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Die Lebensqualität bei einer Krebserkrankung verbessern

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Durch eine Krebstherapie können etwa 40 Prozent der Patienten geheilt werden. 60 Prozent der Krebserkrankungen sind „unheilbar“, und die vorhandenen Tumoren und Metastasen können nicht mehr vollständig und dauerhaft entfernt werden. Die Diagnose „nicht heilbar“ bedeutet aber nicht das Ende der Krebstherapie, sondern sie verändert deren grundlegende Zielrichtung. Statt dauerhafter Heilung tritt die Verlängerung der Lebensdauer, das Hinauszögern von Krankheitsbeschwerden sowie die Linderung der krankheitsbedingten Symptome in den Mittelpunkt der Therapie. Die palliative (lindernde) Medizin ist als wichtige Säule der Krebstherapie heute so weit entwickelt, dass sie vielen chronisch kranken Patienten oft über Jahre hinweg ein weitestgehend beschwerdefreies Leben mit der Krankheit ermöglichen kann.

Lebensqualität bedeutet für die meisten Patienten zuallererst, schmerzfrei und ohne größere Beschwerden leben zu können. Insbesondere auf dem Gebiet der Schmerzbekämpfung hat die palliative Medizin eine sehr hohe Wirksamkeit erreicht. Eine qualifizierte Schmerztherapie ist heute in der Lage, bei fast allen Krebspatienten (ca. 97 Prozent) eine befriedigende Schmerzlinderung, in vielen Fällen sogar völlige Schmerzfreiheit zu erreichen. Auch andere, durch die Krebserkrankung eventuell bedingte Beschwerden, wie z.B. Luftnot, Schwächegefühle, Verdauungsstörungen oder Ernährungsprobleme, sind meist gut zu lindern oder zu beseitigen.

Werden Beschwerden oder Schmerzen unmittelbar durch Tumoren verursacht, etwa durch das Einwachsen in Organe oder Knochen, kommt häufig eine Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie als Mittel der lindernden Therapie in Betracht. Um die Nebenwirkungen dieser Behandlungs-maßnahmen erträglicher zu machen oder um den Allgemeinzustand zu verbessern, steht der palliativen Medizin ein breites Spektrum unterstützender (supportiver) Maßnahmen zur Verfügung. Hierzu gehören z.B. der Einsatz von Medikamenten gegen Übelkeit und Erbrechen bei Durchführung einer Chemotherapie, Mittel zur Infektabwehr, ernährungstherapeutische Maßnahmen, physikalische und psychologische Therapien, Bluttransfusionen usw.

Alle Maßnahmen der palliativen Therapie dienen dem Ziel, Lebensqualität bestmöglich zu erhalten und damit die Voraussetzung für ein lebenswertes Leben in der verbleibenden Zeit zu schaffen.

Lebensverlängerung und Erhaltung eines Höchstmaßes an Lebensqualität als Ziele der palliativen Krebstherapie können miteinander in Konflikt geraten. Der Einsatz bestimmter Behandlungsformen, z.B. einer Chemotherapie als Versuch das Leben zu verlängern, kann mit Nebenwirkungen verbunden sein, die möglicherweise stärker belasten als die Einschränkungen durch die Erkrankung selbst. Die schwierige Entscheidung, ob eine Behandlung die eigene Lebenssituation wirklich verbessert, verlangt eine sorgfältige Abwägung aller Vor- und Nachteile. Vor einer Entscheidung sollte man sich daher ausführlich mit dem behandelnden Arzt beraten und gemeinsam überlegen, ob der Einsatz einer Maßnahme für Sie sinnvoll ist.

Weitestmögliche Schmerz- und Beschwerdefreiheit sind sehr wichtige, aber nicht die einzigen Faktoren, die für die eigene Lebensqualität entscheidend sind. Neben der Qualität des körperlichen Befindens spielen auch psychische und soziale Bedingungen eine wesentliche Rolle.

Wie ein Mensch die Qualität seines Lebens einschätzt, kann er nur selbst, unter Berücksichtigung seiner jeweiligen Lebensumstände, für sich bestimmen. Für die meisten chronisch kranken Patienten bedeutet Lebensqualität vor allem, mit der Erkrankung am Leben teilzunehmen. Ob dies gelingt, hängt einerseits davon ab, inwieweit die Art und das Ausmaß der Beschwerden und Einschränkungen im Alltag belasten. Genau so wichtig ist andererseits jedoch auch die innere Einstellung zu den krankheitsbedingten Erschwernissen und den Behandlungsmaßnahmen.

Krebs zu haben, bedeutet nicht prinzipiell, allumfassend krank zu sein. Das Augenmerk sollte nicht nur auf das Kranke gerichtet sein, sondern auch auf die verbleibenden Möglichkeiten, die Ihnen bei allen Verzichtleistungen Lebensfreude ermöglichen: Je nach den krankheits- oder behandlungsbedingten Beeinträchtigungen können das Partnerschaft und Sexualität, mit Kindern spielen, Freundschaften, Musik, spirituelle oder religiöse Erfahrungen u.v.a.m. sein. Viele Patienten berichten, dass sie durch die Erkrankung zu einem bewussten und intensiven Lebensgefühl gefunden haben.

Wichtige Voraussetzung für Lebenszufriedenheit ist immer auch das Eingebundensein eines Menschen in gute und tragfähige Beziehungen innerhalb seiner Familie oder z.B. seines Freundeskreises. Wenn sich ein Patient alleine gelassen fühlt, kann sich kaum ein gutes Lebensgefühl entwickeln. Hilfe bieten Krebsberatungsstellen, Psychotherapeuten, Selbsthilfegruppen oder z.B. Palliativeinrichtungen an.

(red)

Quellen:
[1] M. Bullinger, S. Schmidt: Methoden zur Lebensqualitätsbewertung, in: R. Hartenstein, U. R. Kleeberg: Schmerztherapie, in: H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006, S. 2505-2516

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 22.08.2017 16:14