienten müssen nicht um eine dauerhafte Minderung ihrer kognitiven Fähigkeiten bangen. Stattdessen können Sie durch eine Traumatherapie oder auch Konzentrationstraininginterventionen zu gewohnten Fähigkeiten zurückzukehren.

Was bedeutet Konzentration überhaupt? Der Duden definiert Konzentration als hohen Grad der Aufmerksamkeit und der geistigen Anspannung, die auf eine bestimmte Tätigkeit gerichtet ist. [3] Äußere Ablenkungen sollten dabei gemieden werden. Bei den inneren Ablenkungsfaktoren gestaltet es sich schon schwieriger, denn Gefühle, Gedanken oder Bedürfnisse wie Hunger können jederzeit dazwischenfunken. Stillen Sie daher all Ihre Bedürfnisse, bevor Sie sich an ein Projekt setzen. Stoppen Sie aufflackernde Gedanken, sobald Sie sich beim Abdriften ertappen. [2] Konzentration kann außerdem geschult und erlernt werden. Es ist daher also nicht schlimm, wenn zunächst ‚nur‘ kleine Erfolge zu verzeichnen sind.

Es kann auch helfen, die Aufgaben in kleinere Abschnitte zu unterteilen. Zwischen den Abschnitten darf gern guten Gewissens eine Pause eingelegt werden, denn Sie haben bereits etwas geschafft. So sammeln sie neue Kraft, um konzentriert weiter arbeiten zu können. Nach 15 bis 20 Minuten der Ruhe funktioniert das Konzentrieren oft wieder besser. [2] Parallel zwei Aufgaben erledigen zu wollen ist ebenfalls kontraproduktiv und erzeugt ein unruhiges Gefühl.

Kleine Tipps und Tricks können im Alltag helfen, sich schneller an Dinge zu erinnern. Beispielsweise können Notizen oder ein gut geführter Kalender einen verpassten Termin verhindern. Sich bewusst die Tätigkeit, die man in diesem Moment ausübt, laut zu verbalisieren regt das Gedächtnis zusätzlich an. So können Sie beispielsweise laut sagen: „Ich lege den Brief auf den Küchentisch.“ Spiele wie Ich packe meinen Koffer können das Gedächtnis zusätzlich trainieren. Aber auch hier gilt: Nicht zu viel erwarten! Seien Sie geduldig mit sich.

Allgemeine Tipps

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Generell wird Menschen mit Konzentrationsproblemen oder Gedächtnisverlust ein gesunder Lebensstil empfohlen. Dieser beinhaltet regelmäßige sportliche Betätigung, gesunde Ernährung mit vielen natürlichen Vitaminen, ausreichend Schlaf, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin – beziehungsweise der genussvolle Konsum – und die Vermeidung von Stresssituationen. Des Weiteren können gesellschaftlich und intellektuell stimulierende Aktivitäten helfen, sich mental fit zu halten. Je nach persönlichen Interesse kann das beispielsweise das Erlernen einer Fremdsprache oder eines Musikinstruments sein. Schach, das Lösen von Kreuzworträtseln oder auch das Verrichten von Handarbeiten wie Nähen oder Stricken sind ebenfalls Tätigkeiten, die die geistige Funktion stärken. [6]

Fachleute können weiter helfen

Wenn Sie sich trotz allem unsicher sind und sich keine Verbesserung einstellt, suchen Sie ruhig einen ausgebildeten Psychoonkologen auf. Dieser ist mit dem Krankheitsbild und Ihren Problemen vertraut und kann individuell beraten. In den meisten Fällen wird eine Anamnese durchgeführt und therapierbare Probleme herausgearbeitet. Bei sehr schweren kognitiven Störungen kann der Psychoonkologe auch einen Neurophysiologen konsultieren.

Linktipps zum Üben

Hier ein paar kleine Gedächtnistrainingsspiele und Anregungen:

 

(jk)

Quellen

[1] Zürner, Peter (2014): Chemohirn/Krisenhirn. Konzentrationsschwäche und Gedächtnisstörung bei Krebs. Eine Broschüre der Deutschen Leukämie- & Lymphom-Hilfe Stiftung. Download unter: https://dlh-stiftung.de/wp-content/uploads/DLH-Stiftung-2014-Chemohirn-Konzentrationsschwaeche-und-gedaechtnisstoerungen-bei-krebs.pdf

[2] Chemotherapie sorgt wohl nicht für Gedächtnisstörung. Erschienen in: Ärztezeitung (05.05.2017). Online verfügbar unter https://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/mamma-karzinom/article/935132/verdacht-widerlegt-chemotherapie-sorgt-wohl-nicht-gedaechtnisstoerung.html

[3] https://www.duden.de/rechtschreibung/Konzentration (Stand 19.09.2018)

[4] Chemobrain Folge von Posttraumatischem Stress. Online-Artikel vom 12.05.2017.
https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/chemobrain-folge-von-posttraumatischem-stress-11358/

[5] Fischer, Lars: 'Chemobrain' kommt nicht durch Chemotherapie. Erschienen in: Spektrum (04.05.2017). Online verfügbar unter https://www.spektrum.de/news/chemobrain-kommt-nicht-durch-chemotherapie/1455097

[6] Levin, Michael C.(2018): Gedächtnisverlust. Online verfügbar unter https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/störungen-der-hirn-,-rückenmarks-und-nervenfunktion/symptome-von-störungen-bzw-erkrankungen-des-gehirns,-des-rückenmarks-und-der-nerven/gedächtnisverlust

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 14.09.2018

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Aktualisiert am: 19.10.2018 15:04