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Alleine mit der Diagnose Krebs

Quelle: © Chlorophylle - Fotolia
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Die Diagnose Krebs ist meist ein Schock, schließlich verändert sich in einem Moment das gesamte Leben. In einer solchen Situation reagieren die Betroffenen auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Während ein Patient noch versucht zu verstehen, was der Arzt ihm soeben mitgeteilt hat, informiert sich ein weiterer Betroffener schon über Kliniken und Therapiemöglichkeiten. Es gibt keinen richtigen oder falschen Umgang mit einer Krebsdiagnose und leider auch kein Patentrezept. Die Auseinandersetzung mit der Erkrankung erfolgt ganz individuell. Ohne Hilfe kann jedoch niemand die Diagnose, die Therapie sowie die vielfältigen Folgen einer Krebserkrankung bewältigen. Deshalb ist ein Netzwerk aus verschiedenen unterstützenden Anlaufstellen unerlässlich.

Neben sozialer und medizinischer Beratung gibt es Unterstützung bei der Suche nach der passenden Klinik und Selbsthilfegruppen bieten den Austausch mit anderen Betroffenen an [1]. Dennoch entwickeln die meisten Krebspatienten aufgrund ihrer Erkrankung psychische Veränderungen. Wer einen kranken Körper hat, vergisst leicht, dass auch die Seele manchmal Hilfe braucht. Eine Krebserkrankung ist ein einschneidendes Lebensereignis, häufig verbunden mit dem Kontrollverlust über den eigenen Körper. Es scheint, als ob man selbst nicht mehr das eigene Leben kontrolliert, sondern der Krebs. Einige Betroffene ziehen sich zurück und erfahren Gefühle wie Ohnmacht, Wut, Angst und Verzweiflung bis hin zu Depressionen und Angststörungen [2].
Jeder Mensch mit Krebs empfindet anders und nimmt seine Krankheit anders wahr. Deshalb ist es wichtig, wahrzunehmen, welche individuellen Bedürfnisse man selbst hat, in welchen Bereichen man Unterstützung benötigt und welche Hilfe nicht nur der Patient, sondern auch der Mensch hinter der Krankheit benötigt. Eine individuelle Beratung und Therapie bietet die Psychoonkologie.


Psychoonkologie – was ist das eigentlich?

Etwa ein Drittel der Krebserkrankten haben starke Ängste und seelische Probleme [2,3]. [2]. Um den Patienten individuelle Unterstützung im Umgang mit den Folgen einer Krebserkrankung zu bieten, arbeiten in psychoonkologischen Teams neben Ärzten und Psychologen auch Sozialarbeiter und Sozialpädagogen sowie Physiotherapeuten eng zusammen [2].
Das Ziel ist es Patienten und Angehörige zu unterstützen neben den körperlichen auch die seelischen Belastungen einer Krebserkrankung zu verarbeiten sowie ihnen im Umgang mit den Begleit- und Folgeerscheinungen, die durch Diagnostik und Therapie entstehen, zu helfen [2,3].


Wie kann Psychoonkologie helfen?

Wie die Psychoonkologie einen Patienten mit ihrem vielfältigen Angebot unterstützen kann, hängt von der Stärke der seelischen Belastung des jeweiligen Patienten ab. Es ist wichtig, dass das Behandlungsteam gemeinsam mit dem Betroffenen bespricht, welche Bedürfnisse er oder sie hat und dann festlegt, welche Unterstützung oder Therapie am sinnvollsten ist.
Probleme, die Krebspatienten belasten, können psychisch sein und Furcht, Sorgen, Grübeln, Ängste vor dem Fortschreiten der Erkrankung, Verzweiflung, Trauer sowie Depressivität beinhalten. Zudem treten bei Betroffenen existenzielle Probleme auf, zu denen die Angst vor Tod und dem Sterben sowie die Suche nach dem Sinn gehören. Auch soziale Probleme wie Einsamkeit, Isolation, soziale Ausgrenzung, finanzielle Belastungen und Probleme am Arbeitsplatz können auftreten [3].
Bei Patienten, die für ihre Situation passende psychoonkologische Angebote wahrgenommen haben, konnten Ängste und Depressionen reduziert und eine Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden [4].

Unterstützende Angebote der Psychoonkologie

Quelle: © Fiedels - fotolia.com
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Entspannungsverfahren
Krebspatienten leiden häufig unter innerer Anspannung und Unruhe. Entspannungsverfahren und imaginative Methoden helfen Anspannungen zu lösen und Ruhe zu finden. Studien belegen, dass Entspannungsverfahren, die begleitend zu einer Chemotherapie erlernt wurden, Übelkeit und Ängste reduzierten [2]. Eine Methode der Entspannung ist die progressive Muskelentspannung bei der einzelne Muskelgruppen nacheinander angespannt und wieder gelöst werden. Auf diese Weise kann man den Körper lockern und tiefere Verspannungen lösen [2]. 

Bei imaginativen Methoden stellt sich der Betroffene unter Anleitung positive Bilder vor oder geht auf eine Phantasiereise. Durch die angenehmen Empfindungen kommen Körper und Geist zur Ruhe. Angst und Anspannung weichen der Entspannung.

Psychosoziale Beratung und Patientenedukation
Patientenedukation und psychosoziale Beratung dienen vor allem dazu, Patienten über ihre Krankheit aufzuklären und sie mit wichtigen Informationen rund um ihre Situation zu versorgen. Das bedeutet, dass Betroffene in sogenannten Patientenseminaren über Untersuchungs- und Behandlungsmethoden aufgeklärt werden. Dort lernen sie, wie sie ihre Gesundheit selber verbessern können, wie sie mit Ihrer Erkrankung und deren Folgen umgehen und wo es passende Hilfsangebote für sie gibt. Das Erlernen von Entspannungsverfahren kann ebenfalls Teil eines solchen Seminars sein. Meist werden Patientenseminare in Rehakliniken oder in der ambulanten Nachsorge angeboten [2].
Im Rahmen einer psychosozialen Beratung, zum Beispiel durch eine Krebsberatungsstelle, erhalten Betroffene Informationen zu ihrer Krankheit, Hilfe bei sozialen oder sozialrechtlichen Fragen und Unterstützung bei der Bewältigung von seelischen Problemen. Zudem verfügen Beratungsstellen über eine Vielzahl von Hinweisen auf weitere regionale Angebote und Adressen von Anlaufstellen, die Betroffene aufsuchen können.

Psychotherapie
Die Psychotherapie besteht aus Gesprächen, in denen der Therapeut auf die seelischen Belastungen der Betroffenen einwirkt. Diese Gespräche finden als Einzel- Gruppen- oder Paartherapie statt. Es ist wichtig, dass solche Therapien Angehörige und Partner immer mit einbeziehen [2].
In der Verhaltenstherapie lernen Patienten, dass bestimmte Verhaltensmuster erlernt und wieder verlernt werden können. Der Psychotherapeut erbarbeitet mit dem Betroffenen, welche seiner Verhaltensweisen beeinträchtigend sind. Zusammen werden neue alternative Handlungs- und Denkweisen entwickelt. So lernen Betroffene ihre Krankheit durch alternative Handlungsweisen und Denkmuster besser zu bewältigen [2].
Das Ziel psychoanalytischer Verfahren ist, mithilfe des Therapeuten unbewusste Konflikte zu erkennen und zu verarbeiten. Hierbei unterstützt der Therapeut den Betroffenen durch aktives Zuhören und hilft bisher unbekannte Zusammenhänge zu verstehen und aufzuarbeiten[2].

Künstlerische Therapien
Neben der Patientenedukation und der Psychotherapie gibt es vor allem im Bereich der palliativen Medizin die künstlerischen Therapien. Dieser Ansatz eröffnet den Betroffenen die Möglichkeit, Erlebtes auf ganz eigene Art und Weise zu verarbeiten. Im Rahmen der künstlerischen Therapien werden Kunsttherapien, Musiktherapien und Tanz-und Bewegungstherapien angeboten.

Selbsthilfe – der Austausch mit Betroffenen

Wer mit der Diagnose Krebs konfrontiert ist, fühlt sich oft einsam und isoliert. In einer solchen Situation ist es für Krebserkrankte hilfreich, sich mit Betroffenen auszutauschen. Je nach Art der Erkrankung gibt es verschiedene Selbsthilfe-Organisationen, die Gruppentreffen, Ausflüge und andere Begegnungsmöglichkeiten anbieten.
Leider ist es für junge Krebspatienten meist schwierig gleichgesinnte, gleichaltrige Menschen zu finden. Deshalb tauschen sich viele von ihnen über das Internet aus. Oft geschieht das in Internetforen oder in Form eines Blogs (Internet-Tagebuch), in dem meist sehr offen über die Krankheit gesprochen wird. Frust, Sorgen und Ängste werden sich von der Seele geschrieben und die Leser können über die Kommentarfunktion Zuspruch geben. Dieser Trost macht Mut und vermittelt das Gefühl, nicht alleine zu sein. Außerdem haben andere Betroffene vielleicht schon Ähnliches erlebt und können dem Schreiber hilfreiche Tipps für seine Situation geben.
Einer dieser Blogger ist Benjamin Wollmershäuser, der im Alter von zwanzig Jahren die Diagnose Darmkrebs erhielt. Im Interview berichtet er über seine Erfahrungen mit der Krankheit und wie das Schreiben seines Blogs „Cancelling Cancer – Kein Weg zu weit“ ihm dabei geholfen hat, sich der schwierigen Auseinandersetzung mit seiner Krankheit zu stellen. Im Gespräch erzählt er, dass es für ihn persönlich wichtig ist, offen mit seiner Krankheit umzugehen, um anderen Hoffnung zu geben.

 

Benjamin Wollmershäuser
Quelle: © pr Benjamin Wollmershäuser

Im Gespräch: Benjamin Wollmershäuser
Er schreibt den Blog Cancelling Cancer - Kein Weg zu weit

 

Wo finde ich welche Angebote?

Quelle: © agcreativelab - Fotolia.com
Quelle: © agcreativelab - Fotolia.com

Wer sich entschieden hat Hilfe in Anspruch zu nehmen, findet ein großes Netzwerk an unterstützenden und beratenden Angeboten. In vielen Kliniken gibt es einen psychologischen Dienst. Alle von der DKG zertifizierten Kliniken sind verpflichtet, einen stationären psychoonkologischen Dienst anzubieten. Solche Dienste können im Krankenhaus als erste Anlaufstelle dienen. Psychologische Dienste im Krankenhaus helfen auch bei sozialen Fragen und können Patienten und auch Angehörige an regionale Dienste oder Landeskrebsgesellschaften weitervermitteln. Betroffene, die selber nach regionalen psychoonkologischen Angeboten suchen, können dies mit Hilfe von Oncomap tun - einer durch die DKG bereitgestellte Suchmaschine. Oncomap ist ein Suchdienst für Kliniken, psychoonkologische Dienste, Selbsthilfegruppen und soziale Dienste. Regionale und bundesweite Selbsthilfegruppen für verschiedene Krebsarten kann man auf www.nakos.de finden. Zudem bietet auch der Krebsinformationsdienst Informationen zu psychoonkologischen Angeboten an.

 

Fachberatung: Prof. Anja Mehnert, Universität Leipzig

(vm)

 

Interview zum Thema mit Prof. Mehnert

Prof. Anja Mehnert
Quelle: © pr Prof. Mehnert

 

Quellen:

[1] IBlatt Psychoonkologie, Krebsinformationsdienst https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-psychoonkologie.pdf, zuletzt abgerufen am 24.08.2016

[2] S3 Leitlinie Psychoonkologie, Leitlinien-Programm Onkologie, Februar 2016

[3] A. Mehnert, U. Koch, Krankheits- und behandlungsübergreifende psychosoziale Belastungen und Behandlungsbedarf, Handbuch Psychonkologie, 2016

[4] H. Faller et. Al., Effects of Psycho-Oncologic Interventions on Emotional Distress and Quality of Life in Adult Patients with Cancer: Systematic Review und Meta-Analysis, Journal of Clinical Oncology http://jco.ascopubs.org/cgi/doi/10.1200/JCO.2011.40.8922

 

Service und Link-Tipps:

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 01.09.2016

Aktualisiert am: 23.10.2017 10:08