Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Lungenkrebs: Ursachen und Risikofaktoren

Zigarette, Quelle: © Leonid Lyshko - fotolia.com
Quelle: © Leonid Lyshko - fotolia.com

Wie entsteht Lungenkrebs?

Fachleute gehen davon aus, dass bei der Entstehung von Lungenkrebs viele verschiedene Einflüsse zusammenwirken. In erster Linie sind dies schädigende Substanzen, die mit der Atemluft in die Lunge gelangen. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass sich die Schleimhautzellen der Bronchien oder Zellen des Lungengewebes nach und nach in Krebszellen umwandeln. Der bei weitem wichtigste Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen. Darüber hinaus gelten verschiedene Substanzen, die am Arbeitsplatz oder durch eine hohe Schadstoffbelastung der Luft eingeatmet werden, als Risikofaktoren. Auch die Ernährung, Infektionen (z.B. Tuberkulose) und möglicherweise genetische Faktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs. So ist z.B. das Risiko, Lungenkrebs zu bekommen, für rauchende Frauen höher als für rauchende Männer. Auch nimmt die Zahl der Lungenkrebsfälle zu bei jungen bis mittelalten Frauen, die nie oder nur leicht geraucht haben.

Risikofaktoren

Folgende Faktoren erhöhen das Lungenkrebsrisiko:

Tabakkonsum

Die wichtigste Ursache für die Entstehung von Lungenkrebs ist der Zigarettenkonsum. 90% aller Lungenkrebsfälle gehen auf das Rauchen zurück. Im Zigarettenrauch sind zahlreiche Krebs erregende (karzinogene) Substanzen enthalten. Mit steigender Zahl der täglich gerauchten Zigaretten und mit der Dauer des Rauchens nimmt auch das Risiko einer Lungenkrebserkrankung deutlich zu. So ist z.B. bei 25 Zigaretten am Tag die Wahrscheinlichkeit, an einem Lungentumor zu erkranken, 24 Mal höher als bei Nichtrauchern. Die Gesamtdauer des Rauchens spielt bei dieser Risikoabschätzung natürlich auch eine erhebliche Rolle.

Das Risiko verringert sich übrigens nicht durch das Rauchen von Light-Zigaretten. Der Begriff „light“ suggeriert zwar, dass die Schadstoffbelastung geringer ist als bei normalen Zigaretten. Dies ist jedoch in Bezug auf Lungenkrebs ein Irrtum. Light-Zigaretten lassen sich leichter inhalieren und werden deshalb tiefer eingeatmet. Ein Tumor entwickelt sich bei dieser Form des Rauchens daher genauso häufig, allerdings an einer anderen Stelle und in einem anderen Gewebetyp. Während die tief inhalierten Zigaretten eher an den Lungenrändern Tumoren entwickeln, entstehen durch normale Zigaretten mehr Krebsgeschwülste in den zentralen Atemwegen.

Jugendliche sind aufgrund der Anfälligkeit ihres Lungengewebes besonders gefährdet. Je früher sie mit dem Rauchen beginnen, umso höher ist später ihr Lungenkrebsrisiko. Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Laufe seines Lebens. Man schätzt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 25.000 Lungenkrebs-Todesfälle vermieden werden könnten, wenn nicht mehr geraucht würde. Aufhören lohnt sich immer, denn je länger der Zigarettenkonsum zurückliegt, desto stärker sinkt das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken.

Bei Pfeifen- und Zigarrenrauchern ist das Risiko für Lungenkrebs etwas geringer als bei Zigarettenrauchern, aber immer noch extrem hoch im Vergleich zu dem eines Nichtrauchers.

Passivrauchen

Die Gefahr, an Lungenkrebs zu erkranken, nimmt auch durch das Passivrauchen, also das Einatmen von Tabakrauch mit der Umgebungsluft, zu. Wer „mitraucht“, atmet hauptsächlich den so genannten Nebenstromrauch ein, der von glimmenden Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen während der Zugpausen abgegeben wird. Der Nebenstromrauch enthält zwar wenig Teer und Nikotin. Die Konzentration Krebs erzeugender Substanzen, die die Bronchien schädigen, ist jedoch wesentlich höher als im Hauptstromrauch, den der Raucher inhaliert.

Beruf

Am Arbeitsplatz können manche Substanzen eingeatmet werden, die besonders in Kombination mit dem Rauchen Krebs fördernd sind.

Bauarbeiter mit asbesthaltiger Platte, Quelle: © Liane M - fotolia.com
Quelle: © Liane M - fotolia.com

Bestimmte Berufsgruppen scheinen dabei einem erhöhten Risiko ausgesetzt zu sein. Hierzu gehören Arbeiter, die vermehrt in Kontakt mit Asbest, Arsen, Chrom, Nickel, Beryllium, Cadmium, aromatischen Kohlenwasserstoffen sowie wahrscheinlich Dieselabgasen kommen. Es handelt sich dabei um Substanzen, die vor allem in der Metallverarbeitung, in der Kohlegas- und Koksherstellung, in Gießereien oder in der Gummiherstellung anfallen. Auch bei Arbeitern in Uranbergwerken ist das Lungenkrebsrisiko durch den Kontakt mit Radon erhöht. Insgesamt ist jedoch das beruflich bedingte Krebsrisiko deutlich geringer als das Risiko, das durch Zigarettenrauchen entsteht. Bei Chemiearbeitern (durch karzinogenen Halogenäther) und Winzern (durch arsenhaltige Schädlingsbekämpfungsmittel) wird Lungenkrebs als Berufskrankheit anerkannt.

Schadstoffbelastung der Luft

Eine hohe Schadstoffbelastung der Außenluft kann das Lungenkrebsrisiko etwas erhöhen (1,5-fach); als ein bedeutsamer Faktor wird hierbei der Dieselruß eingestuft. Auch in diesem Fall trägt die Schadstoffbelastung der Luft insbesondere bei Rauchern zu einem erhöhten Lungenkrebsrisiko bei.

Ernährung

Die Art der Ernährung spielt vermutlich ebenfalls eine Rolle bei der Entstehung von Lungenkrebs. Ein geringer Konsum an Früchten und Gemüse erhöht das Erkrankungsrisiko auf etwa das Doppelte, vor allem bei Rauchern. Künstliche Vitamine ersetzen Obst und Gemüse nicht!

 

Infektionen

Bestimmte, durch chronische und langwierige Infektionen hervorgerufene Lungenerkrankungen wie z.B. Tuberkulose, erhöhen das Risiko, an einem Lungenkarzinom zu erkranken, geringfügig. Lungenkrebs entwickelt sich besonders in jenen Bereichen der Lunge, die infolge der Tuberkulose-Erkrankung vernarbt sind. Auch hier sind Raucher besonders gefährdet. Möglicherweise spielen Virusinfektionen wie z. B. mit dem humanen Papillomavirus (HPV) eine Rolle bei der Entstehung eines Lungentumors.

Genetische Disposition

Genetische Veränderungen können das Krebswachstum auslösen und fördern. Solche Mutationen sind häufig auch die Ursache für die Entstehung von Lungenkrebs bei Menschen, die nie geraucht haben. Schätzungen zufolge sind ein Viertel aller Lungenkrebspatienten weltweit vor Ausbruch der Krankheit Nichtraucher gewesen. Je genauer diese spezifischen Mutationen identifiziert werden können, desto größer ist die Chance, den Tumor entsprechend mit zielgerichteten Medikamenten behandeln zu können.

Weitere Risikofaktoren

Wissenschaftlich nicht vollständig geklärt sind die Bedeutung eines Mangels an Vitamin A und von erblichen Faktoren. Es gibt bislang keinen erkennbaren Zusammenhang zwischen einer familiären Belastung und Lungenkrebs, auch wenn in einigen Familien eine Häufung auftritt.


(as)


Quellen:
Goeckenjan G. et al. Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie, in: Pneumologie 2010; Bd. 64 (Suppl. 2): S 23-155.

Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Gesundheitsschäden durch Rauchen und Passivrauchen, Heidelberg, 2008.

Huber R.M.: Tumoren der Lunge und des Mediastinums, W. Zuckschwerdt Verlag München 7. Aufl. 2009.

Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums. www.krebsinformationsdienst.de

Lungenärzte im Netz. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP). www.lungenaerzte-im-netz.de

Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte. Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe, 7/2009.

H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Yafei L et al. Genetic variants and risk of lung cancer in never smokers: a genome-wide association study. The Lancet Oncology 2010;11(4): 321-330

 

Fachliche Beratung

Prof. Dr. Frank Griesinger
Klinik für Strahlentherapie und Internistische Onkologie
Pius Hospital Oldenburg

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 07.10.2013

Weitere Basisinformationen zum Lungenkrebs:

Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54