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Brustkrebs Diagnose: Klassifikation

Gutartige Tumoren

Zellen in der Brust, Quelle: © Sebastian Kaulitzki - fotolia.com
Quelle: © Sebastian Kaulitzki - fotolia.com

Als Tumor bezeichnen Ärztinnen und Ärzte jeden Knoten – unabhängig davon, ob seine Zellen gut- oder bösartig sind. „Sie haben einen Tumor“ heißt also nicht „Sie haben Krebs“. Denn bei vielen Frauen bilden sich vor der Monatsblutung hormonell bedingte knotige Gewebsverdichtungen, die nach der nächsten Regel verschwinden. Wenn Sie einen Knoten in der zweiten Zyklushälfte tasten, sollten Sie deshalb zunächst darauf achten, wie sich diese Stelle Ihrer Brust nach der Menstruation anfühlt.

Aber auch Knoten, die sich nicht mit dem Zyklus verändern, sind sehr häufig gutartig. Sie können aus Fett-, Drüsen- oder Bindegewebszellen entstehen.

Brustkrebs-Vorstufen

Aufgrund hochmoderner bildgebender Verfahren werden heute schon kleinste Brustveränderungen entdeckt, die sich häufig durch Kalkablagerungen, sogenannten Mikrokalk verraten. Von Brustkrebs-Vorstufen („präinvasive Läsionen“, „Präkanzerosen“) spricht man bei Zellveränderungen, aus denen sich einmal Brustkrebs entwickeln könnte. Dazu zählen:

  • Intraduktale atypische Hyperplasie (ADH): veränderte Zellen in den Milchgängen,
  • Lobuläre intraepitheliale Neoplasie (LIN): veränderte Zellen in den Drüsenläppchen,
  • Flache epitheliale Atypie (FEA): veränderte Zellen im Deckgewebe von Milchgängen und/oder Drüsenläppchen,
  • Ductales Carcinoma in Situ (DCIS): veränderte Zellen in den Milchgängen.


Prozentual unterscheiden sich die verschiedenen Vorstufen hinsichtlich des Entartungsrisikos, und man weiß auch, dass junge Frauen und diejenigen mit Brustkrebs in der Familie ein höheres Risiko haben, dass bei ihnen aus einer Vorstufe Krebs entsteht. Doch leider lässt sich nicht vorhersagen, welche dieser Veränderungen einmal tatsächlich bösartig wird und welche nicht. Allgemeingültige Empfehlungen zum Umgang mit diesen Brustkrebs-Vorstufen gibt es daher mit Ausnahme des DCIS nicht, so dass bei jedem Einzelfall individuell entschieden werden muss, ob abgewartet werden kann oder lieber behandelt werden sollte. Dieses wird in zertifizierten Zentren im Rahmen von interdisziplinären Konferenzen festgelegt.

DCIS

Beim DCIS (Ductales Carcinoma in situ) handelt sich um eine Brustkrebs-Frühform in den Milchgängen, die noch nicht in das umgebende Gewebe hineingewachsen ist („in situ“ = „am Ort“, nicht-invasiv). Somit kann es auch nicht metastasieren, d.h. keine Tochtergeschwulste im Körper absetzen.

Da beim DCIS im Vergleich zu anderen Brustkrebs-Vorstufen das höchste Risiko besteht, dass sich daraus tatsächlich Krebs entwickelt (30–50%), und weil es im Gegensatz zu invasiven Karzinomen fast immer heilbar ist, wird heute empfohlen, sicherheitshalber alle Frauen mit DCIS zu behandeln – auch wenn dies für einen Teil der Betroffenen vielleicht nicht notwendig wäre. Die Therapie kann eine Operation, Bestrahlung und ggf. auch eine antihormonelle Therapie mit Tamoxifen umfassen.

Bösartige Tumoren

Die invasiven Brust-Karzinome werden untergliedert in duktale (die Milchgänge betreffend), lobuläre (die Milchdrüsen betreffend) und einige seltenere Varianten. Duktale Karzinome kommen mit 70 bis 80 Prozent am häufigsten vor; seltener (ca. 10 bis 15 Prozent) sind lobuläre Karzinome. Die unterschiedlichen Typen unterscheiden sich auch hinsichtlich der Prognosen.

Je nach Ausbreitung des Tumors spricht man von verschiedenen Stadien des Brustkrebses. Die Einteilung erfolgt nach bestimmten Kriterien, für die hauptsächlich drei Faktoren maßgeblich sind:

  • die Größe des Tumors (T),
  • die Beteiligung der Lymphknoten (engl. „nodes“) (N),
  • das Vorhandensein von Metastasen (M).


Ziffern hinter den Buchstaben konkretisieren Größe und Ausdehnung des Tumors, Anzahl und Lage der befallenen Lymphknoten sowie das Fehlen oder Vorhandensein von Metastasen. Ein vorangestelltes kleines „c“ bedeutet, dass die Einschätzung auf Basis des klinischen Befundes (bildgebende Verfahren) erfolgt ist, während ein kleines „p“ darauf hinweist, dass die Klassifikation auf Erkenntnissen aus der feingeweblichen (pathohistologischen) Untersuchung von Gewebe beruht, das während der Operation entnommen wurde. Ein „y“ davor bedeutet, dass bereits eine Therapie des Tumors zuvor durchgeführt worden ist, z.B. die neoadjuvante Chemotherapie, d.h. eine Therapie vor der eigentlichen Operation. Ein „r“ bedeutet, dass es sich um ein Rezidiv handelt, d.h. ein Wiederauftreten des Tumors in der Brust.

Weitere Faktoren, die bei der Einteilung berücksichtigt werden, sind:

  • die Beschaffenheit des Krebsgewebes (Grading), sie gibt Hinweise auf die Aggressivität bzw. Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors (G1–3),
  • die Ausbreitung von Krebszellen in den Lymphbahnen (L1: ja, L0: nein),
  • die Ausbreitung von Krebszellen in den Blutgefäßen (V0: nicht nachweisbar, V1: mikroskopisch, V2: makroskopisch erkennbar),
  • das Ergebnis  der Operation (R): R0-Resektion = vollständige Entfernung des Tumors bis ins gesunde Gewebe; R1-Resektion = Tumor wurde nicht im Gesunden , d. h. Tumor findet sich mikroskopisch am Rand des entfernten Gewebes; R2-Resektion = Tumor wurde nicht vollständig entfernt, mit bloßem Auge sichtbare Tumorreste sind im Körper verblieben.

Ein Beispiel: pT1 G2 pN0 (sn) M0 R0 bedeutet, dass es sich um einen kleinen, mäßig differenzierten Tumor ohne Befall des Sentinel-Lymphknotens und ohne Metastasen handelt, bei dem Tumorgröße und Lymphknotenbefall pathohistologisch ermittelt wurden und der mit einem ausreichenden „Sicherheitsrand“ von gesundem Gewebe entfernt werden konnte.

(pp)

Quellen:
[1] AGO Empfehlungen „Diagnosis and Treatment of Patients with Primary and Metastatic Breast Cancer”, Stand März 2017
http://www.ago-online.de/de/fuer-mediziner/leitlinienempfehlungen/mamma/
[2] AGO Patientenratgeber Brustkrebs zu den AGO-Empfehlungen 2015
http://www.ago-online.de/de/fuer-patienten/patientenratgeber
[3] Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg – Krebsinformationsdienst: Brustkrebs: Informationen für Patientinnen, Angehörige und Interessierte.http://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs
[4] Interdisziplinäre S3-Leitlinie für die Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Langversion 3.0, Aktualisierung 2012 (Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften), online unter http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-045OL_l_S3__Brustkrebs_Mammakarzinom_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_2012-07.pdf
[5] Patientenleitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft, der Deutschen Krebshilfe und der Arbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Medizinische Fachgesellschaften, online unter http://www.krebshilfe.de/wir-informieren/material-fuer-betroffene/patientenleitlinien.html
- Patientenleitlinie „Brustkrebs. Die Ersterkrankung und DCIS – Eine Leitlinie für Patientinnen“, Stand 2010
- Patientenleitlinie „Brustkrebs II - Die fortgeschrittene Erkrankung, Rezidiv und Metastasierung“, Stand 2011
- Patientenleitlinie „Früherkennung von Brustkrebs. Eine Entscheidungshilfe für Frauen“, Stand 2010

Fachliche Beratung: 
Prof. Dr. Fehm Universitätsfrauenklinik Düsseldorf
Prof. Dr. Scharl Klinikum Amberg
Prof. Dr. Lux Universitätsfrauenklinik Erlangen

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 21.02.2017

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Aktualisiert am: 23.06.2017 11:26