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Mit Angehörigen und Freunden über Krebs reden

Der (Ehe-)Partner, Familienmitglieder und gute Freunde sind die Menschen, die dem Patienten am nächsten stehen. Ihre Zuwendung und ihre oft enorme praktische Hilfe trägt viel dazu bei, die seelische Not des Betroffenen aufzufangen. Aber auch sie sind durch die Krebserkrankung stark belastet und machen sich Sorgen um den Kranken und die gemeinsame Zukunft.

Das Gespräch suchen

Quelle: © Peter Maszlen - Fotolia.com

Oft versuchen sowohl der Betroffene selbst wie auch seine Angehörigen, ihre Gefühle für sich zu behalten. Sie befürchten, den anderen noch mehr zu belasten, wenn sie ihre Ängste und Sorgen mitteilen. Erfahrungen zeigen jedoch das Gegenteil. Vermeiden Patienten oder Angehörige ehrliche Gespräche über die tatsächlichen Gefühle, so entfremden sie sich eher voneinander.

Aufrichtiger, offener Umgang miteinander schafft Vertrauen und hilft, Probleme zu klären.

Sorgen auszusprechen, sich auszuweinen und alle Gefühle – die schönen wie die schmerzhaften – zuzulassen, wirkt befreiend und trägt zur seelischen Stabilisierung bei. Oft wird auch erst im offenen Austausch die tiefere Ursache eigener Gefühle deutlich: z.B. wenn sich Wut über den gesunden Ehepartner entlädt, die eigentlich aus der Enttäuschung über die Veränderung der eigenen Lebensperspektive entstanden ist.

Kommunikationsprobleme ansprechen

Das Aushalten der „negativen“ Gefühle eines Patienten, wie Wut, Trauer und Angst, ist oft ungewohnt und verlangt Geduld von den Angehörigen. Sie wollen dem Kranken meist helfen, indem sie versuchen, ihn aufzumuntern, ihn abzulenken oder schnell zu beruhigen. Dadurch kann die Möglichkeit zur Entlastung versperrt werden und der Patient fühlt sich unverstanden. Das gilt auch, wenn Probleme heruntergespielt werden: „Brauchst doch keine Angst zu haben, wird schon wieder“. Solche meist gut gemeinten Äußerungen ignorieren das tatsächliche Befinden des Patienten und seine aktuellen Gefühle und verhindern so Nähe.

Helfen Sie Ihren Angehörigen in solchen Situationen: Machen Sie deutlich, wie wichtig Zuhören und offene Gesprächsangebote für Sie sind.

Für gleichen Informationsstand sorgen

Schwester redet mit Patientin und Angehörigem
Quelle: © Gina Sanders - fotolia.com

Offener Austausch kann nur stattfinden, wenn alle den gleichen Informationsstand besitzen. Beziehen Sie Ihre Angehörigen in die ärztlichen Gespräche bewusst mit ein. Die Auswirkungen Ihrer Behandlung betreffen auch sie. Besonders dann, wenn die Erkrankung dazu führt, dass Sie längere Zeit in der Haushaltsführung, der Kinderbetreuung oder im Beruf ausfallen. Auch weitreichende therapeutische Entscheidungen sollten möglichst gemeinsam besprochen werden. Das ist vor allem dann wichtig, wenn die Auswirkungen der Behandlung Partnerschaft und Sexualität beeinträchtigen. Mögliche sexuelle Probleme können bereits im Vorfeld mit dem Arzt besprochen werden. Das Paar erhält dadurch die Chance, sich miteinander auf bevorstehende Veränderungen einzustellen. 

Eigene Bedürfnisse deutlich machen

Angehörige können nicht immer abschätzen, was Sie sich zutrauen und welche Hilfe Sie im Moment brauchen.
Manchmal erwartet die Familie, dass schnell „alles wieder beim Alten“ ist und frühere Aufgaben wie bisher übernommen werden. Das kann für den Kranken noch zu früh sein. Umgekehrt versuchen Angehörige oft dem Betroffenen zu helfen, indem sie ihn von allen denkbaren Belastungen verschonen. Dadurch kann sich das Gefühl noch verstärken, krank und unnütz und isoliert zu sein. Vielleicht ist Ihnen aber auch bewusst geworden, dass Sie die bisherigen Erwartungen des Partners oder der Familie so nicht mehr erfüllen können oder möchten. Dann sollte gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden.

Sprechen Sie über Ihre Bedürfnisse und Wünsche und suchen Sie mit der Familie nach Veränderungsmöglichkeiten.

Viele Patienten machen die Erfahrung, dass der intensive gefühlsmäßige Austausch und das gemeinsame Klären vorhandener Probleme die Beziehung zum Partner, aber auch zu anderen Familienmitgliedern tiefer und erfüllter werden lassen. Für Paare oder Familien, die schon vor der Erkrankung große Probleme miteinander hatten, kann die Krankheit zu einer krisenhaften Zuspitzung der Situation führen. In solchen Fällen ist die Krebserkrankung nur der Auslöser für ein Zerwürfnis, nicht aber dessen Ursache.

(red)

 

Quellen:
[1] Deutsche Krebshilfe e.V. (Hrsg.): Die blauen Ratgeber 42. Hilfen für Angehörige, 2009,http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/042_hilfen_fuer_angehoerige.pdf
[2] Hilke Stamatiadis-Smidt, Harald zur Hausen, Otmar D. Wiestler, Hans-Joachim Gebest (Hrsg.): Thema Krebs, Springer Verlag 2006
[3] Internetportal des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg (dkfz),http://www.krebsinformationsdienst.de/leben/krankheitsverarbeitung/angehoerige.php, Stand September 2010

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 12.12.2017 16:28