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Personalisierte Krebsmedizin: Für jeden Patienten die richtige Medizin

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Die Begriffe individualisiert, maßgeschneidert, personalisiert oder zielgerichtet in Zusammenhang mit Krebsbehandlung sind heute in aller Munde.
Sie stehen als Synonym für moderne Krebsmedizin - für Therapien, die genau an die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten angepasst sind. Personalisierte oder individualisierte Therapie klingt wie ein Zauberwort - was steckt genau dahinter?

Grundlagen für eine maßgeschneiderte Behandlungsstrategie

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Bekannt ist schon lange, dass nicht alle Patienten gleichermaßen gut auf eine Therapie ansprechen. Das liegt daran, dass jeder Mensch ganz persönliche Besonderheiten bzw. seine ganz eigene genetische Ausstattung aufweist. Das führt dazu, dass auch die gleiche Krankheit bei verschiedenen Menschen unterschiedliche Ursachen aufweisen kann oder dass Medikamente auf verschiedene Art und Weise vom Körper verarbeitet werden. Die unterschiedlichen Krankheitsursachen zu identifizieren und dementsprechend die Behandlung anzupassen, ist Ansatz der personalisierten oder individualisierten Medizin.

Basis der maßgeschneiderten Krebstherapie sind neue diagnostische Methoden wie die molekular-genetische Untersuchung von Tumorgewebe oder Blut. Gesucht wird nach besonderen Veränderungen, die die Tumorzelle charakterisieren und die auch Ursache des Tumorwachstums sind. Diese werden als Biomarker bezeichnet. Hat man diese gefunden, lässt sich die Tumorzelle genau an dieser veränderten Stelle angreifen. Man spricht dann auch von zielgerichteter Therapie (engl. Targeted Therapy). Biomarker erlauben also eine Vorhersage darüber, ob eine bestimmte Behandlungsmethode wirkt und damit eingesetzt werden kann.

Zielgerichtete Therapie: Punktgenau den Tumor angreifen

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Bei vielen Tumorerkrankungen, wie z.B. Brustkrebs, Darmkrebs oder Lungenkrebs, sind schon zahlreiche solcher Strukturen auf den Krebszellen bekannt, die sich gezielt angreifen lassen. Dies unterscheidet diese neue Art der Therapie auch von den bekannten Behandlungen wie Chemotherapie. Bei der Chemotherapie werden eher unspezifisch alle schnell wachsende Zellen angegriffen, so dass auch gesunde Zellen geschädigt werden.
Zielgerichtete Therapie wirken vor allem gegen Moleküle der Tumorzelle, die eine zentrale Rolle beim Tumorwachstum spielen. Durch dieses zielgenaue Eingreifen in die Prozesse der Krebsentwicklung verspricht man sich eine bessere Wirkung auf die Krankheit und geringe Nebenwirkung auf gesunde Körperzellen. Das heißt jedoch nicht, dass moderne Krebstherapien ohne unerwünschte Wirkungen sind. Ein weiterer Vorteil der maßgeschneiderten Therapie ist, dass nur die Patienten eine Behandlung bekommen, bei denen sie hilft und weniger Patienten eine unwirksame Behandlung erhalten.

Welche Methoden kommen in der zielgerichteten Therapie zur Anwendung?

Durch die Veränderungen der Krebszelle werden bestimmte Signale oder Signalwege verstärkt, die das Tumorwachstum und die Tumorausbreitung fördern. Durch die zielgerichteten Therapie werden diese Signale und Signalwege blockiert. Zur Anwendung kommen hierbei:

  • Monoklonale Antikörper, das sind Wirkstoffe, die vom Zelläußeren her verhindern, dass Wachstums- und Vermehrungssignale in der Tumorzelle ankommen
  • Kleine Moleküle“ (engl. Small Molecules) bzw. Tyrosinkinaseinhibitoren dringen dagegen in die Zelle ein und unterbinden hier die Signalkette, die Wachstum und Zellteilung der Tumorzellen anregen soll.

 

Krebszellen fördern zudem zur Sicherstellung ihrer Sauerstoff- und Nährstoffversorgung die Bildung neuer Blutgefäße an. Eine weitere Möglichkeit ist es daher, dem Tumor die Grundlage für Wachstum und Ernährung zu entziehen, indem man diesen Prozess hemmt. Sogenannte Angiogenesehemmer sorgen für eine Minderdurchblutung und damit Unterversorgung von Tumorgewebe.
Bestimmte Wirkstoffe binden auch an Tumorzellen und machen sie dadurch für das Immunsystem „sichtbar“, so dass Immunzellen diese dann gezielt vernichten können.

 

Maßgeschneiderte Krebsmedizin – warum ist vieles noch Zukunftsmusik?

Obwohl es mittlerweile viele Krebsmedikamente gibt, die zielgerichtet und erfolgreich wirken, so zum Beispiel beim Brustkrebs der monoklonale Antikörper Trastuzumab oder das „kleine Molekül“ Lapatinib oder beim Darmkrebs der Angiogenesehemmer Bevacizumab, lassen sich Tumorwachstum und -ausbreitung nicht immer verhindern oder verzögern. Das liegt daran, dass Tumoren häufig so viele Veränderungen aufweisen, dass zum einen noch gar nicht alle bekannt sind oder genau identifiziert werden konnten. Zum anderen gibt es auch noch nicht für alle bekannten Veränderungen geeignete Medikamente. 

Dies bedeutet in der Praxis, dass es zwar schon häufig möglich ist, bestimmte krebsfördernde Moleküle zu blockieren. Dies reicht jedoch aufgrund der Vielfalt der Veränderungen häufig nicht aus, um das Tumorwachstum komplett zu unterbinden. Auch ist es Tumorzellen möglich, über andere Wege sich wieder bzw. weiter zu vermehren. Auch diese Umwege sind häufig noch nicht bekannt. An all diesen Themen wird jedoch zurzeit intensiv geforscht. Experten gehen davon aus, dass durch diese Ansätze in der Krebsmedizin neue Wege beschritten werden können, so dass zukünftig möglicherweise viele Krebsarten geheilt werden können.

(lb)


Quellen:

Dempke, Wolfram: Molekulare Therapie in der Hämatologie/Onkologie, Uni-Med Verlag 2008

Gutzmer, R. & Strumberg, D.: Risiko und Management von Nebenwirkungen zielgerichteter Therapien. Der Onkologe 2013, 19(10):863-869

Siegmund-Schultze, Nicola: Personalisierte Medizin in der Onkologie: Fortschritt oder falsches Versprechen? Deutsches Ärzteblatt 2011; 108(37)

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 10.09.2014

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Aktualisiert am: 27.07.2016 15:23