Angaben zum Autor und/oder zum Fachberater finden Sie am Ende des Beitrags.

Übergewicht als Krebsrisiko - Gesundes Körpergewicht halten

3 Personen beim Spaziergang
Quelle: © Michael Jung - Fotolia.com

Fettleibigkeit könnte bald dem Rauchen den ersten Rang als Hauptursache für Krebs ablaufen. Denn während die Anzahl der Krebserkrankungen aufgrund von Tabakkonsum stetig sinkt, nimmt die Zahl übergewichtiger Menschen statistisch gesehen zu.  Auf die Entstehung aller Krebskrankheiten gerechnet hat die Fettleibigkeit einen Anteil von schätzungsweise 16 Prozent. Würden alle Menschen das Normalgewicht einhalten, könnten allein in Deutschland pro Jahr circa 25.000 Krebserkrankungen vermieden werden.

Die biologischen Ursachen

Im Körper angesammeltes Fettgewebe ruht nicht einfach nur – es ist im Gegenteil hormonell aktiv und mischt den Hormonhaushalt ordentlich auf. Das führt dazu, dass sich der Stoffwechsel verändert und Botenstoffe gebildet werden, die zur vermehrten Ausschüttung von Insulin und Insulin-ähnlichem Wachstumsfaktor-I (IGF-I)  und somit zu einer Art chronischen Entzündung führen. Dadurch kann Krebs begünstigt werden.

Neuste Erkenntnisse ermöglichten die Entschlüsselung des in den Zellen ablaufenden Mechanismus‘ und bieten sogar eine Art Lösungsansatz an. Bei der Fettsäuresynthese spielt das Enzym ACC1 eine wichtige Rolle. Die durch Adipositas ausgeschütteten Botenstoffe Leptin und TGF-ß hindern das Enzym jedoch bei der Arbeit, sodass weniger ACC1-Aktivität in dem entsprechenden Gewebe vonstattengeht. So konnte in einem mit Metastasen versetzten Gewebe ein deutlich reduzierter  ACC1-Gehalt nachgewiesen werden. Forscher versuchten sich mit Erfolg am Einsatz eines Antikörpers gegen den Leptin-Rezeptor: Die Ausbreitung und Metastasierung konnte erfreulicherweise erheblich eingedämmt werden. Ob es sich tatsächlich um ein vielversprechendes Therapiekonzept handelt, wird derzeit weiter erforscht. Praktisch wäre es zweifellos, da somit vor einer Operation das Risiko für Metastasen minimiert werden könnte.

Für welche Krebsarten ist Übergewicht relevant?

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Krebs wurde inzwischen mit Sicherheit für verschiedene Krebsarten bestätigt, darunter Speiseröhrenkrebs,  Dick- und Enddarmkrebs und  Nierenkrebs bei beiden Geschlechtern sowie Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs und Gallenblasenkrebs bei Frauen. Die Fettleibigkeit spielt jedoch nicht nur in Bezug auf die Krebsentstehung eine wichtige Rolle. Wissenschaftler stellten fest, dass Adipositas im Falle einer Brustkrebserkrankung mit einem um 35 bis 40 Prozent höheren Metastasierungs- und Rückfallrisiko verbunden ist.

Parameter zur Risikobestimmung

Um ein erhöhtes Krebsrisiko feststellen zu können, werden derzeit vor allem zwei Parameter erhoben: Das Ausmaß von Übergewicht bzw. Fettleibigkeit anhand des Body Mass Index‘ (BMI) und die Fettverteilung anhand des Taillenumfangs.

Der Body-Mass-Index (BMI)
Der Body Mass Index, kurz BMI, berechnet sich mit folgender Formel:

  • Körpergewicht (in Kilogramm) 
    -------------------------------------------
    Körpergröße x Körpergröße (in Meter)

  • Ein Beispiel: Eine Frau wiegt 69 Kilo und ist 1,70 Meter groß. 
    1,70 x 1,70 = 2,89. 
    69 : 2,89 = 23,8.

  • Der BMI ist folgendermaßen einzuordnen:
    • Unter 18,5: Untergewicht
    • 18,5–24,9: Normalgewicht
    • 25–29,9: Übergewicht
    • 30–34,9: Adipositas (Fettsucht) Grad I
    • 35–39,9: Adipositas Grad II
    • ≥ 40: Adipositas Grad III
Waage
Quelle: © VadimGuzhva - fotolia.com

Der Taillenumfang
Wie sich in der Vergangenheit herausstellte, spielt für das Krebsrisiko auch das Fettverteilungsmuster eine große Rolle. Ungünstig ist demnach vor allem Bauchfett, das mithilfe eines einfachen Maßes, des Taillenumfangs, abgeschätzt werden kann.

Als Richtmaße bezüglich des Taillenumfangs gelten:

  • ≥ 80 cm bei Frauen bzw. ≥ 94 cm bei Männern: erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen
  • ≥ 88 cm bei Frauen bzw. ≥ 102 cm bei Männern: Bauchfettsucht (abdominale Adipositas) mit einem deutlich erhöhten Risiko für Folgekrankheiten

Das Eingeweidefett
Zwei weitere Parameter, die für die Fettverteilung und das Krebsrisiko eine Rolle spielen, sind das direkt unter der Haut gelegene subkutane Fettgewebe und das viszerale (Eingeweide-) Fett, das die inneren Organe umhüllt. Viszerales Fett steht im Vergleich zum subkutanen Fett häufiger mit einer Insulinresistenz in Verbindung, die zur Zuckerkrankheit, dem Diabetes mellitus Typ 2, führt. Eingeweidefett gibt zudem häufiger Botenstoffe ab, die mit Entzündungen in Verbindung stehen, wie Interleukine und Tumornekrosefaktor-alpha.

Für Darmkrebs hat sich gezeigt, dass je größer bei Studienteilnehmern die Menge an viszeralem Fett war, desto häufiger Adenome, also Vorstufen von Darmkrebs, auftraten. Dies, so die Interpretation der Studienautoren, erkläre womöglich den oft nachgewiesenen Zusammenhang zwischen BMI, Taillenumfang und dem Risiko für Darmkrebs und seine Vorstufen.

Wie groß die Menge an subkutanem und viszeralem Fett ist, kann durch die bildgebenden Verfahren Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) ermittelt werden. Da sich beide Verfahren für eine Routinediagnostik der Fettverteilung nicht eignen, wird nach wie vor auf den BMI und den Taillenumfang zurückgegriffen, um Personen mit hohem Risiko zu identifizieren. Bestimmen lässt sich zudem der viszerale Adipositas Index, der geschlechtsspezifisch auf Taillenumfang, BMI, Blutfettwerte (Triglyceride) und HDL-Cholesterin beruht.

(kvk/jk)

 

Quellen:

[1] Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur „Prä̈vention und Therapie der Adipositas“. AWMF-Register: 050/001, Stand: April 2014

[2] Keum, N. et al.: Visceral Adiposity and Colorectal Adenomas: Dose-Response Meta-Analysis of Observational Studies.

[3] Starostzik, Christine: Adipositas: Weniger Pfunde - mehr Lebensjahre. Diäten lohnen sich. Springer Medizin Verlag GmbH. Online-Artikel vom 19.11.2017.

[4] Braun, Thorsten: Wie Übergewicht Krebs aggressiver macht. Doc Check.  Online-Artikel vom 10.04.2018.

[5] Hauner, Dagmar et al: Einfluss von Übergewicht und Ernährung auf die Prognose des Mammakarzinoms. Hrsg. in: Deutsches Ärzteblatt. Ausgabe ;Mai/2011.

[6] Goesch, Andrea: Darum fördert Übergewicht Krebs. Gefährliche Fettpolster. ERGO. Online-Artikel vom 31.03.2018.

[7] Übergewicht vermeiden - Krebs vermeiden! Deutsches Krebsinformationszentrum. Pressemitteilung vom 25.08.2016.

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 18.04.2018

Mehr zum Thema Ernährung und Krebs:

Ketogene und kohlenhydratarme Diät: Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft PRiO

Seit einiger Zeit wird Tumorpatienten eine Ernährung angeboten, die in unterschiedlichem Ausmaß arm an Kohlenhydraten (KH) ist. Als Begründung für diese Ernährungsumstellung wird angeführt, dass der Stoffwechsel von Tumorzellen von Kohlenhydraten abhängig sei. Je nach Interpretation der Daten versprechen Anhänger der Diät entweder einen direkten Einfluss auf das Tumorwachstum und die Metastasierung, eine Verbesserung der Wirksamkeit von Chemo- und/oder Strahlentherapie bzw. eine bessere Verträglichkeit insbesondere der Chemotherapie. Experten der Arbeitsgemeinschaft PRiO nehmen dazu Stellung.

>>Download Stellungnahme als PDF

Aktualisiert am: 16.12.2018 19:40