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Gut vernetzt gegen Krebs

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Die Behandlung einer Krebserkrankung gehört in die Hände erfahrener Spezialisten. Schon die Sicherung der Diagnose erfordert eine ganze Reihe von Fachärzten, die die nötigen Schritte durchführen. Dazu gehören beispielsweise Pathologen (feingewebliche Untersuchungen von Biospien) und Radiologen (bildgebende Verfahren). Doch wie findet man passende Experten und woran erkennt man ihre Qualifikation? Im Bekanntenkreis zu fragen, führt meistens nicht weiter. Ähnlich verhält es sich mit Ärzte-Rankings, deren Aussagekraft manchmal nur schwer zu beurteilen ist. Arztbewertungsportale spiegeln in der Regel rein subjektive Patientenmeinungen wider. Besser ist es, sich an eine geeignete Selbsthilfegruppe zu wenden oder sich genauer über Anlaufstellen für die betreffende Erkrankung zu informieren.

Zertifizierte Qualität in den DKG-Krebszentren

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Krebsbehandlung ist Teamwork. Deshalb sollten nicht nur die einzelnen Ärzte, sondern auch das gesamte klinische Umfeld bzw. Personal entsprechend qualifiziert sein und große Erfahrung mit der Behandlung des betreffenden Tumors haben. Der Patient kann das allein nur schwer beurteilen. Daher hat die DKG Kriterien definiert, anhand derer sich diese Qualifikationen beziffern lassen. Sie umfassen sämtlich Bereiche von der Diagnose über die Therapie bis zur Nachsorge und Beratung in psychosozialen Belangen. Dabei sind neben den fachlichen Qualifikationen der Ärzte und Pfleger auch Vorgaben hinsichtlich der apparativen Ausstattung, der Einhaltung therapeutischer Standards und der Umsetzung von Arbeitsabläufen im Klinikalltag festgelegt.

Institutionen, die alle Kriterien nachweislich erfüllen, dürfen sich zunächst für drei Jahre „von der DKG zertifiziertes Krebszentrum“ nennen. Danach ist eine sogenannte Re-Zertifizierung fällig, bei der unabhängige Experten mehrere Tage vor Ort sind, um die von der Klinik gemachten Angaben zu überprüfen. Dazu gehören unter anderem auch Gespräche mit dem Personal sowie Einsicht in die Patientendateien. Besteht die Klinik den Test, wird das Zertifikat im Namen der DKG erneut erteilt.

Tumorkonferenzen und Leitlinien geben Sicherheit

Doch was macht die Qualität der Krebszentren aus und wie erreicht man sie? Ein wichtiger Grundsatz ist, dass Ärzte ihre Therapieentscheidungen nicht allein, sondern in Absprache mit Fachkollegen treffen müssen. Bei so genannten Tumorkonferenzen oder -boards kommen Fachärzte der beteiligten Disziplinen zusammen, besprechen jeden einzelnen Patienten und entwickeln gemeinsam eine individuelle Behandlungsstrategie, in die auch die Wünsche des Patienten einfließen sollten.

Die Therapieplanung sollte sich an evidenzbasierten S3-Leitlinien orientieren. Dies sind von den medizinischen Fachgesellschaften für Ärzte entwickelte Empfehlungen zur Therapie, aber auch zu Prävention, Diagnostik und Nachsorge. Diese Leitfäden für Ärzte gibt es für sehr viele Krebsarten, sie werden regelmäßig aktualisiert und erweitert. Für Brustkrebs, Prostata- und Pankreaskarzinom hält die DKG zudem leicht verständliche Patientenleitlinien bereit, mithilfe derer sich Betroffene über ihre Krankheit informieren können.

Immer bessere Therapien durch Krebsregister und Studien

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Um die Behandlungsmöglichkeiten stetig verbessern zu können, müssen Ärzte und Wissenschaftler Hand in Hand arbeiten. Dazu gehört auf ärztlicher Seite die detaillierte Dokumentation aller Krebsfälle. Das geschieht im Rahmen von so genannten Krebsregistern. Dabei werden Basisdaten, Untersuchungsergebnisse und Behandlungsschritte von der Diagnose bis zur Nachsorge zentral zusammengetragen. Diese akribische Dokumentation ist zum einen für die Zertifizierung der Krebszentren durch die DKG notwendig, denn sie erleichtert die Überprüfung der Qualitätskennzahlen. Zum anderen ermöglichen Krebsregister aber auch Aussagen über Therapieerfolge, Nebenwirkungen und den Verlauf von Krebserkrankungen, die wichtige Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien sein können.

Zertifizierte Krebszentren sind zudem in der Regel an einer Vielzahl von klinischen Studien beteiligt, in denen Patienten – sofern sie dem zustimmen – entweder die Standardtherapie oder eine vielversprechende neue Behandlungsoption erhalten. Diese Studien bringen die Forschung voran und haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass viele Krebsarten heute gut zu beherrschen sind. Für Patienten liegt der Vorteil der Studienteilnahme vor allem in der besonders intensiven medizinischen Betreuung verknüpft mit der Hoffnung auf mehr Lebensqualität oder eine höhere Lebenserwartung.

Organisation der DKG-Krebszentren – Kompetenz auf allen Ebenen

Die Versorgung der Krebspatienten in zertifizierten Zentren erfolgt deutschlandweit nach einem dreistufigen Modell. Auf der ersten Stufe kooperieren flächendeckend verschiedene Fachdisziplinen stationär und ambulant in so genannten Organkrebszentren und behandeln Patienten mit den häufigsten Tumorerkrankungen wie Darm-, Lungen- und Prostatakrebs. Auf der zweiten Stufe stehen als regionale Anlaufstellen die Onkologischen Zentren, in denen mehrere und zudem auch weniger häufige Tumorarten unter einem Dach behandelt werden. Ingesamt sind momentan über 680 Standorte von der DKG zertifiziert. Auf höchster Stufe rangieren derzeit zwölf onkologische Spitzenzentren, deren Schwerpunkt neben der klinischen Betreuung von Patienten vor allem in der Forschung liegt. Sie werden von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Nach aktuellem Stand läßt sich heute schon ein Großteil der Brustkrebspatientinnen in einem zertifizierten Zentrum behandeln und profitieren, wie zwei aktuelle Erhebungen zeigen, von der qualifizierten Betreuung. Patientinnen, die an der Befragung teilgenommen hatten, betonten insbesondere die gute Unterstützung, das Vertrauen und die gute Erreichbarkeit der Ärzte sowie des Pflegepersonals in den Zentren.

Generell hat jeder Krebspatient Zugang zu einem von der DKG zertifizierten Zentrum, das seine Tumorart betreut. Die Kontaktaufnahme kann persönlich oder über den Hausarzt bzw. den niedergelassenen Arzt erfolgen.

Hilfreiche Links:


(sm)

 

Quellen:
[1] Deutsche Krebsgesellschaft und Deutsche Gesellschaft für Senologie (Hrsg.): Benchmarking 2011 – Jahresbericht der zertifizierten Brustkrebszentren. 2011.
[2] Deutsche Krebsgesellschaft (Hrsg.): Neue Untersuchungen dokumentieren eine hohe Versorgungsqualität an Brustkrebszentren. Presseinformation, 2011.
[3] Hohenberger, Werner: Welche Ziele verfolgt die Deutsche Krebsgesellschaft mit ihrem Zertifizierungssystem? Presse-Statement, 2011.

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 20.10.2017 17:07