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Mobil trotz Krebserkrankung

Auch Krebspatienten wollen oder müssen mobil bleiben – etwa um Arzttermine wahrzunehmen oder um einfach mal Urlaub zu machen. Kann ich trotz der Erkrankung Auto fahren oder sollte ich besser öffentliche Verkehrsmittel benutzen, und wie sieht es mit Fliegen aus? Das fragen sich viele Patienten. Wichtig ist: Es sind viele Dinge zu beachten, um sich selbst und andere nicht zu gefährden.

Unterwegs trotz Krankschreibung: Rechtliche Aspekte

Krankschreibung, Quelle: © STOCKfotos - forolia.com
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Wie mobil darf man als arbeitsunfähiger Krebspatient überhaupt sein ohne Gefahr zu laufen, gekündigt zu werden? Ein Patentrezept zum richtigen Verhalten bei einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit existiert nicht. Natürlich ist es das Ziel, sich während einer Krankschreibung best- und schnellstmöglich auszukurieren. [1] Krebspatienten wird oft frische Luft und Sport empfohlen, sodass das Verlassen des Hauses wesentlicher Bestandteil des Genesungsprozesses ist.

Generell schließen sich auch eine Krankschreibung aufgrund der Krebserkrankung und ein Urlaub nicht aus. Die Faustregel, dass der Arbeitnehmer sich so verhalten muss, dass er seine Genesung nicht gefährdet, kann als Maßstab angesetzt werden. Ob ein Urlaub ratsam ist, sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Gibt dieser grünes Licht, muss sich der Patient eine Genehmigung vom Arbeitgeber holen. Aber Achtung: Das ist ausschließlich in den ersten sechs Wochen möglich, danach ist die Krankenkasse die korrekte Anlaufstelle. Wird dieser Zeitraum versäumt, kann es zum Streichen laufender Zahlungen kommen. Planung ist gefragt!

Zur Chemotherapie und zurück – Verkehrstüchtigkeit

Quelle: © Tomasz Zajda - fotolia.com

Ob ein Krebspatient Auto fahren darf oder nicht, ist vom körperlichen und geistigen Zustand abhängig. Die Beeinträchtigung durch die Chemotherapie ist diesbezüglich nicht zu unterschätzen. Aber auch starke Schmerzmittel, die im Zuge der Supportivtherapie eingenommen werden, können die Verkehrstüchtigkeit einschränken. Gemäß der Fahrerlaubnis-Verordnung ist das Einnehmen von Betäubungsmitteln wie Schmerztabletten eine Ursache möglicher Einschränkungen.  Autofahren ist dann nicht die beste Idee: Im Schadensfall kann es vorkommen, dass die Autoversicherung für die entstandenen Kosten gar nicht oder lediglich teilweise aufkommt. Es ist daher ratsam, das Auto nach der Chemotherapie entweder stehen zu lassen oder auf andere Angebote zurückzugreifen.

Hinzu kommt, dass die individuelle Reaktion auf Medikament schwer abschätzbar ist. Den Beipackzettel zu lesen ist ein Muss, bei einigen Medikamenten wie beispielsweise Cisplatin ist bereits bekannt, dass sie das Reaktionsvermögen beeinträchtigen können. In diesem Fall wäre Autofahren sogar fahrlässig. Aber nicht nur das Autofahren fällt unter Verkehrstüchtigkeit, auch Fahrradfahren, Roller- oder gar Traktorfahren wird maßgeblich vom Reaktionsvermögen beeinflusst. Um sich abzusichern kann der Arzt um ein Attest gebeten werden, welches die Fahrtauglichkeit bestätigt. [2]

Was aber nun? Die Kosten für den Hin- und Rückweg zum Krankenhaus bei einer ambulanten Chemotherapie werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen teilweise übernommen. Das kann beispielsweise eine Taxifahrt oder ein Krankentransportmittel sein. Die Übernahme muss aber ebenfalls im Voraus beantragt werden. Meistens steuert der Versicherte noch eine Eigenbeteiligung zwischen 5 und 10 Euro bei.

Die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen ist ebenfalls eine Möglichkeit der sicheren Fortbewegung. Allerdings können Risiken anderer Art auftreten: Schwächeanfälle, eine eingeschränkte Immunabwehr oder auch starke Nebenwirkungen der Chemotherapie können die Fahrt mit Bus und Bahn erschweren.

Urlaub als Krebspatient

Öffentliche Verkehrsmittel,Quelle: © dglimages - fotolia.com
Quelle: © dglimages - fotolia.com

In den Urlaub zu fahren ist keineswegs tabu für Krebspatienten –  in puncto Entspannung sogar manchmal angebracht. Die Voraussetzung dafür ist jedoch eine stabile körperliche Verfassung, damit die Reise nicht mehr Schaden als Nutzen mit sich bringt.

Als ersten Schritt ist daher das Gespräch mit dem Arzt unerlässlich. Im Zweifel kann er am besten einschätzen, wozu der Patient tatsächlich in der Lage ist. Unbedingt ins Gepäck gehört im Falle eines Auslandsaufenthalts ein mehrsprachiges Zertifikat für die mitgeführten Medikamente sowie die entsprechenden Beipackzettel. Äußerlich auffällige Begleiterscheinungen der Chemotherapie wie das Hand-Fuß-Syndrom können für Irritation sorgen, welche mithilfe der entsprechenden Dokumente schnell geklärt werden können. Das Syndrom ist bisher unter anderem bei der Behandlung mit Sorafenib bei Nierenkrebs, Capecitabin bei Dickdarmkrebs und Docetaxel bei Brustkrebs aufgetreten. [3]

Eine weitere Folge der Krebstherapie kann die erhöhte Thrombosegefahr sein, was beim Fliegen ein in erhöhtem Maße auftretendes Risiko ist. Thrombosen sind kleinere oder größere Blutgerinnsel, die sich in den Adern bilden und einen Gefäßverschluss verursachen können. Bemerkbar macht sich eine Venenthrombose im Bein durch Schmerzen, die bei Belastung stärker werden. [4]

Ob nun geflogen werden darf oder nicht, hängt nicht allein vom Urteil des Arztes ab: Es kann passieren, dass die Fluggesellschaft die Mitreise gar nicht erst gestattet. Sollte es auf dem Flug zu einem Zwischenfall kommen, muss der Patient eventuell sogar für die Folgekosten aufkommen. Versicherungen sind dabei auch keine zuverlässige Hilfe, da bei vorher bekanntem Risiko durch die Erkrankung keine Rückerstattung der Kosten erfolgt. Um sich abzusichern, kommt wieder der Arzt ins Spiel: Nur er kann ein Attest über Flugtauglichkeit ausstellen. [4]

Linktipps

  • gkv-spitzenverband.de- Viele Informationen zum Thema, vom Krankentransport bis zum Versicherungsschutz im Ausland. Konkrete Anfragen Versicherter beantworten die einzelnen gesetzlichen Kassen in ihren Geschäftsstellen oder über ihre Beratungshotlines.
  • Die Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses über die Verordnung von Krankenfahrten, Krankentransportleistungen und Rettungsfahrten, kurz "Krankentransport-Richtlinien", sind abrufbar beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter g-ba.de/informationen/richtlinien/25.
  • Hilfreich und übersichtlich hat der Krebsinformationsdienst ein Informationsblatt zum Thema bereit gestellt: https://www.krebsinformationsdienst.de/wegweiser/iblatt/iblatt-reisen-auto-fliegen.pdf

Letzte inhaltliche Aktualisierung am: 16.11.2017

Weitere allgemeine Informationen zum Thema Krebs:

Aktualisiert am: 13.12.2017 17:19