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Schilddrüsenkrebs

Arzt untersucht Patientin, Quelle: © Photographee - fotolia.com
Quelle: © Photographee - fotolia.com

Schilddrüsenkrebs, auch als Schilddrüsenkarzinom bezeichnet, kann an jeder Stelle der Schilddrüse auftreten. Je nachdem, von welchem Teil des Schilddrüsengewebes der Tumor ausgeht, werden die folgenden Formen von Schilddrüsenkrebs unterschieden:

  • differenzierte Karzinome (papilläres und follikuläres Karzinom)
  • medulläre Karzinome
  • undifferenzierte Karzinome

 

Darüber hinaus gibt es bösartige Tumoren, die nicht vom Schilddrüsenepithel ausgehen, z. B. Lymphome – also Krebs des lymphatischen Gewebes – und Sarkome, die sich im Bindegewebe entwickeln. Im Folgenden wird nur von Schilddrüsenkarzinomen die Rede sein.

In mehr als drei Viertel der Fälle gehen Schilddrüsenkarzinome aus den Follikelzellen der Schilddrüse hervor. Hierbei handelt es sich um die Zellen, in denen die Schilddrüsenhormone (Trijodthyronin/Thyroxin) gebildet werden. Tumoren dieses Ursprungs werden als differenzierte Karzinome bezeichnet. Unter ihnen sind die so genannten papillären Karzinome am häufigsten: Sie machen etwa 50 Prozent aller Krebserkrankungen der Schilddrüse aus. Besonders häufig betroffen sind Erwachsene im Alter von 40 bis 50 Jahren. Papilläre Karzinome bilden mitunter mehrere Tumorherde in einem oder in beiden Schilddrüsenlappen.

Etwas seltener sind die follikulären Karzinome (mit ca. 20 bis 30 Prozent), die meist nur einzelne Knoten bilden. Sie treten besonders häufig in Jodmangelgebieten auf und betreffen vor allem Menschen im fünften Lebensjahrzehnt.

Sehr viel seltener sind die medullären Karzinome, auch C-Zell-Karzinome genannt (5 bis 10 Prozent). Sie leiten sich von den Calcitonin produzierenden C-Zellen ab, die einzeln oder in Gruppen zwischen den Schilddrüsenfollikeln liegen und für die Regulation des Kalziumstoffwechsels zuständig sind. Ebenfalls selten sind die so genannten undifferenzierten oder anaplastischen Karzinome (5 bis 10 Prozent), die fast ausschließlich bei älteren Menschen (jenseits des 50. oder 60. Lebensjahres) auftreten.

Häufigkeit

Schilddrüsenkrebs ist in Deutschland eine seltene Tumorerkrankung. Etwa drei von 100.000 Menschen sind pro Jahr betroffen. Pro Jahr erkranken nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts rund 7.000 Menschen an Schilddrüsenkrebs. Zum Vergleich: An Brustkrebs erkranken allein in Deutschland jährlich etwa 71.660 Frauen, an Dickdarmkrebs jeweils rund 35.350 Männer und 30.040 Frauen (Stand 2008).

Schilddrüsenkrebs kann in jedem Alter auftreten, erreicht aber seinen Häufigkeitsgipfel zwischen dem vierten und fünften Lebensjahrzehnt. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Während die Zahl der Neuerkrankungen in den letzten Jahren weitgehend konstant verläuft, ist die Zahl der Todesfälle für beide Geschlechter rückläufig.

Die Heilungsaussichten sind bei einem rechtzeitig erkannten Schilddrüsenkrebs im Allgemeinen gut. Schilddrüsenkarzinome sind als Todesursache selten. Untersuchungen aus verschiedenen Ländern belegen, dass im Mittel mehr als 90 Prozent der Patienten mit einer Diagnose eines Schilddrüsenkrebses nach 10 Jahren noch am Leben sind.


(yia/red)


Quellen:
[1] H. Dralle: Maligne Schilddrüsentumoren, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008, Beilage-CD
[2] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
[3] Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2007/2008. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2012

Portrait Experte

Fachliche Beratung: 
Prof. Georg Brabant
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Lübeck

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 22.04.2016

Weitere Basisinformationen zum Schilddrüsenkrebs:

Aktualisiert am: 28.07.2016 17:21