Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Klassifikation des Krankheitsstadiums

Untersuchung, Quelle: © corbisrffancy - fotolia.com
Quelle: © corbisrffancy - fotolia.com

Bei Prostatakrebs (Prostatakarzinom) handelt es sich um einen bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse. Da sie meist in der äußeren Zone der Drüse, weit entfernt von der Harnröhre entstehen und daher keine Probleme bereiten, bleiben sie oft lange Zeit unbemerkt. Zur Einengung der Harnröhre mit Störungen beim Wasserlassen kommt es erst dann, wenn der Tumor bereits groß ist und sich ausgebreitet hat.

Mit zunehmender Größe wächst der Tumor über die Kapsel hinaus und befällt auch die Samenblasen, den Blasenhals oder benachbarte Gewebe. Danach breitet er sich über die Lymphbahnen und -knoten weiter aus und bildet typischerweise Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Knochen, was Schmerzen und Knochenbrüche verursachen kann.

Je früher ein Prostatakarzinom entdeckt und behandelt wird, umso besser sind die Heilungschancen. Insbesondere wenn der Tumor noch auf die Prostatadrüse begrenzt ist und keine Tumorzellen in benachbartem Gewebe oder Lymphknoten gefunden werden, kann die Krankheit durch Operation oder Bestrahlung geheilt werden. Liegen bereits Metastasen vor, kommen Medikamente zum Einsatz, die den Krankheitsprozess aufhalten, die Lebenszeit verlängern und Beschwerden lindern sollen.

Staging

Wie ein Prostatakarzinom behandelt wird, richtet sich nach seiner Klassifikation, d. h. der Zuordnung zu einem Krankheitsstadium. Die Klassifizierung, auch Staging genannt, erfolgt nach dem sogenannten TNM-System, das für viele Krebserkrankungen angewendet wird. Dafür sind drei Kriterien maßgeblich:

  • Größe und Ausdehnung des Tumors (T)
  • Beteiligung der Lymphknoten (N)
  • Vorhandensein von Metastasen (M)

Die Ziffern hinter den Buchstaben geben Hinweise auf die Ausdehnung des Tumors (T1 – 4), Zahl und Lage der befallenen Lymphknoten (N0 und N1) und das Vorhandensein oder Fehlen von entfernten Metastasen (M0 und M1).

TNM-Klassifikation des Prostatakrebses

Tumorausdehnung

T1

Tumor ist weder tastbar noch per bildgebendem Verfahren sichtbar

 

T1a

Tumor in weniger als 5 % des Biopsie-Gewebes

 

T1b

Tumor in mehr als 5 % des Biopsie-Gewebes

 

T1c

Tumor wurde nach erhöhtem PSA-Wert durch eine Nadelbiopsie diagnostiziert

T2

Tumor begrenzt auf Prostatakapsel (lokal begrenztes Karzinom)

 

T2a

Tumor in weniger als 50 % eines Seitenlappens

 

T2b

Tumor in mehr als 50 % eines Seitenlappens

 

T2c

Tumor in beiden Seitenlappen

T3

Tumor wächst über Prostatakapsel hinaus (lokal fortgeschrittenes Karzinom)

 

T3a

 

Tumorausbreitung ein- oder beidseitig über Prostatakapsel hinaus, Samenblasen tumorfrei

 

T3b

Tumorausbreitung ein- oder beidseitig über Prostatakapsel hinaus und in Samenblasen

 

T4

Tumorausbreitung in Nachbarstrukturen oder nicht verschiebbar (fixiert)

Lymphknotenmetastasen (N)

 

N0

 

keine Metastasen in benachbarten (regionären) Lymphknoten (Beckenlymphknoten)

 

N1

 

Metastasen in benachbarten Lymphknoten

Fernmetastasen (M)

 

M0

 

keine Fernmetastasen nachweisbar

 

M1

 

Fernmetastasen vorhanden

 

 

M1a

Metastasen in nicht benachbarten Lymphknoten

 

 

M1b

Knochenmetastasen

 

 

M1c

Metastasen in anderen Organen und/oder Strukturen

Grading, Gleason-Score und Risikogruppen

Zusätzlich zur TNM-Klassifikation wird der Tumor nach seiner Aggressivität eingestuft („Grading“), da dies wichtige Informationen für die Prognose der Erkrankung und für die Wahl der Therapie gibt.

Auf Basis von Prostata-Gewebe, das bei der Biopsie oder bei der Operation entnommen wurde, untersucht der Pathologe, wie stark sich die Tumorzellen von normalen, gesunden Zellen unterscheiden – mit anderen Worten: wie entdifferenziert sie bereits sind.Für das Grading des Prostatakarzinoms hat sich international der nach seinem Erfinder benannte Gleason-Score durchgesetzt.

Dabei werden zwei in einer Gewebeprobe sichtbare Tumorzellareale in fünf verschiedene Differenzierungsgruppen unterteilt und mit Punkten von 1 und 5 bewertet. Je niedriger der vergebene Punktwert ist, desto eher sieht das Tumorgewebe normalem Prostatagewebe ähnlich. Die beiden Zahlen der Zellen werden dann addiert, z. B. 3+4 ergibt den Gleason-Score 7. Liegt der Gleason-Score unter 7, ist die Prognose eher günstig. Liegt der Score jedoch über 7, ist die Prognose eher ungünstiger.

Beim lokal begrenzten Prostatakarzinom (T1-2) erfolgt zusätzlich eine Einteilung nach dem Rezidivrisiko, denn die Entscheidung über einige Behandlungen wird in Abhängigkeit von der Zuordnung in Risikogruppen empfohlen. Beispielsweise hilft dies bei der Frage, ob erst einmal abgewartet werden kann, wie die Erkrankung sich entwickelt, oder ob sofort eine radikale Prostatektomie bzw. eine Strahlentherapie erfolgen sollte.

Die Einschätzung des Rezidivrisikos beruht auf einer Kombination von Gleason-Score, T-Kategorie und PSA-Wert des Patienten:

  • niedriges Risiko: PSA ≤ 10 ng/ml und Gleason-Score 6 und cT-Kategorie < 2a
  • intermediäres (mittleres) Risiko: PSA > 10 ng/ml bis 20 ng/ml oder Gleason-Score 7 oder cT-Kategorie 2b
  • hohes Risiko: PSA > 20 ng/ml oder Gleason-Score ≥ 8 oder cT-Kategorie 2c

Je mehr Risikofaktoren vorliegen (Grading, T-Kategorie, PSA-Wert), desto ungünstiger ist die Prognose für den Patienten. Das heißt, umso wahrscheinlicher ist es, dass die Erkrankung fortschreitet, dass Metastasen auftreten und der Patient nicht mehr geheilt werden kann.

(yia/red)

 

Quellen:

[1]Prostatakrebs-Leitlinien der European Association of Urology, Stand 2014, http://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/

[2]Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Langfassung. Online unter http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_3.1.pdf

[3] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

 

 

Fachliche Beratung
Prof. Dr. Kurt Miller
Klinik für Urologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. Jürgen Gschwend
Universitätsklinikum rechts der Isar, München

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

Weitere Informationen zum Thema:

Aktualisiert am: 14.12.2017 21:28