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Entspannungstechniken für Krebspatienten

In körperlich und seelisch belastenden, schwierigen Zeiten reagieren die meisten Menschen mit innerer Unruhe und körperlichen Verspannungen. Entspannungsverfahren können helfen, Verkrampfungen zu lösen und zur Ruhe zu kommen.

Es gibt viele verschiedene Methoden, sich zu entspannen. Wir stellen Ihnen vier bekannte Verfahren vor.

Autogenes Training

Über eine körperliche Entspannung hinaus soll ein Zustand innerer Ruhe, Gelassenheit und wohliger Wärme erreicht werden.

Beim Autogenen Training wird die Fähigkeit von Menschen genutzt, sich Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen so plastisch vorzustellen, dass sie darauf körperlich reagieren (Selbstsuggestion). Die Selbstsuggestion erfolgt in kurzen Sätzen: z.B. „Der rechte Arm ist ganz schwer“. Unter fachlicher Anleitung werden solche Sätze zur Wahrnehmung und Entspannung verschiedener Körperbereiche und Körperfunktionen erlernt. Sie betreffen:

  • (Körper-)Schwere
  • (Körper-)Wärme
  • Herzschlag
  • Atem
  • Sonnengeflecht

Alle Übungen werden durch Ruhevorstellungen begleitet: „Ich bin ganz ruhig“. Nach einiger Übung stellt sich das vegetative Nervensystem um und schaltet von Spannung auf Entspannung.

Manche Krebspatienten machen die Erfahrung, dass sie mit Hilfe des Trainings die Nebenwirkungen der Chemotherapie besser vertragen, weniger Schmerzen haben und Ängste gelindert werden.

Progressive Muskelentspannung (nach Jacobsen)

Bei der Progressiven Muskelentspannung geht es darum, einzelne Muskelgruppen im Körper zunächst anzuspannen, die Spannung für einige Sekunden zu halten und dann die Körperpartien wieder zu entspannen. So wird der Körper schrittweise gelockert und schließlich ganz entspannt. Diese Übung ist sehr schnell erlernbar. Oft wird schon nach kurzer Zeit eine Entspannung der Tiefenmuskulatur erreicht. Körperliche Verkrampfungen lösen sich und Sie fühlen sich ruhiger und wohler.

Wenn Sie unter Schmerzen leiden oder durch die Krebsbehandlung körperlich sehr beeinträchtigt sind, sollten Sie solche Übungen mit Ihrem Arzt absprechen.

Visualisierungsübungen

Visualisierungsübungen (zur Entspannung) sind Übungen, in denen Sie sich angenehme Bilder vorstellen, die positive Gefühle in Ihnen wecken.

Zunächst werden Sie in einen entspannten Zustand geführt. Danach, in der bildhaften Vorstellung, werden möglichst viele Sinne angesprochen: das Sehen, das Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen. Sie stellen sich beispielsweise einen ganz persönlichen Ort der Ruhe und der Kraft vor. Das kann ein Ort aus Ihrer Erinnerung sein (z.B. aus dem Urlaub) oder ein frei erfundener. Mit Ihrer Vorstellungskraft erwecken Sie den Geruch der Luft zum Leben, Sie schmecken die Früchte, die dort wachsen, sie hören das Rauschen des Meeres oder das Plätschern eines Baches und fühlen den kühlen Windhauch an Ihrem Ort. Die stellen sich vor, wie Sie an diesem Ort Kraft tanken und zur Ruhe kommen.

Durch die vorausgegangene Entspannung fällt es Ihnen leicht, Zugang zu Ihren inneren Vorstellungen und Gefühlen zu finden. Das Vergegenwärtigen dieser Bilder führt zu körperlichen und seelischen Reaktionen: Puls und Atmung werden langsamer, der Blutdruck sinkt etwas ab und der Körper regeneriert sich. Die angenehmen Empfindungen lassen Sie zur Ruhe kommen und gestärkt in den Alltag zurückkehren.

Meditation

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Ziel der klassischen Meditation ist es, spirituelles Wachstum zu fördern und das Bewusstsein zu erweitern. Durch meditative Versenkung wird ein Zustand tiefer innerer Ruhe erreicht. Wichtig ist bei der Meditation das Prinzip des „Gehen-Lassens“ und der passiven Grundhaltung. Ganz vereinfacht unterscheidet man „rezeptive“ und „konzentrative“ Meditationsformen.
In der rezeptiven Meditation wird ein Zustand der Ziellosigkeit akzeptiert und jeder Gedanke und jedes Bild darf zum inneren Bewusstsein gelangen. Bei der konzentrativen Meditation dagegen konzentriert sich der Übende auf seinen Atem, ein Objekt, einen Klang oder ein Wort.

Qualifizierte Kurse zur Einübung dieser Entspannungsverfahren werden vor allem von Volkhochschulen, Familienbildungsstätten, Rehakliniken, in therapeutischen Praxen und teilweise auch in Beratungseinrichtungen für Krebskranke angeboten.

Fachliche Beratung
Dr. Joachim Weis
Sprecher der AG Psychoonkologie

(red)

Quellen:
[1] Dorfmüller Monika: Psychoonkologie, Urban und Fischer Verlag 2009

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 24.05.2017 09:31