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Gebärmutterkörperkrebs und Gebärmutterhalskrebs - Besonderheiten

Spätfolgen der Behandlung

Die Behandlung von Gebärmutterhalskrebs ist in der Regel mit der operativen Entfernung der Gebärmutter sowie manchmal auch der Eileiter und der Eierstöcke verbunden.

Dieser Eingriff ist besonders einschneidend, wenn noch ein Kinderwunsch besteht: Eine Schwangerschaft ist nach der kompletten operativen Entfernung nicht mehr möglich. Bei Verlust der Eierstockhormone (nur nach Entfernung der Eierstöcke), wird die Frau zudem, wenn sie vor dem Eingriff noch Monatsblutungen hatte, frühzeitig in die Wechseljahre versetzt. Die Folge sind typische Wechseljahresbeschwerden, wie z.B. Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzrasen bzw. –klopfen, Verlust der Knochendichte (Osteoporose) und trockene und verletzbare Schleimhäute. Auch Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Konzentrationsprobleme können die Folge sein.

Infolge der Behandlung kann es außerdem zu einer Beeinträchtigung der Blasenfunktion (Harninkontinenz), zu einer Verkürzung und/oder Verengung der Scheide sowie zu Vernarbungen und Verklebungen im Bauchinnenraum kommen. Schmerzen im Bauch- und Rückenbereich sowie beim Geschlechtsverkehr können die Folge sein.

Ist die Krebserkrankung sehr weit fortgeschritten, kann es in seltenen Fällen notwendig sein, auch Nachbarorgane wie Harnblase, Mastdarm und Scheide zu entfernen (große Beckenoperation/Exenteration). Eine Operation dieser Art ist extrem einschneidend: Durch die Operation wird es nötig, zwei künstliche Ausscheidungswege zu schaffen: einen für den Stuhlgang (Kolostoma), den anderen für den Urin (Urostoma). Die Scheide kann durch Verpflanzung (Transplantation) von Haut- oder Haut-Muskelteilen von anderen Körperstellen wieder aufgebaut werden. Obwohl es nicht leicht ist, mit einer solchen Belastung zurechtzukommen, ist es häufig die einzige Therapie die Chance auf Heilung verspricht. Trotz der einschneidenden Operation können Frauen im Laufe der Zeit wieder sexuelles Vergnügen empfinden. Die wichtigen Lustspender Kitzler (Klitoris) und Schamlippen können meist belassen werden.

Die Folgen der Krebserkrankung stellen für viele Frauen eine große körperliche und seelische Belastung dar. Der Organverlust und die veränderte Sexualität können, vor allem bei jüngeren Frauen (aber nicht nur!), erhebliche Auswirkungen auf Selbstverständnis, Selbstbild und Selbstwertgefühl haben. 
Es ist Zeit nötig, um sich von einer solch eingreifenden Behandlung zu erholen. Sehr hilfreich ist ein offener und verständnisvoller Umgang mit dieser Situation in der Partnerschaft. Das offene Gespräch und die Unterstützung durch den Partner können wesentlich dazu beitragen, dass trotz einer möglicherweise funktionellen Einschränkung eine liebevolle und auch sexuell befriedigende Partnerschaft möglich ist. Scheuen Sie sich nicht, wenn immer nötig auch therapeutische Hilfe oder die Unterstützung durch eine Beratungsstelle oder Selbsthilfegruppe in Anspruch zu nehmen, um sich mit der veränderten Situation zurechtzufinden. Im Rahmen der Betreuung in zertifizierten Gynäkologischen Krebszentren wird Ihnen auch immer eine psychoonkologische Betreuung angeboten.

Im Folgenden werden mögliche Folgeerscheinungen der Behandlung und deren Auswirkungen auf die Sexualität im Einzelnen aufgeführt:

Verlust der Gebärmutter

Eine Entfernung der Gebärmutter schränkt, rein körperlich gesehen, das sexuelle Empfinden der Frau nicht ein. Auch wenn die Scheide etwas verkürzt werden muss, sind die für das sexuelle Lustempfinden wichtigen Bereiche (Klitoris, Schamlippen und Scheideneingangsbereich) genauso funktionsfähig wie vorher. Die Fähigkeit, einen Orgasmus zu bekommen, bleibt erhalten.

Für einige Frauen ist es vor allem ein psychologisches Problem, keine Gebärmutter mehr zu haben. Sie fühlen sich nicht mehr als „ganze Frau“, weil sie unbewusst oder bewusst Frausein mit Fruchtbarsein gleichsetzen. Vielleicht sind solche Gefühle die Gelegenheit, das einseitige Bild vom Frausein zu hinterfragen. Wichtig ist, dass Sie offen über Ihre Gefühle, Sorgen und Ängste sprechen, sei es mit Ihrem Partner, einer Psychotherapeutin bzw. einem Psychotherapeuten oder mit Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden.

Vorzeitiges Eintreten der Wechseljahre

Durch die Entfernung bzw. Bestrahlung der Eierstöcke im Rahmen der Krebsbehandlung werden Sie, wenn Sie vor dem Eingriff noch Monatsblutungen hatten, in die Postmenopause versetzt.

Unter Postmenopause versteht man in der Fachsprache die Lebensphase, nach der letzten Monatsblutung im Leben einer Frau. Normalerweise beginnt diese Phase im Alter von 52 Jahren. Die hormonelle Veränderung erfolgt natürlicherweise über mehrere Jahre hinweg, so dass sich der Körper allmählich an die veränderten Bedingungen anpassen kann.

Das Fehlen der Eierstockhormone macht sich vor allem durch Hitzewallungen und Trockenheit der Scheide bemerkbar. Auch Schlafstörungen, eine Neigung zu Schweißausbrüchen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme sind typische Wechseljahresbeschwerden. Folge des Östrogenmangels sind ferner vermehrte Knochenentkalkung und eine Verkalkung der Herzkranzgefäße. Die Beschwerden sind von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt. Manche Frauen haben in dieser Zeit, vor allem aufgrund der körperlichen und psychischen Belastung, wenig Interesse an Sexualität. Für ein Teil der Wechseljahresbeschwerden gibt es Therapien, welche auch ohne die Gabe von Hormonen auskommen. Sprechen Sie hier mit Ihrer Ärztin bzw. Ihrem Arzt.

Beeinträchtigung des Scheidengewebes durch Bestrahlung

Durch eine Bestrahlung im Beckenbereich wird häufig die Scheidenschleimhaut in Mitleidenschaft gezogen. Im Strahlenbereich wird die Haut wie bei einem Sonnenbrand gerötet. Dadurch kann die Scheide nach der Bestrahlung einige Wochen lang sehr berührungsempfindlich sein. Da die Haut auch leichter verletzbar ist, können beim oder nach dem Geschlechtsverkehr leichte Blutungen auftreten.

Wenn die strahlenbedingte Reizung der Scheidenschleimhaut abklingt, beginnt die Vernarbung. Die Scheide kann sich dadurch mit der Zeit so stark verengen, dass kein Geschlechtsverkehr mehr möglich ist. Durch regelmäßige Dehnung der Scheide – beispielsweise durch die Aufrechterhaltung des Geschlechtsverkehrs oder alternativ mit Hilfe eines Dilatators – kann dieser Vorgang verhindert oder zumindest gemildert werden. Ein Dilatator ist ein Zylinder oder ein Röhrchen, das in die Scheide eingeführt wird, um diese allmählich zu dehnen. Es gibt ihn in verschiedenen Größen, so dass die Scheide auch Schritt für Schritt erweitert werden kann. Wichtig ist bei Problemen, dass Sie hiermit möglichst früh beginnen, um einer Vernarbung frühzeitig vorzubeugen. Wie Sie den Dilatator benutzen, wird Ihnen Ihre Ärztin bzw. Ihr Arzt erklären. Zudem können bei Krebserkrankungen, die vom Plattenepithel ausgingen, lokale östrogenisierende Cremes, Zäpfchen und Salben, dabei helfen die Scheidenhaut geschmeidiger zu machen ohne das Risiko für ein Rezidiv zu erhöhen.

Harninkontinenz

Bei einigen wenigen Frauen treten nach einer Gebärmutteroperation und/oder Bestrahlung Probleme mit dem Wasserlassen auf. Ein Problem besteht darin, dass geringe Urinmengen unkontrolliert austreten, weil die Blasenmuskulatur durch die Behandlung insbesondere Strahlentherapie beeinträchtigt sein kann. Die Angst, ungewollt Urin zu lassen, kann sehr belastend sein. Die Ärztin bzw. der Arzt kann Ihnen eine krankengymnastische Behandlung mit gezielten Übungen verordnen, die Sie später selbständig ausführen können. Außerdem kann Ihnen Ihre Ärztin bzw. Arzt Medikamente verordnen, die einen gesteigerten Harndrang lindern können.
Probleme bei der Blasenentleerung kommen in der Regel nicht vor, da nur sehr selten und nur in weit fortgeschrittenen Stadien der Halteapparat der Gebärmutter entfernt wird, wo durch Nerven der Blase verletzt werden können.

Durch Verletzung der Nerven, die für die Funktion der Blase zuständig sind, kann es auch zu einem Harnverhalt und die Bildung von Restharn kommen, was anfälliger für Harnwegsinfekte macht und mitunter schmerzhaft sein kann. Hier kann ebenfalls durch stärkende Medikamente, bestimmte Formen der Krankengymnastik (Blasentraining) oder das Erlernen der Selbstkatheterisierung Abhilfe geschaffen werden.

(yia/red)

Quellen:
Denschlag D, Ulrich U, Emons G: The diagnosis and treatment of endometrial cancer: progress and controversies. Dtsch Arztebl Int 2011; 108(35–35): 571–7. DOI: 10.3238/arztebl.2011.0571

Kommission Uterus d. AGO e.V. (Hrsg.): Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie des Endometriumkarzinom, in: Leitlinien zum Zervixkarzinom, zum Endometriumkarzinom und zu den Trophoblasttumoren, W. Zuckschwerdt Verlag 2008, S. 73-126

Fachliche Beratung: 
Prof. Emons, Universitätsfrauenklinik Göttingen
Prof. Mallmann, Universitätsfrauenklinik Köln
Dr. Thiel, MBA, Universitätsfrauenklinik Erlangen

 

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 31.01.2017

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Aktualisiert am: 18.10.2017 17:16