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Maßnahmen zum Erhalt der Fruchtbarkeit bei Krebstherapien

Für den Fall, dass es nach Abschluss der Krebstherapie wahrscheinlich ist, auf natürlichem Wege kein Kind zu bekommen, stehen für Frauen und Männer verschiedene Maßnahmen zum Schutz der Fruchtbarkeit vor der Krebstherapie zur Verfügung. In der Regel besteht vor Beginn der Behandlung auch ausreichend Zeit, um Vorkehrungen für die spätere Familienplanung zu treffen.

Für Frauen: etablierteste Methode ist das Einfrieren von Eizellen

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Bis vor einigen Jahren gab es fast keine fertilitätserhaltenden Möglichkeiten bei der Frau. Durch die rasanten Fortschritte in der Reproduktionsmedizin hat sich dies erfreulicherweise geändert, und es gibt verschiedene Optionen, die in Abhängigkeit vom Beginn und Art der Krebsbehandlung für die Patientin möglich sind:

  • Das bislang besterprobte und erfolgreichste Verfahren ist das Einfrieren von befruchteten Eizellen. Hierzu ist es erforderlich, dass mit dem Start der Krebstherapie auf jeden Fall noch 2 Wochen gewartet werden kann. Dieser Zeitrahmen ist erforderlich, um durch eine sog. hormonelle Stimulation eine größere Menge Eizellen heranreifen zu lassen und damit später die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten einer Schwangerschaft zu erhöhen. Hierbei werden Hormone unter die Haut gespritzt, nach 2 Wochen können in einem kleinen operativen Eingriff meist 10 bis 20 reife Eizellen entnommen werden. Diese werden dann künstlich, mit den Spermien des Partners im Reagenzglas, befruchtet. Möglich sind hierbei die In-vitro-Fertilisation (IVF), also die einfache Zugabe der Spermien zu den Eizellen. Bei unzureichender Qualität oder Menge des männlichen Spermas können die Spermien auch direkt mittels Kanüle in die Eizelle injiziert werden (sog. intrazytoplasmatische Spermatozoeninjektion, ICSI). Anschließend erfolgt das Einfrieren (Kryokonservierung) der nun befruchteten Eizellen.
  • Durch Verbesserung von Labortechniken besteht heute auch die Möglichkeit, unbefruchtete Eizellen einfrieren zu lassen und diese erst später, im Bedarfsfall, einer künstlichen Befruchtung zuzuführen [4].
  • Auch das Einfrieren von entnommenem Eierstockgewebe stellt eine mögliche fruchtbarkeitserhaltende Maßnahme
    dar – sofern es keine Tumorzellen enthält. Nach abgeschlossener Therapie kann das Eierstockgewebe wieder rückverpflanzt (transplantiert) werden und seine Funktion wieder aufnehmen. Zu dieser relativ jungen Methode gibt es inzwischen überzeugende Studiendaten [5], [6]. Sie ist auch bei sehr jungen Mädchen möglich, die noch keine Geschlechtsreife erreicht haben und bei denen daher noch keine reifen Eizellen vorliegen [7].
  • Bei erforderlicher Strahlentherapie können durch einen kleinen operativen Eingriff die Eierstöcke aus dem Bestrahlungsfeld verlegt und später wieder rückverlegt werden. Damit die Eierstöcke ausreichend weit aus dem Bestrahlungsfeld genommen werden können, müssen bei dieser Methode die Eileiter durchtrennt werden. Hinterher ist es dann nur noch möglich, mittels künstlicher Befruchtung schwanger zu werden.
  • Ist die Krebserkrankung noch nicht so weit fortgeschritten, kann ggf. gewebeschonend operiert, d.h. beispielsweise nur der erkrankte Eierstock entfernt werden (s. oben).
  • Mithilfe bestimmter Medikamente kann versucht werden, die Fruchtbarkeit zu erhalten.

 

Werden bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen mehrere fertilitätserhaltende Maßnahmen durchführt, erhöht dies die Chance auf ein eigenes Kind nach der Krebstherapie [7].

Für Männer: Einfrieren von Spermien oder Hodengewebe

Bei Männern ist die Kryokonservierung von Spermien etabliert, hierbei werden vor der Krebsbehandlung durch Ejakulation die Samenzellen gewonnen und eingefroren. Durch eine künstliche Befruchtung kann die Partnerin mit dem eingefrorenen Sperma dann später schwanger werden.
Ist es bei einem Mann nicht möglich, per Samenerguss Spermien zu gewinnen, kann Hodengewebe auch operativ entnommen und eingefroren werden. Da sich im Hodengewebe sehr viel weniger Spermien befinden, ist bei Kinderwunsch eine ICSI-Behandlung erforderlich.

(lb)

Quellen:
[1] Deutsche Krebshilfe e.V. (hrsg.): Kinderwunsch und Krebs. Die blauen Ratgeber 49, 2007.
[2] http://www.krebsinformationsdienst.de
[3] http://www.fertiprotekt.de
[4] R. Dittrich,   L. Lotz,   A. Müller,   J. Hackl,   P.G. Oppelt,  T. Hildebrandt, M.W. Beckmann. Gynäkologe 2013 · 46:616–623
[5] Donnez J, Dolmans MM, Pellicer A, Diaz-Garcia C, Ernst E, Macklon KT, Andersen CY. Lancet. 2015 Feb 7;385(9967):506-7
[6] Ralf Dittrich, Ph.D., Janina Hackl, M.D., Laura Lotz, M.D., Inge Hoffmann, M.D., Matthias W. Beckmann, M.D. Fertility and Sterility® Vol. 103, No. 2, February 2015
[7] Interview mit Prof. Dr. Ralf  Dittrich am 13. März 2015

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 30.03.2015

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Aktualisiert am: 23.06.2017 11:26