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Alkohol und Krebserkrankungen

Mann schenkt sich Bier ein
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Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen, wobei eine eindeutige Dosis-Wirkungsbeziehung besteht: Je mehr Alkohol getrunken wird, desto höher ist das Erkrankungsrisiko. Vermutlich steigt das Risiko für Krebs der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre schon ab einem Glas pro Tag (10 g). Das Brustkrebsrisiko steigt bei drei bis sechs Gläsern Alkohol pro Woche (35-45 g pro Tag). Ein erhöhtes Risiko für Krebs des Kehlkopfes, der Bauchspeicheldrüse und des Dick- und Enddarms beginnt bei vier Gläsern pro Tag.

Die Mehrheit alkoholbedingter Krebsfälle ließe sich vermeiden

Experten vermuten, dass bei Männern etwa neun von zehn und bei Frauen rund die Hälfte der alkoholbedingten Krebserkrankungen und Krebstodesfälle vermieden werden könnten, wenn Alkohol in den empfohlenen Maßen getrunken würde: Bei Männern höchstens 20 g pro Tag, bei Frauen höchstens 10 g pro Tag.

Wie Wissenschaftler kürzlich in der Fachzeitschrift Cancer Causes and Control berichteten, sind ca. drei Prozent aller Krebsfälle in Deutschland auf den Konsum von Alkohol zurückzuführen.

Die Forscher werteten Daten zum Alkoholkonsum und Rauchen aus, die in einer deutschlandweiten Datenbank zwischen 2008 und 2011 erfasst worden waren. In Verbindung mit ebenfalls vorliegenden Krebszahlen errechneten sie den Anteil an Krebsfällen, der auf Alkohol zurückging. Demnach war im Jahr 2010 der Alkoholkonsum für ca. 13.000 Krebserkrankungen verantwortlich, das waren drei Prozent aller Krebsfälle. Am stärksten war der Zusammenhang bei Speiseröhrenkrebs – hier hatte Alkohol einen Anteil von rund 48 Prozent bei Männern und 36 Prozent bei Frauen. Den geringsten Einfluss hatte Alkohol mit zehn Prozent bei Männern auf Darmkrebs und knapp sieben Prozent bei Frauen auf Brustkrebs. Dabei reichten schon moderate Mengen Alkohol, um das Krebsrisiko zu erhöhen.

Besonders ungünstig, so die Studienautoren, wirke sich das Zusammentreffen von Alkohol und Rauchen aus – vor allem Krebserkrankungen im oberen Verdauungs- und Atemtrakt sind hiervon betroffen.

Weshalb begünstigt Alkohol Krebs?

Alkohol an sich, also Ethanol, ist vermutlich nicht krebserregend. Er wird im Körper allerdings in Azetaldehyd umgewandelt, was vermutlich eine krebsauslösende Wirkung auf die Zellen hat. Zudem erleichtert Alkohol vermutlich anderen Substanzen, ihre krebserregende Wirkung zu entfalten. Für den Bereich der Mundhöhle, des Rachens und der Speiseröhre wurden solche ko-krebserregenden Effekte von Alkohol nachgewiesen.

(kvk)

 

Quellen: 

Baan et al., Carcinogenicity of alcoholic beverages, The Lancet Oncology, 2007 4(8), 292–293 

Pelucchi, C. et al. Alcohol Consumption and Cancer Risk. Nutrition and Cancer 2011, 63(7):983-990 

Riedel, F. & Hörmann, K.: Alkoholinduzierte Erkrankungen im Kopf-Hals-Bereich. HNO 2004, 52(7):590-598 

Wienecke, A. et al.: Incident cancers attributable to alcohol consumption in Germany, 2010. Cancer Causes and Control, Onlinevorabveröffentlichung am 24. März 2015, 10.1007/s10552-015-0566-8

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Aktualisiert am: 24.05.2017 15:46