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Diagnose von Hirntumoren

ACHTUNG: Unsere Texte zum Thema Hirntumoren werden derzeit überarbeitet. Sie geben nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wieder. In Kürze werden Ihnen die aktualisierten Informationen zur Verfügung stehen.

Radiologie

Cpmputertomographie, Quelle: © corbisrffancy - fotolia.com
Quelle: © corbisrffancy - fotolia.com

Von den konventionellen Röntgenuntersuchungen hat die Röntgenuntersuchung des Schädels nur als Vorbereitung zur Operation, nicht jedoch zum Nachweis eines Hirntumors Bedeutung. Die Gefäßdarstellung (Angiographie) wird nur in ausgewählten Einzelfällen zur Abklärung von Hirntumoren oder zur Operationsvorbereitung durchgeführt. Zur Abklärung von Raumforderungen im Schädelinnenraum eignen sich die Computertomographie (CT) und in erster Linie die Magnetresonanztomographie (MRT).

Computertomographie (CT)

Es handelt sich um eine Röntgenschnittmethode, bei der Scheiben des Körpers senkrecht zur Körperlängsachse von einem Röntgenstrahl in Form einer Kreisrotation durchstrahlt werden. Der Röntgenröhre gegenüber ist eine Reihe von Detektoren angeordnet, die während einer solchen Kreisbewegung die nicht vom Körper absorbierte Strahlung misst. Aus diesen Werten kann die Dichte der durchstrahlten Gewebe berechnet werden, und der jeweiligen Dichte, die in Hounsfield-Einheiten (benannt nach dem Erfinder der Methode, Godfrey Hounsfield) angegeben wird, wird ein Grauwert in einem digitalen Bild zugeordnet.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Bei der Magnetresonanztomographie wird die Magnetisierung von Wasserstoffatomen, die in biologischem Gewebe überall vorhanden sind, durch Einstrahlen einer Radiowelle geändert. Nach Beendigung dieser Anregung durch den Radioimpuls wird die entsprechende Energie wieder als Welle abgegeben, und diese ist je nach Gewebeart unterschiedlich. Die abgegebene Energie wird als Grauwert in einem Bild dargestellt.

Man unterscheidet je nach den gewählten Messbedingungen unterschiedliche Sequenzen, von denen die wichtigsten das T1-gewichtete und das T2-gewichtete Bild sind. Beide Aufnahmen bieten wichtige und unterschiedliche Informationen über das untersuchte Gewebe.

Hirntumoren unterscheiden sich von normalem Gehirn durch eine andere Dichte und einen anderen Gehalt und Bindung von Wasserstoffatomen, sodass sie mit beiden Methoden innerhalb des Gehirns erkennbar sind. Durch das Wachstum verdrängen Tumoren das umliegende Gehirn, das im Schädel nicht unbegrenzt ausweichen kann. Dies nennt man eine Massenverlagerung. Durch Druck auf die Nervenwasserräume (Ventrikel und Hirnfurchen) werden diese zusammengepresst. Der Druck des Tumors auf das umgebende Gehirn führt häufig zu einer Wassereinlagerung um den Tumor, die Hirnödem genannt wird.

Alle diese Effekte sind mit CT und MRT erkennbar. Zusätzlich führen viele Hirntumoren und auch Hirnmetastasen von Tumoren im Körper zu einer krankhaften Störung einer normalen Barriere zwischen den Blutgefäßen und dem Gehirn (Bluthirnschranke). Eine solche Störung der Bluthirnschranke kann nach Gabe eines geeigneten Kontrastmittels (jodhaltig für die CT und gadoliniumhaltig für die MRT) dadurch sichtbar gemacht werden, dass sich das Kontrastmittel in dem gestörten Bereich ansammelt und so sichtbar wird. Der Nachweis und das Ausmaß einer Kontrastmittelaufnahme in den Tumor können Hinweise auf die Tumorart bieten.

Nicht nur wegen der Strahlenbelastung durch die CT als Röntgenuntersuchung, sondern auch wegen der deutlich besseren Erkennbarkeit unterschiedlicher Weichteilqualitäten in der MRT wird zur Abklärung von Hirntumoren der MRT Vorrang eingeräumt. Absiedlungen in den Hirnhäuten sowohl bei Hirntumoren als auch bei Tumoren im Körper sind erheblich besser mit der MRT erkennbar als mit der CT. Zur Untersuchung des Rückenmarkkanals eignet sich fast ausschließlich die MRT. Vergleichbare Ergebnisse sind mit der CT auch nach Gabe von Kontrastmittel in das Nervenwasser nicht zu erhalten.

Die MRT hat jedoch auch Einschränkungen. Ein Patient mit den meisten gebräuchlichen Herzschrittmachern darf in der Regel nicht im MRT untersucht werden. Auch andere elektronische Geräte oder Metallfremdkörper im Körper des zu Untersuchenden können ein erhebliches Hindernis sein, so dass eine MRT nicht durchgeführt werden kann. Bei unruhigen Patienten sind sinnvolle Bilder wegen der Störung durch Bewegung oft nicht zu erzeugen. Schwer kranke Patienten sind nur schwer im Gerät in ihren Lebensfunktionen zu überwachen. Bei Frauen in der Frühschwangerschaft wird aus Sicherheitsgründen von einer MRT abgeraten. In der Erkennung von Verkalkungen hat die MRT gegenüber der CT einen erheblichen Nachteil. Diese können, auch wenn sie groß sind, manchmal nicht gesehen werden. Deshalb kann es sinnvoll sein, bei möglicherweise verkalkten Tumoren eine zusätzliche Schichtung mit der CT durchzuführen. Die Zelldichte von Tumoren kann derzeit mit der CT besser eingeschätzt werden als mit MRT, so dass auch dadurch Rückschlüsse auf die Art des Tumors möglich sind.

Spezialverfahren wie die Magnetresonanzspektroskopie (MRS), die diffusionsgewichtete MRT und die Durchblutungsmessungen des Gehirns mit CT und MRT erlauben eine nähere Einordnung der Art einer Raumforderung oder der Beurteilung eines Hirntumors im Verlauf der Behandlung. Da auch entzündliche Veränderungen wie ein Abszess oder durch die Bestrahlung oder Chemotherapie bedingte Veränderungen in CT oder MRT wie ein Hirntumor aussehen können, werden diese Methoden zur zuverlässigeren Einordnung genutzt. Mit der so genannten funktionellen MRT lassen sich wichtige Funktionen (Sprache, Bewegung) anatomisch zuordnen.

In der Erstdiagnose eines Hirntumors kann jedoch in fast allen Fällen nicht auf die Sicherung der Diagnose durch eine Gewebeentnahme im Rahmen einer Operation oder stereotaktischen Biopsie verzichtet werden.

Positronen-Emissions-Tomographie

In der letzten Dekade hat sich die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) mit Aminosäuren (Fluorethylthyrosin, Methionin) als Verfahren etabliert, dass zusätzliche Aussagen über die Stoffwechselaktivität des Tumors zulässt. Dieses Verfahren bietet ergänzend zur Magnetresonanztomographie die Möglichkeit zu klären, ob überhaupt ein Tumor vorliegt. Bei manchen hirneigenen Tumoren kann die PET die Kernspintomographie ergänzen, um rasch wachsende Stellen in langsam wachsenden Tumoren zu identifizieren. Der Nachweis solcher Areale („hot spots“) ist wichtig um bei einer Probeentnahme an der richtigen Stelle die Probe zu gewinnen. Die PET ist an zahlreichen, auf die Neuro-Onkologie spezialisierte Zentren wichtiger Teil des diagnostischen Repetoires geworden. 

links: Astrozytom Grad III im T1-gewichteten Bild nach Kontrastmittelgabe. Nur der Herd in der rechten Hirnhälfte ist sichtbar; rechts: Astrozytom Grad III (identischer Patient wie oben links). Im Methionin-PET offenbart sich ein zweiter Tumor

 

(red)

Quellen:
[1] Tonn Jörg-Christian et al: Oncology of CNS Tumors, Springer Verlag 2010
[2] Robert Koch-Institut (Hrsg.) : Krebs in Deutschland 2007/2008. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2012

Quelle und Copyright: Neuroonkologische Arbeitsgemeinschaft (NOA)
Link zur NOA: www.neuroonkologie.de

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.10.2012

Weitere Basisinformationen zum Hirntumor:

Aktualisiert am: 18.10.2017 10:31