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Brustkrebs - Ursachen und Risikofaktoren

Wie bei den meisten Krebsarten sind auch beim Brustkrebs die eigentlichen Ursachen nicht bekannt. Man kennt jedoch einige Risikofaktoren. Die wichtigsten sind:

  • Situationen mit hormonellem Ungleichgewicht bzw. Hormontherapie,
  • hohe mammographische Dichte,
  • Rauchen,
  • Nahrungsmittelzusammensetzung, d.h. fettreiche Ernährung,
  • Vererbung,
  • Alkoholkonsum,
  • Übergewicht,
  • geringe körperliche Aktivität.

Auch ob und in welchem Alter Frauen Kinder bekommen, hat einen Einfluss auf die Entstehung von Brustkrebs, ebenso, ob und wie lange die Kinder gestillt wurde. Das Einsetzen von Menstruation und Wechseljahren und damit die Gesamtanzahl der Regelblutungen sind ebenfalls Faktoren, die das Erkrankungsrisiko mitbestimmen. 
Besonders im Internet, mitunter aber auch in Zeitungen und Zeitschriften findet man Gerüchte, Brustkrebs werde auch durch zu enge BHs, Deos, Brustimplantate oder auch Schwangerschaftsabbrüche ausgelöst. Dabei handelt es sich aber um „Krebsmythen“ und diese Behauptungen entbehren jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.

Weibliche Hormone (Östrogen, Progesteron)

Die Zellen in der Brust haben sogenannte Rezeptoren, die Hormone (z. B. Östrogene) an sich binden können. So gelangen „Botschaften“, durch Hormone vermittelt, in die Zelle. Unter anderem wird damit das Wachstum der Drüsenzellen in der Brust während der Pubertät oder der Schwangerschaft angeregt. Leider können Östrogene über diese Rezeptoren auch die Entstehung und Vermehrung mancher Krebszellen fördern. Das gilt ebenso für synthetische Hormone in der Antibabypille oder in Präparaten gegen Wechseljahresbeschwerden („Hormonersatztherapie“).

Das Brustkrebs-Risiko steigt leicht, wenn Frauen vier oder mehr Jahre die „Pille“ einnehmen, bevor sie ein Kind bekommen und/oder wenn sie bereits vor dem 20. Lebensjahr längere Zeit auf diesem Weg verhüten.

Eine Hormonersatztherapie steigert das Brustkrebsrisiko, wenn sie länger als fünf Jahre durchgeführt wird, insbesondere bei Präparaten, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten. Wenn die Hormone abgesetzt werden, sinkt das Risiko innerhalb weniger Jahre wieder auf das durchschnittliche Niveau.

Ungesunde Lebensweise

Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor – nicht nur für Lungenkrebs, sondern für viele andere Krebsarten – auch für Brustkrebs. Insbesondere wenn Mädchen schon im Teenageralter anfangen zu rauchen, steigt ihr Brustkrebsrisiko deutlich an. Die alarmierende Zunahme von Lungenkrebs bei Frauen sollte in jedem Alter ein Grund sein, lieber nicht zu rauchen.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle: Übergewichtige bekommen häufiger Brustkrebs als schlanke Frauen. Denn im Fettgewebe werden Hormone gebildet, die den Östrogenspiegel ansteigen lassen. Und auch das Fett im Essen spielt eine Rolle: Wer viel tierische Fette isst (fette Wurst und fettes Fleisch, Vollmilchprodukte, Butter, Schmalz), hat ebenfalls einen höheren Östrogenspiegel und damit ein etwas höheres Risiko. Das erklärt unter anderem die sehr viel geringere Brustkrebshäufigkeit in asiatischen Ländern, in denen traditionell nur wenig tierische Fette gegessen werden. Durch die zunehmende Anpassung an westliche Gewohnheiten steigt jedoch mittlerweile auch in Asien das Brustkrebsrisiko.

Dichte der Brustdrüse

Frauen mit einer hohen sogenannten mammographischen Dichte – also mit weniger Fett- und mehr Drüsen- und Bindegewebe – haben ein fünffach erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Zum Vergleich: Frauen, bei denen eineVerwandte ersten Grades an Brustkrebs erkrankt ist, tragen ein ca. zweifach erhöhtes Risiko.
Die Dichte der Brust kann anhand von Mammographiebildern bestimmt werden. Dabei wird das dichtere Binde- und Drüsengewebe gut von dem weniger dichten Fettgewebe unterschieden und abhängig vom Verhältnis in vier verschiedene Dichtgrade unterteilt:
- Dichtegrad I: fetttransparent, gut durchsichtig,
- Dichtegrad II: mäßig durchsichtig,
- Dichtegrad III: dicht,
- Dichtegrad IV: extrem dicht.
Die mammographische Dichte wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst. Zum Beispiel kann eine Hormonersatztherapie durch den Östrogeneinfluss die Dichte erhöhen, währendeine Schwangerschaft zu einer Abnahme der Dichte führen kann.

Erblicher Brustkrebs

Rund fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle sind erblich bedingt. Wenn in einer Familie gehäuft Brust- und Eierstockkrebs auftreten, kann eine genetische Beratung Klarheit bringen. Wenn sich der Verdacht auf eine erbliche Belastung erhärtet, ist ein Gentest in Erwägung zu ziehen. Auslöser für Brustkrebs können Veränderungen (Mutationen) am BRCA-1- und BRCA-2-Gen sein; es gibt aber auch noch andere „Brustkrebsgene“. Sollte bei Ihnen der Verdacht auf erblichen Brustkrebs bestehen, kann ggf. die Vorstellung in einer Spezialsprechstunde für familiären Brust- und Eierstockkrebs sinnvoll sein. In dieser erhalten Sie die bereits erwähnte genetische Beratung und, falls angezeigt, einen Gentest. Je nach Ergebnis und individueller Risikoberechnung kann in vielen Fällen die Teilnahme an einer sogenannten intensivierten Früherkennung für Brustkrebs angeboten werden.

Risiko-Check Brustkrebs

Wenn Sie mindestens zwei Fragen aus Checkliste 1 oder mindestens eine Frage aus Checkliste 2 mit ja beantwortet haben, sollten Sie die Früherkennungsuntersuchungen ernst nehmen. Sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin bzw. Ihrem Frauenarzt darüber.

Risiko Check 1

  • Waren Sie bei der ersten Regelblutung jünger als 11 Jahre?
  • Waren Sie bei der letzten Regelblutung älter als 54 Jahre?
  • Sind Sie kinderlos?
  • Haben Sie Ihr erstes Kind erst mit über 30 Jahren bekommen?
  • Haben Sie nicht oder nur sehr kurz gestillt?
  • Sind Sie eindeutig übergewichtig?
  • Haben Sie normalerweise wenig Bewegung?
  • Trinken Sie reichlich Alkohol (regelmäßig mehr als ein kleines Glas Bier oder Wein pro Tag)?
  • Haben Sie mindestens fünf Jahre lang Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden genommen?
  • Verhüten Sie mit der Pille?


Risiko Check 2

  • Haben oder hatten Sie schon Brustkrebs?
  • Wurde bei Ihnen in den letzten fünf Jahren Eierstock-, Gebärmutter- oder Dickdarmkrebs festgestellt?
  • Haben Sie eine ausgeprägte Mastopathie (Brustdrüsenveränderung mit Knoten und Zysten)?
  • Wurde bei Ihnen wegen eines unklaren Befundes schon einmal eine Gewebeprobe aus der Brust entnommen?
  • Hat mehr als eine Angehörige (Oma, Mutter, Tochter, Schwester) Brustkrebs und/oder Eierstockkrebs?

(pp)

Quellen:
Deutsche Krebsgesellschaft e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, W. Zuckschwerdt Verlag 2008
AGO e.V. (Hrsg.): Empfehlungen Gynäkologische Onkologie der Kommission Mamma,  http://www.ago-online.de/de/infothek-fuer-aerzte/leitlinienempfehlungen/mamma/, Stand März 2015
H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Fehm Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Prof. Dr. Scharl Klinikum Amberg 
Prof. Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 02.09.2015

Weitere Informationen zum Thema Brustkrebs:

Aktualisiert am: 29.07.2016 09:45