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Ernährungsempfehlungen bei Ileostomie (künstlicher Ausgang des Dünndarms)

Die Hauptaufgabe des Dünndarms liegt in der Verdauung und der Aufnahme von Energie und Nährstoffen.

Mehr zum Ileostoma.

Mögliche Ernährungsprobleme nach Resektion

1) Laktoseintoleranz

Im Dünndarm findet u. a. die Verwertung von Milchzucker (Laktose) statt. Wurde in diesem Abschnitt ein Stück Darm entfernt, bzw. ist die Aktivität des dort produzierten Milchzucker spaltenden Enzyms Laktase verringert (z.B. durch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut), so gelangt der Milchzucker in den Dickdarm und wird dort durch Bakterien abgebaut. Dabei entstehen Darmgase, die zu Blähungen führen. Des Weiteren kann es je nach Grad des Laktasemangels zu einem verstärkten Einstrom von Wasser aus der Blutbahn in den Dickdarm kommen, anschließende Durchfälle sind die Folge.

Ernährungsempfehlungen:
Die Milchzucker-Toleranz ist individuell von Patient zu Patient unterschiedlich. Einige reagieren bereits bei sehr geringen Laktose-Mengen mit Beschwerden, andere vertragen Laktose in kleinen Mengen problemlos.
Testen Sie Ihre persönliche Verträglichkeit mit Hilfe eines präzise geführten Ernährungstagebuchs und einer professionellen Ernährungsberaterin aus. Sprechen Sie bei Verdacht mit Ihrem Arzt, um gegebenenfalls einen Laktose-Toleranztest durchzuführen.

Milchzuckerhaltige Lebensmittel:

  • Milch und Milchprodukte
    • Milch, Dickmilch, Joghurt, Kefir, Buttermilch, süße und saure Sahne, Creme fraiche, Kaffeesahne, Kondensmilch, Butter, Milchpulver, Molke, Quark,
    • Milchmixgetränke, Kakao, Joghurt- und Quarkzubereitungen, Frucht-Buttermilch, Milchdesserts (Puddings, Milchreis, Grießbrei…)
    • Käse: Frischkäse, Schichtkäse, Hüttenkäse, Schmelzkäse, Kochkäse
  • Süßigkeiten
  • Bestimmte Brotsorten, Gebäck und Backmischungen;
    z.B. Knäckebrot, Milchbrötchen, Kuchenbrot, Kuchen und Kekse
  • Fertigprodukte;
    z.B. Instantprodukte wie Suppen oder Saucen, Cremespeisen, fertige Gemüsezubereitungen, Müsli
  • Fleisch- und Wurstwaren
    • Brühwurst, Konserven
  • Butter und Margarine (können kleine Mengen an Laktose enthalten)
  • Süßstofftabletten, Calciumbrausetabletten oder Medikamente

Praktisch laktosefrei

  • Hart-, Schnitt- und Weichkäse (z.B. Appenzeller, Bergkäse, Brie, Butterkäse, Camembert, Edamer, Edelpilzkäse, Emmentaler, Esrom, Gouda, Harzer Sauermilchkäse, Jerome, Limburger, Mozzarella, Parmesan, Raclette, Romadur, Schafskäse, Tilsiter)
  • Nicht wärmebehandelter Naturjoghurt wird trotz seines Laktosegehaltes häufig gut vertragen, da die dort enthaltenden Bakterien den Abbau von Milchzucker im Darm übernehmen.

Achten Sie bei industriell hergestellten Lebensmitteln immer auf die Zutatenliste/Deklaration! Bei zusammengesetzten Zutaten sollten Sie vorsichtig sein, denn hier kann Milchzucker als ein nicht aufgeführter Bestandteil zugesetzt sein. Laktose würde dann nicht unbedingt einer Deklarationspflicht unterliegen.

Gibt es einen Milchersatz bei Laktoseintoleranz?
Wichtig:Müssen Sie auf Milch und Milchprodukte verzichten, laufen Sie Gefahr, Ihren Tagesbedarf an wichtigem Calcium nicht zu decken. Sie können Milch durch so genannte „Laktosefreie Milch und Milchprodukte“ ersetzen. Diese können Sie im üblichen Handel erwerben und wie Milch verwenden. Auch Sojamilch oder Soja-Reismilch sind eine gute Alternative. Achten Sie eventuell auch beim Kauf eines Mineralwassers auf den entsprechenden Calciumgehalt (>350 ml Ca pro Liter). Der tägliche Bedarf an Calcium liegt bei 1200 mg pro Tag.

2) Steatorrhoe (Fettstühle)

Kommt es zu einem weitestgehenden Ausfall des Dünndarms, ist unter Umständen ein verstärkter Verlust von Gallensäuren die Folge. Dadurch kann das Nahrungsfett nicht mehr vollständig von der Darmschleimhaut aufgenommen werden. So entsteht ein Missverhältnis zwischen Fettverzehr und Fettverdauung. Die Folge sind Durchfälle mit einem gleichzeitigen Energie- und Nährstoffverlust.

Ernährungsempfehlung:
Ersetzen Sie normale Streich- und Zubereitungsfette durch MCT-Fette (siehe Abschnitt „Fette“)!

3) Nierensteine

Wird ein erheblicher Teil des Dünndarms entfernt, so kann es zu einer gesteigerten Aufnahme von Oxalsäure kommen. Unter Umständen besteht dadurch eine erhöhte Gefahr für Nierensteine (Oxalatsteinbildung). Fragen Sie hierzu Ihren Arzt.

Ernährungsempfehlung:
Sie können oxalsäurehaltige Lebensmittel zwar unbedenklich in kleinen, sollten diese jedoch nicht in zu großen Mengen aufnehmen.
Produkte mit viel Oxalsäure:Kakao, Spinat, Rhabarber und Rote Bete
Produkte mit relativ viel Oxalsäure:schwarzer Tee und Pfefferminztee

Allgemeine Ernährungsempfehlungen bei Ileostoma

  • Denken Sie an eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr! Sie benötigen auf Grund des höheren Flüssigkeitsverlustes etwa 3 Liter pro Tag. Gut geeignet sind Wasser, Mineralwasser, Tees (Kräuter- und Früchtetee), Fruchtsaft-Schorlen (reine Fruchtsäfte können eventuell zu Reizungen der Schleimhaut führen, Fruchtsaftkonzentrate sind häufig zu stark konzentriert). Dicken Sie Fruchtsaftschorlen mit Schmelzhaferflocken an, so ist die Darmpassage verlängert. Somit können Nährstoffe und Wasser besser vom Körper ausgenutzt werden.
    So überprüfen Sie eine ausreichende Zufuhr: Ausscheidung von 1 Liter Urin am Tag (in 24 Stunden).
  • Geht eine hohe Wassermenge über das Ileostoma verloren, so sollte neben einer hohen Flüssigkeitszufuhr auch ausreichend Kochsalz dem Körper zugeführt werden. Kochsalz bindet Wasser im Körper und schützt ihn somit vor einer Austrocknung. Gesunde haben einen Tagesbedarf von 5-6 g Kochsalz pro Tag. Für dieses Ziel ist ein „Zu-Salzen“ der Speisen nicht mehr notwendig. Unsere Lebensmittel besitzen bereits einen natürlichen Kochsalzgehalt, welcher für die Deckung des Tagesbedarfs vollkommen ausreicht. Ebenso enthalten viele im Handel erhältliche Produkte bereits Kochsalz (z.B. Brot, Wurst, Käse).
    Patienten mit einem Ileostoma hingegen haben einen höheren Bedarf. Sie sollten 6-9 g Kochsalz pro Tag aufnehmen. Diese Empfehlung kann durch leichtes Salzen der Speisen, mit Hilfe von isotonischen Getränken (z.B. Sportlergetränke) und Fleisch- und Gemüsebrühen umgesetzt werden.
  • Trinken Sie nicht zu den Mahlzeiten, sondern etwa 1 Stunde danach. So wird die bei vielen Patienten beschleunigte Magenentleerung und Dünndarmpassage nicht noch zusätzlich angeregt.
  • Essen Sie regelmäßig, so kann sich Ihr Darm nach und nach an eine regelmäßige Entleerung gewöhnen.


Fachliche Beratung
Elisabeth Gutzmann
Ernährungsberaterin / Diätassistentin

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 28.02.2017

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Aktualisiert am: 27.06.2017 17:13