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Bewegung hilft bei der Krebstherapie

Läuferin
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Dass körperliche Aktivität und eine Krebserkrankung sich nicht gegenseitig ausschließen, ist inzwischen ein alter Hut. Erwiesenermaßen beugt Bewegung nicht nur vor, sondern hat auch therapeutische Wirkungen und verbessert die Lebensqualität. Ein ganz wichtiger Punkt: Bewegungstherapie gehört nicht nur in die Reha und die Vorsorge, sondern sollte ab dem Moment der Diagnose therapiebegleitend eine wichtige Rolle spielen. [4] Doch wie sieht es in der Praxis aus? Welche Bewegungsformen empfehlen sich in welchem Ausmaß bei welcher Therapie? Aktuell werden immer mehr Studien zu diesem Thema durchgeführt. Das Wohlbefinden des Patienten während und nach der Therapie steht dabei im Mittelpunkt.

Was muss beachtet werden?

Um das Ergebnis gleich vorweg zu nehmen: Bewegungsinterventionen sind während einer Krebstherapie in vielen Fällen durchaus machbar. Er kann Nebenwirkungen verringern und die Regenerationszeit verkürzen. „Das kann darüber entscheiden, ob beispielsweise ein Patient eine Chemotherapie wie geplant durchhält, und trägt somit indirekt auch zum Heilungserfolg bei.“, berichtet Karen Steindorf in der Sonderpublikation Einblick des Deutschen Krebsinformationszentrums. [7]

Zuerst muss allerdings geklärt werden, in welchem Rahmen sich die körperliche Verfassung des Patienten bewegt. Dazu werden Kriterien wie die Art des Tumors, die Nebenwirkungen der Therapie und der Behandlungsort – ambulant oder stationär -  herangezogen. Erreicht werden sollen eine bessere Lebensqualität, ein (schneller) wieder erlangtes Körpergefühl sowie die Verringerung der Nebenwirkungen. In manchen Fällen sollte jedoch auf anstrengendere Bewegungsinterventionen verzichtet werden, beispielsweise bei frischen OP-Narben, instabilen Knochenmetastasen, laufender Bestrahlung der Herzgegend oder einfach in den ersten 24 Stunden nach der Gabe einer kardiotoxischen Chemotherapie. Auch akute Erkrankungen wie Durchfall, Entzündungen, asthmatische Anfälle, hoher Blutdruck oder Infekte schließen anstrengende Betätigungen aus. Hier kann es unter Umständen mehr Schaden als Nutzen bringen. Bevor mit dem Training begonnen wird, sollte die Sporttauglichkeit im Rahmen eines Gesundheitschecks deshalb ärztlich bestätigt werden.

Die Auswahl der entsprechenden Bewegung erfordert Vorwissen, daher ist es unabdingbar, die körperlichen Betätigungen zumindest in der Akutphase der Therapie eng mit den behandelnden Ärzten, Pflegern und Physiotherapeuten abzustimmen. Das Universitätsklinikum Köln bietet deshalb eine direkt in der Klinik stattfindende onkologische Trainingstherapie an. [3] Und natürlich kann kein Patient zur Bewegung gezwungen werden. Es kann vorkommen, dass innere Barrieren durch den Schock der Diagnose bestehen, die den Patienten von der körperlichen Aktivität abhalten. „Das ist auch persönlich manchmal schwer mit anzusehen, zeigt mir aber, wie wichtig es ist, auch diesen Aspekt zu untersuchen.“, erklärt Steindorf. [7]

Wichtig ist es, die Übungen korrekt und diszipliniert auszuführen, damit sie den gewünschten Effekt erzielen. Je nach Nebenwirkung muss das Therapiekonzept angepasst werden, denn ein Patient mit Neuropathie bedarf eines gänzlich anderen Trainings als ein Patient mit Fatigue. An dieser Stelle sei gesagt: körperliche Bewegung ist nicht der Ersatz einer medizinischen Therapie, sondern lediglich eine Ergänzung!

Wie wird trainiert?

Trainingsberatung
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Grundsätzlich gilt für Krebspatienten dieselbe Empfehlung wie für Gesunde: Pro Woche werden 150 Minuten mäßig anstrengendes Ausdauertraining oder 75 Minuten intensive Bewegung empfohlen. Das ist jedoch bei Krebspatienten nicht immer umsetzbar, da der Körper durch die Therapie nicht ganz so fit ist wie der Gesunder. Was zu anstrengend ist und was machbar ist, kann anhand des Parameters der maximalen Herzrate entschieden werden. Wie bei Gesunden gilt auch hier: Eine Belastung zwischen 64 und 76 Prozent der maximalen Herzrate entsprechen einer moderaten Intensität, eine Belastung von 77 bis 95 Prozent der maximalen Herzrate entsprechen einer hohen Intensität. [5]

Momentan ist die Kombination aus Ausdauer, Krafttraining und Entspannung zentraler Bestandteil der erforschten Bewegungstherapie. Die aktuellen Empfehlungen lauten: Die Ausdauer soll während einer ambulanten Therapie regelmäßig trainiert werden, insbesondere unter Beobachtung der Herzfrequenz. Die Einnahme von Medikamenten, die diese beeinflussen, sollte allerdings berücksichtigt werden. Bei stationären Therapien, sofern möglich, soll täglich trainiert werden, allerdings in kleineren Einheiten. Als Trainingsart sind das Fahrradergometer oder Spaziergänge über einen Zeitraum von 20 bis 40 Minuten ideal. Die Einheiten können über einen längeren Zeitraum hinweg gesteigert und individuell angepasst werden.

Beim Krafttraining geht der Trend dahin, ambulant zwei bis drei Mal die Woche aktiv zu werden, stationär drei bis fünf Mal – auch hier wird wieder Trainieren in kleineren Einheiten empfohlen. Als effektiv hat sich das Training mit Therabändern, Hanteln oder dem eigenen Körpergewicht erwiesen. Ambulant wird bis zu 30 Minuten trainiert, stationär sollte man sich mit 10 bis 20-minütigen Trainingsintervallen fit halten.

Begleitend zum Kraft- und Ausdauertraining werden in vielen Studien häufig Entspannungsübungen, Atemtherapien und Dehnübungen durchgeführt.

Die aktuelle Forschungslage

Bewegungstherapie und Chemotherapie

In diesem Bereich kann bereits auf zwei große Studien bei Brustkrebspatientinnen zurückgegriffen werden. Die Patientinnen wurden dabei in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine ein Training im Kraftraum absolvierte, die andere sich zum gemeinsamen Entspannungtraining traf. „Die Kraftsportgruppe litt signifikant  weniger unter der belastenden Fatigue“, berichtete die am Forschungsteam beteiligte Martina Schmidt der Zeitschrift Einblick. „Das bedeutet eine enorme Verbesserung der Lebensqualität für die Patientinnen während und nach der Therapie.“ [7] 

Eine weitere aktuelle Studie untersuchte bei Patienten mit Hämatologischen Neoplasien die Auswirkung von Ganzkörpervibration während der stationären Phase der Stammzelltransplantation. Das Ergebnis: Auf längere Sicht erhöhte sich die Sauerstoffaufnahme der Trainingsgruppe deutlich und sie regenerierten sich nach der Krebstherapie deutlich schneller als die Kontrollgruppe.

Bewegungstherapie während einer Strahlentherapie

Krafttraining im Alter
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Auch bei der Strahlentherapie wird allen Patienten, die dazu in der Lage sind, ein regelmäßiges Training empfohlen. Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigte, dass auch Knochenmetastasen kein Ausschlusskriterium sind, solange diese stabil sind: Das Schmerzniveau war bei der sportlich aktiven Gruppe deutlich niedriger als bei der Kontrollgruppe. Ein weiteres Plus: Die Knochendichte verbesserte sich unter der Bewegung. Momentan wird eine Studie durchgeführt, welche die Auswirkung von Sport bei instabilen Metastasen untersucht.

Bewegungstherapie bei der Hormontherapie

Auch bei Patienten, die sich einer Hormontherapie unterziehen, stellt die Bewegungstherapie eine wirksame Methode zur Reduzierung des Erschöpfungssyndroms bei Krebs dar. Auch weitere positive Effekte wurden bei Bewegung unter der Hormontherapie nachgewiesen: Sexuelle Dysfunktionen konnten durch die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining in den Griff bekommen werden und auch für kognitive Probleme deutet sich an, dass die Patientinnen von Bewegung profitieren.

Bewegungstherapie in der palliativen Situation

In der palliativen Therapie ist körperliche Aktivität ein bislang stiefmütterlich behandeltes Thema. Dabei zeigt eine erste Studie, dass die körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten bei regelmäßigem Training zunimmt, die Patienten aktiver werden und über ein besseres Gesamtbefinden berichten. Jeder Patient darf sich bewegen, sofern es ihm möglich ist - häufig fehlt nur die entsprechende Motivation.

Ein spezieller Fall: Bewegung bei Kindern und Jugendlichen mit Krebs

Ebenfalls ein spezieller Fall ist körperliche Aktivität bei Kindern mit Krebs. Von großer Bedeutung ist hier der Punkt der Spätfolgen, mit dem die jungen Patienten zu kämpfen haben werden. Daher wird bei sportlichen Übungen für Kinder die Qualität des Überlebens, die Verminderung der Spätfolgen und die Förderung eines aktiveren Lebensstils anvisiert. Kinder haben außerdem auf ganz andere Dinge Lust als Erwachsene - auch das sollte bei Bewegungsprogrammen für kleine Krebspatienten berücksichtigt werden.

Fachberatung: PD Dr. Freerk Baumann (Leiter AG Onkologische Bewegungsmedizin)

(jk)

 

Quellen:

[1] Seiffert, Birte:  Sport, Krebs & Prävention: Was körperliche Aktivität tatsächlich bringt. Springer Medizin . Onlineartikel vom 02.03.2018.   https://www.springermedizin.de/dkk-2018/sport-bei-krebspatienten/sport--krebs---praevention--was-koerperliche-aktivitaet-tatsaechlich-bringt/15490860?searchResult=1.sport%20krebs&searchBackButton=true

[2] Vorträge vom DKK der Veranstaltung ‚State oft the Art: Bewegungstherapeutische Interventionenin der Onkologie.‘ Pahl, A.: Bewegungstherapie unter Chemotherapie; Sprave, T.: Bewegungstherapie unter Bestrahlung; Baumann, F.: Bewegungstherapie unter Hormontherapie; Schmidt, T.:  Bewegung und Training in der Palliation; Götte, M.: Sport während der onkologischen Therapie bei Jugendlichen und Kindern.           

[3] Philipp Grätzel von Grätz: Sportprogramm bereits während initialer Krebsbehandlung. Springer Medizin- Online.Artikel vom 26.02.2018. https://www.springermedizin.de/dkk-2018/sport-bei-krebspatienten/sportprogramm-bereits-waehrend-initialer-krebsbehandlung/15490030?searchResult=2.sport%20krebs&searchBackButton=true

[4] Liebram, Claudia: So hilft Sport im Kampf gegen den Krebs. Die Welt. Artikel vom 17.02.2018.  https://www.welt.de/gesundheit/article152342048/So-hilft-Sport-im-Kampf-gegen-den-Krebs.html

[5] Friederike Klein:  Onkologische Bewegungstherapie individuell anpassen. Springer Medizin. Online-Artikelm vom 23.02.2018.  https://www.springermedizin.de/dkk-2018/sport-bei-krebspatienten/onkologische-bewegungstherapie-individuell-anpassen/15485964

[6] Uniklinik Köln: Bewegung und Krebs. https://www.cio-koeln-bonn.de/leben-mit-krebs/sport/bewegung-und-krebs/

[7] Seltmann, Stefanie et al: Einblick. Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg. Ausgabe 2/16.

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 26.06.2018

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Aktualisiert am: 16.11.2018 22:20