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Darmkrebs - Früherkennung

Arzt schaut auf Monitor bei Untersuchung, Quelle: © Paco Ayala - fotolia.com
Quelle: © Paco Ayala - fotolia.com

Man geht davon aus, dass bei früher Diagnose 90 Prozent aller Darmkrebspatienten geheilt werden können. Daher spielt gerade beim Darmkrebs die Früherkennung eine wichtige Rolle. Der Gesetzgeber hat aus diesem Grund die Möglichkeit von Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr geschaffen. Folgende Verfahren werden in der "Gesundheitsleitlinie Früherkennung von Darmkrebs" des Leitlinienprogramms Onkologie empfohlen.

Empfohlene Untersuchungen zur Früherkennung von Darmkrebs:

Tastuntersuchung

Bei der Tastuntersuchung fühlt der Arzt vorsichtig den Enddarm ab. Die nahe am After gelegenen Enddarmkarzinome können durch diese Tastuntersuchung frühzeitig und zum Teil in Vorstufen erkannt werden.

Stuhltest

Der Stuhltest kann kleinste Mengen Blut im Stuhl nachweisen und damit erste Hinweise auf einen Darmtumor oder Polypen geben. Der Stuhltest findet zu Hause statt. Mit einem Spatel tragen Sie an drei aufeinander folgenden Tagen eine Stuhlprobe auf Teststreifen auf und schicken sie an Ihren Arzt. Ist der Test negativ, das heißt, es ist kein Blut vorhanden, ist die Untersuchung abgeschlossen. Wird der Test jährlich durchgeführt, steigt der Nutzen, und etwa drei von 1 000 Menschen wurden vor dem Tod durch Darmkrebs bewahrt.

Darmspiegelung

Bei der Darmspiegelung wird zwischen der "kleinen" Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) und der "großen“ Darmspiegelung (Koloskopie) unterschieden. Sie gilt derzeit als die zuverlässigste Methode zur Früherkennung des Darmkrebses. Mit der Koloskopie können auch die Vorstufen des Darmkrebses, die sogenannten Adenome, aufgespürt und zum Teil in derselben Sitzung mit entfernt werden. Damit ist die Koloskopie nicht nur eine Untersuchung zur frühen Erkennung, sondern sie kann auch die Entstehung von Darmkrebs in Vorstufen unterbinden. Viele Experten empfehlen deshalb intensiv, von der Möglichkeit der Vorsorge-Koloskopie Gebrauch zu machen.

Bei der Sigmoidoskopie betrachten die Untersucher die letzten 60 Zentimeter des Dickdarms. Hier finden sich etwa zwei Drittel aller Darmtumore. Bei der Untersuchung liegt der Patient seitlich auf einer Liege, während der Arzt einen biegsamen, etwa fingerdicken Schlauch in den Darm einführt. Am vorderen Ende des Schlauchs, dem sogenannten Endoskop, befinden sich eine Lichtquelle und eine Kamera. Während der Untersucher den Schlauch anschließend ganz langsam zurückzieht, kann er auf einem Bildschirm die Dickdarmschleimhaut in mehrfacher Vergrößerung betrachten. Sieht er verdächtiges Gewebe, knipst er mit einer kleinen Zange, die auch durch den Schlauch geschoben wird, Proben davon ab und zieht sie durch den Schlauch zurück. Viele Wucherungen, zum Beispiel Polypen, lassen sich bereits während der Darmspiegelung mit der Zange oder einer Schlinge entfernen. Die entnommenen Proben, sogenannte Biopsien, und die entfernten Wucherungen untersucht später ein Pathologe unter dem Mikroskop. So wird festgestellt, ob das untersuchte Gewebe gut- oder bösartige Veränderungen enthält.
Die Untersuchung selbst dauert normalerweise etwa fünf Minuten. Wenn Sie Angst vor der Untersuchung haben, können Sie ein Beruhigungsmittel erhalten. 

Bringt die Untersuchung ein auffälliges Ergebnis, so empfehlen die Experten zur weiteren Abklärung eine große Darmspiegelung.

Bei einer Koloskopie wird der gesamte Dickdarm betrachtet, nicht nur die letzten 60 Zentimeter. Wie die Untersuchung abläuft, wie Sie sich darauf vorbereiten und was Sie danach beachten sollten, erklärt der Arzt einige Tage vorher. Eine Koloskopie darf nur von Medizinern durchgeführt werden, die dafür eine besondere Qualifikation erworben haben.
Bei der Koloskopie führt der Arzt einen fingerdicken Schlauch in den Enddarm ein und schiebt ihn durch den ganzen Dickdarm bis zum Dünndarm vor. In den Darm wird etwas Luft eingeblasen, dann zieht der Untersucher den Schlauch ganz langsam zurück. Wie bei der Sigmoidoskopie kann er auf einem Bildschirm die Dickdarmschleimhaut in Vergrößerung betrachten, an verdächtigen Stellen Proben entnehmen und Polypen entfernen. Die Untersuchung dauert normalerweise etwa eine halbe Stunde.
Auch bei dieser Untersuchung kann der Patient vorher ein Schlafmittel erhalten, das ihn in eine Art Dämmerschlaf versetzt. Schon am Tag der Koloskopie kann man wieder alles essen. Wenn der Patient ein Schlafmittel erhalten hat, darf diesem Tag nicht Auto fahren.
Vor einer Darmspiegelung muss der Dickdarm vollständig entleert werden. Da sich nur ein leerer Darm zuverlässig beurteilen lässt, ist eine gute Vorbereitung sehr wichtig: schon zwei Tage vor der Darmspiegelung soll man deshalb auf schwer verdauliche Speisen verzichten. Ab dem Abend vor der Untersuchung soll der Patient nichts mehr essen und ein Abführmittel einnehmen. Oder er trinkt am Morgen des Untersuchungstages eine Spüllösung. 

Nicht empfohlene Verfahren zur Früherkennung von Darmkrebs:

  • M2-PK Test
  • DNA-Stuhltest
  • Kapsel-Koloskopie
  • CT- und MR-Kolonographie

 

(yia/red)


Quellen:
Leitlinienprogramm Onkologie (Hrsg.): S3-Leitlinie Kolorektales Karzinom, Version 1.0 – Juni 2013. Online verfügbar unter: http://leitlinienprogramm-onkologie.de/uploads/tx_sbdownloader/LL_KRK_Langfassung_1.1.pdf

H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Leilinienprogramm Onkologie: Gesundheitsleitlinie Früherkennung von Darmkrebs. Konsultationsfassung, Februar 2015.
http://www.patienten-information.de/mdb/edocs/pdf/literatur/darmkrebs-frueherkennung-1aufl-konsultationsfassung.pdf


Fachliche Beratung

PD Dr. Ullrich Graeven
Kliniken Maria Hilf GmbH, Mönchengladbach

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 28.02.2017

Weitere Basisinformationen zum Darmkrebs:

Aktualisiert am: 19.09.2017 21:09