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Gesundes Körpergewicht halten

Übergewicht ist ein Krebsrisiko

3 Personen beim Spaziergang
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Im Körper angesammeltes Fettgewebe ruht nicht einfach nur – es ist im Gegenteil hormonell aktiv und führt zur vermehrten Ausschüttung von Insulin und Insulin-ähnlichem Wachstumsfaktor-I (IGF-I). Dadurch kann Krebs begünstigt werden. Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde für verschiedene Krebsarten bestätigt, z.B. für Krebs der Speiseröhre, des Dick- und Enddarms und der Nieren bei beiden Geschlechtern sowie für Krebs der Brust, der Gebärmutter, der Bauchspeicheldrüse und der Gallenblase bei Frauen. An der Entstehung aller Krebskrankheiten hat die Adipositas einen Anteil von schätzungsweise 16 Prozent.

Um ein erhöhtes Krebsrisiko feststellen zu können, werden derzeit vor allem zwei Parameter erhoben: Das Ausmaß von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit anhand des Body Mass Index (BMI) und die Fettverteilung anhand des Taillenumfangs.

Der Body-Mass-Index (BMI)

Der Body Mass Index, kurz BMI, berechnet sich mit folgender Formel:

 

Körpergewicht (in Kilogramm) 
-------------------------------------------
Körpergröße x Körpergröße (in Meter)



Ein Beispiel:

Eine Frau wiegt 69 Kilo und ist 1,70 Meter groß. 
 1,70 x 1,70 = 2,89. 
69 : 2,89 = 23,8.

Der BMI ist folgendermaßen einzuordnen:

Unter 18,5: Untergewicht

18,5–24,9: Normalgewicht

25–29,9: Übergewicht

30–34,9: Adipositas (Fettsucht) Grad I

35–39,9: Adipositas Grad II

≥ 40: Adipositas Grad III

Der Taillenumfang

Wie sich in der Vergangenheit herausstellte, spielt für das Krebsrisiko auch das Fettverteilungsmuster eine große Rolle. Ungünstig ist demnach vor allem Bauchfett, das mithilfe eines einfachen Maßes, des Taillenumfangs, abgeschätzt werden kann.

Als Richtmaße bezüglich des Taillenumfangs gelten:

≥ 80 cm bei Frauen bzw. ≥ 94 cm bei Männern: erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen

≥ 88 cm bei Frauen bzw. ≥ 102 cm bei Männern: Bauchfettsucht (abdominale Adipositas) mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgekrankheiten

Das Eingeweidefett

Zwei weitere Parameter, die für die Fettverteilung und das Krebsrisiko eine Rolle spielen, sind das direkt unter der Haut gelegene subkutane Fettgewebe und das viszerale (Eingeweide-) Fett, das die inneren Organe umhüllt. Viszerales Fett steht im Vergleich zum subkutanen Fett häufiger mit einer Insulinresistenz in Verbindung, die zur Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus Typ 2, führt. Eingeweidefett gibt zudem häufiger Botenstoffe ab, die mit Entzündungen in Verbindung stehen, wie Interleukine und Tumornekrosefaktor-alpha.

Für Darmkrebs hat sich gezeigt, dass je größer bei Studienteilnehmern die Menge an viszeralem Fett war, desto häufiger Adenome, also Vorstufen von Darmkrebs, auftraten. Dies, so die Interpretation der Studienautoren, erkläre womöglich den oft nachgewiesenen Zusammenhang zwischen BMI, Taillenumfang und dem Risiko für Darmkrebs und seine Vorstufen.

Wie groß die Menge an subkutanem und viszeralem Fett ist, kann durch die bildgebenden Verfahren Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) ermittelt werden. Da sich beide Verfahren für eine Routinediagnostik der Fettverteilung nicht eignen, wird nach wie vor auf den BMI und den Taillenumfang zurückgegriffen, um Personen mit hohem Risiko zu identifizieren. Bestimmen lässt sich zudem der viszerale Adipositas Index, der geschlechtsspezifisch auf Taillenumfang, BMI, Blutfettwerte (Triglyceride) und HDL-Cholesterin beruht.

(kvk)

Quellen:
 
Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prä̈vention und Therapie der Adipositas“. AWMF-Register: 050/001, Stand: April 2014

Keum, N. et al.: Visceral Adiposity and Colorectal Adenomas: Dose-Response Meta-Analysis of Observational Studies.

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 15.01.2015

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Aktualisiert am: 21.08.2017 17:03