Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

HPV-Impfung: Wer sollte geimpft werden?

Mädchen erhält Impfung von Arzt
Quelle: © AdobeStock_AdobeStock_75543262

Man geht davon aus, dass etwa 1,5 Millionen Frauen in Deutschland mit einem Hochrisiko-HPV infiziert sind. Etwa 400.000 sind an einer HPV-vermittelten, leicht- bis mittelgradigen Krebsvorstufe des Muttermunds erkrankt, etwa 100.000 an einer hochgradigen Vorstufe. Um diese Vorstufen zu therapieren, ist häufig eine Operation notwendig. Dabei werden auffällige Bereiche am Muttermund verödet oder ein kegelförmiges Stück Gewebe wird aus dem Gebärmutterhals entfernt. Bei einer zukünftigen Schwangerschaft können derartige Eingriffe das Risiko für eine Frühgeburt erhöhen. Derartige Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses können durch die frühzeitige Impfung verhindert werden.

Jüngere Menschen haben ein erhöhtes Ansteckungsrisiko

Rund 80% der sexuell aktiven Frauen infizieren sich Schätzungen zufolge im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die Zahl der Neuinfektionen ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen am höchsten, da sie die sexuell besonders aktiven Gruppen darstellen. Mit zunehmendem Alter nimmt die Neuinfektionsrate ab. „In Deutschland entwickeln etwa 30 bis 40 Prozent aller jungen Menschen bis zu einem Alter von 25 Jahren zu irgendeinem Zeitpunkt eine HPV-Infektion“, so Prof. Beckmann. Eine US-Studie bei 18- bis 25-jährigen Frauen ergab eine Häufigkeit von Infektionen mit sogenannten Hochrisiko-HPV-Typen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen können, von etwa 20%. Ähnliche Ergebnisse erbrachte eine Studie in Deutschland. Die Häufigkeit von Hochrisiko-HPV-Infektionen bei 26-jährigen Frauen lag hier bei 23%, in der Gruppe der 30-39-Jährigen jedoch nur noch bei 6,2%.

Wer sollte die Impfung bekommen?

Mädchen und Jungen zusammen
Quelle: © AdobeStock_224236470

Da es schon beim ersten Sexualkontakt zur Infektion mit HPV kommen kann, ist es am besten, bereits vor dem ersten Sexualverkehr zu impfen. Die ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) hat deshalb Empfehlung ausgesprochen, alle Mädchen und Jungen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren (spätestens jedoch bis zum 18. Geburtstag) generell gegen humane Papillomviren zu impfen.

Für Kinder in diesem Alter ist ein 2-Dosen Impfschema mit einem Impfabstand von 5 Monaten zugelassen. Falls der Abstand von 5 Monaten zwischen der ersten und zweiten Impfstoffdosis unterschritten wurde, sowie im Falle von Nachholimpfungen bei Personen über 14 Jahren ist eine dritte Impfstoffdosis erforderlich. In Studien ließen sich für zehn- bis 14-jährige Mädchen nach HPV-Impfung höhere Antikörper-Antworten nachweisen als bei älteren Jugendlichen und Frauen.

Auch die S3-Leitlinie für Ärzte zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien empfiehlt die Impfung bereits ab dem 9. Lebensjahr. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten für die HPV-Impfung für diese Altersgruppe übernommen. Von einigen Kassen werden die Kosten der Impfung auch außerhalb dieser Altersgrenzen getragen. Grundsätzlich können auch Frauen, die älter als 17 Jahre sind, nach individueller Beratung auf der Basis der Impfstoffzulassung ohne obere Altersgrenze geimpft werden.

Wie lange hält der Impfschutz an?

Impfschutz
Quelle: © AdobeStock_16576900

Nach derzeitigem Kenntnisstand kann in den ersten sieben Jahren von einem sicheren Schutz ausgegangen werden. Die Frage, wie lange der Schutz zu welchem Grad anhält und ob für einen lebenslangen Schutz eine Auffrischungsimpfung nötig ist, wird in den nächsten Jahren beantwortet werden. Erste Daten lassen aber erahnen, dass der Impfschutz einen längeren Zeitraum anhält. In einer Studie zeigten sich bis 12 Jahre nach Impfung keine Hinweise auf eine Abnahme des HPV-Impfschutzes gegen die Typen 16 und 18 über die Zeit.

Die Impfung ist effektiv und sicher

Die derzeitigen Impfstoffe sind gut verträglich. Beide Impfstoffe enthalten gentechnisch hergestellte „leere“ Virushüllen. Diese virusähnlichen Partikel täuschen dem Immunsystem ein echtes Virus nur vor. Da sie keinerlei virales Erbmaterial enthalten, kommt es weder zu einer Virusvermehrung noch zu einer Virusinfektion. Teilweise enthalten sie Inhaltsstoffe, die das Immunsystem anregen sollen. Es kann zu den üblichen Impfnebenwirkungen wie Rötung, Schmerz und Schwellung im Bereich der Einstichstelle kommen. Auch möglich ist, dass der Körper mit Fieber reagiert. In seltenen Fällen treten weitere Nebenwirkungen auf.

Nach aufmerksamkeitserregenden Fallbeschreibungen und Medienberichten über einen möglichen Zusammenhang von HPV-Impfungen und schweren Autoimmunerkrankungen hat das Paul-Ehrlich-Institut die Sachlage analysiert und kommt zu dem Fazit: „Seit der Einführung der HPV-Impfung wurde die Sicherheit von HPV-Impfstoffen in zahlreichen großangelegten Beobachtungsstudien untersucht. Zusammenfassend weist der aktuelle Forschungsstand auf ein gutes Sicherheitsprofil bei weiblichen wie männlichen Impflingen hin. Zurzeit gibt es keine Anhaltspunkte für einen kausalen Zusammenhang zwischen HPV-Impfung und Autoimmunerkrankungen.“

In welchen anderen Situationen kann eine Impfung darüber hinaus sinnvoll sein?

Impfung nach dem ersten Geschlechtsverkehr

Nicht jeder Geschlechtsverkehr geht zwangsläufig mit einer HPV-Infektion einher. Daher ist eine Impfung auch nach dem ersten Geschlechtsverkehr durchaus sinnvoll. Zudem klingt eine HPV-Infektion bei jüngeren Menschen normalerweise innerhalb von Monaten ab. Die Impfung kann vor einer erneuten Infektion schützen, da sie eine stärkere Immunantwort hervorruft als die natürliche Infektion.

Impfung auch nach dem 17. Lebensjahr

Zur Wirksamkeit der Impfung liegen Daten bei Frauen bis 45 Jahre vor. Da der Impfschutz für diese Frauen deutlich geringer ist, hängt die Entscheidung vom individuellen Sicherheitsbedürfnis der jeweiligen Patientin ab. Eine nachträgliche Impfung kann für die meisten Frauen, die als Jugendliche keine Impfung erhalten haben, sinnvoll sein, wird durch die STIKO für diese Altersgruppe aber nicht empfohlen und möglicherweise auch von der Krankenkasse nicht übernommen.

Impfung nach Infektion mit HPV

Frauen, die nur mit einem HP-Virustyp infiziert sind, scheint die Impfung einen gewissen Schutz vor der Infektion mit den anderen Typen zu bieten.

Hinweis: Nur die Impfung vor dem ersten Geschlechtsverkehr in Verbindung mit einer regelmäßig durchgeführten Krebsfrüherkennungsuntersuchung (Pap-Abstrich) bringt den größtmöglichen Schutz vor der Erkrankung an einem Gebärmutterhalskrebs!

Impfung nach operativer Therapie einer Krebsvorstufe (CIN)

Es gibt Hinweise, dass eine Wiedererkrankung nach einer chirurgischen Therapie verhindert werden kann, wenn im Vorfeld gegen HP-Viren geimpft wurde. Die HPV-Impfung könnte deshalb im Rahmen einer chirurgischen Therapie in Betracht gezogen werden, um das Wiedererkrankungsrisiko zu vermindern. Aufgrund der publizierten Daten kann ungefähr von einer Halbierung der Wiederkrankungsrate ausgegangen werden. Diese Empfehlungen werden ebenfalls in der neuen S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien formuliert, sind aber weiterhin nicht Gegenstand der offiziellen STIKO-Empfehlung. Zum Nutzen einer Impfung nach einem invasiven Karzinom ist die Datenlage unklar.

(kvk/akm)

 

Fachliche Beratung:
Prof. Dr. Matthias W. Beckmann, Universitätsfrauenklinik Erlangen
Dr. Martin Koch, Klinikum Ansbach
Prof. Peter Hillemanns, Universitätsfrauenklinik Hannover

Literatur:

Leitlinienprogramm Onkologie (Herausgeber), S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom, März 2021. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/032-033OLl_S3_Diagnostik_Therapie_Nachsorge_Zervixkarzinom_2021-03.pdf

Deutsche Krebsgesellschaft, dkg-web.gmbh (Herausgeber), Patientenratgeber gynäkologische Tumore, 2. Auflage, 2016

S3-Leitlinie zur Impfprävention HPV-assoziierter Neoplasien, Mai 2020. https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/082-002l_S3_Impfpraevention-HPV-assoziierter-Neoplasien_2020-07_01.pdf

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut – 2018/2019, Epidemiologisches Bulletin 23. August 2018, Nr. 34, online https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2018/Ausgaben/34_18.pdf?__blob=publicationFile

STIKO: Anwendung des neunvalenten Impfstoffs gegen Humane Papillomviren (HPV), Epidemiologisches Bulletin, 25. April 2016 / Nr. 16, online unter https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2016/Ausgaben/16_16.pdf?__blob=publicationFile

Schwarz TF et al.: Four-year follow-up of the immunogenicity and safety of the HPV-16/18 AS04-adjuvanted vaccine when administered to adolescent girls aged 10-14 years. Journal of Adolescent Health 2012; 50:187-94

Oberle, D. et al: Sicherheit der Impfung gegen humane Papillomviren (HPV). BULLETIN ZUR ARZNEIMITTELSICHERHEIT - Informationen aus BfArM und PEI, S. 17-23

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 23.03.2020

Weitere Basisinformationen zum Gebärmutterhalskrebs:

Nachrichten zum Thema Gebärmutterhalskrebs

Zuletzt aufgerufen am: 11.05.2021 15:06