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Brustkrebs bei Männern

Entstehung, Symptome, Diagnose und Therapie

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer am eigentlich als Frauenkrankheit bekanntem Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. [1] Wegen der geringen Anzahl an Betroffenen wurde der Forschung auf diesem Gebiet bisher keine hohe Priorität eingeräumt. Die meisten Erfahrungen in der Diagnostik und Therapie werden bei Frauen gesammelt und auf die Situation der Männer übertragen. [2] Auch Hilfsangebote, die speziell auf Männer mit Brustkrebs zugeschnitten sind, existieren bisher kaum.

Da es für Männer keine Brustkrebs-Früherkennungsprogramme gibt, wird die Erkrankung beim Mann meist erst in späteren Stadien diagnostiziert als bei Frauen. [2] Zudem liegt Männern mit Problemen im Brustbereich der Gedanke an Brustkrebs zunächst fern. Dadurch verstreicht zusätzlich Zeit, die den Start der Therapie verzögert und bei der Behandlung fehlt. Denn auch hier gilt: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung.

Wie entsteht Brustkrebs beim Mann?

Mann hält sich Brust
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Doch wo entsteht der Krebs? Wie kann es sein, dass der Mann, der eine andere Anatomie und einen anderen Hormonstatus hat, doch dasselbe Krankheitsbild aufweist?

Die körperliche Basis für die Brustkrebserkrankung ist das rudimentäre Vorhandensein von Brustgewebe beim Mann. Bis zur Pubertät ist die Brust bei Jungen und Mädchen nahezu baugleich. Erst durch die weiblichen Sexualhormone beginnen die Milchgänge, das Drüsengewebe und das Binde- und Fettgewebe bei den Mädchen zu wachsen. Die Anlagen der Milchgänge finden sich aber auch beim Mann und genau hier haben 80 Prozent der Brustkrebserkrankungen ihren Ursprung, da die Milchgangzellen besonders anfällig für die Entwicklung von Brustkrebs sind. [3] Die geringere Ausprägung der Milchgänge ist auch die Ursache für das seltenere Auftreten von Brustkrebs bei Männern. 

In den meisten Erkrankungsfällen ist der Brustkrebs abhängig vom Sexualhormon Östrogen, das heißt er kann sich nur mit Östrogen entwickeln und wachsen. Obwohl es als weibliches Hormon gilt, haben sowohl Männer als auch Frauen Östrogen in ihrem Hormonhaushalt, auch wenn der Anteil beim Mann wesentlich geringer ist als bei der Frau. [3] Das Hormon entsteht unter anderem mithilfe des Enzyms Aromatase aus hormonellen Vorstufen, wie zum Beispiel auch aus Testosteron. Dieser Prozess findet vor allem im Fettgewebe statt, aber auch in den Hoden werden weibliche Hormone produziert. [3]

Ursachen für einen erhöhten Östrogenspiegel bei Männern können starkes Übergewicht oder Lebererkrankungen sowie auch die Einnahme von Hormonen, zum Beispiel zur Geschlechtsumwandlung, sein. [4] Weitere Risikofaktoren für die Entstehung von Brustkrebs sind im Übrigen dieselben wie bei weiblichem Brustkrebs – beispielsweise eine erhöhte lokale Strahlungsexposition oder auch vermehrter Alkoholkonsum. [2] 

Deutlich häufiger zu Brustkrebs neigen Männer, die das Klinefelter-Syndrom haben. Bei dieser genetischen Anomalie verfügt der Mann über ein oder mehrere zusätzliche X-Chromosomen. [4] Auch andere genetische Belastungen, wie Mutationen an den Genen BRCA1 und BRCA2, können das Risiko für Brustkrebs bei Männern erhöhen. [5] Mehr zu genetisch bedingtem Brustkrebs erfahren Sie unter https://www.brca-netzwerk.de/.

 

Welche Risikofaktoren für Brustkrebs bei Männern gibt es?

Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, steigt auch bei Männern mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren sind ein erhöhter Alkoholkonsum, wenig Bewegung und eine genetische Veranlagung.
Als mögliche Risikofaktoren, die speziell beim Mann auftreten können, gelten Hodenhochstand, eine vorausgehende Hodenentzündung oder eine Nebenhodenentzündung. [5]

Symptome, Diagnose und Therapie

Symptome männlichen Brustkrebses sind Knoten und Entzündungen im Brustbereich, die nicht abheilen, sowie verhärtete oder vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle. [2] Weitere Warnsignale können eine Flüssigkeitsabsonderung aus der Brustwarze und Veränderung der Brusthaut oder eine Einziehung der Brustwarze sein. [4] Im fortgeschrittenen Stadium kann sich Brustkrebs bei Männern durch Skelettmetastasen verursachte Knochenschmerzen, Gewichtsverlust, verminderte Leistungsfähigkeit, Husten, Atemnot und auch Gelbsucht oder Leberschwäche bemerkbar machen. Infolge von Lymphknotenmetastasen in den Achselhöhlen kann es zu einer Schwellung des Armes kommen. [2]

Wenn diese Symptome auftreten, werden in der Regel dieselben Untersuchungen durchgeführt wie bei Frauen mit Brustkrebsverdacht, d. h. Ultraschall- und Mammographieuntersuchungen.  Gegebenenfalls werden weitere Untersuchungen angeraten. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Brustkrebs und der häufig auftretenden Brustschwellung beim Mann (Gynäkomastie). Eine Biopsie bildet die nächste Diagnosestufe; hierbei wird eine Gewebeprobe entnommen und untersucht. [4]

Wird tatsächlich Krebs diagnostiziert, muss möglichst das gesamte befallene Gewebe sowie die Lymphknoten, die es umgeben, entfernt werden. Mit 35- bis 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit lassen sich dort nämlich bereits Krebszellen nachweisen. [2] Da bei Männern wesentlich weniger Brustgewebe vorhanden ist als bei Frauen, muss häufig die gesamte Brust entfernt werden. Dem chirurgischen Eingriff folgen je nach Konstellation eine Strahlen-, Chemo- oder Antikörpertherapie, um etwaigen im Körper verbliebenden Krebszellen den Garaus zu machen. Da Brustkrebszellen bei Männern meist hormonabhängig wachsen, bietet sich auch eine antihormonelle Therapie an. [4]

Im Verlauf der Therapie ähneln Rückfallrisiko und Heilungschancen denen von weiblichem Brustkrebs. Entscheidend ist immer das Stadium, in dem die Krankheit entdeckt wird sowie das Therapiemanagement. [2] Entscheidend für den Behandlungserfolg ist die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen, u. a. von Brustzentrum, Urologie und Hausärzten.

Was gibt an Angeboten für Patienten?

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In den letzten Jahren erfuhr das Thema Brustkrebs bei Männern eine Enttabuisierung. Es existieren inzwischen mehrere Selbsthilfegruppen und Internetseiten, auf denen Männer ihre Erfahrungsberichte miteinander teilen. Längst ist es nicht mehr so unbekannt wie vor einigen Jahren, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Am Zentrum für Gesundheitskommunikation und Versorgungsforschung des Universitätsklinikums Bonn läuft derzeit die Studie ‚N-Male‘, die sich speziell mit den Bedürfnissen männlicher Brustkrebspatienten auseinandersetzt. [6] Anlaufstellen für die Behandlung sind nach wie vor die zertifizierten Brustkrebszentren, Beratung und Informationen gibt es bei den Krebsberatungsstellen der Landeskrebsgesellschaften. Seit einigen Jahren sind nun auch Männer an Brustkrebsstudien zugelassen, Studien ausschließlich mit Männern gibt es jedoch kaum. [6]

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 13.09.2018

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Aktualisiert am: 09.12.2018 17:33