Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Erkrankungsverlauf bei Leukämie

Leukämien stellen keine einheitliche Erkrankung dar, sondern bilden vielmehr eine äußerst komplexe Krankheitsgruppe. Der Verlauf einer Leukämieerkrankung richtet sich daher entscheidend danach, welche Form der Leukämie bei einem Patienten vorliegt.

Leukämien nehmen ihren Ausgang im Knochenmark, dem Blut bildenden Organ des Körpers. Je nachdem, welche Blutzellart von der Erkrankung betroffen ist, treten im weiteren Verlauf der Krankheit gewisse Unterschiede auf.

Wie verlaufen myeloische bzw. lymphatische Leukämien?

Myeloische Leukämien (AML, CML) gehen von Vorläuferzellen der Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen, aus. Die entarteten Zellen teilen sich unkontrolliert und verdrängen dadurch die gesunde Blutbildung im Knochenmark. Schließlich treten die Leukämiezellen in großer Zahl ins Blut über und können auf diesem Wege auch alle anderen Körperorgane erreichen und sich dort ansiedeln.

Lymphatische Leukämien (ALL, CLL) gehen von Vorläuferzellen der Lymphozyten aus, einer anderen Untergruppe der weißen Blutkörperchen. Lymphozyten werden ebenfalls im Knochenmark gebildet, reifen aber teilweise im lymphatischen Gewebe (insbesondere dem Thymus und den Lymphknoten) heran.

Je nachdem, auf welcher Stufe des Reifungsprozesses die Entartung stattfindet, kann die Erkrankung daher zunächst entweder das Knochenmark oder aber das Lymphsystem betreffen. Letzteres ist z.B. bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) der Fall: Die Krankheit äußert sich – infolge der ungehemmten Vermehrung der Leukämiezellen innerhalb des lymphatischen Systems – zunächst in Lymphknotenschwellungen. Das ist auch der Grund, weshalb die CLL zu den malignen Lymphomen gezählt wird, einer Gruppe von Krebserkrankungen des lymphatischen Systems. Aber auch hier treten die Zellen schließlich ins Blut über (Leukämie!) und erreichen – über Blut- und Lymphgefäße – Knochenmark und andere Organe.

Organe, die bei lymphatischen Leukämieerkrankungen häufig in Mitleidenschaft gezogen sind, sind – abgesehen von den Lymphknoten – die Leber und die Milz. Sie können durch den Befall mit Leukämiezellen stark vergrößert sein. Schreitet die Krankheit weiter fort, können auch andere Organe, wie etwa die Hoden, die Haut, die Nieren oder die Hirnhäute von leukämischen Zellen befallen sein. Der Befall der Hirnhäute kann besonders bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) bereits in einem frühen Krankheitsstadium erfolgen.

Wie verlaufen akute bzw. chronische Leukämien?

Je schneller sich die Leukämiezellen im Körper ausbreiten, umso schneller schreitet die Krankheit voran. Man unterscheidet daher sowohl bei myeloischen als auch bei lymphatischen Leukämien akute und chronische Verlaufsformen. Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Leukämiezellen hängt mit ihrem Reifezustand zusammen: Je früher im Reifungsprozess die Entartung stattgefunden hat, d.h. je unreifer die Zellen, desto schneller schreitet die Krankheit voran.

Die unreifen weißen Blutzellen akuter Leukämien (auch Blasten genannt) nehmen in kürzester Zeit explosionsartig zu. Akute Leukämien müssen deshalb unbedingt umgehend behandelt werden.

Die Leukämiezellen chronischer Leukämien sind relativ ausgereift, sie vermehren sich weniger rasch. Chronische Leukämien verlaufen daher deutlich langsamer. Die chronisch lymphatische Leukämie (CLL) – die meist bei älteren Menschen auftritt – schreitet in der Regel auch ohne Behandlung sehr langsam fort.
Die chronisch myeloische Leukämie (CML) verläuft dagegen in drei immer aggressiver werdenden Phasen. Diagnostiziert wird die CML meist in der ersten Phase – der chronischen Phase. In dieser Phase verläuft die Krankheit sehr langsam und die richtige Therapie drängt die erkrankten Zellen bis unter die Nachweisgrenze zurück. Die entarteten Zellen sind dann selbst mit modernsten Techniken nicht mehr im Blut auffindbar. In der zweiten Phase – der akzelerierten Phase – verschlechtert sich das Blutbild und die Anzahl der unausgereiften Zellen im Blut (Blasten) nimmt zu. In dieser Phase ist es möglich durch eine Chemotherapie die Entwicklung umzukehren und die Krankheit in die chronische Phase zurückzuführen. Die dritte Phase ist die sogenannte Blastenkrise. Eine Situation die der akuten Leukämie sehr ähnlich ist. Dabei werden massenhaft unreife, funktionsuntüchtige Zellen aus dem Knochenmark ausgeschwemmt. Patienten in der Blastenkrise müssen sich umgehend einer Behandlung unterziehen.

Stadieneinteilung und Klassifikation

Die Form der Leukämie und die Ausbreitung der Krebserkrankung im Körper sind für den Arzt wichtige Kriterien bei der Behandlungsplanung. Um den Schweregrad einer Leukämieerkrankung genauer zu charakterisieren, werden sowohl die Zahl der Leukämiezellen in Knochenmark und Blut als auch der Befall anderer Organsysteme mit leukämischen Zellen berücksichtigt. Von entscheidender Bedeutung ist zudem die genaue Bestimmung des Leukämietyps anhand verschiedener morphologischer, zytochemischer, immunologischer und genetischer Faktoren. Die genaue Bestimmung des Leukämietyps gibt den behandelnden Ärzten Hinweise auf die Bösartigkeit der Leukämiezellen und die Prognose der Erkrankung und ermöglicht es, die für den Patienten jeweils optimale Behandlungsstrategie zu wählen. 

Bei der chronisch lymphatischen Leukämie (CLL) – die zu den niedrigmalignen Non-Hodgin-Lymphomen, einer Form der malignen Lymphome, zählt – wird vor allem das Krankheitsstadium, also die Ausbreitung der Krebserkrankung im Körper berücksichtigt (Klassifikation nach Rai oder Binet). Entscheidend für die Krankheitseinstufung und die entsprechende Behandlungsplanung sind die Zahl der befallenen Lymphknotenregionen und anderer Organe sowie das Auftreten allgemeiner Krankheitssymptome wie Fieber, Nachschweiß und Gewichtsabnahme.

 

(yia/red)


Quellen:
Michl Marlies: Basics Hämatologie, Urban und Fischer Verlag 2010

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 21.03.2017

Weitere Basisinformationen zu Leukämie:

Aktualisiert am: 29.05.2017 12:31