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Früherkennung von Prostatakrebs

Gespräch Arzt - Patient, Quelle: © Igor Mojzes - fotolia.com
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Früh erkannt ist Krebs besser heilbar. Das gilt auch beim Prostatakrebs. Doch welche Maßnahmen zur Früherkennung zum Einsatz kommen und wann sie beginnen sollten – darüber herrscht auch bei Fachleuten momentan keine Einigkeit. Denn der Nutzen einer Früherkennung – dass Todesfälle durch Prostatakrebs verhindert werden – muss sorgfältig gegenüber dem Nachteil einer möglichen Überdiagnose bzw. Übertherapie abgewogen werden. Wir informieren in unserem Schwerpunktthema über Früherkennungsmaßnahmen und darüber, welches Vorgehen die Leitlinien der Fachgesellschaften momentan empfehlen.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern. In der Regel wächst Prostatakrebs langsam und führt bei vielen Betroffenen nicht zum Tod. Wenn der Tumor jedoch gestreut hat, ist er nicht mehr heilbar. [1] Die Fachgesellschaften empfehlen deshalb folgende Früherkennungs-Maßnahmen: [2]

Gesetzliche Früherkennung: Tastuntersuchung

Männer ab 45 Jahren können einmal jährlich die Leistungen des gesetzlichen Früherkennungsprogramms in Anspruch nehmen, Männer mit familiärer Vorbelastung ab dem 40. Lebensjahr. Die Untersuchung ist kostenlos. Die Früherkennung umfasst ein Gespräch mit dem Arzt, in dem nach eventuellen Beschwerden oder Symptomen gefragt wird. Außerdem werden die Geschlechtsorgane und die Lymphknoten in der Leiste untersucht und der Arzt tastet die Prostata vom Enddarm aus ab. Mit dieser sogenannten digital-rektalen Untersuchung (DRU; digitus: lat. „Finger“) können jedoch nur oberflächlich gelegene und größere Karzinome gefunden werden. Das heißt, Tumoren, die ungünstig gelegen oder noch sehr klein sind, bleiben dabei unentdeckt. Daher ist der Nutzen dieser Untersuchung begrenzt und als alleinige Früherkennungsuntersuchung nicht ausreichend.

Zusätzliche Früherkennung: PSA-Test

Mithilfe eines Eiweißes, das nur in der Prostata produziert wird, lassen sich das Risiko für eine bösartige Veränderungen auch bereits in sehr frühen Stadien abschätzen. Dieses prostataspezifische Antigen, kurz PSA, findet sich in geringen Mengen auch im Blut, so dass es hier bestimmt werden kann. Je höher der Wert, umso wahrscheinlicher ist auch, dass ein Tumor vorhanden ist. Sehr hohe Werte weisen auf eine fortgeschrittene Erkrankung und das Vorhandensein von Metastasen hin. [3]

Bevor der Patient sich für oder gegen einen PSA-Test entscheidet, sollte er sich beim Arzt ausführlich über die Vor- und Nachteile informieren. So sollte man wissen, dass das Testergebnis nur die Wahrscheinlichkeit für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms vorhersagt. Denn ein normaler PSA-Wert ist keine Garantie dafür, dass kein Krebs vorliegt. Und umgekehrt bedeutet ein erhöhter PSA-Wert nicht zwangsläufig Prostatakrebs: Auch Harnweg- oder Prostataentzündungen, gutartige Veränderungen sowie Druck auf die Prostata (durch eine digital-rektale Untersuchung oder durch Sport) können den Wert beeinflussen.

Gefahr von Überdiagnosen

Arzt-Patienten-Gespräch, Quelle: © Alexander Raths - fotolia.com
Quelle: © Alexander Raths - fotolia.com

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist auch die Gefahr von Überdiagnosen: Durch die PSA-gestützte Früherkennung werden sehr viele Tumoren im Frühstadium entdeckt, die dann größtenteils auch behandelt werden – mit allen psychischen und körperlichen Folgen und Nebenwirkungen. Dabei würde geschätzt die Hälfte aller durch den PSA-Test aufgespürten Karzinome niemals Beschwerden machen – ganz ohne Behandlung.

Nach wie vor gibt es keine Klarheit darüber, ob die Sterblichkeit aufgrund eines Prostatakarzinoms durch das Screening deutlich gesenkt wird oder nicht, so die aktuelle medizinische Leitlinie. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Prostatakarzinom zu versterben, beträgt in Deutschland etwa 3 %; und eine Früherkennung diese Wahrscheinlichkeit kann bei Annahme der positivsten Studienergebnisse auf 2,4 % bis maximal etwa 1,8 % senken. [2, 3]

Wer nach der Aufklärung über die Vor-und Nachteile des Prostatakrebs-Screening den Wunsch nach einer Früherkennungsuntersuchung hat, dem kann laut Leitlinie ein PSA-Test als Untersuchungsmethode angeboten werden. Zusätzlich wird eine digital-rektale Untersuchung empfohlen.

Für wen und wie oft ist ein PSA-Test sinnvoll?

Sinnvoll ist der Test ab einem Alter von 45 Jahren (bei erhöhtem Risiko ab 40) und einer Lebenserwartung über 10 Jahren. [2] Wie oft der Test wiederholt werden sollte, richtet sich nach dem Testergebnis: Wurde ein PSA-Wert von unter 1ng/ml gemessen, ist eine weitere Kontrolle erst nach 4 Jahren angebracht. Liegt der Wert zwischen 1 und 2 ng/ml, wird ein 2-jähriges Testintervall empfohlen, wurden über 2 ng/ml gemessen, soll jährlich kontrolliert werden. Männern über 70 Jahren mit einem PSA-Wert unter 1 ng/ml wird keine PSA-gestützte Früherkennung empfohlen. [2]

Die Kosten des PSA-Tests im Rahmen der Früherkennung werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen, er muss also privat finanziert werden. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt die Vor- und Nachteile des PSA-Tests und treffen Sie in Ruhe Ihre Entscheidung.

Was passiert, wenn der PSA-Wert auffällig ist?

Frau schaut durch Mikroskop, Quelle: © dgrilla - fotolia.com
Quelle: © dgrilla - fotolia.com

Ist bei regelmäßigen Tests ein auffälliger PSA-Anstieg zu beobachten oder liegt der erstmalig gemessenen PSA-Wert über 4 ng/ml, sollten weitere Untersuchungen folgen. Allerdings sollte der Wert zunächst durch eine zweite Messung bestätigt werden. Weist der PSA-Test tatsächlich auf eine Prostatakrebs-Erkrankung hin, werden aus der Prostata Gewebeproben entnommen und im Labor auf Krebszellen untersucht (Stanzbiopsie). [3] Eine Biopsie kann schmerzhaft sein und wird deshalb unter lokaler Betäubung durchgeführt.

PCA3-Test

Bei der Entscheidung, ob eine Biopsie tatsächlich notwendig ist, kann der kommerziell erhältliche PCA3-Test möglicherweise helfen. PCA3 (kurz für Prostate Cancer Gene 3) ist ein Tumormarker, der im Urin nachgewiesen wird und die Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms vorhersagt. Er unterscheidet besser als PSA zwischen Prostatakrebs und gutartigen Prostataerkrankungen. [4] Aber auch dieser Test gibt nur Wahrscheinlichkeiten an. Ein hoher PCA3-Wert macht ein positives Biopsie-Ergebnis statistisch wahrscheinlicher. Ob tatsächlich eine Krebserkrankung vorliegt, lässt sich erst durch eine Biopsie bzw. weiterführende Untersuchungen erkennen. Der Test wird von den Krankenkassen nicht bezahlt und von den Fachgesellschaften nicht empfohlen, weil die wissenschaftlichen Belege zur Wirksamkeit dieses Tests bislang nach Meinung der Experten nicht ausreichend sind. [3]

Bildgebende Verfahren

Nach der deutschen Leitlinie zur Früherkennung des Prostatakarzinoms kann ein MRT der Prostata durchgeführt werden, wenn bereits eine Biopsie ein negatives Ergebnis erbrachte, aber weiterhin der Verdacht auf ein Prostatakarzinom besteht. [2] Im klinischen Alltag wird das MRT auch zunehmend direkt bei einem auffälligen PSA Wert noch vor der Biopsie eingesetzt. Durch den hohen negativen Vorhersagewert des MRT kann damit einem Teil der Patienten wahrscheinlich die Biopsie erspart werden. [5]

Alternative Biomarker zur Prostatakrebs-Früherkennung?

Derzeit wird intensiv daran geforscht, weitere Substanzen bzw. Verfahren zur Früherkennung von Prostatakrebs zu finden. Es sind bereits einige tumorspezifische Marker entdeckt worden, die sich hierzu möglicherweise eignen. Ihr Nutzen für die Praxis muss allerdings noch in Studien getestet werden. [4]

(pp/red)

Vorbeugung von Prostatakrebs

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Quellen:
[1] Warum Früherkennung von Prostatakrebs? Informationsblatt des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ). http://www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/aezq-version-kip-frueherkennung-von-prostatakrebs.pdf

[2] Leitlinienprogramm Onkologie: Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. Langfassung, 2. Aktualisierung, Oktober 2014.
http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_3.1.pdf

[3] Leitlinienprogramm Onkologie: Früherkennung von Prostatakrebs. Information für Männer. Zweite Auflage, Juli 2015
http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Leitlinien/GLL_Prostatakrebs_Frueherkennung_WEB.pdf

[4] Amrallah A. Mohammed: Biomarkers in prostate cancer: new era and prospective. Med Oncol (2014) 31:140 

[5] Rais-Bahrami S, Siddiqui MM, Vourganti S, Turkbey B, Rastinehad AR, Stamatakis L, Truong H, Walton-Diaz A, Hoang AN, Nix JW, Merino MJ, Wood BJ, Simon RM, Choyke PL, Pinto PA. Diagnostic value of biparametric magnetic resonance imaging  (MRI) as an adjunct to prostate-specific antigen (PSA)-based detection of prostate cancer in men without prior biopsies. BJU Int. 2015 Mar;115(3):381-8

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Jürgen Gschwend, Universitätsklinikum rechts der Isar, München
Prof. Dr. Kurt Miller, Klinik für Urologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 24.08.2015

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Aktualisiert am: 13.12.2017 17:19