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Blasenkrebs, Harnblasenkrebs - Therapie

Harnblase, Quelle: © arsdigital - fotolia.com
Quelle: © arsdigital - fotolia.com

Die Therapie bei Harnblasenkrebs hängt in erster Linie von der Art, der Lage und dem Stadium des Tumors ab. Grundsätzlich wird die Behandlung von nicht-muskelinvasiven und muskelinvasiven Karzinomen unterschieden.

Nicht-muskelinvasiver Harnblasenkrebs

75% der Harnblasenkarzinome wachsen als nicht-muskelinvasive Tumoren bzw. werden im Frühstadium entdeckt. Daher machen sie den größten Anteil der zu therapierenden Blasentumoren aus. Hierzu zählen die Formen pTa, pTis und pT1. Bei ihnen ist nur die innere Blasenwand betroffen, ohne dass der Tumor in die Muskelschicht eingewachsen ist. Die Therapie der Wahl ist die so genannte transurethrale Resektion (TUR-B). Hierbei wird ein starrer Schaft über die Harnröhre in der Blase platziert. Über diesen Schaft kann der Operateur Instrumente einführen und den Tumor entfernen. Um das Risiko eines Wiederauftretens des Tumors zu minimieren, wird häufig nach zwei bis sechs Wochen eine weitere Operation (Nachresektion) vorgenommen. Neuere Operationstechniken unter Verwendung der Fluoreszenzzystoskopie oder dem Narrow-Band Imaging (NBI) erlauben es, Tumore in der Harnblase besser zu erkennen und so das Risiko eines Wiederauftretens zu senken.

Zusätzlich kann nach der OP eine lokale Chemotherapie oder eine Therapie mit dem abgeschwächten (=attenuierten) Lebendimpfstoff Bacillus Calmette-Guérin (Instillationstherapie) durchgeführt werden. Die Medikamente werden über einen Katheter eingeführt und wirken nur in der Blase. Die Installationstherapien senken das Risiko für ein Wiederauftreten oder ein Fortschreiten des Tumors, sind jedoch nicht bei allen Tumorstadien möglich und sinnvoll.

Muskelinvasiver Blasenkrebs

Ein Tumor gilt als invasiv bzw. infiltrierend, wenn er in die Muskulatur eingewachsen ist (Stadien pT2-4). Hierbei reicht die TUR B als Therapie nicht aus, sondern die gesamte Harnblase (radikale Zystektomie) sowie die Beckenlymphknoten müssen entfernt werden. Beim Mann werden darüber hinaus die Prostata mit den beiden Samenblasen entfernt und die beiden Samenleiter durchtrennt. Bei der Frau werden die Gebärmutter, die Eierstöcke, die Eileiter und ein Teil der Scheidenwand entfernt.

Nach Entfernung der Harnblase wird der Urin häufig über ein zwischen Harnleiter und Bauchwand geschaltetes Darmstück nach außen abgeleitet und in einen auf die Bauchdecke geklebten Beutel entleert (Ileumkonduit). Eine andere Möglichkeit ist die Herstellung einer Ersatzblase aus einem Stück Dünndarm, die an die Harnröhre angeschlossen wird (Ersatzblase). Das ermöglicht das Wasserlassen über den ursprünglichen Weg, kann allerdings mit Beschwerden wie Inkontinenz (unkontrollierter Harnabgang) oder unvollständigem Entleeren der Blase verbunden sein. Der Urin muss dann gegebenenfalls mehrmals täglich zusätzlich über einen Katheter abgeleitet werden. Auch Harnableitungen in einen Nabelpouch oder in den Enddarm sind möglich.

Wenn bei einem Patienten eine operative Blasenentfernung nicht durchgeführt werden kann, besteht die Möglichkeit einer Kombination aus TUR-B, Strahlen- und Chemotherapie. Es ist aber bisher nicht hinreichend belegt, dass diese Kombination (vor allem bei den lokal fortgeschrittenen Stadien) vergleichbare Ergebnisse liefert wie eine operative Blasenentfernung.

Chemotherapie
Bei fortgeschritteneren Tumoren (Stadien pT3 und 4) kann eine zusätzliche Chemotherapie vor oder nach der Operation in Erwägung gezogen werden, um den Behandlungserfolg zu verbessern und das Risiko für die Bildung weiterer Tochtergeschwulste zu verringern. Die Therapie wird vor bzw. innerhalb der ersten drei Monate nach der Operation durchgeführt. Liegen bereits Metastasen z.B. in Lunge oder Leber vor, ist die Chemotherapie die einzige Möglichkeit, die Überlebenszeit zu verlängern.

Die Chemotherapie zielt darauf ab, Krebszellen im ganzen Körper durch zellwachstumshemmende Medikamente (Zytostatika) abzutöten. Zytostatika wirken sehr gut gegen rasch wachsende Zellen, eine Eigenschaft, die im besonderen Maße auf Krebszellen zutrifft.

Eine Heilung des Harnblasenkarzinoms allein durch die Gabe von Zytostatika ist in der Regel allerdings nicht möglich. Jedoch kann bei fortgeschrittenen/metastasierten Tumoren durch eine Chemotherapie das Tumorwachstum für eine gewisse Zeit zum Stillstand gebracht und die Überlebenszeit verlängert werden. Tumorbedingte Beschwerden und Schmerzen lassen sich lindern, bei einem kleinen Teil der Patienten kann sogar eine deutliche Verkleinerung des Tumors erreicht werden.

Um die größtmögliche Wirkung gegen die Tumorzellen zu erzielen und um Nebenwirkungen zu reduzieren, werden häufig Kombinationen verschiedenartig wirkender Zytostatika eingesetzt. Die Behandlung erfolgt in mehreren Behandlungszyklen, die sich über mehrere Wochen hinziehen. Zwischen den einzelnen Zyklen liegen längere Erholungspausen, in denen der Patient sich wieder von den Nebenwirkungen erholen kann. Die Therapiezyklen werden meist drei- bis sechsmal wiederholt. Wie viele Zyklen im jeweiligen Fall notwendig sind, hängt vor allem davon ab, wie die Behandlung vertragen wird und wie sie sich auf den Tumor auswirkt.

Durch die Behandlung mit Zytostatika wird auch normales Gewebe, das sich relativ rasch erneuert, in Mitleidenschaft gezogen. Davon betroffen sind in erster Linie die Schleimhäute von Magen und Darm, das blutbildende System im Knochenmark und die Haarwurzeln. Mögliche Begleiterscheinungen der Chemotherapie sind daher Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, Haarausfall, eine erhöhte Infektanfälligkeit und Blutungsneigung. Die Nebenwirkungen lassen sich zum Teil durch Begleitmaßnahmen bzw. Medikamente abfangen oder lindern. Die meisten Nebenwirkungen der Chemotherapie verschwinden, wenn keine Zytostatika mehr verabreicht werden.

Ob der Nutzen der Chemotherapie oder die unerwünschten Wirkungen bei einem Patienten überwiegen, ist vor Behandlungsbeginn nicht abzuschätzen. Daher wird der Arzt vor der Behandlung genau erläutern, was von der Therapie zu erwarten ist und welche unerwünschten Nebenwirkungen auf den Patienten zukommen könnten. In einem ersten Therapieschritt kann erprobt werden, ob die Behandlung den Körper stark beeinträchtigt oder ob sich das Befinden verbessert.

Strahlentherapie
Die Wirkung der Strahlentherapie beruht darauf, dass sie Krebszellen vernichtet. Die Bestrahlung sollte bei Krebserkrankungen der Harnblase in Kombination mit einer Chemotherapie (Radiochemotherapie) zum Einsatz kommen.

Die Strahlentherapie erfolgt von außen durch den Körper. Durch die unmittelbare Nähe der Harnblase zum Enddarm, kann es durch die Strahlentherapie in diesem Bereich zu Nebenwirkungen kommen. Trotz sorgfältiger Therapieplanung und -durchführung muss während der Strahlenbehandlung mit unerwünschten Begleiterscheinungen gerechnet werden. Diese können entweder unmittelbar während der Therapie auftreten (z.B. Durchfall, Übelkeit, Blutabgang über den Enddarm) oder sich erst Wochen oder Monate nach der Behandlung bemerkbar machen. Meist hören die Nebenwirkungen im weiteren Verlauf wieder auf oder lassen deutlich nach.

 

(red)


Quellen:
[1] R. Andreesen, A. Böhle, C. Bokemeyer et al.: Harnblasenkarzinom, in: Kurzgefasste interdisziplinäre Leitlinien, Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.), W. Zuckschwerdt Verlag 2008 
[2] H.-J. Schmoll. K. Höffken, K. Possinger (Hrsg.): Kompendium Internistische Onkologie, Springer Verlag 2006

Fachliche Beratung:
Prof. Carsten Ohlmann
Klinik für Urologie und Kinderurologie Universitätsklinikum des Saarlandes

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 18.01.2017

Weitere Basisinformationen zum Blasenkrebs:

Aktualisiert am: 25.05.2017 17:35