Entlassmanagement: Nach dem Krankenhaus – wie geht es weiter?

In vielen Fällen sind Krankenhausaufenthalte auch für Krebspatient*innen heutzutage eher kürzer als länger. Zusätzlich finden immer mehr Krebstherapien ambulant statt. Was ist also zu beachten, wenn es nach der Operation oder einer Behandlung wieder nach Hause geht? Wer übernimmt dann die Betreuung? Was, wenn Probleme auftreten? An wen wenden sich Betroffene im Ernstfall? Fragen über Fragen, die bereits vor der Entlassung aus der Klinik beantwortet sein sollten. Hier setzt das Entlassmanagement ein, das keine Lücken zwischen stationärer und ambulanter Versorgung entstehen lässt. Doch was können Krebspatient*innen selbst tun, um das Entlassmanagement zu unterstützen? Woran sollten sie denken?

Redaktion: Dr. rer. nat. Marcus Mau

Seit dem 1. Oktober 2017 sind Krankenhäuser, seit dem 1. Februar 2019 auch die Rehabilitationseinrichtungen nach stationären Aufenthalten von Patient*innen verpflichtet, diesen unaufgefordert Entlasspapiere auszuhändigen und erforderliche Anschlussmaßnahmen oder ambulante Versorgungen anzustoßen. Damit soll sichergestellt werden, dass die Betroffenen genau diejenige Versorgung weiterhin erhalten, die sie in ihrer individuellen Krankheitssituation benötigen. Darüber hinaus haben Patient*innen seit 2015 mit der Schaffung des GKV (gesetzliche Krankenversicherung)-Versorgungsstärkungsgesetzes einen Anspruch auf eine gute Nachversorgung nach stationären/teilstationären Behandlungen. Auch die privaten Krankenversicherungen (PKV) müssen an diesen Vorgaben orientieren; der Versicherte einer PKV kann nach Bedarf und Wunsch Versorgungsmöglichkeiten abwählen und hinzuwählen. Welche Maßnahmen gehören nun aber zum Entlassmanagement und was steht den Patient*innen nach der Entlassung eigentlich zu? Was können die Betroffenen im Einzelfall selber tun oder nachfragen?

Früh darüber reden, was später gemacht werden soll

Arztgespräch

Kliniken in Deutschland sind per Gesetz dazu verpflichtet, Patient*innen zum Entlassmanagement und zur möglicherweise notwendigen Anschlussversorgung zeitnah vor der Entlassung aus dem Krankenhaus zu beraten. Auf dieser Grundlage erstellen sie einen persönlichen, individuell zugeschnittenen Entlassungsplan. Der Kliniksozialdienst kann ebenfalls unterstützend aktiv werden, um Rehabilitationen, eine ambulante Versorgung daheim oder eine Nachsorge zu organisieren. Der Kontakt zur Krankenkasse hilft dann dabei, zu klären, ob bestimmte Maßnahmen am Ende auch bezahlt werden können.

Nicht jeder sieht der Entlassung aus dem Krankenhaus mit Freude entgegen. So mancher fühlt sich nach Therapie oder operativen Eingriffen schwach oder lebt allein zuhause. Die nahende Entlassung aus dem Krankenhaus nach Hause kann hier zu Ängsten und Fragen führen: An wen wende ich mich, wenn etwas nicht stimmt? Wer ist für mich überhaupt noch zuständig nach der Entlassung? Wer kann mir eventuell im Alltag helfen? Um diese Fragen beantworten zu können und um sich beraten zu lassen, können Betroffene frühzeitig auf Ärzt*innen oder Pflegekräfte sowie den Sozialdienst der Klinik zugehen. Dies kann Patient*innen helfen, sich besser auf die Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt einzustellen, besonders dann, wenn Nachteile durch die Entlassung befürchtet werden.

Entlassmanagement: Die Maßnahmen im Einzelnen

Zu jeder Entlassung gehört der Entlassungsbrief, der z. B. Informationen zur Erkrankung, zu den durchgeführten Maßnahmen und Medikamentenverordnungen enthält. Diese auch kurz als Arztbrief bekannten Unterlagen umfassen den Entlassungsbericht, bei Bedarf auch Rezepte für die ersten Tage sowie weitere notwendige Verordnungen. Hierbei ist zu beachten, dass anders als niedergelasse Ärzt*innen in Kliniken und Rehabilitationseinrichtungen tätige Ärzt*innen nur für einen Zeitraum von sieben Tagen Medikamente verordnen oder die Arbeitsunfähigkeit bescheinigen können. Zudem gilt bei der Verordnung von Hilfsmitteln das Wirtschaftlichkeitsgebot, d.h. die Verordnung muss ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich und notwendig sein.

In einigen Fällen stellt darüber hinaus auch die Pflege den möglicherweise anfallenden Pflegebedarf in einem gesonderten Entlassungsbrief zusammen. Zum Thema Pflegeberatung können sich GKV-Versicherte an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (https://www.patientenberatung.de/de) und PKV-Versicherte an Compass - private Pflegeberatung GmbH (https://www.compass-pflegeberatung.de/) wenden.

Das Entlassmanagement und seine Anforderungen sind gesetzlich geregelt, woraus sich für die Kliniken die folgenden Verpflichtungen ergeben:

  • Weitergabe von Informationen zum Entlassmanagement an alle gesetzlich versicherten stationären und teilstationären Patient*innen

  • Einholen einer schriftlichen Einwilligung der Patient*innen in das Entlassmanagement sowie die notwendige Weitergabe personen- und krankheitsbezogener Daten

  • eine Eingangsuntersuchung sowie je nach Bedarf auch eine differenzierte Untersuchung

  • Weitergabe eines standardisierten Entlassbriefes für Patient*innen am Tag der Entlassung aus dem Krankenhaus, der folgende Punkte enthält:
    • Entlasspläne, die den voraussichtlichen Versorgungsbedarf abbilden sollen
    • Medikationsplan ausstellen bzw. um die neu verordneten Medikamente ergänzen

  • Informationen zum Entlassmanagement auf der Internetseite des jeweiligen Krankenhauses gemäß Informationspflicht über das Entlassmanagement für Kliniken in Deutschland

  • Entlassmanagement-Ansprechpartner*in nennen, der/die zwischen 9 und 19 Uhr sowie an den Wochenenden zwischen 10 und 14 Uhr für Patient*innen erreichbar sein muss

 

In den Entlassungsunterlagen sollten Patient*innen Aussagen beispielsweise zu diesen wichtigen Punkten ihrer (Weiter-)Behandlung finden (bei Unklarheiten oder Unsicherheiten beim medizinischen Personal nachfragen):

  • Eine Einschätzung des allgemeinen Bedarfs für ambulante Unterstützungs-, Behandlungs- oder Pflegeangebote; Rehabilitationsmaßnahmen sollten sich relativ zeitnah an die Entlassung aus der Klinik anschließen.

  • Angaben dazu, welcher wohnortnahe Arzt / welche Ärztin die Weiterbetreuung übernehmen wird. Wo erfolgt z. B. die weitere ambulante Tumortherapie?

  • Für die ersten Tage sollte eine ausreichende Versorgung mit Medikamenten, Verbandsmaterial sowie Hilfsmitteln (z. B. Einlagen u. ä.) sichergestellt sein.

  • Ist eventuell sogar eine vorübergehende häusliche Pflege notwendig?

  • Bei Berufstätigen sollte eine eventuell noch notwendige Arbeitsunfähigkeit für bis zu sieben Tage dokumentiert und zur Vorlage beim Arbeitgeber und der Krankenkasse ausgestellt worden sein.

Fazit

Gerade für Krebspatient*innen ist das Entlassmanagement nach einer erfolgten stationären oder teilstationären Behandlung sehr wichtig, um die ambulante Weiterversorgung zu garantieren. Die Betroffenen und ihre Angehörigen können frühzeitig nachfragen, wie es nach den Krankenhausaufenthalt weitergehen soll, vor allem wenn sie persönliche Einschränkungen und Schwierigkeiten mit der Zeit nach dem Klinikaufenthalt verbinden oder deren Auftreten befürchten. Kompetente Ansprechpartner*innen sind Ärzt*innen, Pflegekräfte und der Kliniksozialdienst.

Mit ausreichend Vorlauf und am eigenen Bedarf orientiert geplant, verursacht der Schritt nach Hause und in die ambulante Krebsbehandlung oder Nachsorge weniger Stress. Mit einem optimal geplanten Entlassmanagement bekommen Patient*innen den Kopf schneller frei, um sich vor allem um eines zu kümmern: ihre Gesundheit und Rehabilitation.

 

Fachberater:

Marko Riemer
Medizinische Hochschule Hannover
Gruppenleitung Entlassungsmanagement

 

Quellen:

https://www.bibliomedmanager.de/zeitschriften/fw/heftarchiv/ausgabe/artikel/fw-8-2017-hygiene/32841-allen-anforderungen-gewachsen/ [zuletzt aufgerufen am 15.11.2019]

https://www.dkgev.de/fileadmin/default/Mediapool/2_Themen/2.3_Versorgung-Struktur/2.3.3_Entlassmanagement/DKG_Umsetzungshinweise_Entlassmanagement.pdf [zuletzt aufgerufen am 15.11.2019]

https://www.kbv.de/html/entlassmanagement.php [zuletzt aufgerufen am 15.11.2019]

https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/entlassmanagement.php [zuletzt aufgerufen am 15.11.2019]

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 26.11.2019

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Zuletzt aufgerufen am: 02.07.2020 15:26