Bitte beachten Sie, dass Texte, die älter als 2 Jahre sind, sich in der Überarbeitung befinden und gegebenenfalls nicht den aktuellen wissenschaftlichen Stand wiedergeben.

Angaben zum Autor, Fachberater und Erstelldatum finden Sie am Ende des Beitrages.

Übergewicht als Krebsrisiko - Gesundes Körpergewicht halten

3 Personen beim Spaziergang
Quelle: © Michael Jung - Fotolia.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen statistisch gesehen zu. Das Robert-Koch-Institut führt etwa 8,5% aller Krebsneuerkrankungen in Deutschland auf Übergewicht zurück. Dies sind mehr als 40 000 Fälle [1].

Die biologischen Ursachen

Im Körper angesammeltes Fettgewebe, besonders das Bauchfett, ruht nicht einfach nur – es ist im Gegenteil hormonell aktiv und mischt den Hormonhaushalt ordentlich auf. Einerseits produziert es entzündungsfördernde Botenstoffe, welche langfristig Entzündungswerte erhöhen. Erhöhte Entzündungswerte, so vermuten die Expert*innen, fördern wiederum, dass Krebs entsteht. Andererseits bilden Fettzellen Östrogen. Mit erhöhtem Fettgewebe steigt somit auch der Östrogen-Spiegel. Das hormonelle Gleichgewicht kommt durcheinander und fördert so das Zellwachstum – besonders für Krebszellen. Darüber hinaus schüttet der Körper von übergewichtigen Menschen vermehrt Insulin aus, welches die Zuckerkonzentration im Körper reguliert. Allerdings nutzen es Krebszellen auch um zu wachsen [2].

Für welche Krebsarten ist Übergewicht relevant?

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde inzwischen mit Sicherheit für verschiedene Krebsarten bestätigt, darunter Speiseröhrenkrebs, Dick- und Enddarmkrebs und Nierenkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gallenblasenkrebs bei Frauen. Die Fettleibigkeit spielt jedoch nicht nur in Bezug auf die Krebsentstehung eine wichtige Rolle. Wissenschaftler stellten fest, dass Adipositas (BMI≥30) im Falle einer Brustkrebserkrankung das Rückfallrisiko innerhalb von fünf Jahren im Vergleich zu Normalgewicht (BMI<25) um 89% erhöht. Das Risiko innerhalb von fünf Jahren zu versterben ist für Brustkrebspatientinnen mit Adipositas gar doppelt so groß [3].

Parameter zur Risikobestimmung

Um ein erhöhtes Krebsrisiko feststellen zu können, werden derzeit vor allem zwei Parameter erhoben: Das Ausmaß von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit anhand des Body Mass Index‘ (BMI) und die Fettverteilung anhand des Taillenumfangs.

Der Body-Mass-Index (BMI)
Der Body Mass Index, kurz BMI, berechnet sich mit folgender Formel:

  • Körpergewicht (in Kilogramm) 
    -------------------------------------------
    Körpergröße x Körpergröße (in Meter)

  • Ein Beispiel: Eine Frau wiegt 69 Kilo und ist 1,70 Meter groß. 
    1,70 x 1,70 = 2,89. 
    69 : 2,89 = 23,8.

  • Der BMI ist folgendermaßen einzuordnen:
    • Unter 18,5: Untergewicht
    • 18,5–24,9: Normalgewicht
    • 25–29,9: Übergewicht
    • 30–34,9: Adipositas (Fettsucht) Grad I
    • 35–39,9: Adipositas Grad II
    • ≥ 40: Adipositas Grad III
Waage
Quelle: © VadimGuzhva - fotolia.com

Der Taillenumfang
Wie sich in der Vergangenheit herausstellte, spielt für das Krebsrisiko auch das Fettverteilungsmuster eine große Rolle. Ungünstig ist demnach vor allem Bauchfett, das mithilfe eines einfachen Maßes, des Taillenumfangs, abgeschätzt werden kann.

Als Richtmaße bezüglich des Taillenumfangs gelten:

  • ≥ 80 cm bei Frauen bzw. ≥ 94 cm bei Männern: erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen
  • ≥ 88 cm bei Frauen bzw. ≥ 102 cm bei Männern: Bauchfettsucht (abdominale Adipositas) mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgekrankheiten

Das Eingeweidefett
Zwei weitere Parameter, die für die Fettverteilung und das Krebsrisiko eine Rolle spielen, sind das direkt unter der Haut gelegene subkutane Fettgewebe und das viszerale (Eingeweide-) Fett, das die inneren Organe umhüllt. Viszerales Fett steht im Vergleich zum subkutanen Fett häufiger mit einer Insulinresistenz in Verbindung, die zur Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus Typ 2, führt. Eingeweidefett gibt zudem häufiger Botenstoffe ab, die mit Entzündungen in Verbindung stehen, wie Interleukine und dem Tumornekrosefaktor-alpha.

Für Darmkrebs hat sich gezeigt, dass je größer bei Studienteilnehmer*innen die Menge an viszeralem Fett war, desto häufiger Adenome, also Vorstufen von Darmkrebs, auftraten. Dies, so die Interpretation der Studienautor*innen, erkläre womöglich den oft nachgewiesenen Zusammenhang zwischen BMI, Taillenumfang und dem Risiko für Darmkrebs und seine Vorstufen.

Gewicht reduzieren mit gesunder Ernährung

 

(kvk/jk)

 

Quellen:

[1] Übergewicht und Krebs – wie stark ist der Einfluss auf der Bevölkerungsebene? Autoren: Antje Wienecke, Benjamin Barnes, Hannelore Neuhauser, Klaus Kraywinkel. Abrufbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Poster/Downloads/2017/dgepi_wienecke_uebergewicht.pdf?__blob=publicationFile (Zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)
[2] Leichter Leben – Übergewicht reduzieren: Tipps zur Krebsprävention. Deutsche Krebshilfe, Stand 05/2020. Abrufbar unter: https://www.krebshilfe.de/fileadmin/Downloads/PDFs/Praeventionsfaltblaetter_Frueherkennung/412_FB_Leichter-leben.pdf (Zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)
[3] Sun L et al. Body mass index and prognosis of breast cancer. Medicine (Baltimore). 2018 Jun; 97(26): e11220.

Weitere Literatur:

Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Prävention und Therapie der Adipositas. AWMF-Register: 050/001, Stand: April 2014

Keum N et al.: Visceral Adiposity and Colorectal Adenomas: Dose-Response Meta-Analysis of Observational Studies. Ann Oncol. 2015;26(6):1101-1109

Lauby-Secretan B et al. Body Fatness and Cancer--Viewpoint of the IARC Working Group. N Engl J Med 2016;375(8):794-798

Rios Garcia M et al. Acetyl-CoA Carboxylase 1-Dependent Protein Acetylation Controls Breast Cancer Metastasis and Recurrence. Cell Metab 2017;26(6):842-855.e5.

Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) vom 25.08.2016: Übergewicht vermeiden – Krebs vermeiden! Fragen an Rudolf Kaaks zur aktuellen Veröffentlichung der Krebsforschungsagentur IARC. https://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2016/dkfz-pm-16-32c-uebergewicht-vermeiden-Krebs-vermeiden.php (zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)

Thesen R. Übergewicht bald Haupt-Krebsursache. Pharmazeutische Zeitung 2014;159(34):41
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-342014/uebergewicht-bald-haupt-krebsursache/ (zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)

Cancer Research UK: Does obesity cause cancer? Stand September 2018. https://www.cancerresearchuk.org/about-cancer/causes-of-cancer/obesity-weight-and-cancer/does-obesity-cause-cancer (zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)

Diabetesinformationsdienst München: Diabetes und Krebs. Stand September 2016. https://www.diabetesinformationsdienst-muenchen.de/erkrankungsformen/folgeerkrankungen/diabetes-und-krebs/index.html (zuletzt aufgerufen am 29.07.2022)

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 29.03.2023

Ketogene und kohlenhydratarme Diät: Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft PRiO

Seit einiger Zeit wird Tumorpatienten eine Ernährung angeboten, die in unterschiedlichem Ausmaß arm an Kohlenhydraten (KH) ist. Als Begründung für diese Ernährungsumstellung wird angeführt, dass der Stoffwechsel von Tumorzellen von Kohlenhydraten abhängig sei. Je nach Interpretation der Daten versprechen Anhänger der Diät entweder einen direkten Einfluss auf das Tumorwachstum und die Metastasierung, eine Verbesserung der Wirksamkeit von Chemo- und/oder Strahlentherapie bzw. eine bessere Verträglichkeit insbesondere der Chemotherapie. Experten der Arbeitsgemeinschaft PRiO nehmen dazu Stellung.

>>Download Stellungnahme als PDF

Zuletzt aufgerufen am: 12.04.2024 16:00