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Alkohol und Krebserkrankungen

Mann schenkt sich Bier ein
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Dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebs gibt, steht schon seit längerem fest. Untermauert wurde der Befund erneut von einer 2018 publizierten Untersuchung der Trinkgewohnheiten von 600.000 Menschen aus 19 Ländern: Je mehr Alkohol getrunken wird, desto höher ist das Erkrankungsrisiko. Werden pro Woche mehr als 200 Gramm  Alkohol aufgenommen, verkürzt sich die Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre. Bei über 350 Gramm pro Woche sind es bereits fünf Jahre. Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, wobei nachweislich eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung besteht.

Wenn schon Alkohol, dann in Maßen!

Generell lässt sich festhalten: Genau genommen sollten nicht einmal kleine Mengen an Alkohol bedenkenlos konsumiert werden ohne das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen zu erhöhen. Sollte man dennoch nicht darauf verzichten können, empfiehlt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gesunden Frauen nicht mehr als 10 Gramm reinen Alkohol pro Tag zu konsumieren. Das entspricht etwa einem knappen Viertelliter Bier oder einem Achtelliter Wein. Männern werden höchstens 20 Gramm Alkohol pro Tag empfohlen, was wiederum einem knappen  halben Liter Bier oder einem Viertelliter Wein entspricht. Getrunken werden sollte zudem immer parallel zum Essen. Die angegebene Obergrenze stellt dabei keinesfalls eine Empfehlung dar, wöchentlich diese Menge an Alkohol zu konsumieren. Weniger ist in diesem Fall immer mehr!

Die Mehrheit alkoholbedingter Krebsfälle ließe sich vermeiden

Experten vermuten, dass bei Männern etwa neun von zehn und bei Frauen rund die Hälfte der alkoholbedingten Krebserkrankungen und Krebstodesfälle vermieden werden könnten, wenn Alkohol in den empfohlenen Maßen getrunken würde. Wie das Journal of Clinical Oncology 2017 berichtete, sind weltweit 5,5 Prozent aller Krebserkrankungen und 5,8 Prozent aller Krebstodesfälle auf den Alkoholkonsum zurückzuführen.

Vermutlich steigt das Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre schon ab einem Glas pro Tag (10 g). Das Brustkrebsrisiko steigt bei drei bis sechs Gläsern Alkohol pro Woche (35-45 g pro Tag). Ein erhöhtes Risiko für Krebs des Kehlkopfes, der Bauchspeicheldrüse und des Dick- und Enddarms beginnt bei vier Gläsern pro Tag.

Die Forscher werteten Daten zum Alkoholkonsum und Rauchen aus, die in einer deutschlandweiten Datenbank zwischen 2008 und 2011 erfasst worden waren. In Verbindung mit ebenfalls vorliegenden Krebszahlen errechneten sie den Anteil an Krebsfällen, der auf Alkohol zurückging. Demnach war im Jahr 2010 der Alkoholkonsum für ca. 13.000 Krebserkrankungen verantwortlich, das waren drei Prozent aller Krebsfälle. Am stärksten war der Zusammenhang bei Speiseröhrenkrebs – hier hatte Alkohol einen Anteil von rund 48 Prozent bei Männern und 36 Prozent bei Frauen. Den geringsten Einfluss hatte Alkohol mit zehn Prozent bei Männern auf Darmkrebs und knapp sieben Prozent bei Frauen auf Brustkrebs. Dabei reichten allerdings schon moderate Mengen Alkohol, um das Krebsrisiko zu erhöhen.

Weshalb begünstigt Alkohol Krebs?

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Alkohol an sich, also Ethanol, ist vermutlich nicht krebserregend. Er wird im Körper allerdings durch Oxidationsprozesse in Acetaldehyd umgewandelt, was wiederum sehr reaktionsfreudig ist und leicht Bindungen mit anderen Molekülen eingeht, unter anderem auch der DNA. Dadurch kommt es zu Mutationen und somit auch zu Krebs. Acetaldehyd ist übrigens auch für den so genannten Kater bei größerem Alkoholgenuss verantwortlich.

Zudem erleichtert Alkohol vermutlich anderen Substanzen, ihre krebserregende Wirkung zu entfalten. Für den Bereich der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre wurden solche ko-krebserregenden Effekte von Alkohol nachgewiesen. Besonders ungünstigwirkt sich das Zusammentreffen von Alkohol und Rauchen aus – vor allem Krebserkrankungen im oberen Verdauungs- und Atemtrakt sind hiervon betroffen. Durch den Alkohol wird die Schleimhaut im Mund durchlässiger und schädliche Substanzen, beispielsweise aus dem Tabakrauch, können vermehrt in den Körper gelangen. Die schädliche Wirkung beider Substanzen verstärkt sich gegenseitig.

(kvk)

 

Quellen: 

[1] Pelucchi, C. et al. Alcohol Consumption and Cancer Risk. Nutrition and Cancer 2011, 63(7):983-990 

[2] Wienecke, A. et al.: Incident cancers attributable to alcohol consumption in Germany, 2010. Cancer Causes and Control, Onlinevorabveröffentlichung am 24. März 2015, 10.1007/s10552-015-0566-8

[3] Wood Angela M et al: Risk threshold for alcohol consumption: combined analysis of individual-participant data for 599912 current drinkers in 83 prospective studies. Hrsg. In: The Lancet. April 2018.

[4] Von Koh: Alkohol: Obergrenze für risikoarmen Konsum neu definiert. Pressemitteilung des DKFZ vom 13.04.2018.

[5] Alkohol und Krebs: Vom Genuss zur Gefahr. DKFZ, Stand: 13.04.2018.

[6] Garayoechea J I et al: Alcohol and endogenous aldehydes damage chromosomes and mutate stem cells. Nature. Onlinepublikation vom 03.01.2018.

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 17.04.2018

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Aktualisiert am: 19.10.2018 09:16