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Krebserregende Stoffe im Alltag

Eine Vielzahl von Substanzen kann in höheren Dosen Krebs auslösen oder begünstigen. Sie werden als „Karzinogene“ bezeichnet, was gleichbedeutend mit „Kanzerogenen“ ist. Eine ganze Reihe dieser Substanzen konnten mittlerweile identifiziert und näher bestimmt werden.

Toxic, Quelle: © Sergio Hayashi - fotolia.com
Quelle: © Sergio Hayashi - fotolia.com

Maßgeblich für die Einstufung als krebserregend beim Menschen sind die Klassifikation der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research on Cancer, IARC) sowie der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), wobei die DFG ihre Ergebnisse jährlich als Liste der Maximalen Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK) und Liste der Biologischen Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT) veröffentlicht.* Die IARC teilt die Substanzen in Gruppen ein, die DFG in Kategorien – wobei die erste Gruppe bzw. Kategorie jeweils die Stoffe enthält, die erwiesenermaßen beim Menschen Krebs erzeugen oder die auf Grund von Tierversuchen als krebserregend anzusehen sind und bei denen davon auszugehen ist, dass sie einen Beitrag zum Krebsrisiko leisten. [1, 2]

Allerdings sagt die Einstufung in Gruppe 1 nichts über das tatsächliche Krebsrisiko aus, das mit den Substanzen verbunden ist. Die Einordnung bedeutet nur, dass es stichhaltige Belege dafür gibt, dass sie Krebs verursachen können. Die Stoffe einer Gruppe sind deshalb nicht alle gleich gefährlich. Wir stellen im Folgenden die wichtigsten bzw. bekanntesten krebsauslösenden Substanzen (alle aus der ersten Gruppe bzw. Kategorie) im Überblick vor:

Krebsauslösende Substanzen im Überblick

Aflatoxine
Aflatoxine sind Pilzgifte, die in bestimmten Schimmelpilzarten vorkommen. Sie schädigen die Leber und können bereits bei geringer, aber regelmäßiger Aufnahme das Risiko, an Leberkrebs zu erkranken, stark erhöhen. [3]

Erstmals nachgewiesen wurden Aflatoxine im Schimmelpilz Aspergillus flavus, der in Erde, verrottender Vegetation sowie Heu und Getreide vorkommt. Er kann aber auch in Lebensmitteln wie Erdnüssen, Mohn, Trockenfrüchten und Gewürzen enthalten sein, wenn die Produkte falsch gelagert werden.

alkoholische Getränke, Quelle: © BG - fotolia.com
Quelle: © BG - fotolia.com

Alkoholische Getränke
Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, wobei in der Regel eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung besteht: Je mehr Alkohol getrunken wird, desto höher ist das Erkrankungsrisiko. Klare Hinweise auf ein erhöhtes Krebsrisiko durch Alkoholkonsum gibt es zum Beispiel für Kopf-Hals-Tumoren, Brustkrebs und Darmkrebs. [4] Mehr zum Thema Alkoholkonsum und Krebserkrankungen finden Sie auf dieser Seite: http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/alkohol-und-krebserkrankungen.html

 

Asbest
Asbestfasern sind für etwa 80 Prozent der berufsbedingten Krebserkrankungen verantwortlich. Hierzu gehören das Mesotheliom - eine ansonsten eher seltene Krebsform des Rippen- und Bauchfells - sowie Lungenkrebs, Kehlkopfkrebs und sehr wahrscheinlich Eierstockkrebs. [5, 6]

Asbest ist ein Sammelbegriff für verschiedene faserförmige Mineralien. Sie sind feuerfest und eignen sich gut für Dämm- und Isoliermaterial. Entsprechend vielseitig wurde Asbest eingesetzt: in Brems- und Kupplungsbelägen, als Asbestzement in Gebäuden, in Dämmplatten und Fußbodenbelägen, zur Isolierung von Rohren, Heizungen, Elektrogeräten, in feuerfesten Geweben und vielem mehr.

Asbest ist beim Menschen krebserzeugend. Durch Verschleiß und bei der Bearbeitung spalten sich lange dünne  Fasern ab, die über die Atmung in die Lunge gelangen.

Da Import und Verwendung von Asbest inzwischen verboten sind, geht heute eine Gefährdung theoretisch besonders von Abbruch- und Sanierungsarbeiten aus. Wichtig sind dabei folglich besondere Schutzmaßnahmen sowie eine fachgerechte Entsorgung der Asbestprodukte. Entsprechende Arbeiten im eigenen Haushalt sollte man Spezialfirmen überlassen. „Leider wird, obwohl man das krebserzeugende Potenzial von Asbestfasern seit vielen Jahrzehnten kennt, Asbest immer noch in vielen Schwellenländern der Welt als Baustoff eingesetzt“, erläutert Prof. Dennis Nowak vom Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin der Universität München. Ein weltweites Asbestverbot hält er deshalb dringend für erforderlich. „Der Lobbyismus der Asbestindustrie arbeitet dagegen; damit werden Zehntausende von Toten riskiert – unverantwortlich“, sagt Nowak.

Zigarettenrauch; Quelle: © Leonid Nyshko - fotolia.com
Quelle: © Leonid Nyshko - fotolia.com

Benzol/Diesel
Benzol kann Leukämien und Non-Hodgkin-Lymphome verursachen. [5, 6] Es wird aus Kohle oder Erdöl gewonnen. Das kleine, ringförmige Molekül - der einfachste aromatische Kohlenwasserstoff - ist ein wichtiger Rohstoff in der chemischen Industrie. Deshalb waren Arbeiter in einigen Branchen diesem Gefahrstoff besonders ausgesetzt.

Außerdem wird Benzol Motorkraftstoffen beigemischt und gelangt mit Kfz-Abgasen in die Luft. Auch Zigarettenrauch enthält Benzol.

Alle Motorabgase enthalten eine Vielzahl gas- und teilchenförmiger Substanzen, u. a. auch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Für die krebserregende Wirkung sind wahrscheinlich nicht die PAK, sondern die winzigen Rußteilchen in den Dieselabgasen ausschlaggebend. [7] Diese können beim Einatmen in die Lunge gelangen und dort Krebs verursachen. Bei den Abgasen von alten bzw. ungefilterten Dieselmotoren ist der Anteil von Festpartikeln (Ruß) größer als bei anderen Motoren.

Da Dieselruß hauptsächlich in Abgasen von Kraftfahrzeugen vorkommt, sind ihm vor allem Menschen mit entsprechenden Berufen und in Ballungsgebieten ausgesetzt.

Geschlechtshormone: Östrogene und Gestagene
Östrogene und Gestagene sind Bestandteile vieler hormoneller Verhütungsmittel und Hormontherapien gegen Wechseljahresbeschwerden. Die IARC stuft folgende Therapien bzw. Wirkstoffkombinationen als krebserregend (Gruppe 1) ein: [5]

  • Östrogentherapie in der Menopause (erhöhtes Risiko für Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs)
  • Östrogen-Gestagen-Therapie in der Menopause (erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterkrebs)
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen als orale Verhütungsmittel (erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs)

Allerdings weist die IARC auch darauf hin, dass es neben den negativen Effekten auch positive Wirkungen dieser Hormone gibt. So erhöhen z. B. Verhütungsmittel mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen zwar das Risiko, an Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, senken jedoch gleichzeitig das Risiko für Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs. Das persönliche Risiko hängt auch von der Dauer und Intensität der Einnahme der Medikamente ab. [8] Deshalb sollte jede Frau vor der Einnahme der Wirkstoffe bzw. Kombinationen Nutzen und Risiken abwägen und ggf. mit ihrem Arzt besprechen.

Grillfleisch; Quelle: © Dar1930 - fotolia.com
Quelle: © Dar1930 - fotolia.com

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe
Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) bilden eine Klasse organischer Substanzen, bestehend aus komplexen Gemischen von mehreren hundert chemischen Verbindungen. Sie entstehen bei der (unvollständigen) Verbrennung organischer Materialien. PAK sind Bestandteil fossiler Brennstoffe - wie Kohle oder Mineralöl - und werden über Fahrzeug- und Industrieabgase freigesetzt. PAK finden sich allerdings auch in einer Vielzahl von Erzeugnissen wie Kunststoffen, Elastomer- oder Gummimaterialien, Lacken, Farben oder anderen Beschichtungen. Erhebliche Mengen sind auch in Zigarettenrauch enthalten. Sie können beispielsweise Lungen-, Kehlkopf-, Haut-, Magen- oder Darmkrebs auslösen. [9]

Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe entstehen auch bei der Zubereitung von Fleisch oder Wurst, etwa beim Grillen, Rösten, Braten, Backen und Trocknen im direkten Kontakt mit offener Flamme oder Rauchgasen. Beim Grillen geschieht dies vor allem dann, wenn Fett, Fleischsaft oder Marinade in die Holzkohle tropfen und die Grillwurst oder das Kotelett dabei geräuchert werden. [10]

Da das IARC nach Auswertung von mehr als 800 Studien unter anderem einen Zusammenhang zwischen dem Konsum von verarbeitetem Fleisch und der Entstehung von Darmkrebs gefunden hat, hat sie diese Nahrungsmittel als krebserregend (Gruppe 1) eingestuft. [8] Unter verarbeitetem Fleisch versteht man Fleischprodukte, die beispielsweise zu Wurst verarbeitet wurden und/oder durch Pökeln, Räuchern oder auf andere Art haltbar oder geschmacklich verändert wurden. Das IARC weist dabei auch auf die krebsauslösende Wirkung polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe hin, macht aber darauf aufmerksam, dass die genauen Mechanismen der krebsauslösenden Wirkung wissenschaftlich noch nicht geklärt sind. [11].

Vier wichtige PAK sind Benzo(a)pyren, Benz(a)anthracen, Benzo(b)fluoranthen und Chrysen. Bei Analysen wird oft nur der Gehalt von Benzpyren untersucht, dessen Anteil mit etwa zehn Prozent in einem PAK-Gemisch relativ hoch ist, weshalb Benzpyren auch als PAK- Leitsubstanz bezeichnet wird. Laut deutscher Fleischverordnung darf es eine Höchstmenge von einem Mikrogramm nicht überschreiten. Beim Grillen mit Holzkohle entsteht in der äußeren Schicht des Grillguts die zehnfache Menge an Benzpyren, beim Rösten über Holzfeuer sogar die 200-fache. [10]

Schwermetalle
Einige Schwermetalle sind als Spurenelemente in geringen Mengen lebenswichtig. In höherer Konzentration können einige giftig oder krebserregend sein. Schwermetalle werden in vielfältiger Weise industriell genutzt und gelangen so an den Arbeitsplatz und in die Umwelt. Cadmium, Chrom (in seiner sechswertigen Form), Nickel und das Halbmetall Arsen bzw. Verbindungen dieser Elemente sind nach Einstufungen der IARC und der MAK-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft entweder erwiesenermaßen krebserzeugend beim Menschen oder auf Grund von Tierversuchen als krebserzeugend anzusehen. [1, 2]

Arsen
Arsen wurde früher z. B. in Farben und Pestiziden verwendet. Heute wird es am Arbeitsplatz bei der Halbleiterherstellung freigesetzt. Arsenverbindungen in der Luft stammen vorwiegend aus Wärmekraftwerken. Im Wasser kann das Element auch natürlichen Ursprungs sein; so enthalten manche Mineralquellen hohe Arsenkonzentrationen. Dies kann Lungenkrebs und - seltener - Hautkrebs verursachen. [5, 6]

Cadmium
Cadmium verursacht vorwiegend Lungenkrebs. [5] In der Industrie tritt es vor allem in Form von Staub und Rauch auf, z. B. bei der Herstellung von Akkumulatoren, Legierungen und Farbpigmenten. Die wichtigste nicht-berufliche Cadmiumquelle ist Zigarettenrauch.

Chrom und Nickel
Chrom(VI) und Nickel verursachen vor allem Lungenkrebs und kommen hauptsächlich in der Metallindustrie vor. [12] So enthalten z. B. Rauche, die beim Schweißen entstehen, häufig diese beiden Elemente.

 

Risiken durch Gesetze und Vorschriften minimieren

Paragraphenzeichen; Quelle: © Thomas Jansa - fotolia.com
Quelle: © Thomas Jansa - fotolia.com

Manche Stoffe (z. B. Dioxine) sind durch technische und rechtliche Maßnahmen in der Umwelt stark reduziert worden. Andere wurden verboten wie chlorierter Kohlenwasserstoff PCP (Pentachlorphenol). Ebenfalls verboten sind die polychlorierten Biphenyle (PCB, als Weichmacher in Kunststoffen, als Zusatzstoff für Farben und Dichtungsmassen u.a. verwendet), die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen.

Andererseits sind mit Sicherheit noch nicht alle möglichen Risiken identifiziert. Wenn Experten beispielsweise erklären, dass Eichen- und Buchenholzstaub Tumoren der Nasen- und Nasennebenhöhlen verursachen können, so bedeutet das nicht, dass der Staub anderer Holzarten ungefährlich ist, sondern nur, dass keine ausreichenden Beweise gefunden wurden. Natürlich sind, wie bei vielen anderen Stoffen, vor allem diejenigen Menschen gefährdet, die durch ihren Beruf Tag für Tag mit den entsprechenden Gefahrstoffen umgehen.

Neben den hier aufgelisteten Stoffen gibt es viele weitere Substanzen sowie krebserregende Gase und Strahlen. Die kompletten Listen der IARC finden Sie hier: http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/; die MAK- und BAT-Werte-Liste ist hier einsehbar:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/9783527694983.ch3/pdf

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* Da auf MAK- und BAT-Werte-Liste nur Arbeitsstoffe aufgeführt sind, sind die beiden Listen zwangsweise nicht identisch.

 

(red/kvk/pin)

 

Fachberatung:

Prof. Dr. med. Dennis Nowak, Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin, WHO Collaborating Centre for Occupational Health, Klinikum der Universität München http://www.klinikum.uni-muenchen.de/Institut-und-Poliklinik-fuer-Arbeits-Sozial-und-Umweltmedizin/de/ueber_uns/Mitarbeiter/nowak/index.html

 

Quellen:

[1] Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG): MAK- und BAT-Werte-Liste 2015. http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/9783527694983.ch3/pdf

[2] IARC: Monographs on the Evaluation of Carcinogenic Risk in Humans: http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/

[3] Aflatoxin. http://flexikon.doccheck.com/de/Aflatoxin

[4] Baan et al., Carcinogenicity of alcoholic beverages, The Lancet Oncology, Volume 8, No. 4, p292–293, April 2007

[5] IARC: List of Classifications by cancer sites with sufficient or limited evidence in humans, Volumes 1 to 114: http://monographs.iarc.fr/ENG/Classification/Table4.pdf

[6] Petersen, Erik: Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC): Krebs ist zu großen Teilen eine Umwelterkrankung und vermeidbar. In:umwelt·medizin·gesellschaft. 28, Nr. 1, 2015, S. 7–9 , http://www.umg-verlag.de/umwelt-medizin-gesellschaft/115pet.pdf

[7] IARC: Diesel Engine Exhaust Carconogenic, http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2012/pdfs/pr213_E.pdf

[8] IARC Monographs Programme Finds Combined Estrogen-Progestogen Contraceptives and Menopausal Therapy are Carcinogenic to Humans, Press Release 165, 29. Juli 2005, http://www.iarc.fr/en/media-centre/pr/2005/pr167.html

[9] . Umweltbundesamt: Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe - Umweltschädlich! Giftig! Unvermeidbar? https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4372.pdf

[10] ONKO-Internetportal: Beim Grillen nichts verkohlen lassen. http://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-ernaehrung/beim-grillen-nich.html

[11] IARC: Q&A on the carcinogenicity of the consumption of red meat and processed meat, http://www.iarc.fr/en/media-centre/iarcnews/pdf/Monographs-Q&A_Vol114.pdf

[12] Nowak, D, Huber, R.:. Lungenkrebs durch Arbeitseinflüsse (außer Asbest). Pneumologe 2015, 12:317–324]

 

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Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.11.2015

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Aktualisiert am: 28.04.2017 17:54