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Sport bei Krebs: So wichtig wie ein Medikament

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Der griechische Arzt Hippokrates (460-463 v. Chr.) wusste schon vor 2500 Jahren: „Wenn wir jedem Individuum das richtige Maß an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundung gefunden.“ Wie Recht er damit gerade in Bezug auf Krebspatienten hatte, wurde in den letzten Jahren immer deutlicher.

Die Wirkungen von Sport bei Krebspatienten wurden in letzter Zeit vermehrt in klinischen Studien untersucht. Dabei hat sich gezeigt, dass körperliche Aktivität messbar die Nebenwirkungen einer Chemo- oder antihormonellen Therapie reduzieren kann. Außerdem steigert sich die Leistungsfähigkeit und das Selbstbewusstsein wird gestärkt – was die Lebensqualität enorm verbessern kann. Doch nicht nur das: Körperliche Aktivität hat auch direkte Einflüsse auf die Entstehung von Krebs, den Verlauf einer Krebserkrankung und das Rückfallrisiko. Sie leistet somit sowohl in der Primär-, Sekundär- und auch Tertiärprävention ihren Beitrag zur Vorbeugung von Krebs. Außerdem kann Sport die Lebensqualität während der Erkrankung  verbessern.

Dem Krebs davonlaufen

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Wer regelmäßig Sport treibt, baut  demnach einer Krebserkrankung vor. Man geht heute davon aus, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. Wenn dennoch Krebs auftritt, haben Patienten, die vor ihrer Erkrankung regelmäßig Sport getrieben haben, nachweislich ein geringeres Rückfallrisiko. 

Auch bislang eher inaktive Patienten können von einer Änderung ihres Lebensstils profitieren: Körperliche Aktivität nach einer Tumorerkrankung reduziert nachweislich die Gefahr eines Rückfalls und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Heilung. Dieser Effekt kann sich je nach Tumorart im gleichen Maße vorteilhaft auswirken wie eine Chemo- oder Antihormontherapie. Besonders gut erforscht ist dies bisher für Brust-, Darm- und Prostatakrebs. Beispielsweise belegt eine aktuelle Studie aus den USA die Notwendigkeit von Sport bei Brustkrebspatientinnen. Darin wurde untersucht inwieweit Walking oder Jogging die Überlebensrate von Frauen mit Brustkrebs beeinflusst. Aus der Studie geht hervor, dass die Intensität der sportlichen Aktivität in Zusammenhang mit der Überlebensrate steht. Es wird besonders deutlich, dass vor allem Jogging die Brustkrebsmortalität verringert. Aber auch für Leukämie- und andere Krebspatienten haben sich in Studien schon positive Effekte gezeigt.

Eine aktuelle Studie aus den USA belegt die Notwendigkeit von Sport bei Brustkrebspatientinnen. Darin wurde untersucht inwieweit Walking oder Jogging die Überlebenrate von Frauen mit Brustkrebs beeinflusst. Aus der Studie geht hervor, dass die Intensität der sportlichen Aktivität die Überlebensrate beeinflusst. Es wird besonders deutlich, dass vor allem Jogging die Brustkrebsmortalität verringert.

Warum wirkt Sport gegen Krebs?

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Die biologischen Mechanismen, die erklären, warum Sport einen direkten Einfluss auf Krebs hat, sind noch weitestgehend unbekannt. Das hat auch damit zu tun, dass das Wachstum von Tumoren von sehr komplexen Vorgängen abhängig ist. Da körperliche Aktivität allerdings fast alle Organsysteme anregt und auch das Gehirn beeinflusst, wirkt sich dies auch auf die der Krebsentstehung zugrunde liegenden Faktoren aus. So wird die Durchblutung des gesamten Körpers gefördert, was wiederum den Krebszellen das Überleben erschwert. Auch sind die Krebszellen in ihrem Wachstum  auf die Abbauprodukte von Glukose angewiesen, welche bei sportlicher Betätigung vermehrt verbraucht werden.  

Sport bringt den Energiehaushalt auf Touren und hilft, ein gesundes Körpergewicht zu halten. Er hat zudem positive Effekte auf die Psyche, was sich ebenfalls  auf die allgemeine Befindlichkeit und auf das Immunsystem auswirkt. Als tumorspezifische Effekte kommen ferner der Einfluss auf Sexualhormone, antioxidative Wirkungen oder eine Verbesserung von DNA-Reparaturmechanismen infrage, ebenso die Verringerung von Insulin und körpereigenen Botenstoffen (z. B. IGF, Interleukin, TNF). Hinzu kommen weitere Mechanismen, die für bestimmte Krebsarten entscheidend sind: Durch das Anregen des Stoffwechsels wird beispielsweise die Kontaktzeit möglicher krebserregender Stoffe in Magen und Darm verkürzt. Bei Frauen mit hormonabhängig wachsendem Brustkrebs senkt Sport den Östrogenspiegel in Blut und Gewebe – ebenso wie eine medikamentöse antihormonelle Therapie.

Nicht zu unterschätzen ist auch die mit Sport einhergehende gesündere Lebensweise: Wer Sport treibt, verzichtet oft automatisch auf den übermäßigen Konsum von Alkohol oder Nikotin. Auch die eigene Körperwahrnehmung verändert sich und wird bewusster, sodass Veränderungen des Befindens häufiger bereits in einem früheren Stadium der Krebserkrankung wahrgenommen werden und somit einen früheren Therapiestart ermöglichen. Ein Beispiel ist die Kachexie, der Gewichtsverlust in den ersten sechs Monaten der Krebserkrankung. Ist man sich über den Stand der eigenen Ausdauerleistungsfähigkeit im Klaren, können die Symptome frühzeitig erkannt werden.

Welche und wie viel Bewegung?

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Zwischen der Menge an Sport und der Anti-Krebs-Wirkung gibt es einen direkten Zusammenhang: Je mehr Bewegung, desto größer der Effekt.  Dennoch ist auch Vorsicht vor Überlastung geboten, es gilt ein moderates, an die individuellen Möglichkeiten des Patienten angepasstes Trainingsprogramm zu entwerfen. Als besonders vorteilhaft hat sich bisher ein kombiniertes Kraft- und Ausdauertraining erwiesen, mit zusätzlichen Elementen zur Schulung von Flexibilität und Koordination. An das Krafttraining muss sich unbedingt eine Phase der Regeneration und Erholung anschließen. Auch ist eine auf das Sportprogramm abgestimmte Ernährung vonnöten um den Körper nicht zu überfordern.

Idealerweise sollte man sich 18-25 MET pro Woche sportlich betätigen. MET (metabolic equivalent task) ist die Einheit für den Stoffwechsel bei körperlicher Aktivität; 1 MET entspricht dem Energieverbrauch von 1kcal pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde. Besonders viele MET pro Stunde verbrauchen Sie beim Schwimmen (8), Fußballspielen, Skifahren oder Joggen (je 7). Aber auch häusliche Tätigkeiten wie Staubsaugen (6), Gartenarbeit (5) und Rasenmähen (5,5) füllen schnell ihr MET-Konto. Wenn Sie es lieber etwas ruhiger angehen lassen, können Sie auch mit mehreren Stunden Walken (4), Spazierengehen (3) oder Radfahren (4) auf ihr wöchentliches MET-Soll kommen. Empfehlenswert ist es, sich bei der Erstellung und Ausübung des Sportprogramms fachlich beraten zu lassen.  Initiativen wie OnkoAktiv setzen sich für ein individualisiertes, gut erreichbares und patientengerechtes Netz an Sportangeboten ein. Ziel ist eine verbesserte Behandlung durch das Abstimmen des bewegungstherapeutischen Ansatzes auf die unterschiedlichen onkologischen Krankheitsbilder. Eine Reihe an Anlaufstellen finden Sie hier:
https://www.nct-heidelberg.de/fileadmin/media/fuer_patienten/beratung/bewegung/OnkoAktiv/0706_Sport_und_Krebs_web.pdf

Wofür Sie sich auch entscheiden, wichtig ist: Es muss Ihnen Spaß machen! Sport und Bewegung holen Sie aus dem Teufelskreis von Krankheit, Depression und Vereinsamung – oder, wie es Joachim Ringelnatz ausdrückt: „Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine//Kürzt die öde Zeit//und er schützt uns durch Vereine//Vor der Einsamkeit.“

Literaturtipp:

Hier erfahren Sie welche sportlichen Aktivitäten für Krebsbetroffene möglich sind und welche körperlichen Beschwerden sich durch Bewegung bei welcher Krebsart verbessern lassen.
http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/048_0046.pdf

(pp)

 

Quellen:

[1] Bayerische Krebsgesellschaft e. V.: Krebs und Sport http://www.krebsgesellschaft.de/download/bkg_broschuere_krebs-und-sport_2013.pdf[2] Davies [2] NJ, Batehup L, Thomas R. The role of diet and physical activity in breast, colorectal, and prostate cancer survivorship: a review of the literature. British Journal of Cancer (2011) 105, S52 – S73; doi:10.1038/bjc.2011.423

[3]Deutsche Krebshilfe: Bewegung und Sport bei Krebs. (Reihe Blaue Rategeber)  http://www.krebshilfe.de/fileadmin/Inhalte/Downloads/PDFs/Blaue_Ratgeber/048_0046.pdf

[4] Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.) Sport und Krebs. Kann man dem Krebs davonlaufen? FORUM, Band 26, Ausgabe 03.2011.

[5] Lemanne D, Cassileth B, Gubili J. The role of physical activity in cancer prevention, treatment, recovery, and survivorship. Oncology. 2013 Jun;27(6):580-5.

[6] Schoenberg MH, Vortrag: Sporttherapie für Tumorpatienten--Ausruhen war gestern. Bayerisches Krebsforum München, 10.04.2013

[7] Senologiekongress 2013: Sport bei Krebs. Interview mit Dr. Doris Augustin, Chefärztin am Brustzentrum Deggendorf.

[8] Prof. Dr. med. Tino F. Schwarz: Jogging verringert die Brustkrebsmortalität

[9] https://www.springermedizin.de/jogging-verringert-die-brustkrebsmortalitaet/9307140

[10] Karkowski-Roosen H. Sport und Krebsprävention. Der Onkologe. März 2017; 23:438-445.

[11] Ebert M, Riemann j.F.: Positionspapier: Sport (Bewegung) und (Darm-) Krebs. Forum. April 2017. 32:187-191.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 29.08.2017

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Aktualisiert am: 20.09.2017 22:05