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Mobile Helfer – können Apps bei der Krebsvorsorge und Therapie unterstützen?

Noch ist der Markt für Apps zum Thema Krebs überschaubar. Schaut man sich jedoch die allgemeine Entwicklung der mobilen Gesundheits-Anwendungen an, ist klar: Auch beim Thema Krebs geht der der Trend in Richtung digitales Selbstmanagement – vor allem im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung [1,2]. Schon jetzt gibt es einige Apps, die bei der Krebsvorsorge und bei der Therapie unterstützen sollen.

Wichtig: Auf vertrauenswürdigen Anbieter achten

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Bevor Sie die Installation oder den Kauf einer App in Betracht ziehen, sollten Sie zunächst darauf achten, ob es sich um einen vertrauenswürdigen Anbieter mit qualitätsgesicherten Informationen handelt. Der Anbieter muss im Impressum angegeben sein.

Kliniken, Vereine und Selbsthilfegruppen ohne kommerzielle Absichten bieten meist werbefreie Anwendungen an und arbeiten oft mit einem wissenschaftlichen Gremium zusammen, das für die Qualität der Informationen bürgt. 

Wichtig zu beachten ist auch, dass mit der Installation keine versteckten Kosten (z. B. ein Abo) verbunden sind.  Auf jeden Fall sollte sichergestellt sein, dass keine Unbefugten von Außerhalb Zugriff auf die medizinischen Daten haben – um beispielsweise personalisierte Werbung zu schalten. Wie in einer Studie des Bundesgesundheitsministeriums von 2016 ermittelt wurde, halten Gesundheits-Apps die datenschutzrechtlichen Anforderungen häufig nicht ein. Wichtig ist auch zu wissen: Werden die Daten im Ausland gespeichert,  ist die Nutzung nicht dem deutschen Datenschutzrecht unterworfen. [1,2]

Unterstützung bei der Krebs-Vorsorge

Am häufigsten anzutreffen sind beim Thema Krebs mobile Anwendungen, die bei der Krebsvorsorge unterstützen sollen. Beispielsweise wird in der App "Selbstuntersuchung der Brust" mit Hilfe einer bebilderten Anleitung das Abtasten der Brust zur monatlichen Selbstuntersuchung erklärt. Zur Prävention von Hautkrebs bietet der Berufsverband der Deutschen Dermatologen e.V. die App „UV-Check“ an. Sie bietet neben vielen Informationen auch die Möglichkeit, die Eigenschutzzeit der Haut zu berechnen. Außerdem können Hautschäden und Hautveränderungen fotografisch dokumentiert werden. [3]

Vorsicht geboten ist jedoch bei Apps, die versprechen, das Hautkrebsrisiko bei konkreten Hautverfärbungen oder Veränderungen von Hautflecken einzuschätzen. Diese Apps basieren in der Regel auf einer Bilddatenbank, die das abfotografierte Nutzer-Bild mit den Fotos der Datenbank vergleicht. Aufgrund der vorhandenen Ähnlichkeiten wird dann das Hautkrebsrisiko berechnet. Das funktioniert allerdings nicht zuverlässig. Ärzte warnen deshalb davor, sich nur auf die App-Auswertung zu verlassen. Bei verdächtigen Hautveränderungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. [4,5]

Apps zur Berechnung des individuellen Krebs-Risikos

Auch für andere Krebsarten gibt es Apps, die mit Hilfe verschiedener Faktoren wie Lebensstil, familiären Erkrankungen bzw. Veranlagungen und dem eigenen Gesundheitszustand das Erkrankungsrisiko berechnen. Sie stammen oft von kommerziellen Anbietern und basieren nicht immer auf den neusten wissenschaftlichen Erkenntnissen. 

Apps zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatienten

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Weniger problematisch sind Apps, die darauf abzielen, die Lebensqualität von Krebspatienten zu verbessern. „Sport gegen Krebs“ beispielsweise gibt Krebspatienten Tipps und Anleitungen, wie sie während und nach der Krebsbehandlung ihr Wohlbefinden durch Sport und Bewegung fördern können. [7] In eine ähnliche Richtung geht die Anwendung „movival - Aktiv gegen Krebs“. Hier soll durch Bewegung das Rückfallrisiko gesenkt werden (die werbefreie Vollvariante ist allerdings mit einem kostenpflichtigen Abo verbunden). [8] 

Da eine beträchtliche Anzahl von Tumorpatienten an Mangelernährung leidet und eine gesunde Ernährung das Wohlbefinden fördert,  bietet das Tumorzentrum München „Rezepte für Patienten mit Krebs“ als mobile Anwendung an. Zu jedem Rezept gibt es Angaben zu Inhaltsstoffen und/oder zu krankheitsspezifischen Aspekten. [9]  Natürlich braucht man weder eine App um zu Kochen noch um Sport zu treiben. Aber manchen Menschen hilft das Smartphone-Programm, bei der Stange zu bleiben.

Unterstützung bei der Symptomkontrolle und Medikamenten-Einnahme

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Um Patienten bei der Medikamenteneinnahme zu unterstützen, wurden mittlerweile zahlreiche Apps entwickelt. Sie erinnern die Patienten – ähnlich wie ein Wecker – zu festgelegten Zeiten an die Einnahme. Die Anwendung „MyTherapy“ (die auch bereits im klinischen Alltag evaluiert wurde) kombiniert diese Funktion mit einem Symptom-Tagebuch. Die Aufzeichnungen können bei Arztgesprächen wiederum eine gute Hilfe sein. Bei diesen sensiblen Daten ist natürlich besonders auf den Datenschutz zu achten.

Beratung und Lebenshilfe

Speziell für Kinder, deren Mütter an Brustkrebs erkrankt sind, gibt es die App „Zauberbaum“.  Hier werden mit der Brustkrebsbehandlung verbundene Begriffe und der Behandlungsablauf erklärt. Zur Entspannung und Ablenkung gibt es kleine Spiele. „Mit der App haben wir gemeinsam mit verschieden Experten versucht, die relevanten Inhalte, die aus unserer Sicht zu einem solch wichtigen Thema berücksichtigt werden sollten, zusammenzufassen“, sagt Prof. Dr. Christian Jackisch, Chefarzt der Frauenklinik am Sana Klinikum Offenbach und Vorstandsvorsitzender des Vereins „Hilfe für Kinder krebskranker Eltern e.V.“. [10]  Beratung und Informationen für an Krebs erkrankte Menschen und deren Familien speziell in Thüringen bietet die „KrebsApp Thüringen“, initiiert von der „Frauenselbsthilfe nach Krebs“.

Welche Entwicklungen sind zu erwarten?

Apps zur Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen sind nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bislang rar. Das liegt auch daran, dass hier in vielen Ländern das Medizinprodukte-Recht greift und diese Apps erst zertifiziert werden müssen. Langfristig ist jedoch mit einem verstärkten Einsatz von Apps auch in der Krebstherapie zu rechnen. Erste Studien deuten auf einen erheblichen Nutzen digitaler Anwendungen in diesem Bereich hin.

So konnte eine kürzlich veröffentlichte amerikanische Studie zeigen, dass Krebspatienten, die während einer Chemotherapie ein digitales Symptomtagebuch führten und deren Pfleger über Verschlechterungen des Zustandes in Echtzeit informiert wurden, länger lebten als die Patienten der Kontrollgruppe, die über Verschlechterungen in Telefonaten oder regelmäßigen Kontrollterminen informierten. Der Nutzen für die Patienten bestand hier vor allem in der schnellen Anpassung der Therapie. [11]

Auch in einer französischen Studie mit Patienten mit fortgeschrittenem Lungenkrebs ließen sich Erfolge durch den Einsatz einer App in der Nachsorge erzielen. Die Test-Gruppe sollte wöchentlich in einer App ihren aktuellen Zustand dokumentieren. Diese Angaben wurden mit einem Algorithmus analysiert. Bei einem schlechten Ergebnis, das den Verdacht auf einen Rückfall (Rezidiv) nahelegte, wurde beim betreuenden Onkologen ein Alarm ausgelöst. Bestätigte sich tatsächlich ein Rezidiv, wurde die App dazu genutzt, unterstützende Maßnahmen anzupassen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe (die ihren Onkologen nur bei Bedarf aufsuchten) lebten die Mitglieder der App-Gruppe länger. Das Gesamtüberleben hatte sich also durch die frühe Diagnose von Rückfällen per App verbessert. Die App befindet sich momentan in der CE-Zertifizierung für Medizinprodukte. [12]

In einem groß angelegten EU-Projekt mit dem Titel „iManageCancer“ arbeiten Forscher aus ganz Europa an eHealth-Angeboten und Gesundheits-Apps, die Krebspatienten helfen sollen, mittels Smartphone oder Tablet mit ihrer Erkrankung besser zurecht zu kommen. Die ersten dieser Apps befinden sich nun in der Pilotphase. [13]

Mehr Infos zu iManageCancer:
http://imanagecancer.eu/news/new-video-introduces-imanagecancer-apps

 

(pin)

Service:

Das Online-Portal HealthOn (www.healthon.de) informiert regelmäßig über Gesundheits-Apps und bietet hilfreiche Einschätzungen zu deren Qualität.

Infos von HealthOn zum Thema-Brustkrebs-Apps finden Sie hier.

HealthOn hat auch weitere Krebs-Apps getestet, die Berichte dazu sind nach (kostenloser) Registrierung unter https://www.healthon.de/testberichte einsehbar.

 

Quellen:

[1] Bundesminesterium für Gesundheit: CHARISMHA. Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps. 2016.
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/A/App-Studie/CHARISMHA_gesamt_V.01.3-20160424.pdf

[2] Bertelsmann-Stiftung: Gesundheits-Apps können Patienten in ihrer Rolle stärken. Februar 2016. https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/der-digitale-patient/projektnachrichten/studie-gesundheits-apps/

[3] Müller-Steinmann, Johannes: Smartphone-App für UV-Schutz. Hrsg. In: Hautarzt Zentrum Kiel. September 2014.
 http://www.hautarztzentrum-kiel.de/uv-check-app/

[4] http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/krebs-frueherkennung-melanom-app-1.1575215

[5] Uhlmann, Berit: Melanom-App. Hrsg. In: Sueddeutsche.de. Januar 2013.
http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-nuetzlich-sind-Hautkrebs-Apps,hautkrebsapps100.html

[6] Bartholomäus, Elke: App-unterstützte Prostata-Krebsvorsorge. Hrsg. In: aerzteblatt.de. Februar 2015.
https://www.aerzteblatt.de/archiv/169210/App-unterstuetzte-Prostata-Krebsvorsorge

[7] Sport gegen Krebs. Hrsg. in: Health Care Bayern e.V.
http://healthcare-bayern.de/de/sport-gegen-krebs.html

[8]Hamberger, Beatrice: Erste App für Krebspatienten. Hrsg. in: gesundheitstadtberlin. das hauptstadtnetzwerk. Februar 2017.
https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/erste-app-fuer-krebspatienten-11082/

[9] Wie nützlich sind “Hautkrebs-Apps“? Hrsg. in: NDR.de. November 2016.
http://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-nuetzlich-sind-Hautkrebs-Apps,hautkrebsapps100.html

[10]Schumacher-Wulf, Eva: Der Zauberbaum – Neue App für Kinder krebskranker Eltern. Hrsg. in: Mamma Mia! Die Krebsmagazine. Februar 2016.
http://mammamia-online.de/leben-mit-krebs/der-zauberbaum/

[11] http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2630810
https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/aktuelle-themen/news/krebstherapie-mitarbeit-erwuenscht.html

[12] Denis F et al. Randomized Trial Comparing a Web-Mediated Follow-up With Routine Surveillance in Lung Cancer Patients. J Natl Cancer Inst 2017; online 10. April. doi: 10.1093/jnci/djx029

[13]imanageCancer. http://imanagecancer.eu/about

 

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 24.08.2017

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    Aktualisiert am: 20.09.2017 22:05