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Diagnose und Therapie

Die Diagnose von Vulvakrebs (Vulvakarzinom) ist oft ein Zufallsbefund bei der frauenärztlichen Untersuchung. Manchmal kommen Patientinnen auch wegen der beschriebenen Symptome in die Praxis. Bei Verdacht auf Vulvakrebs werden der gesamte Genitalbereich und die Leistenregion inspiziert und abgetastet. Eine Lupenvergrößerungsuntersuchung (Vulvoskopie) kann die Diagnostik unterstützen. Von verdächtigen Bereichen wird eine Gewebeprobe (Biopsie) entnommen und mikroskopisch untersucht.

Ist die Diagnose gesichert, kann durch weitere Untersuchungen festgestellt werden, ob sich der Tumor schon auf das umliegende Gewebe oder andere Organe ausgebreitet hat. Hierbei ist je nach Lage des Tumors zum Beispiel eine Spiegelung der Harnwege (Urethrozystoskopie) und des Enddarms (Rektoskopie) hilfreich. Auch Ultraschalluntersuchungen von Scheide, Leistengegend und Beckenorganen sind sinnvoll. Röntgen der Lunge, Ultraschall der Leber, aber auch Computertomographie oder Kernspintomographie können in bestimmten Fällen eingesetzt werden, um zu untersuchen, ob andere Organe des Körpers befallen sind.

Therapie

Die Operation ist bei Vulvakrebs die Therapie der Wahl. Nur in Ausnahmefällen wird darauf verzichtet, zum Beispiel bei Frauen, die aus gesundheitlichen oder anderen Gründen nicht operiert werden können, oder bei Frauen, bei denen sich der Tumor auf den Anus ausgedehnt hat. In letzterem Fall kann eine neoadjuvante Radiochemotherapie durchgeführt werden. Sind die Schnittränder nach einer primären Operation nicht frei, kommt eine zusätzliche Strahlentherapie nach der Operation in Frage.

Operation
Das Ausmaß der Operation hängt bei Vulvakrebs vom Krankheitsstadium ab. Kleinere Tumoren, die höchstens einen Millimeter weit in die Tiefe gewachsen sind, sollten mit einem gewissen Sicherheitsabstand (> 3 mm) zum gesunden Gewebe entfernt werden. Weitere Maßnahmen sind nicht erforderlich, da diese Tumoren im Frühstadium in der Regel noch keine Lymphknoten befallen haben. Bei größeren Tumoren, die tiefer als einen Millimeter in das Gewebe eingedrungen sind, wird bei der Operation ein Sicherheitsabstand im gesunden Gewebe von ebenfalls mindestens drei Millimetern empfohlen. Oftmals müssen bei größeren Tumoren oder bei Tumoren, die an mehreren Stellen auftreten, große Teile der Vulva oder sogar die gesamte Vulva entfernt werden.

Tumoren, die mehr als einen Millimeter in die Tiefe eingewachsen sind, bringen ein erhöhtes Risiko für Lymphknotenmetastasen mit. Deshalb werden in diesem Fall die Lymphknoten der Leistengegend entfernt und gegebenenfalls, wenn zwei oder mehr Leistenlymphknoten befallen sind, auch die Lymphknoten der Beckengegend.

Nur unter bestimmten Voraussetzungen (Tumoren < 4 cm, keine verdächtigen Leistenlymphknoten, spezialisiertes Zentrum mit erfahrenem Operateur und Pathologen) reicht es aus, den so genannten Sentinellymphknoten („Wächterlymphknoten“) zu entfernen. Diese eingeschränkte Operation geht mit einem geringeren Risiko für Nebenwirkungen wie Wundheilungsstörungen und Lymphabflussstörungen einher, die bei der Entfernung aller Leistenlymphknoten sonst sehr häufig sind. Sind die Wächterlymphknoten befallen, sollten alle Leistenlymphknoten entfernt werden.


Strahlentherapie
Die Strahlentherapie kann bei Vulvakrebs zusätzlich zur Operation („adjuvant“) angewendet werden, um einen lokalen Rückfall zu verhindern. Im Allgemeinen wird die adjuvante Strahlentherapie der Vulva empfohlen, wenn der Tumor nicht vollständig oder mit einem zu geringen Sicherheitsabstand zum gesunden Gewebe entfernt werden konnte. Auch ein Befall mehrerer Leistenlymphknoten, größere Lymphknotenmetastasen und eine Kapselüberschreitung in einem befallenen Lymphknoten gelten als Risikofaktoren für einen Rückfall, so dass für diese Fälle eine adjuvante Strahlentherapie empfohlen wird. In neueren Studien wird auch die Kombination von Strahlen- und Chemotherapie nach der Operation untersucht, mit ersten positiven Ergebnissen. Durch die adjuvante Therapie geht das Rückfallrisiko zurück, die Prognose verbessert sich.
Im Stadium T3 (nach FIGO IVA), wenn der Tumor die oberen zwei Drittel der Scheide und/oder der Harnröhre, die Schleimhäute der Blase und/oder des Enddarms oder den Beckenknochen befallen hat, sollte eine primäre Strahlen-Chemotherapie erfolgen, um nach Möglichkeit die Funktion der Organe (Ausscheidung) zu erhalten. Auch wenn eine Operation etwa aufgrund des allgemeinen Gesundheitszustands gänzlich ausgeschlossen ist, kann eine Strahlen(Chemo)therapie allein durchgeführt werden.
Mitunter kann vor der Operation unterstützend („neoadjuvant“) eine kombinierte Strahlen-Chemotherapie durchgeführt werden. Hierbei geht es in erster Linie darum, den Tumor und damit das Ausmaß der erforderlichen Operation zu verkleinern.
Die Strahlentherapie wird bei Vulvakrebs von außen durch die Haut durchgeführt. Problematisch ist die unmittelbare Nähe der Vulva zum Enddarm und zu anderen Organen, die durch die Strahlung in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch bei sorgfältiger Planung und Durchführung der Strahlentherapie können deshalb Nebenwirkungen auftreten.


Chemotherapie
Eine Chemotherapie hat sich bisher als wenig wirksam erwiesen und wird nur bei Tochtergeschwülsten eingesetzt. Sie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die im besonderen Maße auf Krebszellen zutrifft.

(kvk/red)

Quellen:
[1] Deutsche Krebsgesellschaft, dkg-web.gmbh (Herausgeber), Patientenratgeber gynäkologische Onkologie, 2. Auflage, 2016
[2] Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Vulvakarzinoms und seiner Vorstufen. S2k-Leitlinie. AWMF-Registernummer: 015/059. Version 1.1 (Stand: August 2015)


Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Universitätsfrauenklinik Erlangen
Dr. Grit Mehlhorn, Universitätsfrauenklinik Erlangen

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 09.02.2017

Weitere Basisinformationen zum Vulvakrebs:

Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07