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Multiples Myelom, Plasmozytom, Morbus Kahler

Zellen, Quelle: © fotoliaxrender - fotolia.com
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Das Multiple Myelom (früher Plasmozytom oder Morbus Kahler) ist eine Tumorerkrankung aus der Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome. Sein Ursprung liegt wie bei allen Lymphomen im lymphatischen Gewebe. Es entsteht durch die Entartung einer einzigen Plasmazelle, deren Klone sich im Knochenmark ausbreiten. 1873 wurde es erstmals von dem Arzt J. von Rustizky als Multiples Myelom beschrieben. Der Name Multiples Myelom (MM) leitet sich vom Erscheinungsbild ab: Charakteristisch sind viele (multiple) Tumorherde im Knochenmark (Myelome). Ist bei einem Patienten nur ein Krankheitsherd vorhanden, wird vom solitären Plasmozytom gesprochen.

Wurden in der Vergangenheit beide Begriffe oft als Synonym verwendet, spricht man heute von einem Multiplen Myelom. Der Begriff Plasmozytom sollte nur dann verwendet werden, wenn auch tatsächlich nur ein solitärer Tumor aus Plasmazellen vorhanden ist. Früher wurde die Krankheit zudem nach dem Wiener Arzt Kahler, der 1889 eine Krankheitsbeschreibung veröffentlichte, als Morbus Kahler bezeichnet.

Plasmazellen gehören zu den weißen Blutzellen und sind im Knochenmark und anderen Körpergeweben zu finden. Sie produzieren Antikörper, die bei der Abwehr von Krankheitserregern eine entscheidende Rolle spielen. Kommt es bei der Ausdifferenzierung von Plasmazellen im Knochenmark zur Entartung einer dieser Zellen (= monoklonale Plasmazelle = Myelomzelle) und vermehrt sich diese, entstehen bösartige Wucherungen. Die Myelomzellen produzieren monoklonale Antikörper im Übermaß, die nutzlos für ihre eigentliche Aufgabe in der Immunabwehr sind. Durch die unkontrollierte Vermehrung der Myelomzellen im Knochenmark können die dort befindlichen blutbildenden Zellen verdrängt werden. Dadurch kann es zu Blutarmut (Anämie), Verminderung der Blutplättchen und einer Schwächung des Immunsystems kommen. 
Die Myelomzellen beeinflussen außerdem den normalen Knochenstoffwechsel durch Anregung der knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und Hemmung der knochenaufbauenden Zellen (Osteoblasten). Dies führt zu Knochenauflösungen und Knochenbrüchen.

Häufigkeit

Das MM ist selten, gehört aber zu den häufigsten Tumoren von Knochen und Knochenmark. Etwa sechs Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner werden jährlich verzeichnet. In Mitteleuropa liegt das mittlere Patientenalter zum Zeitpunkt der Diagnosestellung zwischen 60 und 70 Jahren.

 

(red)

 

Quellen:
[1] Martin Kortüm, Christoph Driessen, Hermann Einsele, Hartmut Goldschmidt, Eberhard Gunsilius, Nicolaus Kröger, Martin Kropff, Peter Liebisch, Heinz Ludwig, Ralph Naumann, Dietrich Peest, Christian Taverna, Bernhard Josef Wörmann, URL: https://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/multiples-myelom, Stand September 2013
[2] M. Kortüm, H. Einsele, R. Naumann, D. Peest, P. Liebisch, H. Goldschmidt: Monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), URL: https://www.dgho-onkopedia.de/de/onkopedia/leitlinien/monoklonale-gammopathie-unklarer-signifikanz-mgus, Stand August 2010 (Abruf am 1.2.2011)
[3] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
[4] Rajkumar, S.V., Dimopoulos, M.A., Palumbo, A., Blade, J., Merlini, G., Mateos, M.V., Kumar, S., Hillengass, J., Kastritis, E., Richardson, P., Landgren, O., Paiva, B., Dispenzieri, A., Weiss, B., LeLeu, X., Zweegman, S., Lonial, S., Rosinol, L., Zamagni, E., Jagannath, S., Sezer, O., Kristinsson, S.Y., Caers, J., Usmani, S.Z., Lahuerta, J.J., Johnsen, H.E., Beksac, M., Cavo, M., Goldschmidt, H., Terpos, E., Kyle, R.A., Anderson, K.C., Durie, B.G., Miguel, J.F. (2014) International Myeloma Working Group updated criteria for the diagnosis of multiple myeloma. Lancet Oncol. 15(12):e538-e548

Portrait Experte

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Hartmut Goldschmidt
Universitätsklinikum Heidelberg

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 13.05.2015

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Aktualisiert am: 25.05.2017 17:35