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Brustkrebs: Therapie des Lokalrezidivs

Tritt in der gleichen Brust oder deren Umfeld (Brustwand, angrenzende Lymphknoten) erneut ein Tumor auf, nennt man dies ein lokales oder lokoregionäres Rezidiv. Man spricht in diesem Fall zwar von fortgeschrittenem Brustkrebs, dennoch ist das Behandlungsziel kurativ, d. h. die Patientin kann noch dauerhaft geheilt werden. Dabei gilt: Je kleiner das Rezidiv und je größer der zeitliche Abstand zum ersten Auftreten von Brustkrebs, umso besser sind die Heilungschancen.

Ein Wiederauftreten von Brustkrebs in der gleichen Brust passiert statistisch bei zehn Prozent der Frauen mit einer primär kurativen Behandlung. Vier Prozent haben ein Rezidiv in der Brustwand und ein Prozent in der Achselhöhle nach Ausräumen von mehr als zehn Lymphknoten.
Um das Ausmaß des Rezidivs festzustellen und Fernmetastasen auszuschließen, wird die Patientin noch einmal mit verschiedenen Diagnoseverfahren untersucht. Dazu gehört auch eine erneute Bestimmung der Tumorbiologie , weil sich die Eigenschaften der Zellen – beispielweise Hormonrezeptor- und HER2-Status – ändern können. Im Anschluss wird derzeit folgende Behandlung empfohlen:
Frauen nach einer brusterhaltenden Operation wird eher (aber nicht ausschließlich) eine Mastektomie geraten, weil ein erneutes brusterhaltendes Vorgehen das Rückfallrisiko erhöhen kann. In bestimmten Fällen kann eine erneute brusterhaltende Operation dennoch in Erwägung gezogen werden – z. B. wenn es sich um ein DCIS (Ductales Carcinoma in situ) handelt oder der Zeitraum zwischen Behandlung und Wiederaufflammen der Erkrankung sehr lang war. Auch wenn die Patientin noch keine Strahlentherapie in der Vergangenheit hatte oder eine lokale Bestrahlung des Rezidivs möglich ist, kann eine brusterhaltende Operation mit anschließender Strahlentherapie erwogen werden. Im Einzelfall sollte über eine (erneute) Strahlentherapie im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz entschieden werden.

Bei mastektomierten Frauen wird das Rezidiv ebenfalls meist durch eine Operation entfernt. Gelegentlich ist es notwendig, einen Teil des Brustmuskels zu entfernen oder bei größeren Befunden im Anschluss durch eine Lappenplastik die Wunde im Bereich der Brustwand zu verschließen. Die Patientinnen erhalten, wenn möglich, im Anschluss eine Bestrahlung der Brustwand oder des Lymphabflusses.
Erfolgte im Zuge der ersten Brustkrebs-Behandlung eine komplette Axilla-Dissektion, werden die Lymphknoten nicht erneut operiert. Ausnahme sind erneut tastbar vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle. Bei Hormonrezeptor-positiver Erkrankung schließt sich eine antihormonelle Behandlung an.

Ob eine Chemotherapie oder gegen HER2 gerichtete Behandlung ebenfalls nötig ist, wird im Einzelfall im Rahmen der interdisziplinären Tumorkonferenz entschieden. Daten einer Studie weisen darauf hinauf, dass Patientinnen mit ungünstigen Prognosefaktoren einen Vorteil durch eine weitere Chemotherapie in dieser Situation haben können.
Die Behandlung eines Lokalrezidivs ist sehr individuell. Die Patientin muss im Gespräch mit der Ärztin bzw. dem Arzt belastende Therapien gegen größtmögliche Sicherheit vor einem weiteren Rückfall abwägen.

(joh)

Quellen:
[1] AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand März 2015
http://www.ago-online.de/de/fuer-mediziner/leitlinienempfehlungen/mamma/
[2] AGO Patientenratgeber Brustkrebs zu den AGO-Empfehlungen 2015
[3] Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Krebsinformationsdienst: Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte.http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs
[4] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 3.0, Aktualisierung 2012 (Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften), online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
[5] Patientenleitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften, online unter http://www.krebshilfe.de/wir-informieren/material-fuer-betroffene/patientenleitlinien.html

- Patientenleitlinie „Brustkrebs. Die Ersterkrankung und DCIS – Eine Leitlinie für Patientinnen“, Stand 2010
- Patientenleitlinie „Brustkrebs II - Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung“, Stand 2011
- Patientenleitlinie „Früherkennung von Brustkrebs. Eine Entscheidungshilfe für Frauen“, Stand 2010

Fachliche Beratung: 
Prof. Dr. Fehm Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Prof. Dr. Scharl Klinikum Amberg
Prof. Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 23.02.2017

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