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Speiseröhrenkrebs, Ösophaguskarzinom - Ursache und Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für Speiseröhrenkrebs:

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Risikofaktor: Alkohol- und Tabakkonsum

Alkohol und Nikotin gelten als die wichtigsten Risikofaktoren für Speiseröhrenkrebs. Als besonders risikoreich hat sich die Kombination von langjährigem Rauchen und Genuss hochprozentigen Alkohols erwiesen: Etwa 75 Prozent aller Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre sind auf die Einwirkung von Alkohol und Nikotin zurückzuführen.

Im Zigarettenrauch sind zahlreiche Krebs erregende Substanzen enthalten, mit denen die Schleimhaut der Speiseröhre beim Rauchen direkt in Berührung kommt. Mit steigender Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und mit der Dauer des Rauchens nimmt auch das Risiko einer Krebserkrankung der Speiseröhre deutlich zu. So ist z. B. bei 30 Zigaretten am Tag die Wahrscheinlichkeit, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken, sechs mal höher als bei Nichtrauchern. Das Rauchen von Zigarren und Pfeifen führt zu einer ähnlichen Risikoerhöhung.

Alkohol in zu großen Mengen kann durch die chronische Reizung der Speiseröhre ebenfalls die Entwicklung von Tumoren begünstigen. Bei einem täglichen Konsum von beispielsweise 80 Gramm Alkohol und mehr – das entspricht mehr als 2 Litern Bier oder 4 Gläsern Wein – ist das Risiko deutlich erhöht. Beim Konsum harter Spirituosen ist das Risiko besonders hoch.

Die Kombination von Tabak- und Alkoholkonsum führt zu einer Vervielfachung des Erkrankungsrisikos: Wer z. B. über 80 Gramm Alkohol zu sich nimmt und mehr als 20 Zigaretten pro Tag raucht, hat ein stark erhöhtes Risiko, an Speiseröhrenkrebs zu erkranken.

Risikofaktor: Säurerückfluss (Reflux) und Übergewicht

Als wichtiger Risikofaktor für die Entwicklung von sog. Adenokarzinomen der Speiseröhre gilt ein erhöhter Rückfluss von Magen- und Gallensäuren aus dem Magen. Zwischen 20 und 30 Prozent der Deutschen – vor allem Männer – leiden an diesem Rückfluss von Magensäure, der auch als Reflux bezeichnet wird. Die aggressive Magensäure schädigt die empfindliche Schleimhaut der Speiseröhre, die nicht wie die Magenwand durch einen speziellen Schleim geschützt ist.

Ein chronischer Säurerückfluss kann mit der Zeit die Zerstörung der Plattenepithelzellen im Bereich der unteren Speiseröhre verursachen. Der Körper ersetzt dann die zerstörten Zellen in der Folge durch die weniger säureempfindlichen Magenschleimhautzellen (Metaplasie). Leider entsteht ein Barrett-Ösophagus bei 40% der Patienten ohne Symptome eines Säurerückflusses.

Durch diese Zellveränderung entsteht bei einem Teil der Patienten der so genannte Barrett-Ösophagus. Die Bezeichnung „Barrett-Ösophagus“ geht auf den englischen Chirurgen Norman R. Barrett zurück, der diese krankhafte Veränderung der Speiseröhre zum ersten Mal beschrieben hat.

Es gilt heute als wissenschaftlich erwiesen, dass die refluxbedingten Zellveränderungen in der unteren Speiseröhre eine Vorstufe für den Speiseröhrenkrebs darstellen. Patienten mit einem Barrett-Ösophagus haben ein erhöhtes Risiko, an einem Adenokarzinom der Speiseröhre zu erkranken. So besteht bei Patienten mit starken Zellveränderungen (hochgradige Dysplasie) ein Risiko von 25% innerhalb von 10 Jahren ein Karzinom zu entwickeln.

Das Adenokarzinom der Speiseröhre weist in den westlichen Industriestaaten heute die höchste Zuwachsrate aller bösartigen Tumoren auf. Grund dafür ist vor allem die steigende Zahl der Menschen, die unter chronischem Säurerückfluss leiden. Die Ursache ist in einem hohen Fettkonsum und häufig damit einhergehendem Übergewicht zu sehen. Übergewicht stellt einen eigenständigen Risikofaktor für die Entstehung eines Adenokarzinoms des Ösophagus dar. Bei starkem Übergewicht (Body Mass Index > 30 kg/m2) ist das Risiko 2,7 fach erhöht.

Risikofaktor: Ernährung

Ernährungsfaktoren spielen nach neuen Erkenntnissen zwar keine eigenständige Rolle bei der Entstehung von Speiseröhrenkrebs. Ein hoher Fettkonsum mit Auftreten einer Adipositas fördert jedoch den Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre und führt daher, wie oben beschrieben, mittelbar zur Entstehung von Tumoren der Speiseröhre.

Weitere Risikofaktoren

Als weitere Risikofaktoren sind heute Verengungen der Speiseröhre nach Säure- oder Laugenverätzungen, nachgewiesen, weiterhin zurückliegende Bestrahlungen im Bereich von Hals und Brustkorb sowie die so genannte Achalasie – eine seltene, gutartige Erkrankung der Speiseröhre, die mit Schluckstörungen einhergeht.

Wichtig zu wissen ist, dass Patienten mit einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre ein erhöhtes Risiko haben, gleichzeitig oder im zu einem späteren Zeitpunkt ein Plattenepithelkarzinom im Kopf-Hals-Bereich (Mundhöhle, Mundboden, Kehlkopf) zu entwickeln.

 

(red)

Literatur:
R. Hofheinz, S. Frick, J. Claßen: Ösophaguskarzinom, in: W. Dornoff, F.-G. Hagemann, J. Preiß, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie 2010: Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/2011, Zuckschwerdt Verlag 2010, S. 204-207

J. Labenz, H. Koop, A. Tannapfel, R. Kiesslich, A. Hölscher: Epidemiologie, Diagnostik und Therapie des Barrett-Karzinoms. Dtsch Ärztebl Int 2015; 112:224-34

Onkopedia Leitlinie Ösophaguskarzinom der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, Stand 12/2018. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/oesophaguskarzinom (Zugriff am: 15.11.2020)

Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome des Ösophagus, Langversion 2.0, Dezember 2018, AWMF Registernummer: 021/023OL, http://leitlinienprogramm-onkologie.de/Leitlinien.7.0.html (Zugriff am: 14.11.2020)

Prof. Michael Stahl Klinik Essen
Quelle: © Michael Stahl, Kliniken Essen-Mitte

Fachliche Beratung

Prof. Dr. Michael Stahl
Klinik für intern. Onkologie und Hämatologie Kliniken Essen-Mitte

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 04.12.2020

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