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Ursache und Risikofaktoren für Tumore der oberen Luft- und Speisewege und für Kehlkopfkrebs

Als wichtigste Risikofaktoren für eine Erkrankung gelten Alkohol- und Tabakkonsum. Tatsächlich besteht eine unmittelbare Verbindung zwischen der Wahrscheinlichkeit, an einem Kehlkopfkarzinom zu erkranken, und der Intensität und Dauer des Tabakkonsums. Demgegenüber ist die schädliche Wirkung von Alkohol (Ethylalkohol) nicht sicher erwiesen. Das Risiko, an einem supraglottischen Krebs zu erkranken, scheint zu steigen, wenn die Patienten zusätzlich zum Tabak auch übermäßig Alkohol konsumieren (einen Alkoholabusus aufweisen). Anscheinend vervielfacht Alkohol also die Wirkung von Karzinogenen. In diesem Zusammenhang wird eine direkte Schädigung der Schleimhaut des Kehlkopfes, eine Störung im Bereich der Immunglobulin-A-Synthese sowie ein Riboflavinmangel diskutiert. Die Ausbreitung des Krebses (Kanzerisierungsprozess) wiederum kann durch Alkoholmissbrauch (die alkoholtoxischen Folgeerkrankungen) begünstigt und sogar beschleunigt werden. Neben Alkohol- und Tabakkonsum ist die Infektion mit bestimmten Warzenviren (humanes Papillomavirus (HPV)), vor allem HPV-16, als Risikofaktor für Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich identifiziert worden. HPV-positive Tumoren weisen ein besonderes biologisches und klinisches Verhalten auf, wobei Patienten mit HPV-positiven Tumoren eine bessere Prognose haben.

Im Allgemeinen werden Kehlkopftumore in supraglottische (oberhalb der Stimmlippenebene gelegene), glottische (auf Stimmlippenebene gelegene) und subglottische (unterhalb der Stimmlippenebene gelegene) Karzinome unterteilt. Nach dem derzeitigen Wissensstand scheint der Tabakrauch der einzige Risikofaktor für isolierte Stimmlippenkarzinome zu sein. Insgesamt treten im deutschsprachigen Raum über 65% der bösartigen Tumore des Kehlkopfes im Bereich der Glottis auf. In über 30% der Fälle handelt es sich um supraglottische Karzinome, wohingegen die subglottischen Karzinome mit weniger als 1% deutlich seltener auftreten.

Demgegenüber sind Karzinome der Mundhöhle und des Rachens (Pharynx) deutlich seltener. Auch hier spielen geographische, wirtschaftliche, soziale und ethnische Faktoren eine bedeutende Rolle für das Risiko einer Krebserkrankung. So ist beispielsweise das Kauen der Betelnuss eine wesentliche Ursache für die hohe Erkrankungshäufigkeit in Indien.

Im Vergleich zu 1985 ist die Zahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) und auch die der Todesfälle (Mortalität) an Rachenkarzinomen geschlechtsunabhängig gestiegen. Hingegen sind die Daten bei Kehlkopfkarzinomen gleich geblieben. Die Wahrscheinlichkeit, an einem Rachenkarzinom zu erkranken, ist im 7. Lebensjahrzehnt besonders hoch. Dagegen ist das Risiko für Mundhöhlen- und Kehlkopfkarzinome im 6. Lebensjahrzehnt am höchsten. Bei beiden Krebsarten zeigt sich, dass das Erkrankungsrisiko sich immer weiter in frühere Lebensjahrzehnte verlagert.

Aus dem unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Entwicklung eines bösartigen Tumors im Bereich der oberen Luft- und Speisewege und Alkohol- und/oder Tabakkonsum geht hervor, dass jeder selbst dazu beitragen kann, sein Krebsrisiko zu abzusenken. Hierbei ist anzumerken, dass sich das Erkrankungsrisiko derjenigen, die über Jahre hinweg Alkohol- und/oder Tabak konsumiert haben, erst nach 10 bis 15 Jahren auf dem Niveau derer einpegelt, die nie Alkohol und/oder Tabak konsumiert haben.

 

(red)

Quellen:
[1] N. Stasche, A. Schmieder: Kopf-Hals-Karzinome, in: W. Dornoff, F.-G. Hagemann, J. Preiß, A. Schmieder (Hrsg.): Taschenbuch Onkologie 2010: Interdisziplinäre Empfehlungen zur Therapie 2010/2011, Zuckschwerdt Verlag 2010, S. 137-144
[2] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006
[3] Robert Koch-Institut (Hrsg.): Krebs in Deutschland 2007/2008. Häufigkeiten und Trends, Berlin 2012
[4] Wittekindt C, Wagner S, Mayer CS, Klußmann JP. Grundlagen der Tumorentstehung und die Bedeutung humaner Papillomaviren (HPV) bei Kopf-Hals-Karzinomen. Laryngorhinootologie. 2012 Mar;91 Suppl 1:S1-26.


Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Jochen A. Werner
Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des Essener Universitätsklinikums

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.06.2015

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07