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Prostatakrebs - Besonderheiten

Umgang mit Langzeitfolgen

Harninkontinenz

Eine mögliche Folge der Prostata-Operation oder der Strahlentherapie, ist die Harninkontinenz, d.h. die Unfähigkeit, den Urin zu halten. Meist handelt es sich nur um eine vorübergehende Störung, in selteneren Fällen kann die Inkontinenz jedoch auch dauerhaft bestehen bleiben. Ursache ist das Versagen des Verschlussmechanismus am Blasenausgang.

Die Inkontinenz äußert sich normalerweise dadurch, dass geringe Urinmengen unkontrolliert austreten, vor allem unter körperlicher Belastung, beim Husten, Niesen oder Pressen, also wenn der Druck im Bauchraum erhöht ist. Man spricht auch von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz.

In der Regel ist es möglich, diese Störung durch eine konsequente Beckenbodengymnastik nach der Operation zu beheben. Unter Anleitung eines Krankengymnasten können Sie die Übungen erlernen und später selbstständig ausführen. Bis zur Wiedererlangung der Kontinenz helfen saugfähige Einlagen, den Urin aufzufangen.

Sollte wider Erwarten die Inkontinenz fortbestehen, können verschiedene operative Verfahren Besserung bringen. Die Einpflanzung eines künstlichen Schließmuskels ist eine Möglichkeit, es gibt jedoch auch weitere Verfahren, die Abhilfe schaffen können. Besprechen Sie mit dem Arzt die verschiedenen Möglichkeiten. Bei Fragen zum Thema Inkontinenz kann auch die Deutsche Kontinenz Gesellschaft e.V. weiterhelfen.

Impotenz

Frau und Mann, Quelle: © Kzenon - fotolia.com
Quelle: © Kzenon - fotolia.com

Operation und Strahlentherapie haben häufig Potenzprobleme zur Folge. Je nachdem, wie stark die Erektionsnerven geschädigt wurden, ist die Impotenz dauerhaft oder vorübergehend. Die Produktion der männlichen Geschlechtshormone bleibt hingegen durch Operation oder Strahlentherapie unbeeinflusst. Das bedeutet, dass Ihre Empfindungen, Ihre Lust und die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, erhalten bleiben.

Die eingeschränkte Sexualität kann eine große Belastung sein. Das offene Gespräch und die Unterstützung durch die Partnerin können wesentlich dazu beitragen, dass trotz der funktionellen Einschränkung eine liebevolle und auch sexuell befriedigende Partnerschaft möglich ist.

Wenn trotz Erhalt der Erektionsnerven eine Impotenz vorliegt, kann dies auch psychische Ursachen haben. Beeinträchtigungen des Sexuallebens sind nach einer Tumoroperation keine Seltenheit, besonders dann, wenn nach der Operation eine Inkontinenz besteht. Auch hier gilt: Probleme und Sorgen sollten mit der Partnerin, dem Arzt und ggf. einem Psychotherapeuten besprochen werden.

Weder bei psychisch noch bei organisch bedingter Impotenz müssen Krebspatienten auf Sexualität verzichten. Die Gliedversteifung kann mit Hilfe verschiedener medikamentöser oder technischer Methoden herbeigeführt werden:

  • Medikamentöse Therapie: Durch die Wirkung sogenannter PDE-5-Hemmer („Viagra“) auf die Schwellkörper-Muskeln und den Blutzustrom kann zwar keine Erektion erzeugt, aber eine vorhandene Erektion verstärkt und verlängert werden.
  • Lokale Therapie: Beim sogenannten SKAT-Verfahren (Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie) wird das Medikament direkt in die Schwellkörper gespritzt und bewirkt nach kurzer Zeit eine Erektion. Im Gegensatz zur medikamentösen Therapie wirkt SKAT auch bei verletzten Nervenbahnen. Alternativ zur Spritze kann der Wirkstoff auch als Mini-Tablette in die Harnröhre eingeführt werden („MUSE“).
  • Mechanische Hilfsmittel: Mittels Vakuumpumpe kann durch Unterdruck eine Erektion hervorgerufen werden. Penisringe verhindern den Abfluss des Blutes und helfen so die Erektion erhalten.
  • Implantate: Wenn andere Methoden versagen, können bei einer Operation Schwellkörper-Implantate eingebracht werden. Dabei gibt es biegsame Varianten, die dauerhaft gleich steif bleiben, sowie aufpumpbare Modelle, mit denen bei Bedarf eine Erektion erzeugt werden kann.

Was kann ich selbst tun?

Neben Unterstützungsangeboten von außen gibt es ein breites Spektrum an Möglichkeiten, wie Sie selbst dazu beitragen können, die Erkrankung zu bewältigen und Ihre Lebensqualität zu verbessern. Ob Sie lesen, malen, meditieren, singen, schreiben, wandern, tauchen, Inline skaten … : Suchen Sie sich eine Betätigung, die Ihnen gefällt. Wichtig ist, dass Sie aktiv werden!

Aktive Entspannung

In körperlich und seelisch belastenden, schwierigen Zeiten reagieren die meisten Menschen mit innerer Unruhe und körperlichen Verspannungen. Entspannungsverfahren können helfen, Verkrampfungen zu lösen und zur Ruhe zu kommen. Es gibt viele verschiedene Methoden, sich zu entspannen, beispielsweise autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Visualisierungsübungen oder Meditation. Kursezur Einübung dieser Entspannungsverfahren werden vor allem von Volkhochschulen, Familienbildungsstätten, Rehakliniken, in therapeutischen Praxen und teilweise auch in Beratungseinrichtungen für Krebskranke angeboten.

Körperliche Aktivität

Mann auf Fahrrad, Quelle: © Gina Sanders - fotolia.com
Quelle: © Gina Sanders - fotolia.com

Sport ist nicht nur für Gesunde gut. In Studien wurde nachgewiesen, dass er das Risiko senkt, an Krebs zu erkranken. Und es konnte sogar gezeigt werden, dass regelmäßige körperliche Aktivität nach einer Krebsbehandlung das Rückfallrisiko senkt – und das beeindruckend deutlich!

Neben dem messbar geringeren Rückfallrisiko gibt es weitere positive Effekte: Therapien werden besser vertragen und die allgemeine Leistungsfähigkeit gesteigert, was wiederum zu einer höheren Selbstsicherheit und einer besseren Lebensqualität beiträgt. Regelmäßiges Training kann auch therapiebedingten Erkrankungen vorbeugen oder diese lindern, zum Beispiel Fettleibigkeit, Muskelabbau, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Osteoporose. 

Ernährung

Eine spezielle Prostatakrebs-Diät gibt es nicht. Doch eine vollwertige Kost – mit Vollkornprodukten, Obst und Gemüse, in Maßen Fleisch und wenig Salz und Zucker – ist Krebspatienten natürlich genauso zu empfehlen wie gesunden Menschen. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass sich eine Ernährung mit reichlich Tomaten, Soja-Produkten und Fisch positiv auf den Erkrankungsverlauf von Prostatakarzinomen auswirkt.

Treten während einer Therapie Nebenwirkungen auf, ist es unter Umständen erforderlich, spezielle Ernährungsempfehlungen zu befolgen. Bei einer Chemotherapie ist beispielsweise der tägliche Kalorienbedarf erhöht. Deshalb darf das Essen während der Behandlung ruhig etwas gehaltvoller sein, um starkem Gewichtsverlust entgegenzuwirken.

Insbesondere Patienten, die eine antihormonelle Therapie erhalten, sollten ihr Körpergewicht im Normalbereich halten bzw. versuchen, es zu erreichen. Langsam aber konsequent abzunehmen ist dabei besser als radikale Diäten, die den Körper zusätzlich schwächen.

Um während einer antihormonellen Therapie dem Entstehen einer Osteoporose vorzubeugen, sollten Patienten viel Vitamin D- und kalziumreiche Nahrung zu sich nehmen, vor allem wenn ihre Knochendichte bereits vermindert ist.

Vorsicht geboten ist bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln (Vitamine, Spurenelemente) und hochdosierten pflanzlichen Präparaten: Sie können ggf. die Wirkung einer Therapie verschlechtern und sollten daher nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden! 

Selbsthilfegruppen

Viele Patienten empfinden den Austausch mit Menschen, die auch an Krebs erkrankt sind, als Bereicherung. Andere Betroffene machen oft sehr ähnliche Erfahrungen und teilen Ihre Ängste und Sorgen. In der Gruppe erkennen Sie, dass Ihre Gedanken und Gefühle normal sind und dass andere genau wie Sie nach Lösungen suchen. Sie erleben, wie andere Krebskranke mit körperlichen Einschränkungen umgehen und wie sie mit den seelischen Belastungen fertig werden.

Die gegenseitige Anteilnahme und Unterstützung schweißt nach einiger Zeit eng zusammen. Man trifft sich auch privat, gestaltet gemeinsam seine Freizeit. Die Gruppenmitglieder informieren sich gegenseitig über Neuigkeiten, z.B. über aktuelle medizinische Erkenntnisse oder wichtige Änderungen in der Sozialgesetzgebung. Auch praktische Tipps z.B. zur Linderung von Nebenwirkungen werden ausgetauscht.

Die passende Gruppe findet man am besten über Selbsthilfekontaktstellen. Diese sammeln Informationen für die jeweilige Region und beraten und vermitteln den Kontakt. 

Austausch im Internet

Manche Menschen können sich im Schutz der Anonymität besser öffnen als vor Angehörigen und Freunden. Hier trauen sie sich eher, unangenehme Fragen zu stellen oder über ihre Gefühle zu sprechen. Das Internet bietet eine unübersehbare Vielfalt an Möglichkeiten für den Erfahrungsaustausch mit anderen Krebspatienten: offene und geschlossene Foren, Chats, soziale Netzwerke wie Facebook, virtuelle Selbsthilfegruppen und vieles mehr. Wichtig ist, online nicht zu viele persönliche Details preiszugeben. Vorsicht gilt bei medizinischen Aussagen: Sie können falsch, veraltet oder aus dem Zusammenhang gerissen sein. Die Erfahrung einzelner Patienten kann nicht auf andere Krebskranke übertragen werden, und die unkritische Anwendung von Mitteln, die anderen geholfen haben, kann schlimmstenfalls zur Verschlimmerung von Symptomen oder zum Versagen von Therapien führen.

(yia/red)

 

Quellen:

[1]Prostatakrebs-Leitlinien der European Association of Urology, Stand 2014, http://uroweb.org/guideline/prostate-cancer/

[2]Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms, Langfassung. Online unter http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_Prostata_Langversion_3.1.pdf

[3] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

 

Fachliche Beratung
Prof. Dr. Kurt Miller
Klinik für Urologie, Charité - Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. Jürgen Gschwend
Universitätsklinikum rechts der Isar, München

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07