Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Diagnose von Lungenkrebs

Arzt zeigt Patientin Röntgenbild,Quelle: © Alexander Raths - fotolia.com
Quelle: © Alexander Raths - fotolia.com

Wie kann man Lungenkrebs feststellen?

Wenn Sie aufgrund bestimmter Symptome einen Arzt aufsuchen, wird dieser Sie zunächst ausführlich über Ihre Beschwerden und Lebensgewohnheiten befragen und Ihren allgemeinen Gesundheitszustand beurteilen. Sie sollten dabei offen und ehrlich sein, denn durch möglichst genaue Informationen kann der Arzt eine Vermutung eingrenzen oder aber auch bestimmte Erkrankungen besser ausschließen. Sollte der Verdacht auf Lungenkrebs bestehen leitet er die notwendigen Untersuchungen in die Wege. Dann kann geklärt werden, ob es sich wirklich um einen Tumor handelt und wenn ja, welche Tumorart vorliegt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist. Zu den gängigen Untersuchungen bei Verdacht auf Lungenkrebs gehören:

Wird tatsächlich Lungenkrebs festgestellt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Sie sollen vor allem zeigen, wie weit sich der Tumor ausgebreitet hat, ob Lymphknoten befallen sind und ob sich Tochtergeschwülste (Metastasen) in anderen Körperregionen gebildet haben. Zu diesen Untersuchungsmethoden, je nach Stadium, gehören:

  • Untersuchungen wie z. B. die Lungenfunktionsprüfung oder Belastungsuntersuchungen sollen die Funktionstüchtigkeit der Lungen verdeutlichen. Endobronchialer Ultraschall (EBUS)
  • Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
  • Computertomographie (CT) des Bauchraumes
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels
  • PET-CT (Kombinierte Untersuchung aus Positronen-Emissions-Tomographie und Computertomographie) zur Frage Operabilität oder Fernmetastasen
  • Mediastinoskopie
  • Skelettszintigraphie (= Knochenszintigraphie)

Bleiben Sie auf dem Laufenden!
Möchten Sie mehr wissen über Früherkennung, Symptome, Diagnose und Therapie von Krebs? Mit unserem Newsletter zu Neuerungen bei den wichtigsten Krebsarten bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Abonnieren Sie unser monatliches Update hier!

Körperliche Untersuchung

Zunächst erkundigt sich der Arzt ausführlich nach Beschwerden und eventuellen Risikofaktoren (Anamnese) und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dadurch kann er bereits wichtige Hinweise auf die Art der Erkrankung gewinnen.

Laboruntersuchungen

Blutuntersuchungen geben Aufschluss über den Allgemeinzustand des Patienten sowie über die Funktionen einzelner Organe wie Nieren, Leber und des Knochenmarks.

Eine Untersuchung auf Tumormarker wird bei Verdacht auf Lungenkrebs in der Regel nicht durchgeführt, da ihre Aussagekraft zu ungenau ist.

Röntgenaufnahmen der Lunge

Röntgenbild eines Patienten mit Lungenkarzinom im linken Oberlappen. Quelle: PD Dr. Martin Reck
Quelle: PD Dr. Martin Reck

Eines der wichtigsten Diagnoseverfahren ist die Röntgen-Untersuchung des Brustkorbes. Ab einer Größe von etwa einem halben Zentimeter Durchmesser sind Tumoren auf dem Röntgenbild zu erkennen.

Vor allem in der Lungenperipherie liegende Tumoren lassen sich mit dieser Methode gut identifizieren, während zentral in der Lunge befindliche Tumoren dagegen schlechter im Röntgenbild sicht- bzw. abgrenzbar sind.

Bronchoskopie

Aufnahme aus einer Bronchoskopie: Aufgabelung zwischen den beiden Hauptbronchien. Quelle: PD Dr. Martin Reck
Quelle: PD Dr. Martin Reck

Besteht der Verdacht auf Lungenkrebs, gehört die Spiegelung der Bronchien (Bronchoskopie) zu den Standard-Untersuchungsmethoden. Mit dem Bronchoskop, einem optischen Gerät, können die Bronchien direkt eingesehen werden. Dabei wird dem Patienten ein wenige Millimeter dicker, flexibler Schlauch durch Nase oder Mund in die Luftröhre und weiter in die Bronchien eingeführt. Auf diese Weise kann der Arzt kleinste Gewebeproben oder Schleimhautabstriche aus den Bronchien und dem Lungengewebe entnehmen, die anschließend im Labor auf Krebszellen untersucht werden (zytologische oder histologische Untersuchung durch den Pathologen). Erst durch die Untersuchung einer Gewebsprobe kann sicher entschieden werden, ob es sich tatsächlich um Krebs handelt. Auch die Art des Tumors kann dadurch bestimmt werden.


Werden keine Krebszellen gefunden, muss das nicht zwingend heißen, dass keine vorhanden sind. Allerdings führen – bei bronchoskopisch erreichbaren Tumoren – mehr als 70 % der Untersuchungen zu einer korrekten Diagnose.

In der Regel bekommt der Patient vor der Bronchoskopie ein Beruhigungsmittel. An- schließend betäubt der Arzt die Schleimhäute im Nasen-Rachen-Raum, Kehlkopf und großen Bronchien mit einem Lokalanästhetikum. Es kann sein, dass die Untersuchung ein leichtes Druckgefühl oder Hustenreiz auslöst, Schmerzen treten normalerweise nicht auf. Neben dem flexiblen Schlauch gibt es noch ein starres Bronchoskop, das beispielsweise eingesetzt wird, wenn ein die Atemwege  (Bronchien) verlegender Tumor z. B. durch Laser abgetragen wer- den muss, um die Atemwege offen zu halten. Die Untersuchung mit diesem Bronchoskop wird immer in Vollnarkose durchgeführt.

Computertomographie (CT) - gesteuerte Punktion

Computertomographische Aufnahme. Quelle: © Yuri Arcurs - fotolia.com; PD Dr. Martin Reck
Quelle: © Yuri Arcurs - fotolia.com; PD Dr. Martin Reck

Falls bei der Bronchoskopie keine aussagekräftigen Gewebeproben gewonnen werden konnten, z. B. weil der verdächtige Bezirk aufgrund seiner peripheren Lage innerhalb der Lunge nicht erreichbar ist und eine Operation nicht in Frage kommt, kann eine CT-gestützte Punktion von außen durchgeführt werden. Dabei wird unter computertomographischer Kontrolle eine lange, dünne Hohlnadel durch die Brustwand in den verdächtigen Bezirk vorgeschoben und etwas Gewebe abgesaugt. Die Haut wird dabei örtlich betäubt, so dass diese Untersuchung so schmerzfrei wie möglich durchgeführt werden kann.

Kleinen bzw. schlecht abgrenzbaren Tumoren im Lungeninneren kann man mit Hilfe der Computertomographie (CT) auf die Spur kommen. Tumoren ab einer Größe von 0,3 Zentimetern können mit diesem Verfahren sichtbar gemacht werden. Die CT ist bei unklaren Röntgenbefunden und für die exakte Bestimmung der Tumorausbreitung unverzichtbar, allerdings kann die CT nicht sicher zwischen gutartigen und bösartigen Befunden unterscheiden. Es handelt sich bei dieser Untersuchungsmethode um ein spezielles Röntgenverfahren, mit dessen Hilfe der Körper Schicht für Schicht durchleuchtet wird. Es ermöglicht Aufschluss über die Ausdehnung des Tumors im Bereich der Lunge und der umliegenden Lymphknoten und seine Beziehung zu angrenzenden Organen und Gewebestrukturen. Bei Patienten mit einem Lungenkarzinom ist die Computertomographie besonders hilfreich, um darüber hinaus Metastasen im Kopf-, Brust- und Bauchbereich aufzuspüren. Der Arzt erhält durch die CT-Aufnahmen wichtige Hinweise darüber, ob der Tumor operativ entfernt werden kann, ob bereits lebenswichtige Organe von der Krankheit betroffen sind und wie umfangreich die Operation sein wird.

Magnetresonanztomographie (MRT)

Die Magnetresonanztomographie (auch Kernspintomographie) ist hilfreich bei der Ortung von Metastasen in Gehirn, Rückenmark und Skelett. Das Verfahren nutzt ein starkes Magnetfeld und Radiowellen, um – ähnlich wie beim CT – Schnittbilder von bestimmten Körperbereichen zu erzeugen. Der Patient wird dabei keiner Röntgenstrahlung ausgesetzt. Bestimmte Fragestellungen, wie eine Ausbreitung des Lungentumors in die Brustwand oder in große Gefäße bzw. der Nachweis von Hirnmetastasen, lassen sich mit dieser Methode häufig besser als mit der Computertomographie beurteilen. Aufgrund der höheren Auflösung (größere Genauigkeit) ist derzeit die CT jedoch nach wie vor die Standardmethode zur bildgebenden Diagnostik von Tumoren im Lungengewebe.

Videoassistierte Thorakoskopie (VATS – Spiegelung der Brusthöhle)

Auch die videoassistierte Thorakoskopie (VATS) ermöglicht die Beurteilung der Lunge und eine Entnahme von Gewebeproben. Dazu wird über kleine Schnitte im Brustraum eine kleine Spezialkamera eingeführt, deren Bilder der Arzt auf einem Monitor sehen kann („Schlüsselloch-Chirurgie“). Diese Untersuchung kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn Flüssigkeit in der Brusthöhle (ein Pleuraerguss) vorliegt, und die Untersuchung von Zellen aus diesem Erguss aber keine Diagnose erbracht hat. Die VATS ist auch die Methode der Wahl für die Abklärung verdächtiger Befunde (unklarer „Lungenrundherde“), die bronchoskopisch nicht oder nur schwer erreichbar sind. Diese Herde liegen zumeist in der Peripherie der Lungen oder im/am Rippenfell vor. Die VATS kann unter örtlicher oder Vollnarkose durchgeführt werden.

Arzt führt Ultraschalluntersuchung durch,Quelle: © carol_anne - fotolia.com
Quelle: © carol_anne - fotolia.com

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)

Mit Hilfe der Ultraschalluntersuchung des Bauchraumes kann der Arzt feststellen, ob der Tumor sich bereits auf andere Organe ausgebreitet hat (Metastasenbildung). Insbesondere die Leber, aber auch Nieren, Nebennieren, Milz sowie Lymphknoten werden auf Metastasen untersucht. Die Ultraschalluntersuchung des Herzens kann Aufschluss über die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels geben. Das ist für die Wahl der Behandlungsmethode entscheidend. Häufig ist – durch regelmäßiges Rauchen – nicht nur die Lunge geschädigt, auch die Herzleistung kann aufgrund einer Verengung der Herzkranzgefäße gemindert sein (Herzmuskelschwäche). Hierdurch kann die OP Fähigkeit bzw. die Wahl der Chemotherapie beeinflusst werden.

Auch eine Flüssigkeitsansammlung in der Brusthöhle (=Pleuraerguss) kann mittels Ultraschall beurteilt werden. Ultraschallgesteuert werden auch Punktionen der Lunge und anderer Bauchorgane durchgeführt (nach entsprechender lokaler Betäubung). Die Ultraschalluntersuchung ohne Punktion ist schmerzfrei. Sie kann beliebig oft wiederholt werden, da sie den Patienten keiner schädlichen Strahlenbelastung aussetzt.

Skelettszintigraphie (Knochenszintigraphie)

Mit Hilfe der Skelettszintigraphie lässt sich erkennen, ob der Tumor bereits die Knochen befallen hat (Knochenmetastasen). Dazu werden geringe Mengen einer radioaktiven Substanz in die Blutbahn gegeben, die sich vornehmlich in Knochengeschwulsten (´Tochter-Tumoren“) anreichert. Eine Kamera, die diese radioaktive Strahlung im Knochen  registriert, kann somit tumorverdächtige Bereiche orten. Die Untersuchung ist nicht schmerzhaft und die Strahlung klingt rasch ab.

Positronen-Emissions-Tomographie (PET )

Bei der Positronen-Emissions-Tomographie werden radioaktiv markierte Zuckerbestandteile in die Blutbahn gegeben und somit die Verstoffwechselung des Zuckers im Körper bildlich dargestellt. Tumoren und Metastasen weisen gegenüber gesundem Gewebe eine erhöhte Stoffwechselaktivität auf und heben sich dadurch in der PET Bildgebung vom gesunden Gewebe ab.

Mit einer PET kann der ganze Körper (mit Ausnahme des Hirns) auf das Vorhandensein von Metastasen untersucht werden. Die in der PET beobachteten Auffälligkeiten können allerdings nicht nur durch Krebs, sondern auch durch Entzündungen oder gutartige Lymphknotenerkrankungen wie die Sarkoidose hervorgerufen worden sein. Die letzteren Befunde speichern jedoch in der Regel nur eine geringere Menge Radioaktivität.  Deshalb ist häufig eine weitere Abklärung der PET-Befunde durch eine Gewebeentnahme notwendig. Das PET wird häufig zeitgleich mit einer CT-Untersuchung des gesamten Körpers kombiniert durchgeführt. Die Kombination der beiden Untersuchungsmethoden (PET-CT) führt zu einer besseren anatomischen Zuordnung der Befunde und dient gegebenenfalls der weiteren, zielgerichteten Abklärung mittels EBUS oder Mediastinoskopie.

Endobronchialer Ultraschall (EBUS)

Lungenkarzinome verbreiten sich oft über die Lymphbahnen. Besonders häufig sind die Lymphknoten des Mediastinums, also des Raums zwischen den beiden Lungenflügeln, befallen. Wenn die Wahl der Therapie von einer möglichst sicheren Aussage über den Zustand dieser Lymphknoten abhängt, sollte eine Gewebeentnahme aus diesen Lymphknoten erfolgen. Der EBUS bietet die Möglichkeit, Lymphknoten und unter der Schleimhaut gelegene Tumoren während der Bronchoskopie zu finden und gleichzeitig eine Gewebepunktion vorzunehmen.

Hierbei wird die Bronchoskopie mit Ultraschall kombiniert. Am Ende des verwendeten Bronchoskops sitzt ein Ultraschallkopf, über den die Lymphknoten im Mediastinum sichtbar gemacht und punktiert werden können. Der Eingriff erfolgt in Narkose.

Mediastinoskopie

Wird durch Bronchoskopie und EBUS keine eindeutige Abklärung verdächtiger Lymphknoten im Zwischenfell erreicht, kann eine Mediastinoskopie sinnvoll sein. Dabei wird unter Vollnarkose direkt oberhalb des Brustbeins ein kleiner Schnitt gemacht, durch den eine optische Sonde in den Raum zwischen den Lungenflügeln eingeführt wird. Verdächtige Lymphknotenanteile bzw. die komplette Entfernung aller mediastinoskopisch erreichbaren Lymphknoten (VAMLA) kann durch das röhrenförmige Gerät durchgeführt und anschließend auf Krebszellen untersucht werden.

Lungenfunktionsprüfung

Die Lungenfunktionsprüfungen, vor und nach Inhalation von Bronchodilatatoren und Kreislauffunktionstestung (Spiroergometrie), geben Auskunft über den funktionalen Zustand der Lunge und sind besonders wichtig im Hinblick auf eine geplante Operation. Häufig besteht eine COPD bzw. ein anderes die Lungenfunktion einschränkendes Krankheitsbild zu dem Zeitpunkt der Diagnose. Damit kann z. B. geprüft werden, ob genügend funktionstüchtiges Lungegewebe übrig bleibt, wenn ein Lungenlappen bzw. ein ganzer Lungenflügel entfernt werden muss, um den Tumor vollständig zu beseitigen. Aufgrund des zunehmenden Alters der Patienten und der folgenden Einschränkung der Lungenfunktion besteht auch die Möglichkeit, kleinere Lungenabschnitte (Segmentektomie) gezielt zu entfernen, falls die Entfernung größerer Abschnitte zur Inoperabilität führen würde. Auch bei der Planung der Bestrahlung eines Lungentumors muss die Funktionstüchtigkeit der Lunge berücksichtigt werden.

(as)

 

Quellen:
Goeckenjan G. et al. Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Lungenkarzinoms. Interdisziplinäre S3-Leitlinie, in: Pneumologie 2010; Bd. 64 (Suppl. 2): S 23-155.
Huber R.M.: Tumoren der Lunge und des Mediastinums, W. Zuckschwerdt Verlag München 7. Aufl. 2009.
Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums. www.krebsinformationsdienst.de
Lungenärzte im Netz. Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und Bundesverband der Pneumologen e.V. (BdP), www.lungenaerzte-im-netz.de
Lungenkrebs - ein Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Interessierte, Heft 10 aus der Blauen Reihe der Deutschen Krebshilfe, 7/2009.
Preiß J et al.: Taschenbuch Onkologie, Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie, Zuckschwerdt Verlag 2010.
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006




Fachliche Beratung

Prof. Dr. med. Christian Grohé
Chefarzt der Pneumologischen Klinik 
Evangelische Lungenklinik Berlin - Krankenhausbetriebs gGmbH, Berlin

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 04.05.2017

Weitere Basisinformationen zum Lungenkrebs

Aktualisiert am: 19.09.2017 21:09