Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Sonnenschutz – Was hilft wirklich?

Älteres Paar
Quelle: © Robert Kneschke - fotolia.com

Wie wichtig das Thema Sonnenschutz und die passenden Präventionsmaßnahmen sind, ist inzwischen allgemein bekannt. Die ultraviolette Strahlung der Sonne beschleunigt nicht nur die Hautalterung, sondern kann auch die Erbsubstanz von Hautzellen so verändern, sodass noch nach Jahrzehnten Hautkrebs entsteht. Doch ist es mit etwas Sonnencreme auf den exponierten Hautstellen getan? Reicht es, einfach in den Schatten auszuweichen? Es hält sich der ein oder andere hartnäckige Irrglaube rund ums Thema Sonnenschutz. Erfahren Sie hier, was wirklich hilft.

Gängige Fehlinformationen

Zuallererst sei einmal gesagt, dass nicht nur bei wolkenfreiem Himmel die Gefahr besteht sich intensiver Sonnenstrahlung auszusetzen. Doch genau das glauben viele: Bei einer 12-tägigen Vergnügungsveranstaltung in Minnesota wurde das Verhalten der Besucher gegenüber aufgestellten Sonnencremespendern beobachtet. An bewölkten Tagen wähnten sie sich in Sicherheit und nutzten die Spender deutlich weniger als an wolkenfreien Tagen. Der UV-Index war jedoch kaum niedriger.  

Ebenfalls vom Tisch ist die Diskussion, das Benutzen von Sonnenschutzmitteln erhöhe gar das Hautkrebsrisiko, da sich die Nutzer dadurch deutlich mehr im Freien aufhielten. Zwar wurde in Studien festgestellt, dass Sonnencremebenutzer häufiger Hautkrebs bekommen. Das liegt aber vor allem daran, dass sie sich öfter und stärker der Sonne aussetzen als Menschen, die keine Sonnencreme benutzen. Die Verwendung von Sonnenschutzmittel sollte deshalb nie  zu einem leichtfertigen Umgang mit der Sonne führen. Sonnencreme schützt vor UV-Strahlung beugt damit der Entstehung von Hautkrebs vor. Ein kompletter, unbegrenzter UV-Schutz ist damit aber nicht möglich.

Konsequenterweise mit einem guten Sonnenschutz einher geht das Absinken des Vitamin-D-Spiegels. Da die Vitamin-D-Synthese durch ultraviolette Strahlung des Wellenlängenbereichs von 280-315 Nanometern angekurbelt wird und Sonnenschutzprodukte genau dieser vorzubeugen versucht, ist die Reduktion von Vitamin D eine logische Folge. Produkte, die eine barrierefreie Vitamin-D-Produktion trotz sicherem Lichtschutz versprechen, sind nicht vertrauenswürdig!

Textiler Sonnenschutz

Sonne
Quelle: © Polarpx - fotolia.com

Auch der textile Sonnenschutz hat sich bewährt. Je dunkler und dichter gewebt ein Stoff ist, desto höher ist der Schutz vor der Sonne. Baumwolle schützt leider nicht so gut wie synthetische Fasern und auch nasse Kleidung erzielt nicht denselben Effekt wie trockene. Besonders sorgsam sollten Stirn, Augen, Wangen und Nacken geschützt werden. Zum Schutz der Augen empfiehlt sich das Tragen einer Sonnenbrille. Beim Kauf sollten Sie unbedingt auf das Gütesiegel ‚UV-400‘ achten. Die Brille sollte so nah wie möglich am Gesicht liegen und nicht nur in der Mittagszeit getragen werden. Dass die Sonnenstrahlen in den Morgen- und Abendstunden parallel zu den Augen einfallen und somit ebenfalls gefährdend sein können wird häufig vernachlässigt. Generell empfiehlt es sich die Mittagssonne zwischen 11 und 16 Uhr zu meiden.

Sonnenschutzcremes

Das wohl wichtigste Mittel gegen den Sonnenschutz stellt die Sonnencreme dar. Häufig wird diese jedoch zu dünn aufgetragen, die als optimal geltende Menge 2 mg/cm² wird fast nie erreicht. Auch halten viele Cremes nicht ein, was sie versprechen – das Prädikat ‚wasserfest‘ berücksichtigt beispielsweise nicht, dass in etwa nur 20% der Creme das Abtrocknen übersteht. Denken Sie außerdem daran, das Sonnenschutzmittel mindestens 30 Minuten vor dem Sonnenbad aufzutragen. Nur so kann es seine Schutzfunktion voll entfalten. Der auf der Packung angegebene Lichtschutzfaktor gibt an, um welchen Faktor die Creme die Sonnenbrandschwelle im Vergleich zu ungeschützter Haut erhöht. Daran kann gemessen werden, wann es Zeit ist sich erneut einzucremen.

Sonnenschutzcremes können physikalische oder chemische Filter enthalten. Physikalische Filter wirken mithilfe von mineralischen Pigmenten, welche die UV-Strahlung durch Streuung und Reflexion abschwächen. Sie dringen nicht in die Haut ein und sind daher gut verträglich. Chemische Filter dagegen wandeln durch Absorption der Strahlung kurzwellige, energiereiche UV-Strahlung in langwellige, energiearme Strahlung um. Moderne Lichtschutzmittel enthalten fast immer mehrere chemische Filter sowie einen physikalischen UV-Filter und decken idealerweise sowohl das UV-A- als auch das UV-B-Spektrum ab.

DNA-Reparatursysteme

Eine nicht mehr ganz neue Entwicklung zum Lichtschutz ist der Einsatz von DNA-Reparaturenzymen. Diese werden in die Epidermis eingebracht und können das Immunsystem bei der Beseitigung der durch UV-Strahlung verursachten DNS-Schäden unterstützen. Die medizinische Weiterentwicklung dieser Enzyme wurde aus Kostengründen eingestellt, stattdessen wurden sie für den Kosmetikmarkt freigegeben. Fast jede Sonnencreme wirbt damit, Reparaturenzyme zu enthalten – allerdings häufig ohne die tatsächliche Wirkung zu entfalten. Problematisch ist nämlich, dass anders als beim Medikament kein Wirkungsnachweis erbracht werden muss, wenn es um Sonnenschutzcremes geht.

Sonnenschutz durch die passende Ernährung?

Obst und Gemüse
Quelle: © Tomo Jesenicnik - fotolia.com

Häufig thematisiert werden momentan Pflanzenextrakte, die bei regelmäßigem Konsum ebenfalls eine photoprotektive Wirkung entfalten. Dazu gehören die Polyphenolen Tee, Apfelbeeren, Weintrauben und Rotwein. Aber auch Karotinoide wie sie z. B. in rot gefärbtem Obst und Gemüse sowie Brokkoli und Spinat enthalten sind, können den Lichtschutzfaktor erhöhen. Bei konsequenter Einnahme kann ein Lichtschutzfaktor von maximal 4 erreicht werden – was an den meisten Sonnentagen nicht ausreicht. Als alleiniger Schutz empfiehlt sich die Einnahme von Pflanzenextrakten nicht.

Sonnenschutz bei Kindern

Die Haut von Kindern ist weitaus empfindlicher als die von Erwachsenen. Für Kinder unter einem Jahr ist direkte Sonneneinstrahlung deshalb tabu. Aber auch danach sollten sie nicht unnötig belastender Sonnenstrahlung ausgesetzt werden. Die einfachsten Schutzmaßnahmen sind am wirksamsten: Sonnengerechte Kleidung und Schatten.
Schützen Sie auch ältere Kinder mit kindgerechten Sonnenschutzmitteln mit einem Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 15. Am besten eignen sich Cremes und Lotionen. Sie trocknen die Kinderhaut weniger aus als Gele oder alkoholhaltige Produkte.

(jk)

 

Quellen:

[1] Schwarz, Thomas: Neueste Erkenntnisse zu Photoprotektoren. In: Hautnah dermatologie. Springer Medizin. Ausgabe 34/2018.

[2] Berneburg, Mark; Wilm, Anna: Sonnenschutz. N: ästhetische dermatologie. Springer Medizin. Ausgabe 4/2016.

[3] Starostzik, Christine: Wie wirksam ist „grüner“ Sonnenschutz? In: Aktuelle Medizin Magazin. Springer mdizin. Ausgabe 9/2016.

[4] Bublak, Robert: Schlucken statt cremen: Karotinoide schützen vor UV-Strahlung. In: hautnah dermatologie. Springer Medizin. Ausgabe 33/2017.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 07.03.2018

Mehr zum Thema Hautkrebs:

Themen:

Aktualisiert am: 16.12.2018 19:40