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Wenn Krebstherapien das Aussehen verändern: Pflege- und Schönheitstipps für Haut und Haare

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Krebserkrankung bzw. ihre Behandlung bringen große psychische und körperliche Belastungen und Veränderungen mit sich. Erschwerend kommt hinzu, dass Krebstherapien ihre Spuren an Haut und Haaren hinterlassen können: Die Chemotherapie bedingt Haarverlust, Operationen hinterlassen Narben, Medikamente können Hautreizungen hervorrufen. Mit diesen Veränderungen gilt es zu leben bzw. mit ihnen umzugehen.

Die äußeren, für alle sichtbaren Veränderungen werden häufig als stigmatisierend erlebt, das Selbstwertgefühl wird reduziert, die Patienten ziehen sich zurück. Sich wohl zu fühlen und sich als attraktiv zu empfinden, steigert das Selbstbewusstsein, hilft Kraft zu schöpfen und fördert letztendlich den Heilungsprozess. Viele Organisationen bieten daher inzwischen Hilfe an, wie Kosmetikseminare, Pflege- und Haarprogramme oder Beratung bei der Wahl von Prothesen und Perücken. Schon einfache Tricks und Tipps können helfen, sich wohler zu fühlen - und die Gewissheit: dass die meisten Veränderungen nur vorübergehend sind.

Dem Haarausfall begegnen: Perücken, Tücher, Kurzhaarschnitt

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Am augenfälligsten ist der Haarverlust, der meist durch die Chemotherapie bedingt ist. Die bei der Chemotherapie eingesetzten Medikamente, sog. Zytostatika, wirken besonders auf sich schnell teilende Zellen, dazu gehören neben den Tumor- unter anderem auch die Haarwurzelzellen. Etwa 2 bis 4 Wochen nach der Chemotherapie kann der Haarausfall beginnen. Jedoch erst, wenn die Hälfte aller Haare ausgefallen ist, wird der Haarverlust sichtbar. Auch Wimpern und Augenbrauen können davon betroffen sein. Ob ein Haarverlust eintritt, und wie stark er ist, hängt von der Art des Zytostatikums und dessen Dosierung sowie von der eigenen Veranlagung ab. Diese Nebenwirkung ist insbesondere für Frauen sehr schwierig. Die meisten entscheiden sich in dieser Zeit für eine Perücke. Wichtig ist hier, sich möglichst früh an einen versierten Friseur oder ein Perückenstudio zu wenden. So lässt sich die Haarfarbe der Perücke gut der Originalhaarfarbe anpassen. Kunst- oder Echthaare unterscheiden sich optisch nicht voneinander, Echthaare sind deutlich teurer und in der Pflege aufwändiger. Krankenkassen können die Kosten für die Zweitfrisur übernehmen, die Regelungen sind hier unterschiedlich und müssen jeweils erfragt werden.

Einige Patientinnen entscheiden sich für Tücher, Hüte oder andere Kopfbedeckungen, um den Haarverlust zu kaschieren. Aber auch Schmuck oder die Betonung der Augen oder des Mundes durch Kosmetika kann die Aufmerksamkeit von der Frisur weglenken.
Vor einer Therapie, die einen Haarverlust bedingt, sollte man erwägen, einen Kurzhaarschnitt machen zu lassen. Der Haarausfall wird dadurch weniger auffällig. Im Normalfall wächst das Haar nach Beendigung der Therapie wieder nach, manchmal aber in einer anderen Haarfarbe oder mit anderer Struktur.

Kopfhaut- und Haarpflege: So sanft wie möglich

Haare und Kopfhaut können durch Krebstherapien besonders empfindlich sein, daher sollte die Pflege möglichst vorsichtig erfolgen: mit lauwarmem Wasser und sehr mildem Shampoo, z.B. Babyshampoo. Dies gilt auch für die Kopfhaut ohne Haare. Diese kann durch fetthaltige Salben vor dem Austrocknen geschützt werden, im Freien sollte ein Sonnenschutzmittel eingesetzt oder eine Kopfbedeckung getragen werden. Kopfbedeckungen sind v.a. auch im Winter sehr wichtig, um den Wärmeverlust über die Kopfhaut zu mindern.

Für die Haarpflege können des Weiteren auch Spülungen genutzt werden, die Haare sollten nach dem Waschen nur vorsichtig in einem Handtuch ausgedrückt werden und der Fön nur auf maximal lauwarmer Stufe eingestellt sein; gekämmt wird mit einer weichen Bürste. Nicht zu empfehlen sind: Färbungen, Dauerwellen, heizbare Frisierstäbe/Lockenwickler, Haarschaum, -gele und -spray, kräftiges Bürsten oder Kämmen der Haare.

Schminktipps fürs Wohlbefinden

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Die Haut vieler Krebspatienten ist durch Medikamente häufig blass, trocken und sehr empfindlich. Ein Make-up kann hier helfen, frischer und gesünder auszusehen. Ebenso lassen sich durch Make-up Hautreizungen, Ausschläge oder auch Narben abdecken. Vorab sollte jedoch mit dem Arzt geklärt werden, ob Kosmetika eingesetzt werden dürfen.

Vor Auftragen eines Make-ups sollte die Haut gründlich mit einer milden Reinigungslotion gesäubert werden, danach sollte eine Feuchtigkeitscreme aufgetragen werden, im Sommer möglichst mit Lichtschutzfaktor. Das Make-up wird passend zum Teint ausgewählt und mit den Fingern oder einem Make-up-Schwämmchen aufgetragen und evtl. mit Puder fixiert. Für einen frischen Teint kommt Rouge zum Einsatz. Bei Verlust der Augenbrauen können diese am besten mit Brauenpuder nachgestaltet werden, sind die Augenbrauen nicht zu stark ausgefallen, können die Brauen mit einem Stift nachgezeichnet werden. Bei Verlust der Wimpern können diese durch kleine Punkte, die mit einem Kajalstift oder Eyeliner aufgetragen werden, ersetzt werden. Augen und Lippen lassen sich durch Lidschatten bzw. Lippenstift besonders betonen.

Mittlerweile werden viele Seminare angeboten, in denen krebskranke Patienten Pflege- und Schminktipps bekommen. Sie lernen vorteilhafte Merkmale zu betonen und kritische Stellen zu kaschieren. Ein gepflegtes Äußeres kann zu mehr Sicherheit im Umgang mit anderen Menschen helfen.

Hautpflege: Milde Lotionen, Sonnenschutz und bei Bedarf Medikamente

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Vor allem Zytostatika, aber auch die neuen so genannten zielgerichteten Medikamente können Veränderungen der Haut hervorrufen wie Trockenheit, Schuppungen, Rötungen, Flecken, allergische Reaktionen, Ausschläge, Entzündungen und Schwellungen. Diese Nebenwirkungen bilden sich nach der Therapie wieder zurück. Während der Therapie sollten zur Reinigung nur lauwarmes Wasser und milde, seifenfreie Lotionen verwendet werden. Generell sollte die Haut nicht zu häufig und intensiv gereinigt werden. Milde Produkte, die z.B. Aloe vera, Avocadoöl oder Calendula enthalten, können zur Pflege genutzt werden. Welche Cremes oder Lotionen am besten geeignet sind, sollte mit dem Arzt abgesprochen sind. Zusätzlich werden bei Bedarf Medikamente eingesetzt, die auch bei der Therapie von Hauterkrankungen wie Akne oder Ekzem zum Einsatz kommen. Im Sommer sollte ein Sonnenschutzmittel mit einem Lichtschutzfaktor von mindestens 15 werden und direkte Sonneneinstrahlung vermieden werden. Generell gilt es auf einengende Kleidung, auch Schuhe zu verzichten.

Narbenpflege: In Rücksprache mit dem Arzt

Wie die Wunde bzw. Narbe gepflegt werden soll, z.B. ob mit speziellen Salben, erfolgt in Rücksprache mit dem Arzt. Generell dürfen sie erst nach vollständiger Heilung der Narbe kosmetisch behandelt bzw. abgedeckt werden. Da Narben keine Pigmente enthalten und die Haut somit nicht vor Sonnenlicht geschützt wird, sollten Lotionen mit hohem Lichtschutzfaktor verwendet werden.

Kleidung: Vorteile betonen, Mängel verstecken

Möglicherweise hat sich während der Krebstherapie auch die Körperfigur verändert, z.B. durch Gewichtszunahme oder -abnahme, die Anlage von künstlichen Darm- oder Blasenausgängen (Stoma), Schwellungen wie Lymphödeme oder Entfernung von Körperteilen, wie der Brust. Bei der Brustrekonstruktion stehen verschiedene Möglichkeiten, wie plastisch-chirurgische Maßnahmen, aber auch das Tragen von Prothesen zur Verfügung. Weite, locker fallende Kleidung eignet sich nach Bauchoperationen, z.B. auch bei Stoma, sehr gut. Unter weiten Ärmeln lassen sich schmale Arme, aber auch Lymphödeme verbergen. Tücher können optisch betonen oder auch Narben, Katheter etc. verbergen, sollten in der Regel aber locker, nicht einengend aufliegen. Auch Schmuck und Gürtel können unter bestimmten Bedingungen genutzt werden.

Die Seele pflegen

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Ein gepflegtes Äußeres trägt viel dazu bei, sich wohl zu fühlen. Der Austausch mit der Familie, Freunden oder anderen Betroffenen über Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit der Krebserkrankung erleichtert und trägt weiter zum seelischen Wohlbefinden bei. Fachpersonal wie Ärzte, Pflegekräfte oder Psychologen/Seelsorger können helfen, die schwere Zeit der Krebserkrankung besser zu verarbeiten. Und auch mit der Unterstützung von speziell für Krebskranke geschulten Kosmetikern, Friseuren/Perückenherstellern und Imageberatern gelingt es, mit den durch die Krebserkrankung hervorgerufenen Veränderungen umzugehen.

Bettina Szabo im Interview

Frau Bettina Szabo unterstützt bei der gemeinnützigen Gesellschaft DKMS LIFE krebskranke Frauen, mit den äußerlichen Folgen ihrer Krebserkrankung besser umzugehen. Dazu gibt sie in kostenlosen Kosmetikseminaren Pflege- und Schönheitstipps. Im Interview gibt sie ihre Erfahrungen weiter.

 

(lb)

Quellen:
[1] Leitlinie zur Hauttoxizität, http://www.onkosupport.de/e974/e2538/e2541/, abgerufen am: 18.04.2013
[2] Leben mit Krebs, www.krebsinformationsdienst.de KID, abgerufen am: 18.04.2013
[3] Krebsliga Schweiz. Die Krebstherapie hat mein Aussehen verändert, 2007.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 21.07.2017 16:59