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HPV-Impfung: Wer sollte geimpft werden?

Impfung, Quelle: © Production Perig - fotolia.com
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Man geht davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Frauen in Deutschland mit einem Hochrisiko-HPV infiziert sind. Etwa 400.000 sind an einer HPV-vermittelten, leicht- bis mittelgradigen Krebsvorstufe des Muttermunds erkrankt, etwa 100.000 an einer hochgradigen Vorstufe. Um diese Vorstufen zu therapieren, ist häufig eine Operation notwendig. Dabei werden auffällige Bereiche am Muttermund verödet oder ein kegelförmiges Stück Gewebe wird aus dem Gebärmutterhals entfernt. Bei einer zukünftigen Schwangerschaft können derartige Eingriffe das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Derartige Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses können durch die frühzeitige Impfung verhindert werden.

Wer sollte die Impfung bekommen?

Da es schon beim ersten Sexualkontakt zur Infektion mit HPV kommen kann, ist es am besten, bereits vor dem ersten Sexualverkehr zu impfen. Die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat deshalb Empfehlung ausgesprochen, alle Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren (spätestens jedoch bis zum 18. Geburtstag) generell gegen humane Papillomviren (Typen 16 und 18) zu impfen. Auch die S3-Leitlinie für Ärzte zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien empfiehlt die Impfung bereits ab dem 9. Lebensjahr. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten für die HPV-Impfung von Mädchen dieses Alters übernommen. Von einigen Kassen werden die Kosten der Impfung auch außerhalb dieser Altersgrenzen getragen. Grundsätzlich können auch Frauen, die älter als 17 Jahre sind, nach individueller Beratung auf der Basis der Impfstoffzulassung ohne obere Altersgrenze geimpft werden.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Nach derzeitigem Kenntnisstand kann in den ersten sieben Jahren von einem sicheren Schutz ausgegangen werden. Die Frage, ob für einen lebenslangen Schutz eine Auffrischungsimpfung nötig ist, wird in den nächsten Jahren beantwortet werden. Erste Daten lassen aber erahnen, dass der Impfschutz einen längeren Zeitraum anhält.

In welchen anderen Situationen kann eine Impfung sinnvoll sein?

Arztgespräch, Quelle: © endostock - fotolia.com
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Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr
Nicht jeder Geschlechtsverkehr geht zwangsläufig mit einer HPV-Infektion einher. Daher ist eine Impfung auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr durchaus sinnvoll. Zudem klingt eine HPV-Infektion bei jüngeren Menschen normalerweise innerhalb von Monaten ab. Die Impfung kann vor einer erneuten Infektion schützen, da sie eine stärkere Immunantwort hervorruft als die natürliche Infektion.

Impfung auch nach dem 17. Lebensjahr
Zur Wirksamkeit der Impfung liegen Daten bei Frauen bis 45 Jahre vor. Da der Impfschutz für diese Frauen deutlich geringer ist, hängt die Entscheidung vom individuellen Sicherheitsbedürfnis der jeweiligen Patientin ab. Eine nachträgliche Impfung kann für die meisten Frauen, die als Jugendliche keine Impfung erhalten haben, sinnvoll sein, wird durch die STIKO für diese Altersgruppe aber nicht empfohlen und möglicherweise auch von der Krankenkasse nicht übernommen.

Impfung bei Männern
Aktuell gibt es keine Impfempfehlung der STIKO für Männer. Die S3-Leitlinie für Ärzte zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien empfiehlt die Impfung bereits ab dem 9. Lebensjahr möglichst frühzeitig auch für alle Jungen. Man weiß, dass die Impfung auch bei Männern eine starke Immunreaktion auslöst und zur Bildung von Antikörpern führt. Diese schützen vor der Infektion mit HPV und je nach Impfpräparat vor Genitalwarzen. Um einen vollständigen Schutz der Bevölkerung zu erreichen, könnte es unter Umständen sinnvoll sein, alle sexuell aktiven Personen gegen HPV zu impfen. Auch gibt es Hinweise darauf, dass die Impfung vor seltenen Erkrankungen wie Penis- und Analkarzinom schützen kann.

Impfung nach Infektion mit HPV
Frauen, die nur mit einem HP-Virustyp infiziert sind, scheint die Impfung einen gewissen Schutz vor der Infektion mit den anderen Typen zu bieten.

Hinweis: Nur die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr in Verbindung mit einer regelmäßig durchgeführten Krebsfrüherkennungsuntersuchung (Pap-Abstrich) bringt den größtmöglichen Schutz vor der Erkrankung an einem Gebärmutterhalskrebs!

Impfung nach operativer Therapie einer Krebsvorstufe (CIN)
Es gibt Hinweise, dass eine Wiedererkrankung nach einer chirurgischen Therapie verhindert werden kann, wenn im Vorfeld gegen HP-Viren geimpft wurde. Die HPV-Impfung könnte deshalb im Rahmen einer chirurgischen Therapie in Betracht gezogen werden, um das Wiedererkrankungsrisiko zu vermindern. Aufgrund der publizierten Daten kann ungefähr von einer Halbierung der Wiederkrankungsrate ausgegangen werden. Diese Empfehlungen werden ebenfalls in der neuen S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien formuliert, sind aber weiterhin nicht Gegenstand der offiziellen STIKO-Empfehlung. Zum Nutzen einer Impfung nach einem invasiven Karzinom ist die Datenlage völlig unklar.

(kvk/red)

Quellen:

[1] Leitlinienprogramm Onkologie (Herausgeber), S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom, September 2014 http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-033OLk_S3_Zervixkarzinom_2014-10.pdf

[2] Deutsche Krebsgesellschaft, dkg-web.gmbh (Herausgeber), Patientenratgeber gynäkologische Onkologie, 2. Auflage, 2016

[3] S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien (2013). http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-002l_Impfpr%C3%A4vention_HPV_assoziierter_Neoplasien_2013-12.pdf

 

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Universitätsfrauenklinik Erlangen
Dr. Martin Koch, Universitätsfrauenklinik Erlangen
Prof. Peter Hillemanns, Universitätsfrauenklinik Hannover

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 31.01.2017

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Aktualisiert am: 27.07.2017 15:11