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Patientensicherheit in der Krebstherapie

Patientensicherheit ist ein Schlagwort, das immer wieder in der Berichterstattung über Krebs auftaucht. Aber was kann man sich darunter eigentlich vorstellen? Dass keine Patientendaten verwechselt werden? Dass Medikamente nicht falsch dosiert werden? Oder denken wir dabei an den Apotheker in Bottrop, der in gestreckten Krebsarzneien das große Geld witterte? Tatsächlich ist Patientensicherheit ein weites Feld. Es reicht von gesetzlichen Bestimmungen über Maßnahmen, die Ärzte und Kliniken ergreifen müsssen, bis hin zur Eigenverantwortung des Patienten.

Ethische Grundsätze

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Patientensicherheit basiert auf ethischen Grundsätzen. Der wichtigste lautet: Das Interesse des Patienten ist dem des Arztes übergeordnet. Zu einer guten Arzt-Patienten-Beziehung gehört auch eine wertschätzende und respektvolle Begegnung zwischen Medizinern und Patientinnen bzw. Patienten. Ebenfalls dazu gehört die gute Aufklärung des Patienten, denn nach Möglichkeit sollten alle Patienten an den Entscheidungen zu ihrer Gesundheit beteiligt werden. Patient sollten die Informationen einfordern, die ihr gesamtes Krankheitsbild betreffen.

Pflegesicherheit

Patientensicherheit ist auch Pflegesicherheit. Probleme gibt es hier immer wieder aufgrund des Mangels an Pflegepersonal. Die Pflegepersonallücke beläuft sich offenbar nicht auf die 35.000 von der Regierung benannten Stellen, Fachkreise sprechen von 100.000 fehlenden Fachkräften. [4] Auf einen Pflegenden kommen also viel zu viele Patienten, denen er oder sie manchmal nur oberflächlich gerecht werden kann. Abhilfe schaffen könnten bessere Rahmenbedingungen für die professionell Pflegenden und ein Sofortprogramm zur Ausbildung der Pflegenden.

Auch Ärzte stoßen an ihre Grenzen. So wie jeder einmal Fehler macht, kann das auch Ärzten passieren, die mitunter 48 Stunden im Krankenhaus verbringen. Das Consulting-Unternehmen Frost & Sullivan rechnete hoch und kam zu dem Ergebnis, dass in den nächsten vier Jahren etwa weltweit 383,7 Milliarden Euro Kostenbelastung für unerwünschte Ereignisse in Sachen Patientensicherheit entstehen werden.  Gemeint sind damit Infektionen, Blutvergiftungen, Medikationssicherheit, Dekubitus, Diagnosefehler, Antibiotikaresistenzen und die Nichteinhaltung von Hygiene-Vorschriften. [6] In Deutschland konnten in den letzten Jahren aber schon Fortschritte in Form von Patientenbündnissen verzeichnet werden. Außerdem wurden in Krankenhäusern und Arztpraxen Fehlermeldesysteme und Qualitätssicherungsmaßnahmen, das Mehraugenprinzip, Checklisten und Leitlinien-gerechte Behandlungsstandards eingeführt. [5]

Immer häufiger eingesetzt werden auch digitale Mittel zur Überwachung und Förderung der Patientensicherheit. Dazu zählen natürlich auch alle technischen Mittel, die eine exakte Diagnose, Kontrolle und Nachsorge ermöglichen.

Eigenverantwortung der Patienten

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Darüber hinaus müssen Patienten sich natürlich auch an den ihnen verordneten Therapie- und Medikationsplan halten.  Besteht von Seiten des Patienten der Zweifel, bestmöglich behandelt zu werden, sollte er keinesfalls eigenmächtig die Medikamenteneinnahme abbrechen. Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Bei Zweifeln oder speziellen Wünschen ist ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder auch einfach das Einholen einer Zweitmeinung zu empfehlen. 

Patientensicherheit in Studien

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Studien bieten die Möglichkeit, ‚frische‘ und vielversprechende Erkenntnisse aus der Forschung schnellstmöglich in der klinischen Praxis zu erproben. Natürlich bringt nicht jede Studie die erwarteten Ergebnisse. Dennoch können Patienten beruhigt werden: Die engmaschige Überwachung der Teilnehmer ermöglicht es, negative Entwicklungen früh zu erkennen. Die Therapie wird dann unter ärztlicher Aufsicht in bewährter Form weiter geführt, sodass so oder so eine sehr gute medizinische Versorgung gewährleistet werden kann.

Eine Besonderheit stellen hierbei jedoch die sogenannten Orphan Drugs dar. Die zur Behandlung von seltenen Krebsarten sehr zeitig zugelassenen Medikamente überspringen einige Studienphasen, um aufgrund von hohem und dringlichem Bedarf schnellstmöglich zum Einsatz zu kommen. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch weniger Belege über Nutzen und Sicherheit der Arzneimittel eingereicht werden müssen als bei einer normalen Zulassung. [7]

In letzter Zeit konnten vermehrt Anläufe, Krebsmittel als Orphan Drugs zuzulassen, verzeichnet werden konnten. Das liegt aber nicht unbedingt im Interesse des Patienten: Wenn immer mehr Mittel auf den Markt kommen, deren therapeutischer Nutzen nicht hundertprozentig gesichert ist, können mit größerer Wahrscheinlichkeit bis dato nicht festgestellte Nebenwirkungen auftreten. Jedes dritte Medikament für seltene Erkrankungen wurde an weniger als 100 Patienten getestet. [7] Um dieses Risiko für die Patientensicherheit zu minimieren, fordert unter anderem die Barmer Krankenkasse  eine Nutzenbewertung der Orphan Drugs im ersten Zulassungsjahr. [7]

An die richtige Adresse geraten

Etwa 15.000 Menschen sterben in deutschen Krankenhäusern jährlich an Infektionen. Damit diese vermieden werden können und keine Risiken für den Patienten entstehen, sollte jedes Krankenhaus ein gutes Infektionsmanagement vorweisen können. Beispielhaft hat das Kompetenzzentrum Mikrobiologie und Hygiene aus Münster ein interdisziplinäres Gesamtkonzept für mehr Patientensicherheit erstellt. Dieses umfasst den Schutz vor Keimübertragung, Infektionsmanagement und damit einhergehend die Infektionsvermeidung. [1] Suchen Sie sich für einen längeren Krankenhausaufenthalt also unbedingt ein Krankenhaus mit einem guten Infektionsmanagement aus!

Auch auf andere Art und Weise können Patienten in falsche Hände geraten: Im Fall einer Krebserkrankung die eigene Gesundheit in die Hände eines Heilpraktikers zu legen hat sich in vielen Fällen als fataler Fehler entpuppt – zumindest wenn die klassische Medizin dabei ausgeklammert wurde. Der Schaden entstand dabei nicht durch falsch verabreichte Therapien, erklärt Jutta Hübner, Fachärztin für innere Medizin, der Ärztezeitung: "Schaden entsteht nicht nur durch aktives Tun. Schaden entsteht auch durch Unterlassen des richtigen Tuns im richtigen Moment. Häufig behandeln Ärzte Patienten, die zuerst einem Heilpraktiker vertraut haben und dann in einer metastasierten Erkrankungssituation nur noch palliativ behandelt werden können". Im März 2018 erschien deshalb eine Leitlinie zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärtern. Sie soll zumindest helfen, ungeeignete Heilpraktiker zu erkennen und Patienten davor schützen, ohne ärztliche Kontrolle ‚therapiert‘ zu werden. [3]

 

 (jk)

 

Quellen:

[1] Aktionsbündnis Patienetensicherheit: Deutscher Preis für Patientensicherheit vergeben. Erschienen in: Heilberufe/ Ausgabe 6/2018. Springer Medizin GmbH. https://www.springermedizin.de/deutscher-preis-fuer-patientensicherheit-vergeben/15781368?searchResult=1.patientensicherheit&searchBackButton=true&fulltextView=true

[2] Bundesministerium für Gesundheit: Bekanntmachung von Leitlinien zur Überprüfung von Heilpraktikeranwärterinnen und -anwärtern nach § 2 des Heilpraktikergesetzes in Verbindung mit § 2 Absatz 1 Buchstabe i der Ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz. 7. Dezember 2017.
https://www.heilpraktikerrecht.com/wp-content/uploads/2018/01/HP-Leitlinien.pdf

[3] Wallenfels, Matthias: Heilpraktiker und die Patientensicherheit. Erschienen in: Ärzte Zeitung online.  22.03.2018. Springer Medizin GmbH. https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/ausbildung/article/960181/aktuelle-debatte-heilpraktiker-patientensicherheit.html

[4] Wagner, Franz: Top-Thema Pflegepersonalmangel. Erschienen in: Heilberufe/ Ausgabe 6/2018. Springer Medizin GmbH. https://www.springermedizin.de/top-thema-pflegepersonalmangel/15781450?fulltextView=true

[5] Heckl, Marlene: Behandlungsfehler: Schweigen wie ein Arzt. Erschienen in: Spektrum.de. 22.08.2018. https://scilogs.spektrum.de/marlenes-medizinkiste/behandlungsfehler-schweigen-wie-ein-arzt/

[6] Patientensicherheit ist ein Wachstumsmarkt. Erschienen: aerzteblatt.de. 03.05.2018. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/94879/Patientensicherheit-ist-ein-Wachstumsmarkt

[7] Thelen, Peter: Das große Geschäft mit dem Krebs. Erschienen in: Handelsblatt. 22-06.2017.  https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/barmer-arzneimittelreport-weniger-belege-ueber-nutzen-und-sicherheit/19966300-2.html?ticket=ST-13949-O7tcPLdFbkMhHEqiexcc-ap3

[8]  Wallenfels, Matthias: Digitale Helfer im Kampf gegen Krebs. Erschienen in: Ärzte Zeitung online. 27.03.2018. https://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/medizintechnik/article/960205/medizintechnik-digitale-helfer-kampf-krebs.html

Letzte inhaltliche Aktualisierung: 15.08.2018

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    Aktualisiert am: 15.11.2018 16:15