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Bewusst leben – Krebs vorbeugen

Kann man durch einen gesunden Lebensstil das Krebsrisiko senken?

Eine Frage, die klar mit Ja zu beantworten ist! Ziel von Präventionsmaßnahmen ist es, Krebs zu verhindern, bevor er überhaupt entstehen kann. Im Folgenden haben wir die Lebensstil-Faktoren bei der Krebsentstehung für Sie zusammengefasst und geben Tipps, was Sie selbst tun können, um Krebs vorzubeugen.

Der eigene Lebensstil spielt eine große Rolle

Sportler-Paar
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Experten sind sich mittlerweile einig, dass ein angemessener Lebensstil das Risiko, an Krebs zu erkranken, wesentlich reduzieren kann. Ein Patentrezept für ein Leben ohne Krebs gibt es nicht, aber allein durch eine Änderung der derzeit gängigen Ernährungsgewohnheiten könnte die Krebshäufigkeit vermutlich um 30 bis 40 Prozent gesenkt werden.

Risikofaktor Rauchen

Zuerst das Dringlichste: Die gesundheitlichen Auswirkungen des Rauchens sind enorm. Mindestens 50 chemische Bestandteile des komplexen Gemischs aus den Destillations- und Verbrennungsprodukten des Tabaks sind krebserregend und bewirken Schäden am Erbgut der Zellen, der DNA und den entsprechenden Reparatursystemen. Knapp ein Drittel aller Krebserkrankungen sowie ein Viertel bis knapp ein Drittel aller Todesfälle wegen Krebs gehen Hochrechnungen zufolge auf die Wirkung von Tabakrauch zurück. In den entwickelten Industrieländern stellt das Einatmen von Tabakrauch die häufigste Einzelursache für die Krebssterblichkeit dar. Raucher sterben doppelt so häufig an Krebs wie Nichtraucher.

Auch Passivraucher sind gefährdet: Es wird geschätzt, dass Personen, die z.B. am Arbeitsplatz oder im Privatleben passiv Zigarettenrauch ausgesetzt sind, ein 1,3-1,6-fach erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Verglichen mit häufigen Krankheiten wie Herzkreislauferkrankungen und Diabetes mellitus frisst das Rauchen die meiste Lebenszeit: Fast neuneinhalb Jahre leben Männer, die mehr als zehn Zigaretten pro Tag rauchen, im Durchschnitt weniger als Männer, die nicht rauchen; bei Frauen sind es siebeneinhalb Jahre. Immer noch fünf Jahre gehen verloren, wenn bis zu zehn Zigaretten pro Tag geraucht werden. Vom Glimmstängel sollten also unbedingt die Finger gelassen werden, denn seine Schädlichkeit steht außer Frage.

Alkohol

Alkoholgläser
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Zahlreiche Krebserkrankungen können durch regelmäßigen Alkoholkonsum begünstigt werden, zum Beispiel Krebs der Mundhöhle, der Speiseröhre, des Kehlkopfes, des Magens, der Leber und der Brust. So erhöht schwerer Alkoholkonsum (mindestens vier Drinks pro Tag) das Risiko für Mundhöhlen-, Rachen- und Speiseröhrenkrebs nachweislich um das Fünffache, das Risiko für Kehlkopfkrebs um das Zweieinhalbfache, das Risiko für Dick- und Enddarmkrebs sowie Brustkrebs um 50 Prozent und das Risiko für Bauchspeicheldrüsenkrebs um 30 Prozent. Die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. lautet: Nicht mehr als 10 Gramm Alkohol für Frauen und 20 Gramm Alkohol für Männer pro Tag. 10 Gramm Alkohol finden sich in einem „Drink“, zum Beispiel einem Glas Bier, Wein oder Schnaps.

Ernährung

Obst und Gemüse
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Neben dem Alkoholkonsum ist auch die weitere Ernährung ausschlaggebend für die Krebsprävention. Doch wie sieht so eine gesunde, präventive Ernährung denn eigentlich aus? Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat in Kooperation mit der Internationalen Krebsforschungsagentur einige Punkte festgehalten, die als Richtlinien angesehen werden können. Dazu gehört eine vielseitige Ernährung, vor allem mit pflanzlichen Lebensmitteln.

Empfohlen werden mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst am Tag. Brot, Nudeln, Reis und Mehl - am besten aus Vollkorn - und Kartoffeln enthalten reichlich Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Sie gehören unbedingt auf den ausgewogenen Speiseplan. Mit tierischen Produkten sollte dieser ergänzt werden. Gesundheitsfördernden Fetten wie Rapsöl ist der Vorzug zu geben, mit Salz und Zucker sollte in Maßen hantiert werden. Genügend Wasser zu trinken ist das A und O und in Punkto Zubereitung von Speisen gilt: Je schonender desto besser.

Giftstoffe vermeiden

Eine Vielzahl von Substanzen kann in höheren Dosen Krebs auslösen oder begünstigen. Sie werden als „Karzinogene“ bezeichnet, was gleichbedeutend mit „Kanzerogenen“ ist. Zu finden Sind sie in verdorbenen Nahrungsmitteln ebenso wie in giftigen Baustoffen oder Ausdünstungen aus dem Mobiliar. Oft ist der Umgang mit ihnen am Arbeitsplatz unumgänglich. Gesetzgeber, Arbeitgeber und Industrie sind deshalb in der Pflicht, über Risiken aufzuklären. Durch Grenzwerte und Vorsichtsmaßnahmen soll das Risiko so gering wie möglich gehalten werden.

Auch in der Freizeit, etwa am Heimwerkerarbeitsplatz, sollte die Belastung mit krebserregenden Stoffen so gering wie möglich sein. Unter anderem gehören  Schwermetalle, Arsen, Cadmium, Chrom, Nickel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Geschlechtshormone (beispielsweise in Hormonpräparaten) und auch Asbest und Diesel zu diesen krebserregenden Stoffen.

Sonnenschutz ist ein Muss

Sonnencreme-Sonne auf dem Rücken
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Zur Hautkrebsprävention ist vor allem Vorsicht bei Sonneneinstrahlung geboten. Ein Übermaß an UV-Strahlung kann in den Hautzellen zu Schädigungen des Erbgutes führen und auf diese Weise für die Krebsentstehung verantwortlich sein. Wer sich bei intensiver Sonneneinstrahlung länger im Freien aufhält, sollte die Haut nicht lange ungeschützt der Sonne aussetzen und Sonnenbrände unbedingt vermeiden. Verhaltensregeln für korrektes Sonnenbaden sind: Sonnencreme benutzen, alle empfindlichen Regionen besonders sorgfältig eincremen oder besser noch mit Kleidung bedecken. Und: Auf den Solariumsbesuch besser verzichten.

Neben der individuellen Verhaltensweise beeinflussen auch konstitutionelle Eigenschaften wie angeborene Muttermale und der Hauttyp das Hautkrebs-Risiko. Angeborene Muttermale bergen das Risiko der Entartung, sie sind insbesondere für das maligne Melanom ein Risikofaktor. Deshalb sollten in diesem Fall präventiv regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen durchgeführt werden.

Hormonpräperate

Östrogene und Gestagene sind Bestandteile vieler hormoneller Verhütungsmittel und Hormontherapien gegen Wechseljahresbeschwerden. Die IARC stuft folgende Therapien bzw. Wirkstoffkombinationen als krebserregend (Gruppe 1) ein:

  • Östrogentherapie in der Menopause (erhöhtes Risiko für Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs)
  • Östrogen-Gestagen-Therapie in der Menopause (erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterkrebs)
  • Östrogen-Gestagen-Kombinationen als orale Verhütungsmittel (erhöhtes Risiko für Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs)

 

Allerdings weist die IARC auch darauf hin, dass es neben den negativen Effekten auch positive Wirkungen dieser Hormone gibt. So erhöhen z. B. Verhütungsmittel mit Östrogen-Gestagen-Kombinationen zwar das Risiko, an Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, senken jedoch gleichzeitig das Risiko für Gebärmutterkrebs und Eierstockkrebs. Das persönliche Risiko hängt auch von der Dauer und Intensität der Einnahme der Medikamente ab. Deshalb sollte jede Frau vor der Einnahme der Wirkstoffe bzw. Kombinationen Nutzen und Risiken abwägen und ggf. mit ihrem Arzt besprechen.

Impfen gegen Krebs

Impfen
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Was bislang unerfüllter Wunschtraum bei den meisten Krebsarten war, ist im Falle des Gebärmutterhalskrebses zur Realität geworden: Dieser Krebsart kann durch Impfen vorgebeugt werden. Seit 2006 gibt es eine Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die Gebärmutterhalskrebs auslösen können. Sie war die erste Impfung gegen Krebs und wurde weltweit als Durchbruch in der Krebsprävention gefeiert. Geimpft werden sollte ab dem Alter von 9 Jahren, abgeschlossen sollte die Impfung spätestens bis zum vollendeten 18. Lebensjahr sein. Die derzeitigen Impfstoffe sind gut verträglich. Sie enthalten gentechnisch hergestellte „leere“ Virushüllen. Diese virusähnlichen Partikel täuschen dem Immunsystem ein echtes Virus nur vor. Da sie keinerlei virales Erbmaterial enthalten, kommt es weder zu einer Virusvermehrung noch zu einer Virusinfektion. Teilweise enthalten sie Inhaltsstoffe, die das Immunsystem anregen sollen.

Eine weitere Impfung, zu der im Zuge der Krebsprävention dringend geraten wird, ist die gegen Hepatitis B. Die chronische Hepatitis B ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Leberkrebs. Die Schutzimpfung gegen Hepatitis-B-Viren gehört in Deutschland mittlerweile zum Routine-Programm der Säuglings-Schutzimpfungen. Doch auch später ist eine Impfung jederzeit möglich. Auskunft darüber kann der Hausarzt geben.

Vorsorgeuntersuchungen können Lebensretter sein!

Neben den bereits genannten Dingen, die Sie selbst in die Hand nehmen können, ist auch die Bedeutung der Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen hervorzuheben Denn: Niemals zuvor war das medizinische Wissen über Krebserkrankungen so groß wie heute. Die Diagnose Krebs bedeutet längst nicht mehr automatisch das Todesurteil. Gerade wenn eine genetische Vorbelastung in der Familie besteht, sollte eine engmaschige Kontrolle des Gesundheitszustandes erfolgen.

Welche Krebsfrüherkennungsuntersuchungen für Frauen empfohlen werden, können Sie hier nachlesen:

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/krebsfrueherkennungsuntersuchungen-fuer-frauen.html

Hier finden Sie eine Übersicht aller Untersuchungen, die Männern im Rahmen der gesetzlichen Früherkennung angeboten werden:

https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/vorsorge-und-frueherkennung/krebsfrueherkennungsuntersuchungen-fuer-maenner.html

 

(jk)

Quellen:

[1] Pox, C.; Schmidberger, H.: Prävention in der Onkologie. In: Der Onkologe. Springer Medizin Verlag, April 2017.

[2] Jochem, Carmen; Leitzmann, Michael: Krebspräventionsmaßnahmen. Valide Empfehlungen zur Vermiderung des Krebsrisikos. In: FORUM. Springer Medizin Verlag, August 2017.

[3] Seifart, U.: Krebs und Lebensstil. Was hilft wirklich? In: Der Onkologe (Online-Publikation). Springer-Verlag Berlin Heidelberg. Januar 2016.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 20.02.2018

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Aktualisiert am: 18.07.2018 14:00