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Asbestose und Mesotheliom

Asbest
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Asbest kommt aus dem Griechischen und bedeutet unverträglich. Eine passende Wortwahl für den Stoff, der für die am häufigsten anerkannte bösartige Berufskrankheit verantwortlich ist: das Mesotheliom. Es gehört zur Gruppe der Asbestosen, den Stauberkrankungen. Der bis in die 60er Jahre gern in der Autoindustrie, Bauindustrie und Wärmedämmung eingesetzte Stoff Asbest war aufgrund der großen Festigkeit der Fasern besonders hitze- und säurebeständig. Und obwohl Asbest schon seit geraumer Zeit in der EU verboten ist, steigt immer noch jährlich die Anzahl an bekannten Krankheitsfällen, welche eindeutig auf Asbest zurückzuführen sind. Dafür ist die lange Zeitspanne von 10 bis 60 Jahren zwischen dem Asbestkontakt und dem Ausbruch der Erkrankung verantwortlich. Eine aktuelle Bochumer Langzeitstudie fand heraus, dass 40 Jahre nach dem Kontakt die Asbestfasern immer noch in derselben Menge in der Lunge nachweisbar sind. Das eröffnet neue Chancen in der Therapie.

Was macht Asbest so schädlich?

Normalerweise werden Fremdpartikel von der Lunge in den Flimmerhärchen abgefangen und über die Atemwege abtransportiert. Die langen und spitzen Asbestfasern können jedoch vom Körper nicht entfernt werden, sodass sie im Mesothel-Gewebe hängen bleiben und das Gewebe immer wieder neu verletzen. Diese Verletzungen lösen Immunreaktionen aus: Entzündungssignale werden ausgesandt und weiße Blutkörperchen sammeln sich gehäuft an. Dadurch wiederum werden die Signalstoffe für Wundheilung im Mesothel-Gewebe aktiviert, welche die Zellteilung anregen. Der Nährboden für die Tumorbildung ist geschaffen. 

Symptome und Diagnose

Schwitzen
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Treten lokale Schmerzen, Husten und unspezifische Beschwerden wie Nachtschweiß, Abgeschlagenheit oder Gewichtsverlust auf, können das mögliche Symptome für ein Mesotheliom sein. Bei 85% der Patienten kann Atemnot infolge eines Pleuraergusses (eine übermäßige Flüssigkeitsansammlung in der Pleurahöhle) als eindeutiger Indikator für ein Mesotheliom festgehalten werden. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei etwas über 60 Jahren, wobei Männer vier Mal häufiger betroffen sind als Frauen.

Erhärtet sich der Verdacht, stehen verschiedene Diagnose-Methoden zur Verfügung, um Gewissheit zu erlangen. Sowohl der Röntgen-Thorax als auch die Computertomographie werden zu Rate gezogen. Klarheit bringt meistens die Biopsie samt histologischer Sicherung sowie die Thorakoskopie, welche eine sichere Stadieneinteilung ermöglicht.

Leider ist in Puncto Diagnose noch einiges an Arbeit zu leisten, denn nicht selten wird die korrekte Diagnose erst spät gestellt. Häufig wird fälschlicherweise angenommen, dass keine Asbestose vorliegt, wenn nicht eine bestimmte Menge an Asbestfäden in der Lunge nachweisbar ist. Auch leichte Erkrankungen und die realistische Verbreitung der Krankheit werden häufig nicht betrachtet. Verbesserungsvorschläge beinhalten eine umfassende Arbeitsanamnese, eine große Lungenfunktionsprüfung und den häufigeren Einsatz der Computertomographie. Da man nun weiß, dass der langfristige Nachweis der Fasern möglich ist, kann die Behandlung der Asbestose und des Mesothelioms möglicherweise präzisiert werden.

Stadieneinteilung

Die Stadieneinteilung erfolgt auch beim Mesotheliom nach der TNM-Klassifikation, der gängigen Methode zur Untergliederung maligner Tumore. Dabei werden das pleurale Befallmuster, der eventuelle Befall benachbarter Organe,  das Vorhandensein von Lymphknotenmetastasen und auch Fernmetastasen als Kriterien herangezogen. Das präzise Festlegen eines Krankheitsstadiums spielt vor allem dann eine Rolle, wenn eine Operation geplant ist.

Unterschieden werden diese  drei verschiedenen Typen:

  • Der epitheloide Typ
  • Der biphasische Typ
  • Der sarkomatoide Typ
     

Der epitheloide Typ ist mit einer besseren Prognose verbunden als die anderen beiden, weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadien und kann in günstigen Fällen mehrere Jahre an Überlebenszeit mit sich bringen.

Therapie

Operation
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Die Therapie des Mesothelioms sollte unbedingt in ausgewiesenen Zentren erfolgen, die Erfahrung im Umgang mit der relativ seltenen Krankheit vorzuweisen haben. Eine Herausforderung stellt das diffuse, flächenhafte Wachstum dar. Therapieoptionen sind die Operation, die Strahlentherapie und die Chemotherapie. Je nach Fitnessgrad kann eine aggressivere Therapie durchgeführt werden, wobei immer zwischen Nutzen und Belastung abgewogen werden muss. Die Datenlage zu den einzelnen Therapieoptionen ist leider relativ dünn. Derzeit werden werden neue Therapieoptionen wie der Einsatz monoklonaler Antikörpern erprobt.

Sollte die Entscheidung auf eine Operation fallen, sind die Ausschälung der parietalen Pleura und das Abziehen der viszeralen Pleura unter Schonung der Lunge (offene Pleurektomie mit Dekortikation) und auch die radikale Resektion des gesamten Inhalts der Thoraxseite unter Mitnahme von Pleura, Lunge, Zwerchfell und Perikard (extrapleurale Pleuropneumoektomie) die beiden gängigen Operationsmethoden. Es sollte nicht unterschätzt werden, dass beide schwerwiegende operative Eingriffe darstellen, die auch nicht ganz ungefährlich sein können und wahrscheinlich nicht das gesamte befallene Gewebe entfernen können.

Die Chemotherapie wird momentan in einer Kombination aus Platinsalz und Pemetrexed durchgeführt. Fällt die Wahl auf die Strahlentherapie, kann diese prophylaktisch, im Anschluss an die Chemotherapie oder schmerzlindernd in der palliativen Situation durchgeführt werden.

Das Mesotheliom als Berufskrankheit

Das Mesotheliom kann als Signaltumor für erfolgten Asbestkontakt angesehen werden. Die meisten Menschen kamen durch ihren Beruf mit Asbest in Berührung. Zwischen 80 und 90 % der Mesotheliome sind asbestassoziiert. In Deutschland treten pro Jahr immer noch über 1000 Neuerkrankungen auf und erst ab 2030 wird dies Zahl der Prognose nach abnehmen.  Da die Diagnose des Mesothelioms noch eine hohe Fehlerwahrscheinlichkeit aufweist, sollten bei Verdacht auf eine Berufskrankheit unbedingt ausreichend histologische Untersuchungen durchgeführt werden. Wenn ein Zusammenhang zwischen der erhöhten beruflichen Asbestbelastung und der Erkrankung besteht – eine Latenzzeit eingerechnet – kann das Mesotheliom versicherungsrelevant anerkannt werden.

(jk)

 

Quellen:

[1] Tischoff I et al: Mesotheliom. Erschienen in: Der Pathologe. Springer Medizin Verlag GmbH. 06. Oktober 2017.

[2] Schumacher, Beate: Berufsbedingte Asbesterkrankungen oft nicht (an)erkannt. Erschienen in: Pneuimonews. Springer Medizin Verlag GmbH. Ausgabe 4/2011.

[3] Duell, Thomas: Tödliches Erbe aus der industriellen Vergangenheit. Erschienen in: MMW - Fortschritte der Medizin. Springer Medizin Verlag GmbH. Ausgabe 22/2011.

[4] https://www.aponet.de/aktuelles/forschung/201700801-asbest-in-der-lunge-ist-unvergaenglich.html, Stand: 10.04.2018

[5] https://www.apotheken.de/news/article/lungenerkrankungen-durch-asbest/, Stand: 10.04.2018.

[6] https://www.aponet.de/aktuelles/forschung/20180309-krebs-warum-asbest-so-gefaehrlichist.html, Stand: 10.04.2018.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 16.04.2018

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Aktualisiert am: 17.08.2018 14:24